Seit vielen Jahren erscheinen in unserem Gemeindeblatt "Gemeinde aktuell" Interviews von Menschen, die von ihrem Glauben an Gott erzählen. Inzwischen ist eine beachtliche Sammlung ermutigender Zeugnisse entstanden. Hier finden Sie Nr. 61-80:



75

Es ist gut, das zu tun, was Gott sagt

Unser Pfarrer Daniel Liebscher hat Carolin Erler interviewt, die schon fast sechs Jahre in Freiberg wohnt. Vor einem Jahr haben wir sie im Gottesdienst für ein halbes Jahr nach Uganda/Afrika verabschiedet. Längst ist sie zurück, und es ist Zeit, mal etwas von ihr zu hören und sie näher kennenzulernen.

Caro, wie und wann bist du nach Freiberg und in unsere Gemeinde gekommen?

Ich bin in Oederan aufgewachsen, wo ich auch in der Kirchgemeinde sehr aktiv gewesen bin. Nach meiner Ausbildung zur Pharmazeutisch-technischen Assistentin habe ich in Flöha eine Arbeit gefunden. 2013 bin ich mit meinem Freund Björn nach Freiberg gezogen, wo er sein Studium begonnen hat. Seitdem gehöre ich auch zu Jakobi. Elke, eine Freundin aus Oederan, hat mich oft (vergeblich) zur JG eingeladen und ist mit mir zum PROMISE und in andere JuGos der Umgebung gegangen, aber mein Kontakt zur Gemeinde war leider sehr lange viel zu sporadisch. Das ging dann eben auf Kosten meiner Beziehung zu Gott und anderen Christen, was mir in dem Moment sehr bequem erschien, aber was ich im Nachhinein sehr schade finde.

Wie hat sich das denn geändert?

Gott hat mich festgehalten und sich intensiv um mich bemüht. Als Björn einen Motorradunfall hatte, habe ich erst funktioniert, und dann wurde ich selber krank. Für mich war das ein großes Stopp von Gott. Ich habe über vieles im Leben nachgedacht, z.B.: Wozu bin ich auf dieser Welt? Wofür arbeite ich? Etwa für eine teure Hochzeit, einen Urlaub, ein hübsches Haus mit Garten? Im Gottesdienst in der Jakobikirche hat Gott mich ganz plötzlich an etwas erinnert. Als ich 14 Jahre alt war, habe ich das erste Mal Maria Prean mit dem Kinderchor aus Afrika erlebt und spontan gesagt: Mama, da will ich mal hin! Ich habe danach nur ab und an noch an dieses Vorhaben gedacht, z.B. nach Beendigung der Schule und nach der Ausbildung. Als meine Beziehung zu Björn entstanden ist, habe ich noch gesagt: Ich will erst mal meine Ausbildung machen und vielleicht danach ins Ausland gehen. Aber ich habe das dann alles wieder vergessen. Es kam die erste eigene Wohnung, Urlaube, Konzerte; man konnte sich halt etwas leisten …

Doch dann hat Gott dich daran erinnert, und was hast du da gemacht?

Ich habe diesen Wink des Himmels ernst genommen und im Netz gegoogelt, ob es die Organisation von Maria Prean noch gibt. Dort ist mir sofort der Button „Werde aktiv“ ins Auge gesprungen. Ich habe gleich angefangen, alles durchzuplanen, denn genau das und dort in Uganda sollte es sein. Doch was ist mit Björn, der Arbeit, den Kosten, der Zeit?! Es hieß zunächst: sieben Wochen Praktikum in Imst in Österreich. Alles hat wunderbar geklappt; auch mein Chef hat mir vieles möglich gemacht. Genau für die sechs Monate konnte eine Praktikantin gefunden werden, und Björn wurde nach dem Studium an der Uni angestellt und konnte die Wohnung alleine bezahlen. Gott hatte alles vorbereitet!

Wie hast du Gott dabei erlebt?

Gott hat mich an meinen Taufspruch, den Psalm 23, erinnert und mir ganz klargemacht, dass er mich wirklich führt und begleitet. Das hat er mir ganz praktisch bei einer Wanderung in Österreich gezeigt: Wo ich auch wandere, ich brauche keine Angst zu haben. Ich kann mit Gottvertrauen leben. Das hat er mir zugesprochen, und das hat mein ganzes Leben bisher geprägt. Ich habe erlebt, dass es gut ist, das zu tun, was Gott sagt - auch wenn es ein Volontariat direkt vor den Hochzeitsvorbereitungen ist …

Du bist also wirklich erst mal für sechs Monate nach Afrika geflogen. Was war dein erster Eindruck?

Es war dunkel, schwül und unser Fahrer ist unheimlich wild gefahren. Es war mir ein großer Trost, dass noch ein Deutscher dabei war. Dann musste ich akzeptieren, dass vieles nicht so kam, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich dachte, ich werde aufgrund meines Berufes und meiner Erfahrungen vielleicht in der Klinik oder im hauswirtschaftlichen Bereich eingesetzt. Aber ich kam direkt zu den Kindern und musste erst mal einiges lernen. Ich hatte angenommen, dass ich mit meinem wenigen Englisch nicht dafür geeignet bin und bestimmt keine Respektsperson darstelle.

Wie konntest du dich dann auf die Herausforderung einlassen?

Das war eigentlich ganz lustig: Ich durfte einen anderen Volontär aufmuntern, der in der Töpferei gelandet war. Ich konnte ihm sagen, dass wir hier sind, um fürs Leben dazu zu lernen, Gott zu dienen und Gehorsam zu üben. Auch wenn es Dinge sind, um die wir vielleicht gern einen Bogen gemacht hätten. Und genau diese Worte galten auch für mich beim Umgang mit den Kindern; so hat sie Gott zu mir gesprochen.

Und wie hat es für dich funktioniert?

Richtig gut. Ich konnte lernen, die Kinder zu lieben. Das beginnt zu allererst mit der Entscheidung, dass ich das auch will. Mit dem täglichen Gebet, die Kinder durch die Augen Gottes zu sehen, hat sich meine Herzenseinstellung ganz schnell verändert, und ich wurde prompt Leiter der Daycaregruppe.

Wie sah dein Tagesablauf etwa aus?

Wir haben den Tag gemeinsam mit einer Andacht und Frühstück begonnen. Danach ging es zu den Kindern, wir haben sie in den Kinderhäusern abgeholt. Ich arbeitete mit Kindern zwischen neun Monaten und drei Jahren. Das waren Kinder der Mitarbeiter und Kinder, die keine Familie mehr haben oder wo sich niemand um sie kümmern kann. Es gab verschiedene Programme wie spielen, basteln oder baden, aber das wichtigste ist die Aufmerksamkeit. Wenn du Kindern dort etwas vorliest, dann ist es für sie wie Weihnachten. In Uganda gibt es kaum Bücher, und sie kennen diese Lesekultur wie bei uns überhaupt nicht. Wir legen mit unserer Arbeit ganz viele Grundlagen für die Bildung, sodass die Kinder schon vor der Vorschule Englisch lernen und durch einfachste Spielereien und Zuwendung besser in der Schule zurechtkommen. Außerdem werden die Pflegemütter durch uns Volontäre/Freiwillige sehr entlastet.

Was hast du noch erlebt?

Ich kann gar nicht alles zusammenfassen, so viel habe ich erlebt. Eine sehr wichtige Erfahrung war es für mich, als ich mit zwei weiteren Volontären zusammen die Vertretung der Leitung der Volontäre übernehmen durfte. Da habe ich gelernt, dass nicht ich, sondern Gott selbst die Verantwortung trägt. Das muss mir bewusst sein, und ich bin auf die Verbindung mit ihm angewiesen, darin liegt unsere Autorität. Ich bin mit diesen Herausforderungen über knapp zwei Monate gewachsen. Das betrifft jeden von uns, jeden auf seine Weise, und wir haben uns gut ergänzt: Einer hat die Ruhe bewahrt, der andere eine Erfahrung eingebracht, der dritte hat uns zum Gebet gerufen, sodass wir alles mit Gott gemeistert haben.

Wenn du an die Zeit und die Arbeit dort denkst, was bewegt dich da am meisten?

Das ist eigentlich eine bedeutende Erkenntnis in einer oft genannten Frage: Lohnt sich denn diese Arbeit und die Hilfe? Sind es nicht Tropfen auf einen heißen Stein, wenn nur eins oder zwei Kinder aus einer Familie mit acht Kindern die Möglichkeit für Bildung bekommen? Die Antwort bewegt mich sehr: Alles, was ein einzelner erfährt, kann eine positive Kettenreaktion auslösen. Das Glück und die Dankbarkeit, die einer erlebt, wird er auch weitergeben. Es nützt der ganzen Familie, und es verändert die Gesellschaft des Dorfes, der Stadt und des ganzen Landes. Vielleicht wird aus diesem Kind einmal ein Unternehmer, Lehrer oder sogar Politiker. Und er wird in dieser Funktion gute Werte vertreten und vermitteln, weil er erfahren hat: Du kannst etwas werden. Diese Erkenntnis kann er dann an viele weitergeben.

Inwiefern bist du verändert zurückgekommen, und was ist dir jetzt besonders wichtig?

Ich bin offener für Kinder geworden. Mir ist die Abhängigkeit von Gott viel bewusster in allen Situationen, sodass ich ihm alles gebe, ihm vertraue und ihn vor allem frage. Unbedingt das gemeinsame Gebet und den Austausch z.B. im Hauskreis, auch dass wir das Hören auf Gott üben, finde ich mega wichtig. Auch für meine Beziehung ist mir das sehr wichtig. Ich habe mir z.B. die Schabbatfeier aus Afrika mitgebracht, mindestens einmal in der Woche zu ruhen, gemeinsam zu beten und für Gott offen zu sein. Ich merke, dass sich Dinge einfach verändern, und das gibt mir Kraft bei unerwarteten Schwierigkeiten. Ich suche meinen Platz in der Gemeinde, das will ich nicht wieder vernachlässigen. Ich bin so dankbar für die Gemeinde, ich genieße die Harmonie, das ausgewogene Miteinander der Generationen, wo auch die Jugend etwas einbringt. Man kann die Gemeinde wachsen sehen und das Potential; man merkt: Es geht weiter!

Danke, Caro. Du darfst die Gelegenheit nutzen, uns etwas anzubieten.

O.k., ich möchte gerne in der Gemeinde die Arbeit von Vision für Afrika vorstellen. Durch die Besuche des Kinderchores ist sie ja nicht für alle neu. Das Hauptanliegen von VfA sind Patenschaften, denn mit dem Geld können Kinder versorgt werden und bekommen die Möglichkeit zu Bildung. Ich persönlich habe ein Projekt auf dem Herzen, das ich in Uganda mit weiteren Volontären begonnen habe. Hygieneartikel sind in Afrika sehr teuer und für viele überhaupt nicht erreichbar. Dazu habe ich gerade in diesen Tagen noch einmal eine Anregung direkt aus Afrika bekommen. Mir ist besonders die Aufklärungsarbeit sehr wichtig. Außerdem will ich demnächst eine weitere Lieferung von Menstruationstassen nach Afrika schicken, die dort bei Aufklärungsprojekten von VisionStar verteilt werden.

