Posaunenchor-Jubiläum

„Singet dem Herrn, rühmet und lobet, mit Trompeten und Posaunen jauchzet dem Herrn!“

Diese Worte aus Psalm 98 dürfen Jubiläums-Dank sein, denn unser Posaunenchor feierte am 11. Juli 2021 sein 100. Bestehen mit einem Festgottesdienst in der Jakobikirche.

Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Posaunenchorarbeit in Sachsen als Breitenbewegung. Viele Posaunenchöre entstanden in den christlichen Jünglings- und Jungmännervereinen. 1897 wurde der sächsische Posaunenchorverband gegründet.

Auch in Freiberg gab es im Rahmen eines solchen Vereins vor dem Ersten Weltkrieg schon Bläserarbeit. Diese Aufgabe sollte nach dem Krieg wieder aktiviert werden. Aus diesem Anlass fand 1920 das 19. Posaunenfest des Bundes der evangelisch-lutherischen Männer- und Jünglingsvereine Sachsens in Freiberg mit 244 Bläsern statt.

Dieses Posaunenfest war der Auslöser zur Gründung des Freiberger Posaunenchores als Mitglied im sächsischen Posaunenchorverband. In einzelnen Tagebüchern sind die Gründung und folgende Posaunenchoreinsätze dokumentiert. Gründungstag war der 14. Januar 1921. Die Anregung für die Gründung ist Dompfarrer Johannes Thomas zu danken, der bis 1927 hier tätig war. Acht Bläser wurden erstmals genannt, die nun im Posaunenchor des Ev.-luth. Jungmännervereins ihren Dienst taten. Ab 1928 hieß der Chor Christlicher Posaunenchor Freiberg/Sa.
Leiter war von Anfang an Optikermeister Fritz Hensel , der schon seit 1906 zu den Bläsern der Dresdner Frauenkirche gehörte. Die sehr umfangreiche Tätigkeit erstreckte sich damals über alle Kirchgemeinden Freibergs und alle Bereiche des kulturellen Lebens der Stadt.

In einer Pressenotiz des Freiberger Anzeigers und Tageblatts wird z.B. ein Posaunenliederabend am 2. Juli 1926 genannt. Es folgte regelmäßiges Blasen ab 1927 vom Turm der Petrikirche. Auch sind Einsätze zur Unterstützung des Theaters und im Ballhaus „Tivoli“ bekannt. In der FAZ-Ausgabe Nr.52 vom 01.03.1936 wird vom 500. Turmblasen (!) berichtet. Vielfach nahmen die Chormitglieder auch am Jubiläumsblasen benachbarter Chöre, an Ephoral- und Kreisposaunenfesten teil.

Nach schwerer Zeit des Zweiten Weltkriegs und manchem Umbruch auch in den Kirchgemeinden gab es 1946 einen Neuanfang mit der Anbindung des Posaunenchores an die Kirchgemeinde St. Jakobi. Diakon Herbert Eckardt war der Initiator.
1948 übernahm Friseurmeister Richard Klatte, als Umsiedler nach Freiberg gekommen, die Leitung von 14 Bläsern. Umsiedler, Mitglieder der Landeskirchlichen Gemeinschaft und der evangelischen freikirchlichen Gemeinde (Methodisten) waren in diesen Jahren Stützen des funktionierenden Chores. Die Bläserarbeit belebte in vieler Hinsicht das Kirchgemeindeleben. Während einer Orgelreparatur 1954 war der Posaunenchor für vier Monate sonntags Gestalter der Kirchenmusik. In den Aufzeichnungen ist nun auch erstmals eine Bläserin aufgeführt.

Öffentliche Auftritte wurden von staatlicher Seite in den 50er und 60er Jahren oft argwöhnisch betrachtet und zunehmend reglementiert. So war in der Weihnachtszeit 1955 ein Bläsergruß im Gefängnis Beethovenstraße erst nach Verhandlungen möglich, während Auftritte im Krankenhaus von der Leitung beharrlich abgelehnt wurden. Bemühungen, am Dom und an St. Nikolai Posaunenchöre aufzubauen, scheiterten. An St. Petri aber kam es zur Gründung eines weiteren Posaunenchores.