Liebe Caro, vielen Dank für diese spannenden Einblicke in deine Erfahrungen. Schön, dass wir dich in unserer Gemeinde erleben dürfen. Wir wünschen dir und Björn eine schöne Hochzeit im August und Gottes Segen, dass ihr weiter gemeinsam nach ihm fragt und seine Antwort erlebt.



74

Für mich war wichtig zu schauen: Was legt mir Gott vor die Füße?

Rückblick auf die Dienstzeit von Margitta Richter

Als Zeichen unserer großen Dankbarkeit und Anerkennung für die vielen Jahre Dienst in unserer Kirchgemeinde stellte ihr unser Pfarrer Daniel Liebscher einige Fragen.

Wenn du auf über 40 Dienstjahre zurückschaust, wofür bist du besonders dankbar?

Dass Gott mir immer wieder die Kraft gab, die vielfältigen Aufgaben zu bewältigen und viele Menschen mit Wohlwollen meinen Dienst begleiteten.

Du hast zunächst Krankenschwester gelernt und dich dann noch für den kirchlichen Dienst ausbilden lassen. Was hat dich dazu bewogen?

Es war schon sehr lange mein Wunsch, Gemeindepädagogin zu werden. Unser Kantor, Dietmar Schwalbe, bei dem ich die Christenlehre besuchte, hat durch seine Arbeit in mir zum ersten Mal diesen Wunsch geweckt.

Deine Ausbildung in der Malche hat dich stark geprägt. Kannst du uns deine besondere Verbindung dahin bis heute etwas näher erläutern?

Die Ausbildung im Missionshaus Malche hat mir ganz Wesentliches mit auf den Weg gegeben. So wurde uns neben gründlichen biblisch-theologischen Grundlagen auch der Reichtum der kirchlichen Liturgie weitergegeben und die Liebe zur weltweiten Kirche in uns geweckt. Aber es war nicht nur ein Studium, sondern auch eine Lebensgemeinschaft. Wir waren in das geistliche Leben der Schwesternschaft eingebunden. So trat ich dann auch in die Schwesternschaft ein, weil sie mir zur Heimat geworden ist. Heute gehöre ich zum Vorstand des Malchewerkes und bringe mich dort mit ein. Es ist mir ein großes Anliegen, dass dieses geistliche Werk erhalten bleibt und noch vielen Menschen zum Segen wird. Einige aus unserer Gemeinde konnten ja bereits das Malchetal kennen lernen. Derzeit wird die dortige Kirche saniert. Weil das Werk dafür dringend Geld benötigt, würde ich mich zu meiner Verabschiedung, statt über Geschenke, über eine Spende für die Baumaßnahmen freuen.

Du hast in verschiedenen gesellschaftlichen Zeiten als Gemeindepädagogin vor Ort gearbeitet. Wie betrachtest du das im Rückblick?

Jede Zeit hatte ihre Vor- und Nachteile. In der DDR-Zeit war man stark aufeinander angewiesen. Man brauchte den Rückhalt der anderen, z. B. wenn es darum ging, als Christ seinen Weg zu gehen und sich nicht der staatlichen Doktrin unterzuordnen. Das brachte Zusammenhalt. In die Gemeinde integrierte Eltern schickten natürlich ihre Kinder zur Christenlehre. Heute gibt es so viele Angebote, dass das keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Nach 1989 kamen viele Freiheiten. Wir konnten völlig neue Arbeitsfelder erschließen. So begannen wir z. B. 1991 mit den Frühstücks-Treffen für Frauen hier in Freiberg. So etwas war doch früher nicht denkbar: christliche Verkündigung in der Öffentlichkeit eines Restaurants!

Wie war es für dich, als du selbst kleine Kinder hattest?

Das war herausfordernd! Aber gleichzeitig auch eine Chance: Ich sah jetzt vieles aus einer neuen Perspektive. So begann ich damals beispielsweise, einen Eltern-Kind-Kreis aufzubauen, gemeinsam mit Katrin Emrich. Natürlich musste ich mit zwei kleinen Kindern gut organisieren, um alles bewältigen zu können. Ohne die Hilfe der Großeltern wäre das kaum gegangen. Mein Mann arbeitete damals bereits auswärts. Ich konnte allerdings meine Arbeitszeit reduzieren. Es war mir wichtig, auch Zeit für meine Kinder zu haben.

Wie haben sich die Aufgaben in deinem Dienst verändert? Welche Dinge waren dir besonders wichtig?

Beschränkte sich mein Arbeitsfeld zu Beginn auf Christenlehre und Familienarbeit, erweiterte es sich im Laufe der Jahre. Für mich war wichtig zu schauen: Was ist heute dran? Was legt mir Gott vor die Füße? Wo gibt es eine Lücke, die gefüllt werden sollte? So begann ich z. B. mit den Frauenverwöhnwochenenden, den Seniorentagen und -rüsten, dem Kreativtreff, dem Frauentreff und manch anderem. Nach dem Weggang von Herrn Aßmann übernahm ich auch das Seniorensingen. Und natürlich kam das weite Feld des Religionsunterrichtes hinzu.

Das ist sehr vielfältig und aufwendig; wie hast du das alles geschafft? Was hat dir geholfen, Mut gemacht, dich besonders gefreut?

Eine morgendliche Stille vor Gott gab mir Kraft und Durchhaltevermögen für den Tag. Und ich habe durch meine Beheimatung in der Malche immer wieder Auszeiten vom Alltag und geistliche Ausrichtung erleben können. Natürlich gehörten auch langfristige Planung, das Setzen von Prioritäten und ein gutes Zeitmanagement dazu. Und manchmal muss man einfach mit dem Unvollkommenen leben.

Welchen Ausgleich hast du zu deiner Arbeit und dem Dienst gefunden?

Das war zum einen meine Familie, aber zum anderen auch die Begegnung mit weiteren mir nahestehenden Menschen. Viel Freude habe ich schon seit Kindheitstagen beim Lesen und Gestalten. Das Singen im Domchor ist für mich ein großer Gewinn.

Was ist deine Sicht zum Religions-unterricht in der Schule?

Ich bin dankbar, dass es den RU gibt. Die Kinder eignen sich viel Wissen an; mehr, als das in der Christenlehre geschieht. Sie lernen nicht nur biblische Texte, sondern auch geistliche Wahrheiten kennen und bekommen Einblicke in die Vielfalt menschlichen Lebens. Zu den Gruppen gehören nicht nur Kinder, die in die Gemeinde integriert sind. Viele erstaunliche Gespräche kann ich mit ihnen führen. Und da bereichern sich die unterschiedlichsten Kinder gegenseitig mit ihren Gedanken, die sie aus ihrer jeweiligen Lebenswelt einbringen. Es geschieht Lernen fürs Leben.

Welche Vorteile hat die Christenlehre in der Gemeinde?

Durch die Christenlehre werden die Kinder in die Gemeinde hineingenommen, üben sich im geistlichen Leben ein. Hier wird Glauben miteinander erprobt. Höhepunkt des Jahres war immer das Krippenspiel. Aber auch die Kinderkirchennacht, der Kreuzweg und verschiedene andere Projekte bereicherten das Miteinander.

Was wünschst du unserer Gemeinde für die Zukunft?

Dass sie eine Gemeinde der Weite wird, wo Menschen mit sehr verschiedener geistlicher Prägung auch ihren Platz finden; wo die Generationen einander bereichern – und dass sie eine lernende Gemeinde ist, die weiß, dass sie sich auf dem Weg befindet.

Worauf freust du dich im Ruhestand besonders?

Dass ich mehr Freiräume habe. Es gibt so vieles, was ich schon lange gern getan hätte, was aber aus Zeitgründen nicht möglich war. Und dann freue ich mich natürlich auf Zeit zum Reisen (endlich auch außerhalb der Ferien!) und auf Zeit für Kontakte mit mir wichtigen Menschen.

Wie würdest du dich gerne weiter in der Gemeinde oder woanders engagieren?

Jetzt endet erst einmal meine Dienstzeit, und ich gönne mir eine richtige Auszeit. Danach entscheide ich, wie es weitergeht. Wer mich kennt, kann sich denken, dass ich natürlich schon einiges im Blick habe, aber das bleibt vorerst mein Geheimnis!

Liebe Margitta, vielen Dank; nicht nur für deine Antworten, sondern für alles, was du in den vielen Jahren deines Dienstes gegeben hast; besonders immer wieder neu den Kindern. Viele werden ihre ersten Erfahrungen mit Gott verbinden, mit den vielen Geschichten aus der Bibel, die du ihnen erzählt hast. Und viele werden sich gerne erinnern, wie du mit den Kindern die frohe Botschaft verkündigt hast, nicht nur bei den Krippenspielen zu Weihnachten. Dankeschön, und Gott segne dich dafür. Wir wünschen dir in der kommenden Zeit viel Freude und Gesundheit für alles, was du gerne tun möchtest.



73

Mich begeistert, wenn Menschen entdecken, was Gott in sie hineingelegt hat

Jessica Lohse, Abiturientin am Bernhard-von-Cotta-Gymnasium Brand-Erbisdorf, ist Mitarbeiterin in der Jungen Gemeinde und im PROMISE-Team. Frank Herter traf sich mit ihr zu einem Interview.

Jessica, wie bist du zum Glauben gekommen?

Ich war schon seit meiner Kindheit ab und an in der Gemeinde. Durch den Konfi-Unterricht 2014/2015, durch Rüstzeiten und durch die JG bin ich dann richtig zum Glauben gekommen. Das geschah dadurch, dass ich Gottes Wirken erkannt habe, aber auch durch andere Christen, die mir den Glauben überzeugend vorgelebt haben.
Sie haben mich angenommen wie ich bin. Sie hatten eine andere Freude, eine andere Hoffnung und einen anderen Umgang miteinander, als ich es kannte. Dadurch habe ich verstanden, dass der Glaube etwas mit mir zu tun hat; dass dieser Gott auch mich meint und sein Rufen eine Antwort verlangt. Auf einer Rüstzeit habe ich dann bewusst einen Start mit Gott gewagt, weil ich erkannte, dass Jesus die Erfüllung ist, nach der ich lange gesucht habe und dass er es wert ist, ernsthaft und entschieden für ihn zu leben. Früher war ich sehr, sehr schüchtern und ängstlich. Seit ich angefangen habe, an Gott zu glauben und mit ihm zu leben, habe ich gemerkt, wie er mir immer mehr Wert zugesprochen und mir durch seine Kraft und seinen Beistand Angst genommen hat. Ich habe Mut bekommen und konnte mit Gott Dinge überwinden. Durch Jesus bin ich offener, freier und fröhlicher geworden. Und er verändert mich weiterhin.

Wer ist Jesus für dich?

Jesus ist Leben. Damit meine ich, dass er das Wichtigste, der Sinn und der Grund in meinem Leben ist. Und er ist es, der mir Leben gibt, im Gegensatz zum bloßen Existieren. Aber auch Leben in dem Sinn, dass er auferstanden ist, dass kein Platz mehr für Tod und Sünde ist. Er ist das Leben in Fülle und der Weg zum ewigen Leben.

Was sind deine Hobbys?

Ich bin gern in der Gemeinde mit anderen Jugendlichen aktiv. Außerdem betreue ich ein Flüchtlingskind. Ich mag Schauspiel in der Schule oder im PROMISE. Nebenbei spiele ich noch Akkordeon in einem Orchester.

Was begeistert dich?

Mich begeistert, wenn Menschen entdecken, was Gott in sie hineingelegt hat und dann anfangen, diese Gaben mit Gott zu entfalten, ihm damit zu dienen und ihn zu ehren. Wenn sie beginnen, auf Gott zu blicken und seine Perspektive, seinen Plan für sich, für andere und die Welt erkennen. Und mich begeistert, wenn ich Leute bei diesem Prozess unterstützen kann.

Was macht dich traurig?

Genau das Gegenteil: Wenn Leute nicht sehen, dass sie wertvoll sind und denken, dass sie nicht geliebt werden. Mich macht traurig, wenn sie so viele Lügen glauben und nicht annehmen können, was Jesus über sie sagt und für sie getan hat. Und deshalb das Leben verpassen, das Jesus für sie bereithält.

Du bist Mitarbeiterin in der JG und im PROMISE-Team. Warum liegen dir Jugendliche so sehr am Herzen?

Weil ich selber jugendlich bin. Und weil es auch Leute sind, von denen ich umgeben bin und die mir am Herzen liegen. Ich denke, es gibt nichts Besseres, als das Leben mit Gott schon früh zu starten. Gnädigerweise durfte ich das, und ich wünsche es mir ebenso für andere. Gerade auch deshalb, weil das Teenager-Alter eine schwierige und umkämpfte Zeit ist, wo viele Jugendliche an sich und allen anderen zweifeln. Ich liebe es, ihnen in dieser Situation Jesus zu zeigen, damit sie auch neue Hoffnung, Orientierung und Halt bekommen.

Du kommst gerade von einem ökumenischen Jugendcamp aus Israel zurück. Was sind deine Eindrücke von Israel?

Für mich war es ein großes Privileg, die Orte und die Kultur kennenzulernen, wo Gott so großartig gewirkt hat, jetzt noch wirkt und weiter wirken wird. Ich habe schon immer gewusst, dass Jesus wirklich Mensch war. Doch seit dieser Reise auf seinen Fußspuren ist mir richtig bewusst geworden, dass Gott tatsächlich als Mensch existiert hat. Diese Erkenntnis ist sehr faszinierend. Sehr gut haben mir der Garten Gethsemane in Jerusalem und der See Genezareth gefallen. Nicht so gut fand ich die touristische Vermarktung der biblischen Orte. Ein besonderer Höhepunkt war die Sabbatfeier in unserem Camp.

Wie sieht deine tägliche Stille Zeit mit Jesus aus? Wie bleibst du an Jesus dran?

Ich versuche, in einem inneren Gespräch mit Jesus zu bleiben und alles mit ihm zu teilen: Dankbarkeit, Anbetung, Klage, Fürbitte und einfach stille Zeit vor ihm. Dann lese ich jeden Tag zusammen mit Freunden in der Bibel und tausche mich mit ihnen aus. Das geschieht, wenn wir uns treffen, aber auch per Telefon oder Whatsapp. Wir beten miteinander und ermutigen uns gegenseitig im Glauben. Natürlich will ich auch durch die JG und verschiedene wöchentliche Kreise oder auch durch Predigten, z.B. im Internet, an Jesus dran bleiben.

Gab es in deinem Leben auch geistliche Durststrecken?

Ja, ich hatte immer mal wieder Zeiten, wo es schwer war, an Gott dran zu bleiben. Dann haben mir Freunde geholfen, mit denen ich beten konnte. Wichtig ist dabei vor allem Ehrlichkeit, Sünden zu bekennen und das Wissen, dass ich mich vor Gott nicht zu verstecken brauche. Und Gott zu loben, obwohl ich grad keinen Grund dafür sehe; einfach zu vertrauen, dass er gut und souverän ist.

Welchen Rat gibst du Jugendlichen, die mehr von Jesus und dem Heiligen Geist erfahren wollen?

Sucht euch eine Gemeinde und habt Gemeinschaft! Lest gute christliche Bücher! Hört euch gute Predigten im Internet an! Vor allem aber sucht Gott ganz persönlich! Lest selber die Bibel und betet! Und fahrt auf Rüstzeiten, besucht Jüngerschaftsschulen, sucht Mentoring oder Zweierschaften! Das hat mich am meisten geprägt.

Und was rätst du Jugendlichen, die unter der Ablenkung durch die Medien (Smartphone, Internet, Spiele) leiden?

Diesen Rat würde ich auch gerne kennen (lacht). Ich suche immer noch danach.

Welcher Bibelvers ist dir besonders wichtig?

Philipper 2,13:
Denn Gott ist's, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen.
Dieser Vers hat mich am meisten geprägt in meiner Nachfolge, weil er sagt, dass alles an Gott liegt und nichts an mir. Das ist einerseits ermutigend, weil es mir den Druck wegnimmt - diesen Leistungsstress, etwas vollbringen zu müssen. Aber andererseits ist es eine Herausforderung, die mir zeigt, dass ich demütig sein muss und es nicht meine Sache ist. Gott macht das, und ich darf ihm die Kontrolle geben. Diese beiden Seiten finde ich sehr spannend.

Was schätzt du besonders an unserer Gemeinde?

Mir gefallen die Gottesdienste, weil so viele Leute involviert sind. Dass man mit allen gut ins Gespräch kommen kann. Mir gefällt der liebevolle und persönliche Umgang, dass aufeinander geachtet wird. Ich finde es auch cool, dass die Gemeinde verschiedene Aktionen hat und nach draußen geht. Dass sie ernst nimmt, was Gott sagt und nicht nur für sich bleibt.

Wenn du an unserer Gemeinde etwas verändern könntest, was würdest du tun?

Ich würde mir noch mehr Austausch zwischen Jung und Alt wünschen. Wir haben das in der JG angefangen, und ich habe gespürt, wie gut das war und wie viel wir voneinander lernen können. Ich denke, es sollte uns Jugendliche dazu bewegen, dass wir uns den Älteren mehr unterordnen, wie es in der Bibel steht. Wir können viel von ihrer Weisheit und ihren Erfahrungen mit Gott lernen. Ich fände es cool, wenn noch mehr Begegnung in dieser Richtung gesucht würde.

Welche Bedeutung hat die Passionszeit für dich? Und wie feierst du Ostern?

Ich versuche, noch mehr zu realisieren und ernst zu nehmen, was Jesus für mich getan hat, und Dinge in meinem Leben „aufzuräumen“. Aber vor allem, ihm zu danken für seinen Sieg am Kreuz und seine Auferstehung. Sehr cool finde ich den Lobpreisabend am Karfreitag in Annaberg, wo gefeiert wird, was Jesus vollbracht hat.

Wie geht dein Weg nach dem Abitur weiter?

Ich werde im Sommer Praktika machen und danach Soziale Arbeit studieren.

Vielen herzlichen Dank für das offene Gespräch.




72

Ich will Menschen dienen

Maximilian Sonntag ist verheiratet mit Barbara und stolzer Vater von Daniel (2). Er ist von Beruf Umwelt- /Entwicklungsingenieur, aber mittlerweile als Lehrer an einem Gymnasium tätig. Frank Herter interviewte ihn.

Wir kennen uns aus dem Glaubenskurs 2014. Wie seid ihr damals dazu gekommen?

Drei Tage vor Beginn des Glaubenskurses haben meine Frau und ich uns auf Schloss Moritzburg in einer Kutsche verlobt. Dann haben wir uns überlegt, wie es weitergeht und wie wir unsere Hochzeit gestalten sollen: kirchlich oder nur standesamtlich. Während dieser Überlegungen erfuhren wir, dass ein neuer Glaubenskurs in der Jakobigemeinde beginnt. Und wir haben ganz spontan gesagt: Na, da gehen wir mal hin.

Wie war diese erste Begegnung mit der Jakobigemeinde damals für dich?

Es war sehr interessant, obwohl ich bei manchen Sachen nicht ganz mitgekommen bin. An jenem Abend stand ein Christ aus der Gemeinde vorne und erzählte ganz glücklich und euphorisch. Mit Händen und Füßen erklärte er, wie das mit dem Glauben und Jesus für ihn wäre. Und ich dachte mir nur: Was hat der denn geraucht? Es war für mich damals etwas verwirrend. Heute weiß ich, dass der Heilige Geist eine besondere Freude schenkt. Ich wusste, dass an dem Glaubenskurs auch Mitarbeiter von anderen Gemeinden beteiligt sind. Von daher hatte ich das Gefühl, dass es hier und in Freiberg sehr lebendig zuging.

Wie war damals dein Glaubensstand?

„Offen“ beschreibt es am ehesten. Die Personen, die mich am nachhaltigsten verändert oder berührt haben, das waren Christen. Ich bin nicht-christlich in Chemnitz aufgewachsen und nur über Christen mit dem Glauben in Kontakt gekommen. Das waren sehr lebendige Christen. Barbaras Mutter ist Gemeindereferentin in der Katholischen Kirche und ihr Vater ehrenamtlich in einer Evangelischen Landeskirche tätig. Ich bin aus Interesse immer mal wieder zum Gottesdienst mitgekommen. Von daher war ich eher offen und interessiert eingestellt. Barbara hat während der Studentenzeit auch den Hauskreis besucht, der Tür an Tür in unserer WG stattfand. Ich sagte dann immer: Die „christliche Schläferzelle“ hat sie wieder besucht.

Was ist während des Glaubens- kurses bei dir passiert?

Ich habe im Glaubenskurs Antworten auf Fragen gefunden, die ich mir unbewusst gestellt hatte. Ich war damals der Überzeugung, dass es eine Art Schicksal gibt und nicht alles zufällig passiert, sondern dass irgendwo ein Plan dahintersteht und mein Lebensweg irgendwie gesteuert sein muss. Und dass auch die christlichen Werte wie z. B. Nächstenliebe gut sind. Irgendwann hatte ich den Wunsch, Christ zu werden, weil vieles genau meiner Überzeugung entspricht. Ich habe dann angefangen, die Bibel zu lesen und das Gelesene mit Barbara zu diskutieren, die ja dankenswerterweise viel Wissen hatte, weil sie aus einer christlichen Familie kam. Während der weiteren Hochzeitsplanungen mussten wir uns entscheiden, ob wir eine kirchliche Hochzeit wollen. Ich habe dann einen Termin mit Daniel Liebscher ausgemacht und ihm gesagt: Ich will jetzt Christ werden. Die Hochzeit mit Barbara hat das alles katalysiert. Sonst wäre dieser Schritt bei mir einfach nur später gekommen.