Ab 1955 gestalteten Bläser des Jakobichores regelmäßig den Waldgottesdienst in Niederschöna mit. Der Pfarrwald war Kirchenterritorium und so war keine Auftrittsgenehmigung erforderlich. Kein Bläser verfügte in den ersten Jahren über ein motorisiertes Fahrzeug, der Linienbus wurde genutzt.

Posaunenfeierstunden zur Jahreslosung gehören zum festen Jahresprogramm und sind außer in Jakobi auch in St. Petri, Kleinwaltersdorf, Kleinschirma und Hilbersdorf belegt. Wiederholt wurden auch Gottesdienste in Berthelsdorf ausgestaltet.

1971 feierte der Posaunenchor sein 50. Jubiläum in einem Ephoralposaunenfest. Das Glückwunschschreiben der Posaunenmission überbrachte Landesposaunenpfarrer Siegfried Fritz.


Ab 1977 war Heinz Wegehaupt neuer Chorleiter und spielte selbst bis 1995 im Chor mit.
Gottfried Krüger übernahm bereits 1990 die Leitung des Posaunenchores.

Mit dem Chorleiterwechsel wurde auch immer wieder eine qualitative Steigerung in Gestaltungsmöglichkeit und Ausstrahlung sichtbar. Fortbildungsangebote der Landesposaunenwarte wurden dafür rege genutzt. 1992 wurde der Posaunenchor Mitglied der Sächsischen Posaunenmission e.V., in der sich ca. 430 Chöre vereinigen.

In Festmusiken, z.B. zur 800-Jahrfeier der Stadt Freiberg (1986) oder zum Bachfest (2007), war auch die Mitwirkung des Posaunenchores gefragt. Beim jährlichen Christmarkt sind Bläserinnen und Bläser des Chores ebenfalls vertreten. Posaunengottesdienste werden im Sommer und am 3. Advent, neben dem Blasen zum Ewigkeitssonntag, zur Tradition. Die „Nacht der Freiberger Kirchen“ bietet auch Gestaltungsspielraum für unseren Chor. Sechs Mitglieder wirken langjährig im Bläserkreis Freiberg mit, der in den 90er Jahren durch die Posaunenmission als Fortbildungs- und Konzertchor gegründet wurde.

Am 3. Advent 2016 übernahm Rüdiger Albrecht die Leitung des Posaunenchores. Im aktuellen Posaunenchor der Ev.-Luth. Jakobi-Christophorus-Kirchgemeinde vereinen sich ca. 15 Frauen und Männer als Stammbläser aus allen Freiberger Kirchgemeinden und aus benachbarten Orten. Belebend dabei ist auch die Mitwirkung von Studierenden in unserem Chor. Das Wirken über die Grenzen der eigenen Kirchgemeinde hinaus knüpft heute an das ursprüngliche volksmissionarische Blasen an, wie es schon in früheren Bläserausweisen formuliert war: „Ihr werdet meine Zeugen sein.“ Damit sieht sich der Posaunenchor auch nach 100 Jahren ganz in der Tradition des ersten Posaunenchores der Stadt Freiberg, indem er das „Soli Deo Gloria“ mit wohlklingendem Blech in den Kirchenräumen und in der Öffentlichkeit verkündet. Vielseitig ist dabei die Nutzung entsprechender Klang- und Gestaltungsmöglichkeiten - vom Choral über das Volkslied bis zu anspruchsvoller barocker und zeitgenössischer Bläserliteratur.

Mit Gottes Segen und Freude dem Chor weitere erfüllte Bläserarbeit!

Anmerkung:
Die Aufarbeitung einer hundertjährigen Geschichte kann nicht allumfassend erfolgen. Sichtweisen und Schwerpunktsetzungen einzelner Betrachter auf das Geschehene sind erkennbar. Wenn mancher Zeitabschnitt auch nur lückenhaft nachzuvollziehen ist, so wollen wir doch Sicht- und Hörbares vor dem Vergessen bewahren.

Gottfried Krüger und Michael Albrecht


Probezeiten

Wir proben jeden Donnerstag von 19:30 - 21:00 Uhr im Gemeindehaus Dresdner Str. 3.

Kontakt

Rüdiger Albrecht
03731 202352

ruediger_albrecht@icloud.com



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