Was war bisher deine wichtigste Glaubenserfahrung?

Seit ich Christ bin, fühle ich mich geerdet, geborgen und aufgefangen. Vor allem im Hauskreis spüre ich die Gegenwart Gottes. Seit zwei Jahren bete ich, dass ich beruflich ankomme. Ich war an der Uni, aber ich spürte, dass das nicht das Richtige für mich war. Dann ging ich in die Industrie hier in Freiberg. Aber auch das hat mich nicht ausgefüllt. Ich habe gebetet, dass sich die Situation verändert; habe mich an verschiedenen Stellen beworben, aber es hat sich nichts Passendes ergeben. Dann habe ich mich als Quereinsteiger für eine Lehrerstelle an einem Gymnasium im Vogtland beworben und wurde angenommen. Ich sehe darin den Weg Gottes, allerdings immer in der Retrospektive. Mein innerstes Anliegen ist: Ich will dienen. Ich möchte Menschen dienen. Wenn ich mich frage, was ich denn mit meinem Leben machen möchte, kann ich nur diese Antwort geben: Ich will Menschen bzw. Schülern oder der Gesellschaft dienen. Da hat mich auch die Mitarbeit im Krabbel-Kindergottesdienst nach vorne gebracht. Das ist die nächste Fügung. Zuerst war ich nur mit dabei, dann hat Daniel zum Elterngespräch eingeladen. Er erzählte, dass man neue Mitarbeiter sucht, damit es nach vorne geht. Der Abend hat mich sehr berührt. Ich ging dann zu Susann und sagte ihr, dass ich bei den Krabbelkindern mitarbeiten möchte. Sie war total begeistert und sagte: Genau dich wollten wir fragen, ob du nicht bei uns einsteigen möchtest. Das war wieder eine Fügung Gottes.

Du bist ein leidenschaftlicher Koch. Wie kam es eigentlich dazu?

Von meinem Opa mütterlicherseits habe ich leidenschaftlich „virtuos“ (man kann ein bisschen was zusammenkippen) kochen gelernt. Meine Oma väterlicherseits dagegen hat mir die Grundfertigkeiten des Kochens beigebracht. Heute ist Braten meine Spezialität. Mein Lieblingsessen ist Rinderroulade mit Rotkraut und Kartoffeln. Ich koche am liebsten große Mengen (3-kg-Braten) und lade gerne Gäste dazu ein.

Hast du noch weitere Hobbys?

Ich lese sehr gerne, wie z.B. Gary Chapman: Die 5 Sprachen der Liebe. Aber auch vieles andere. Und ich liebe Technik. Alles, was mit Handys und Computer zu tun hat, begeistert mich.

Welcher Bibelvers ist dir besonders wichtig und warum?

Ich mag den Taufspruch von meinem Sohnemann, Psalm 119,105:
Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.
Gottes Wort ist sowohl Leuchte als auch Licht. Es führt mich und erhellt meinen Weg. Beim Bibelstudium (auch mit griechischen Wortanalysen) erfährt man so viel mehr als nur beim bloßen Drüberlesen. Das wünsche ich mir öfter.

Was bringt dich zum Danken?

Ich danke täglich. Ich sehe meine Familie, die mich mit Glück erfüllt. Wir haben einen Sohnemann, der nicht besser sein könnte, und der auch auf mehr Kinder Appetit macht. Ich bin Gott dankbar, dass es uns so gut geht.

Was ist dein größtes Gebetsanliegen?

Als Barbara schwanger war, habe ich gebetet, dass die Geburt komplikationsfrei verläuft. Derzeit ist mein Anliegen, dass wir den Umzug ins Vogtland gut schaffen und eine zu uns passende Gemeinde finden.

Was würdest du jedem raten, der auf der Suche nach Gott ist?

Ganz klassisch: In den Glaubenskurs gehen und einen Christen suchen, der einem die eine oder andere Frage beantworten kann.

Was würdest du jemandem raten, der gerade in einer Krise steckt und an Gott zweifelt?

Zweifel gehen vorüber. Das wichtige ist, standhaft zu bleiben. Jede Krise braucht Gebet und Gebetsgemeinschaft; das ist ja auch biblisch festgeschrieben. Und sie benötigt Zeit. Diese Vorstellung, dass durch ein Fingerschnipsen ein Problem gelöst wird, hat etwas von „Gott ist ein Wunschkasten“; und das mag ich nicht. Wenn Gott eine Wunschbox wäre, gäbe es keine Missstände. Aber die brauchen wir, um Gott näher zu kommen. Wie kann ich das Licht erkennen, wenn es keinen Schatten gibt? Wir kennen schon auch herbe Rückschläge. Und diese im Gebet zu lösen hilft. Schwerste Schicksalsschläge können mit dem Glauben an Gott überwunden werden. Das Wichtige ist, erst einmal zu danken. Das Danken ist das erste. Danach kommt erst das Bitten.

Vervollständige bitte mal den Satz: Gemeinde ist für mich ...

Familie. In der Familie zieht man an einem Strang. Es gibt unterschiedlichste Charaktere und Individuen, aber man hat ein gemeinsames Ziel und einen gemeinsamen Weg dorthin. Es kann auch mal Streitigkeiten geben und Zwiste, aber mit Gottes Hilfe schafft man es, gemeinsam nach vorn zu kommen. Deshalb ist Gemeinde für mich Familie.

Was schätzt du besonders an unserer Gemeinde?

Dass sie so aktiv ist. Wenn wir mal Besucher haben und sie mit zum Gottesdienst gehen, dann kommt schon mal die Reaktion: „Der ist aber voll. Ist heute etwas Besonderes?“ Und dann sagen wir nur: „Nö!“ Daran merkt man, dass viele aktiv sind. Die Gemeinde ist so groß, dass man die Last auf viele Schultern legen kann. Jeder kann seiner Begabung nachgehen. Durch die vielen Kindergottesdienstgruppen können die Eltern auch mal die Predigt hören und geistlich aktiviert werden.

Du und deine Frau, ihr habt den Arbeitsbereich Eheangebot mit aufgebaut. Warum ist dir das so wichtig?

Zur Verlobung haben wir einen Seminargutschein von Team F bekommen zum Thema „Start in die Ehe“. Wir haben mit Begeisterung daran teilgenommen. Es wurden Fragen behandelt wie: Was bedeutet eigentlich Ehe? Was bedeutet Beziehung zueinander? Das war für uns sehr inspirierend. Später haben wir erfahren, dass Voigts eine Ehearbeit in unserer Gemeinde aufbauen wollen. Da haben wir sofort gesagt: Da sind wir dabei. Uns war es wichtig, ein Angebot für Ehepaare zu schaffen, weil von einer guten Ehe eine Zufriedenheit ausgeht, die sich auch bei den Kindern widerspiegelt.

Vielen Dank für das anregende Gespräch.




71

Die Gemeinde ist für mich Familie, Freundeskreis, Zuhause

Anja Neubert ist verheiratet und hat einen Sohn. Sie lebt seit dem Jahr 2000 in Freiberg und sagt dazu: „Schon seit 2007 zieht es mich in die Jakobikirche. Aber erst in den letzten zwei Jahren bin ich in der Gemeinde und bei Gott angekommen und fühle mich in Freiberg richtig zu Hause.“ Das klingt spannend. Pfarrer Daniel Liebscher hat sie deshalb zum Interview getroffen.

Anja, du fällst positiv in unserer Gemeinde auf, nicht nur, weil du häufig da bist. Man sieht dir an, dass du gerne empfängst und gleichzeitig weitergibst. Du strahlst Begeisterung aus. Wann hat das eigentlich begonnen?

Ich bin in Olbernhau aufgewachsen und dort mit meiner Oma zur Kirche gegangen. In der Jungen Gemeinde habe ich gute Erfahrungen gemacht. Das habe ich mir dann auch für meinen Sohn gewünscht und bin in die Jakobikirche gekommen. 2015/16 habe ich bemerkt, dass mir etwas fehlt. Ich hatte Sehnsucht nach einer Erfüllung im Herzen, obwohl ich dankbar und glücklich war mit meiner Familie, mit Beruf, Gesundheit und einer gläubigen Freundin. Da habe ich von der Einladung zum Glaubenskurs nach Weihnachten erfahren.

Und bist du gekommen?

Nein, ich habe mich nicht getraut. Ich dachte, ich hätte zu wenig Wissen. Sogar mein Mann hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es vielleicht etwas für mich wäre.

Was ist dann passiert?

Ich bin 2016 schwer krank geworden, und nach der schlimmen Diagnose hat es mich richtig zum Gottesdienst in die Jakobikirche gezogen. Ich habe schon immer gebetet und mich mit Gott verbunden gefühlt. Aber, wie das so ist: Die Krankheit war der Auslöser; ich musste durch ein tiefes Tal gehen, um Gott zu finden. In einer Zeit, wo man denkt, das ist das Ende, wurden mir meine Familie, das Gebet und der Gottesdienst ganz wichtig. Ich habe gemerkt, wie ich getragen und gestärkt wurde.

Kannst du beschreiben, wie du Gott erlebt hast?

Ja, ich habe oft gemerkt, wie er mir lebendige Zeichen gesendet hat. Zum Beispiel im Gottesdienst, wo ich am Anfang ganz alleine saß. Ich habe die Predigt und den Lobpreis aufgenommen, und die Sonnenstrahlen schienen nur für mich in die Kirche. Ich konnte die Situation annehmen und empfinden, dass Gott bei mir ist; das hat mir ganz viel Kraft und Mut gegeben. In der Zeit der Behandlung war ich oft aufgeregt und habe viel gebetet. Da habe ich dann immer Ruhe und Sicherheit gefühlt. Das ist genau das, was ich gesucht habe. Jetzt kann ich in schwierigen Situationen beten und werde im Herzen ruhig und zufrieden, und das bewirkt Gott. So etwas wünsche ich mir für viele!

Wann bist du dann zum Glaubenskurs gekommen?

Noch während meiner Behandlung Anfang 2017, und das war das Größte: Der Glaubenskurs hat mich geöffnet für Gottes Wirken. Ich wollte unbedingt hin, aber ich war ganz ängstlich: Was werden die fragen? Was muss ich machen? Doch dann habe ich sofort gemerkt: Hier bin ich richtig. Am ersten Abend habe ich vor allem das Bild mit der Rose und die Jahreslosung wahrgenommen: „Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch“ (Hesekiel 36,26). Das ist bis heute genau richtig für mich, das ist mein Spruch und mein Bild.

Was hast du damit erlebt?

Obwohl es mir gut ging, stand durch die Krankheit plötzlich alles auf dem Spiel. Ich war an meiner Grenze – und am Ziel meiner Suche. Ich konnte mein Herz für Gott, für Jesus öffnen. Mein Wahrnehmen, meine Perspektiven hatten sich verändert: Ich schenke euch ein neues Herz, ich lege meinen Geist in euch. Das hat sich genau so bewahrheitet, in vielen Zeichen und Kleinigkeiten erlebe ich das.

Anja, das ist klasse, und das merkt man dir an. Du kommst zum Gottesdienst, und du bist nicht nur da, sondern du fällst auch auf. Was gehört für dich noch dazu, was hat sich bei dir verändert?

Das ist die Beziehung, die ich mit Gott eingegangen bin. Sie stillt meine Sehnsucht, und diese Gemeinschaft wappnet mich für die Woche. Ich nehme mir Zeit für ihn. Das fällt mir nicht schwer, überhaupt nicht. Weil ich mich darauf einlasse, merke ich: Er ist immer bei mir, das ist ganz schön. Ich bin in Jesus und er ist in mir, ich bin gut aufgehoben in seiner Familie. Das erlebe ich ganz besonders in meinem Hauskreis, den Gott schon für mich vorbereitet hatte.

Und dann kam Glaubenskurs Nr. 2 Anfang 2018, wie war das für dich?

Beim ersten geschah meine Herzöffnung; das wollte ich, das neue Leben mit Gott. Beim zweiten dann wollte ich mehr erfahren. Ich wollte die Gemeinschaft mit Gott, mit Jesus, bewusster leben. Und mir war z.B. ganz eindrücklich klar, dass und wie Jesus als Mensch gelebt hat; das werde ich nie vergessen. Und Gott hat mich bereit gemacht, meine Erfahrungen auf meinem Weg zu Gott weiterzugeben, was auch eingetreten ist. Mehrere sind schon deshalb auf mich zugekommen. So sehe ich, wie Gott wirken kann.

Hat dich auch deine Krankheitszeit dazu gebracht?

Ich sehe es so, dass alles so kam, damit ich anderen helfen kann. Ich war schon immer optimistisch, wollte helfen und konnte Mut machen. Ich musste diese Erfahrung der Krankheit machen, weil ich dadurch Gottes Wirken erfahren habe und mein Herz heil werden konnte. Immer, wenn ich an Gott, Jesus und die Gemeinde denke, wird mein Herz weich.

Deshalb engagierst du dich auch bei der Mitarbeit in der Gemeinde?

Das ist ja das Angebot der Gemeinde; viele, die nicht dabei sind, haben keine Gemeinschaft. Wer kommt, kann es erleben. Da will ich mitmachen. Ich habe mich gleich fürs Kirchencafé-Team gemeldet, denn das ist so gut, nach der Predigt noch zu reden. Da gibt es intensive Gespräche, und ich habe dort schon viele Menschen kennengelernt. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie Gott wirkt. Die Gemeinde ist für mich Familie, Freundeskreis, Zuhause.

Und wie ist es zum Beispiel auf deiner Arbeit?

Ich habe mich wohl ziemlich verändert dort. Früher hat mich die Arbeit aufgefressen, und ich habe viel von mir und anderen verlangt. Jetzt bin ich oft die Ruhe selbst, wenn alles tobt. Dieses Zeugnis wirkt.

Klasse, was ist dein nächstes Projekt?

Mein Glaubenskurs Nr. 3. Jetzt bin ich bereit mitzuarbeiten; es ist wie ein Traum, den Gott mir ins Herz gelegt hat. Er beschäftigt mich, ich will mehr erfahren und brennend gern erleben, wie Gott wirkt. Das passiert sehr intensiv im Glaubenskurs. Man sieht, wie sich Menschen öffnen und verändern, zum Gottesdienst kommen, zum Hauskreis oder zum Bibellesen.

Super! Du bist ganz schön aktiv!

Ich habe die Exerzitien mit Carmen Trautmann mitgemacht, eine körperliche Erfahrung der Nähe Gottes in einer kleinen Frauenrunde. Mein Hauskreis hat mich freigestellt, um die Rooted-Abende nutzen zu können. Das war eine intensive Erfahrung, dass Gott lebendig ist. Die Leseaufgaben waren eine gute Stütze, dafür habe ich eine bestimmte Zeit nach der Arbeit genutzt. Und ich lese immer wieder und entdecke viel, unter immer neuen Blickwinkeln. Ich sehe dadurch andere und meine Aufgabe besser. Ich bin so dankbar dafür, wie Gott redet und wirkt; ich kann spüren, wie gut er es meint.

Was ist dir für die bevorstehende Advents- und Weihnachtszeit wichtig?

Ich war früher auch ein „U-Boot-Christ“, der zu Weihnachten aufgetaucht ist und sich berieseln lassen hat. Das hat sich nun völlig gewandelt, es geht intensiv um meine Beziehung zu Gott. Ich lebe jetzt in großer Vorfreude auf die Feier der Geburt Jesu, und das kann ich auch in meiner Gemeinde erleben. Und ich freue mich auf den Heiligen Abend, auf den Gottesdienst und meine Familie am Tisch.

Was ist dein Anliegen für uns als Gemeinde?

Ich bin immer wieder beeindruckt von der Lebendigkeit und Größe unserer Gemeinde und davon, dass man sich hier wohlfühlen kann. Das Wichtigste ist die Begeisterung der Gemeinschaft, dass die Verbindung zwischen den Menschen und zu Gott wächst, was ich für mich intensiv gespürt habe. Und dann ist es wichtig, dass sich noch mehr zur Mitarbeit trauen und ihren Platz und ihre Bestimmung finden.

Anja, mit dir erleben wir tatsächlich unseren Gott sehr offensichtlich, ihm sei Dank. Und danke dir für deine Offenheit und deine mutmachende Geschichte. Sei gesegnet mit deiner ganzen Familie.




70

Wir dürfen an Gottes Gemeinde mitbauen

Zum Interview hat Pfarrer Daniel Liebscher diesmal ein junges Ehepaar aus unserer Gemeinde besucht: Christoph und Elke Settgast.

Hallo Elke und Christoph, ihr habt jetzt schon fast zehn Jahre Kontakt zu unserer Gemeinde, und ihr seid vor einem Jahr in unserer Jakobikirche getraut worden. Jetzt will ich es aber wissen: Wie gefällt es euch hier?

E.: Die Gemeinde ist der Grund, warum ich nicht mehr von Freiberg weg will.
Chr.: Hier sind viele Familien und junge Menschen, es ist nicht so verschlafen. Mir gefällt der Aufbau des Gottesdienstes, besonders der Lobpreis mit neueren Liedern, auch die Glaswand.
E.: Ich liebe es, wie die Kinder herumwuseln, das ist so lebendig. Man muss nicht nur still in der Bank sitzen.

Wie habt ihr in die Gemeinde hineingefunden?

E.: Über die Junge Gemeinde.
Chr.: Ich bekam durch Bekannte die Gelegenheit zur Mitarbeit, zunächst beim Bakigo, dann beim Kinderclub. Erst dann kam ich zur JG und so in die Gemeinde.

Was ist euch für euren Glauben besonders wichtig?

Chr.: Die Dienerschaft, wir dürfen in Gottes Gemeinde mitbauen. Weiter der persönliche Kontakt mit Gott und der Austausch darüber, z.B. im Hauskreis. Dadurch kann ich selber wachsen.

Wie bist du gewachsen?

Chr.: Auf alle Fälle in meinen Fähigkeiten, die ich z.B. im Technikteam einbringen kann. Nach einem Aufruf haben wir auch einer Flüchtlingsfamilie kurz vor der Geburt ihres Kindes beim Einzug helfen können. Ich denke aber auch daran, wie ich es ausgehalten habe, dass ich nach meinem Studium warten und vertrauen konnte und mich nicht woanders beworben habe. Da hat mir auch der Hauskreis sehr geholfen. Außerdem ist mir bewusst geworden, wie wichtig es ist, Menschen mit den Augen der Liebe Gottes anzusehen. Das versuche ich zu üben.

Elke, kannst du auch etwas zu deinem Wachsen im Glauben erzählen?

E.: Ich bin total in meiner persönlichen Beziehung zu Gott gewachsen. Zurzeit bin ich glücklich, dass ich es tatsächlich schaffe, fast täglich in der Bibel zu lesen. Ich bin eigentlich eine Beterin. Für mich alleine kann ich viel und lange beten, in Gebetsrunden bin ich jedoch sehr zurückhaltend. Viele Freunde wissen aber, dass ich für sie bete, wenn sie mich darum bitten. Ich biete das auch nichtchristlichen Freunden an, und von ihnen wird es ebenfalls angenommen.

Hast du da Erfahrungen mit Gebetserhörung gemacht?

E.: Eigentlich viele. Ich staune über die Offenheit eines Freundes, für den auch der Hauskreis mit betet. Wir haben es schon oft erlebt: Wenn wir bei einer schwierigen Sache beten, z.B. im Zusammenhang mit der Arbeit, dann läuft es danach besser. Es funktioniert auch bei der Parkplatzsuche, immer wieder. Und wenn ich sehr viel Stress hatte und gebetet habe, hat sich schon oft danach ein Problem gelöst: Ein Termin wurde abgesagt oder verschoben.

Was macht ihr eigentlich beruflich?

E.: Ich habe angewandte Mathematik studiert und kann jetzt gerade ganz frisch an der Softwarebetreuung in einer Bäckerei arbeiten. Ich nutze da ein mega-cooles Programm mit Logik, Optimierung usw. Das freut einen Mathematiker!
Chr.: Ich bin Maschinenbau-Ingenieur mit Schwerpunkt Informatik und arbeite an der TU Freiberg als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Jetzt schreibe ich an meiner Doktorarbeit über Keramikmodellierung.

Wie kommst du zurecht?

Chr.: Gut; die Zeit ist knapp, denn ich will es bis nächsten Sommer schaffen.

Gibt es Zukunftschancen für dich in Freiberg?

Chr.: Eher weniger, aber Gott wird uns schon etwas zeigen.

Noch mal zurück zur Gemeinde. Christoph, du bist über die Mitarbeit in die Gemeinde gekommen. Wie kamst du dazu?

Chr.: Gemeinde war mir nie fremd. Ich war schon als Kind mit meiner Familie immer mit dabei und habe alles mitgemacht, bin durch alle christlichen Gruppen gegangen. Meine Mutter ist dazu im sozialen Bereich tätig, das hat mich geprägt. Ich habe gerne geholfen, wenn ich gebraucht wurde. Und wenn es auch etwas zu essen gab, war ich in Freiberg dabei.

Ich versuche es mir zu merken!

Chr.: In meiner Heimatgemeinde habe ich als Jugendlicher schon mal bei der Tontechnik mitgemacht. Hier in Freiberg war das eher ein längerer Weg, bis ich diesen Platz gefunden habe. Nach der Arbeit mit den Kindern suchte ich eine neue Aufgabe, da hat mich dann das Gespräch mit dir als Pfarrer weitergebracht. Ich bin zum Dienst am Beamer gekommen, habe dort neben dem Mischpult der Tontechniker gesessen und mich einfach dafür interessiert. Das waren viele kleine Schritte. Eine grundlegende Schulung bekam ich von Thomas Bauch, als ich vor einem Jahr bei der Konfi-JG-Rüstzeit an die Technik ran durfte. Viele Fragen zu stellen ist wichtig.

Ich staune, wie fit du mittlerweile bist. Das ist eine schöne Werbung für das Team. Was ist dir besonders wichtig, damit die Mitarbeit gut funktioniert?

Chr.: Sehr gut war in diesem Jahr ein gemeinsames Treffen von Lobpreisteam und Technikteam. Eine gute Organisationsarbeit ist wichtig.

Hast du eine Idee, wie man neue Leute für das Team gewinnen könnte?

Chr.: Man muss aufpassen, dass sie von der Größe des Pultes oder der Anlage nicht abgeschreckt werden. Am besten sind Angebote wie Seminare, Workshops, Infoveranstaltungen. Wir müssen gießen, wenn etwas wachsen soll.

Heh, cool, dankeschön! Und Elke, wie sieht es bei dir mit der Mitarbeit aus?

E.: Ich beginne jetzt die zweite Runde im Konfiteam, das find ich richtig schön. Neu ist für mich auch der Begrüßungsdienst (kann ich ja machen, wenn mein Mann an der Technik sitzt). Und im Sommer habe ich mit einer Freundin mal den Kindergottesdienst übernommen. Das war echt cool, auch das Gewusel. Wir haben von Paulus erzählt, als er blind war, haben „Blindenspiele“ gemacht. Die Kinder haben Fragen gestellt, einfach süß.

Wie kamst du zur Mitarbeit?

E.: Ich kannte das nicht so aus meiner Heimatgemeinde, und hier wusste ich nicht, was es für Möglichkeiten gibt. Weil ich immer in der JG war, bin ich mit zur Rüstzeit gefahren. Da habe ich mich dann als Ältere um Jüngere gekümmert und wurde deshalb für die Konfi-Mitarbeit angesprochen.

Was ist dort deine Rolle, und welche Erfahrungen machst du damit? Welche Wünsche hast du?

E.: Ich bin als Mädchen für die Mädchen da, und das funktioniert, das wird angenommen. Ich finde Konfi mit Team gut, das wirkt einfach offen. Ich wünsche mir, dass die Jugendlichen etwas von Gott mitnehmen. Gute Gelegenheiten dafür sind tiefe Gespräche.

Es macht echt Freude, euch zu erleben und zu hören, was ihr sagt. Eure Trauung ist jetzt ein Jahr her. Ihr seid ein ganzes Jahr verheiratet, woran denkt ihr da?

E.: Ich will mal wieder die persönliche Predigt anhören; es gab coole musikalische Überraschungen; das Zusammenwachsen als Ehepaar war unser Hauptthema im ersten Ehejahr.
Chr.: Wir sind froh, dass Gott in unserer Beziehung ist, uns wirklich unterstützt und hilft. Wir freuen uns auf das Familienleben.
E.: Und ich hoffe, dass wir dauerhaft an einem Ort sein können.

Ich komme zu den Schlussfragen. Was genießt ihr noch in der Gemeinde?

E.: Mir gefällt es, wenn der Posaunenchor spielt, aber das ist a) selten und b) sind wir dann meist gerade nicht da.

Habt ihr Lieblingsverse in der Bibel?

Chr.: 2. Samuel 22,33: Gott stärkt mich mit Kraft und weist mir den rechten Weg.
E.: Genau das erleben wir oft. Mein Motto zum Thema Lieblingsvers ist eher: Warum nur einen Spruch, wenn ich die ganze Bibel haben kann? Ich mag viele Verse und Geschichten, die mich bewegen. Dazu gehören auch immer die aktuelle Jahreslosung und natürlich unser Trauspruch aus Hebr. 10,24: Lasst uns aufeinander Acht haben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.

Ich finde es klasse, dass es euch gibt; wie ihr seid und dass wir euch erleben dürfen. Danke und seid weiterhin gesegnet, auch demnächst im Urlaub: Ihr habt euch Mallorca ausgesucht, eine Insel mit Wärme und Strand. Und wenn es euch am Strand zu viel wird, wollt ihr wandern gehen. Das alles gönne ich euch!




69

Vieles war schwierig – der Glaube war mein Halt

Diesmal traf Robert Rehm Siegfried Götz zum Interview. Er ist in der Nähe von Aue im Erzgebirge aufgewachsen, aber bereits seit langer Zeit Freiberger und Mitglied unserer Gemeinde. Siegfreid Götz ist gelernter Diplom-Pharmazieingenieur und heute im Ruhestand.

Lieber Herr Götz, als langjähriges Gemeindemitglied haben Sie schon einiges erlebt. Was verbinden Sie mit unserer Gemeinde?

Als meine Familie und ich nach Freiberg kamen, hieß die Gemeinde von Pfarrer Brand noch „Petri II“ und traf sich im Gemeindehaus in der Beutlerstraße 5. Das ist heute ja nur ein Teil unserer ganzen Gemeinde. Etliche Jahre war ich dort auch im Kirchenvorstand und erlebte viele Entwicklungen mit.
Pfarrer Brand und seine Familie gingen nach ein paar Jahren weg und wir mussten einen neuen Pfarrer finden. Ein Kandidat wurde uns vorgeschlagen. Der war eine theologische Koryphäe, aber er passte nicht so ganz in unsere Gemeinde. Wir machten uns selbst auf die Suche und beteten. Dabei stießen wir auf Pfarrer Oertel, einen guten Pfarrer, der zu uns passte. Wir waren froh, als er mit seiner Familie zu uns kam. Damals entwickelte sich viel in der kleinen Gemeinde.
Das Gemeindehaus ist für mich mit vielen Erinnerungen verbunden. Besonders in der DDR war so einiges schwierig. Vor dem Umbau war der Gemeindesaal noch in der oberen Etage. Dort stand ein Ofen, der im Winter geheizt werden musste. Es gab ja wenig, und der Blumenschmuck wurde in der Mangelwirtschaft aus Kunstblumen und Koniferen improvisiert. Weil das Wasser abgestellt war, mussten wir die Abendmahlsgeräte mitnehmen und zu Hause reinigen. Es war nur eine bescheidene Gemeinde, aber dort habe ich mich immer heimisch gefühlt. Nach und nach vergrößerte sich dann das Gemeindegebiet um Zug und Jakobi.
Ein ganz wichtiger Termin im Jahr ist für mich die Adventsmette am 1. Advent in Zug. Da muss ich einfach immer hin, wenn es irgendwie geht – auch wenn das nur eine irdische Tradition ist.
An unserer Gemeinde, wie sie heute ist, finde ich gut, dass die Jugend und auch die Alten zusammen sind. Wir sind eine lebendige Gemeinde, und es ist hier so viel los. Ich finde toll, dass die Gottesdienste gut besucht sind. Das ist nicht überall so. Ich finde, wir haben eine schöne Gemeinschaft und Einheit. Es ist meine geistliche Heimat.
Ich wünsche unserer Gemeinde durch allen Wandel hindurch ein gutes Bestehen und dass die Gemeinschaft auch im Kleinen bleibt.

Sie hatten schon gesagt: „In der DDR war so einiges schwierig.“ Hatten Sie damals als Christ persönlich Nachteile oder Probleme?

Ich bin noch in der Zeit aufgewachsen, als die Jugendweihe nicht so etabliert und es noch normal war, konfirmiert zu werden. Aber das habe ich natürlich dann in der Schule zu spüren bekommen. Meine Familie hatte immer Schwierigkeiten mit der staatlichen Führung der DDR. Meine Eltern und Großeltern besaßen Betriebe, was ja als böse kapitalistisch gesehen wurde. Das brachte mir zusätzliche Erschwernisse. Aber später bei meiner Arbeit in der Apotheke war es nicht so. Aus irgendwelchen Gründen war das ein ruhiges Pflaster.
Meine jüngere Schwester hat dann die Konfirmation und die Jugendweihe gemacht und hatte deshalb in der Schule weniger Probleme. Sie hat es aber später mehr zu spüren bekommen, als sie bedrängt wurde, für die STASI zu arbeiten. Das konnte und wollte sie nicht. Da sind sie und ihr Mann geflohen, und wir waren voneinander getrennt. Aber auch das hat Gott wunderbar geführt. Gar nicht lange danach kam die Wende, und wir konnten uns wiedersehen. Seitdem wohnt sie aber in Westdeutschland. Ab und zu reisen wir zusammen und verbringen so gemeinsam Zeit. Bald fahre ich mit ihr nach Norwegen.

Wie haben Sie Gott erlebt?

In meiner Familie gab es Rückschläge. Die Familie meines Vaters hatte zwei Betriebe, die enteignet wurden. Aber im Glauben hat sich viel geordnet. Gott hat es zum Guten geführt. Es gab manche Ausweglosigkeiten, aber da haben wir viel zusammen gebetet und gemerkt, dass er hilft und es weitergeht.
Auch in meiner Ausbildung war es sehr schwierig. Ich hatte Zweifel, aber ich habe gebetet. Der Glaube war mein Halt! Ich hätte auch nie gedacht, dass ich jetzt im Alter so gut leben kann. Gott hat mich überall hindurchgetragen. Auch als meine Mutter zum Pflegefall wurde, hat er so viel geführt.
Vor etwas mehr als einem Jahr wurde bei mir eine Art Blutkrebs festgestellt. Das war keine Leukämie, sondern ging von der Milz aus. Meine Milz war ganz stark vergrößert und hat auf andere Organe gedrückt. Das wurde nur zufällig festgestellt. Ich war natürlich erst einmal sehr niedergeschlagen und habe mir Sorgen darüber gemacht, wie sich das alles äußert. Es hätte ja auch ganz anders verlaufen können. Aber ich hatte so viel Glück. Nachdem ich die Diagnose erfahren hatte, kam auch noch Stress durch verschiedene Dinge hinzu, zum Beispiel der Tod meines Schwagers. Daraufhin brach die ganze Erkrankung erst richtig aus. Als ich meine Schwester im Westerwald besuchte, hatte ich plötzlich so starke Schmerzen, dass ich ins Krankenhaus musste und eine Chemotherapie über mich ergehen ließ. Diese Behandlung war verhältnismäßig harmlos und hat gewirkt. Ich hatte nicht so schreckliche Nebenwirkungen, wie man sie von anderen Leuten hört. Dafür bedanke ich mich heute noch jeden Tag bei Gott, denn er hat das bewirkt.
Währenddessen hat sich alles wunderbar geordnet. Zu Hause in Freiberg lag überall Schnee, und durch Zufall habe ich eine Firma gefunden, die dann den Räumdienst übernommen hat. Überall hat Gott Rat geschaffen und ich musste mich nicht sorgen.
Weil ich die Therapie aber so gut vertrug, durfte ich bald nach Hause zurück und in Freiberg die Behandlung ambulant fortsetzen. Ich werde immer noch regelmäßig kontrolliert, aber wie es jetzt aussieht, ist alles in Ordnung. Meine Milz hat wieder eine normale Größe, und mein Blut ist auch unauffällig. Natürlich bete ich weiter darum, dass es so bleibt. Aber zurzeit kann ich nur Danke sagen. Gott ist mein Beschützer, er hat es immer irgendwie gut gemacht.

Sie haben davon erzählt, dass Sie beten. Wie machen Sie das?

Ich versuche, mit allen meinen Anliegen zu Gott zu kommen. Dabei möchte ich nicht ichbezogen beten. Deshalb bete ich auch für andere, bei denen ich den Eindruck habe, dass sie es brauchen. Ebenso für solche Menschen, die mir näherstehen. Auch bete ich gerade in letzter Zeit mehr für die Politik. Das habe ich mir so angewöhnt und will es zukünftig noch mehr tun.
Ich bete selten laut. Ich bringe meine Anliegen vor, danke für alles Gute. Man kann dem Herrn Jesus einfach alles sagen.

Gibt es einen Bibelvers, der Ihnen ganz besonders wichtig ist?

Ja, mein Konfirmationsspruch:
„Lasst uns aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens…“ (Hebr. 12,2). Eine Großtante hat mir eine Karte mit diesem Vers zur Konfirmation geschenkt, ohne zu wissen, was mein Konfirmationsspruch ist. Die Karte habe ich mein ganzes Leben lang immer wieder angeschaut. Ich kann mich zu jeder Zeit an meinen Schöpfer mit allen Kleinigkeiten und schwerwiegenden Dingen wenden, zu ihm hinschauen und erlebe seine Hilfe.

Eine Frage noch zum Schluss: Wo ist Ihr Lieblingsort?

Zu Hause. Hier fühle ich mich wohl und geborgen. In Freiberg lebe ich gern, weil es eine schöne und lebenswerte Stadt ist, weil ich hier alles habe und es ein tolles kulturelles Angebot gibt. Deshalb lebe ich auch noch hier und nicht bei meiner Schwester.

Vielen Dank für das Gespräch und Ihre Zeit. Gott behüte Sie.

Dankeschön.




68

Loslassen, um zu gewinnen

Beatrice „Bea“ Langer stammt aus Arnsfeld, einem Ortsteil von Mildenau bei Annaberg-Buchholz. In unserer Gemeinde ist sie den meisten durch ihr Mitwirken in der Lobpreisband des Gottesdienstes ein bekanntes Gesicht. Das Interview mit ihr führte Robert Rehm.

Bea, wie bist du nach Freiberg gekommen?

Ich bin im August 2015 nach Freiberg gegangen, um über den zweiten Bildungsweg am College Freiberg mein Abitur zu machen. Damals war ich 24 Jahre alt. Zuvor hatte ich eine Ausbildung zur Bürokauffrau absolviert und fünf Jahre in Chemnitz gearbeitet. Doch dann habe ich mich dazu entschieden, noch einmal zur Schule zu gehen.

Jetzt bist du gerade in den Abschlussprüfungen. Wie soll dein weiterer Weg aussehen?

Das ist noch nicht hundertprozentig klar, aber ich möchte mit Menschen, am liebsten in der Gemeinde, arbeiten. Daher werde ich mich in Marburg für den Studiengang Soziale Arbeit und Praktische Theologie bewerben. Ich war schon viel in der Arbeit mit Jugendlichen tätig und habe dabei meine Liebe zu Gemeinde und Menschen entdeckt. Wenn es dort nicht klappt, dann möchte ich gern evangelische Theologie studieren.
Ich freue mich sehr darauf, wieder etwas Spezielleres zu lernen, bei dem ein Berufsbild dahintersteht. Beim Abitur muss man ja alle Fächer mitmachen, auch solche, die einen weniger interessieren. Richtig Lust habe ich auf Theologie.
Auch wenn das jetzt nochmal ein paar Jahre dauern wird, bin ich mittlerweile so weit, dass ich sagen kann: Ich will meinen Weg gehen und ich will das machen, wofür mein Herz schlägt, worauf ich Lust habe.

Möchtest du dann wieder nach Sachsen zurückkommen?

Das kommt darauf an. Ich bin ein sehr heimatverbundener Mensch und fühle mich hier extrem wohl. Aber wenn ich irgendwo jemanden kennenlernen und eine Familie gründen würde, dann wäre ich eigentlich sehr frei, auch woanders zu leben.

Wie erlebst du Gott?

Als Vergleich: Er ist wie ein guter Freund, der immer da ist, wenn ich ihn brauche, der mir zuhört und der mir absoluten Halt und Sicherheit gibt. In den letzten drei Jahren und gerade jetzt in der Prüfungszeit ist er ein absoluter Fels. Er hat mich hierher geführt und alles geleitet, so wie es geworden ist. Er hat mich durchgetragen durch alle Herausforderungen. Aber ich erlebe ihn auch in der persönlichen Beziehung, im Lobpreis und Gebet, beim Bibellesen oder durch andere Menschen. Letzteres gerade auch in der Schule, wo ich fast allein Christ bin.
Ein sehr eindrückliches Erlebnis hatte ich 2015, als ich überlegt habe, an meiner alten Arbeitsstelle aufzuhören. Ich hatte längere Zeit mit mir gehadert und abends, bei einer Gebetszeit, fragte ich Gott, was ich machen soll. Da hatte ich einen Satz im Kopf:
„Habe keine Angst loszulassen, du wirst mehr gewinnen, als du zurücklässt.“
Das hat mich sehr ins Nachdenken gebracht. Direkt danach las ich noch in meinem Andachtsbuch. Der Text unter der Überschrift: „Loslassen, um zu gewinnen“ war zur Bibelstelle aus Matthäus 19,29:
„Wer um meines Namens Willen Häuser, Brüder, Schwestern, Vater oder Mutter, Kinder oder Äcker verlässt, der wird es hundertfach empfangen.“
Sofort waren alle Sorgen und Ängste weg. Ich gab Sicherheiten auf, aber ich wusste: Gott hat noch viel Besseres für mich bereit.

Welchen Stellenwert haben für dich Lobpreis und Gebet?

Einen ziemlich großen, Gebet sogar mehr als Lobpreis. Gebet kann unheimlich viel verändern und ich kann Gott dadurch näher kennenlernen. Daher möchte ich möglichst täglich Gebetszeiten haben. Im Gebet kann ich auch zur Ruhe kommen. Ich war schon früher in einem Gebetskreis. Als ich erfahren habe, dass es hier Leute gibt, die es auf dem Herzen haben, ein Gebetscafé oder Gebetshaus zu gründen, wollte ich sofort mitmachen. Das Vorhaben ist aber noch in den Startlöchern.
Trotzdem ist mir Lobpreis wichtig, besonders dann, wenn ich nicht weiß, was ich beten soll, oder wenn es mir emotional richtig schlecht geht. Manchmal entscheide ich mich auch, Gott zu ehren, obwohl es gerade gar nicht meinen Emotionen entspricht.

Wie lange bist du eigentlich schon in unserer Gemeinde?

Kürzer als ich eigentlich in Freiberg bin. Ich war von Anfang an in einem Jugendhauskreis, der zur Gemeinde gehört. In der Anfangszeit fuhr ich am Wochenende oft nach Hause ins Erzgebirge oder musste arbeiten und war deshalb nur unregelmäßig im Gottesdienst. Manchmal ist es mir schwer gefallen, allein in den Gottesdienst zu gehen, wo man niemanden kennt. Aber auch schon da wurde ich ganz herzlich empfangen und ich hatte das Gefühl, man hat mich bemerkt.

Gibt es besondere Erlebnisse, die dich mit unserer Gemeinde verbinden?

Ein besonderes Erlebnis hatte ich bei einem Freiberger Allerlei im September 2016. Renate Regitz hatte mich angesprochen, ob ich Lust hätte, einem syrischen Flüchtlingsmädchen Hausaufgabenhilfe zu geben. Mich für Flüchtlinge zu engagieren war ein Anliegen, was ich schon länger hatte, aber nicht wusste, wie ich es anfangen sollte. Das war toll, wie Gott jemanden aus der Gemeinde gebraucht hat, zwei Wege zusammenzubringen.
Im Dezember 2016 habe ich bei einer Adventsmusik mitgespielt und Kontakt zu Thomas Haase bekommen. In dieser Zeit merkte ich auch, dass mir in Freiberg eine geistliche Heimat fehlt, sodass ich mich mehr in die Gemeinde einbringen wollte. Da hat dann auch der Dienst im Lobpreisteam angefangen. Ich finde, wenn man irgendwo mitarbeitet, wird das Verhältnis zur Gemeinde intensiver. Die Leute im Lobpreisteam haben mich ganz offen aufgenommen, integriert und sich gefreut, dass ich da bin.

Dieses Interview ist ein Rückblick auf deine Zeit in Freiberg und in unserer Gemeinde. Was nimmst du für deinen weiteren Weg mit?

Das eine ist, mich immer und überall zu Gott zu bekennen. Ich hatte mich besonders in der Schule erst oft versteckt und angepasst. Gott hat mir aber gezeigt, dass er sich von mir etwas anderes wünscht. Das andere ist, dass ich auch in einer anderen Stadt Kontakt zu einer Gemeinde und Christen suchen möchte. Auch wenn man sich noch nicht gut kennt, ist man durch Jesus mit ihnen verbunden. Es sind meine Geschwister und das macht Heimat aus. So habe ich es in Freiberg erlebt.

Was lässt du für unsere Gemeinde hier?

Ich wünsche der Gemeinde, dass sie diese offene und herzliche Art sowie diese Lebendigkeit und gute Mischung aus traditionell und modern besonders im Gottesdienst behält. Und auch, kritikfähig zu bleiben, sich ruhig reinreden zu lassen und Neues, Anderes dann zum Teil umzusetzen.

Damit sind wir auch schon am Ende. Vielen Dank für deine Bereitschaft zum Interview. Wir wünschen dir einen guten weiteren Weg und, wo auch immer es hingeht, Gottes Segen.




67

Segen empfangen und ein Segen sein

Robert Rehm ist mit Elisabeth verheiratet. Zur ihrer jungen Familie gehört außerdem die eineinhalbjährige Tochter Emma. Weiterer Nachwuchs ist im Anmarsch. Robert hat von Januar bis August 2011 sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei uns in der Gemeinde absolviert. Daran schloss sich ein Studium der Evangelischen Theologie in Leipzig an, das er nun mit dem Ersten Kirchlichen Examen beendet hat. Bis zum Beginn seines Vikariats ist er von März bis August in unserer Gemeinde als Projektmitarbeiter über den Verein Markus 10 angestellt und wohnt mit der Familie in Pappendorf bei seinen Eltern. Frank Herter führte das Interview mit ihm.

Was sind denn deine Hobbys, Robert?

Also, sehr gern gehe ich mit unserem Hund spazieren oder spiele Gitarre. Doch am meisten liebe ich es, mit unserer Tochter zu spielen; denn die Familie bedeutet mir ziemlich viel.

Was haben dir deine Eltern vor allem mitgegeben?

Dass es wichtig ist, eine ganz persönliche Beziehung zu Jesus zu haben. Dass es zwar nett ist, zu einer Gemeinde zu gehören, aber dass es eine persönliche Relevanz haben muss, wirklich mit Jesus zu leben. Jemand hat mal gesagt: „Es gibt keine Enkelkinder Gottes“. Es braucht eine eigene Auseinandersetzung, eine eigene Entscheidung für Jesus.

Wie bist du eigentlich zum Glauben gekommen?

Ich bin in einer christlichen Familie in Schwarzenberg groß geworden. ProChrist 2009 in Chemnitz war für mich persönlich ein ganz großer Schritt. An einem der Abende hat Ulrich Parzany nach seiner Predigt aufgerufen, nach vorne zu kommen und sein Leben Jesus anzuvertrauen. Ich kann nicht mehr sagen, was das Thema war. Ich weiß nur, dass es für mich an dem Abend dran war, genau das zu tun. Getauft war ich schon vorher. Ich machte einen sehr bewussten Schritt und sagte: Ich möchte selber glauben! Nach dem Abend wurde mir meine Gemeinde sehr wichtig. Dort wurde ich aufgefangen, dort habe ich viel über den Glauben gelernt und mich dann auch mit meinen Gaben eingebracht. Ich war so „hungrig nach Gott“, dass ich sogar mehrere JG-Gruppen besucht habe.

Wie bist du nach Freiberg gekommen?

Nach dem Abitur hatte ich erst in Freiberg an der TU studiert und dann das Studium abgebrochen. Im Januar 2011 bekam ich dann die Möglichkeit, in der Jakobigemeinde mein FSJ zu machen.

Welchen Eindruck hattest du damals von unserer Gemeinde?

Ich fand die Gemeinde und Gundula, die damalige Pfarrerin, sehr cool. Die Lebendigkeit des Gemeindelebens empfand ich sehr angenehm und begeisternd. Ich hatte das Gefühl, willkommen zu sein und gebraucht zu werden. Ich fühlte mich sehr wohl, weil es hier viele Christen gab, die genau wie ich ganz nah an Jesus dran sein wollten.

Hattest du den Entschluss, Theologie zu studieren, schon vor deinem FSJ gefasst oder reifte er erst in dieser Zeit?

Er entstand erst in der FSJ-Zeit. Als ich mich entscheiden musste, wie es danach weitergehen soll, habe ich alle meine Mentoren gefragt. Sie sagten, dass der soziale Bereich zu mir passt. Dann stand ich vor der Frage, ob ich eher Gemeindepädagogik bzw. Sozialpädagogik oder lieber Theologie studieren sollte. Ich wollte auf alle Fälle in irgendeinem Bezug zur Kirche bleiben, habe hin und her überlegt und gebetet. Irgendwann musste dann eine Entscheidung fallen. Und da habe ich zu Gott gesagt: „Okay Gott, ich studiere jetzt Theologie. Wenn du etwas anderes willst, sag es mir!“ Er hat erst mal nichts gesagt. Aber während des ganzen Studiums hat sich immer wieder bestätigt, dass sich Gott hinter meine Entscheidung gestellt hat. Wobei mir immer klarer geworden ist, dass es gar nicht so genau darauf ankommt, was ich im Speziellen studiere, sondern ob Gott sein Ziel mit mir erreicht.

Welche Herausforderungen hattest du während deines Studiums?

Oh, es waren viele und sie begannen gleich am Anfang. Die Schule hatte ich geschafft, ohne „mal so richtig zu lernen“. Das ging im Studium nicht mehr. Ich bin bei Prüfungen durchgefallen und war erschüttert. Aber dann kam die notwendige Erkenntnis. Ich musste das Lernen erst lernen! Und das war hart. Besonders die alten Sprachen Hebräisch und Griechisch waren ganz schöne Brocken. Mit Gottes Hilfe habe ich aber alle Prüfungen bestanden. Dann macht das Studium auch mit einem selbst etwas. Man kommt mit einem gewissen Glauben hinein und hat bestimmte Ansichten. Tendenziell sind die Ansichten, die in der Universität vermittelt werden, schon sehr gesetzt, sehr kritisch. Und manchmal fragt man sich: „Was ist denn nun aber mit dem, was ich bisher erlebt habe?“ Zum Beispiel mit den Geistesgaben. Sie werden für nicht so relevant oder für eher etwas Sonderbares angesehen. Aber dadurch, dass ich auf menschlicher Ebene einen recht guten Draht zu den Professoren hatte, konnte ich damit umgehen, auch wenn sie eine andere Sicht auf die Dinge hatten. Wichtig waren für mich dabei Freunde, die ebenfalls aus erweckten Gemeinden kamen und charismatische Erfahrungen hatten. Sie ermutigten mich und halfen mir mit dem Tipp: Das eine ist dein persönlicher Glaube. Das andere ist die Theologie, die wird vermittelt und gelernt. Man kann viel Gutes mitnehmen. Das andere nimmt man zur Kenntnis, um diskussionsfähig zu werden.

Welche Erwartungen hast du für deine Zeit in unserer Gemeinde?

Ich sehe diese Zeit als eine gute Vorbereitung auf mein Vikariat und als eine Möglichkeit, wieder in die aktive Gemeindearbeit hineinzukommen. Gerade während der Examenzeit hatte ich einfach kaum Zeit für Gemeinde. Wir besuchten nur noch den Sonntagsgottesdienst. Mehr ging leider nicht. Für mich ist es aber auch eine Zeit, um zu prüfen, ob der eingeschlagene Weg der Richtige ist. Ich bin sehr gespannt darauf, was ich hier alles lernen, wie ich mich einbringen und ausprobieren kann.

Auf welche Gemeindeaufgaben freust du dich besonders?

Ich mag es allgemein, mit Menschen zu tun zu haben. Ich freue mich auf die Besuchs- und Predigtdienste, u.a. im PROMISE am 27. April. Ich hoffe, dass ich Daniel Liebscher etwas entlasten kann. Ich werde Dinge aufarbeiten, die sonst liegen bleiben würden. Und ich soll auch die Möglichkeit haben, mich auf verschiedenen Gebieten zu erproben.

Wofür brennt dein Herz vor allem in Bezug auf Gemeinde und Glauben?

Dafür, dass einerseits Menschen, die Jesus noch nicht kennen, ihn finden und als ihren Herrn annehmen, eine Beziehung zu ihm aufbauen können. Und dass andererseits Menschen, die bereits in der Gemeinde sind, ihren Platz darin finden. Sie sollen nicht nur auf dem Papier dazugehören, sondern ein Teil echter Gemeinschaft sein, die wächst.

Wie lebst du täglich deinen Glauben?

Das ist immer herausfordernd mit einem Kleinkind. Wir versuchen aber, Emma schon in unser Glaubensleben mit hineinzunehmen. Wir lesen die Losung zum Frühstück und beten vor dem Essen, was für sie eine totale Herausforderung ist, weil sie deshalb eineinhalb Minuten warten muss. In unserer Ehezeit mit Jesus lesen wir regelmäßig gemeinsam die Bibel und beten. Das klappt mal besser, mal schlechter. Ansonsten versuche ich, regelmäßig Lobpreis zu machen und „mit Jesus spazieren zu gehen“. Das klappt jetzt auf dem Land ganz gut.

Welcher Bibelvers ist dir besonders wichtig?

In Josua 1 gibt es da mehrere Stellen. Speziell Josua 1,9: Sei stark und mutig! Hab keine Angst und verzweifle nicht. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst.

Was bringt dich zum Danken?

Wenn große Schritte geschafft sind. Zum Beispiel das Examen, das war ein richtiger Klotz. Und wenn sich plötzlich Dinge ergeben, bei denen ich von menschlicher Seite aus Grund hätte zu verzweifeln und dann aber feststelle, dass Gott irgendwo seine Hand mit im Spiel hatte. Also beispielsweise, dass ich jetzt hier sein kann. Das Arbeitsamt hat mir ganz schön Stress gemacht, dass ich endlich etwas finden muss. Dieses Getriebensein hat mich emotional ziemlich mitgenommen. Aber dann hat es sich auf gute Weise ergeben, dass es hier einen Platz für mich gibt und ich gebraucht werde. Ich kann Gott von Herzen danken, wenn sein Wirken so überraschend gerade dort kommt, wo ich zuerst nur die Probleme gesehen habe.

Welche der drei Feiertage sind dir am wichtigsten: Karfreitag, Ostern oder Pfingsten?

Spannend finde ich immer Karfreitag. In vielen Kirchen kennt man an diesem Tag nur eine seltsam gedrückte Stimmung. Der Sieg Jesu am Kreuz geht in Traurigkeit unter. Und dann gibt es im Gegensatz dazu die Lobpreisgottesdienste in Annaberg-Buchholz am Karfreitag-Abend, wo man eben Lobpreis macht. Und dieser ist der größte, lauteste und spannendste Lobpreis des Jahres. Das finde ich ganz cool, aber beides ist mir wichtig. Einerseits ist Jesus für unsere Sünde gestorben. Wenn man sich das überlegt: Es war der furchtbarste Tag für ihn, eine wirklich große Sache, die er auf sich genommen hat. Und andererseits ist sein Sieg am Kreuz der Grund, warum wir Christen sind, warum wir leben und warum wir feiern können und müssen. Diese Spannung finde ich wichtig und gut.

Was willst du unseren Gemeindemitgliedern zu deinem Start sagen?

Ich habe überlegt, was ich damals zum Start meines FSJ gesagt hatte. Das war der Wunsch, dass ich Segen empfangen und ein Segen sein möchte. Ich glaube, das möchte ich auch jetzt.

Danke für das gute Gespräch und willkommen in unserer Gemeinde.




66

Zweifeln beginnt damit, dass ich mir Sorgen mache

Franz Keller, Schüler der 11. Klasse, ist Mitarbeiter in der Jungen Gemeinde, im PROMISE und im Beamerteam. Das Interview mit ihm führte Frank Herter.

Franz, was sind deine Hobbys?

Als erstes fällt mir Fußball ein, aber eigentlich mache ich alle Ballsportarten ziemlich gerne: Basketball, Hockey, Volleyball. Seit drei Jahren spiele ich aktiv Tischtennis und ich liebe Dart.

Was ist das Wichtigste für dich im Leben?

Das Wichtigste für mich ist, dass Gott immer mehr der Mittelpunkt in meinem Leben wird. Das geht nicht sofort wie mit einem Schnips, das ist ein Prozess. Oft ist Gott bei mir wie ein springender Gummiball, mal ist er drin und mal ist er nicht mehr drin. Für mich ist es immer wieder eine Herausforderung, Gott in den Mittelpunkt zu setzen bei allem, was ich tue. Wenn er der Mittelpunkt ist, trachte ich nach seinem Willen, lese ich die Bibel, mache ich Stille Zeit und Lobpreis. Ich habe mal einen guten Spruch gehört: „Der Wille des Vaters soll immer mehr mein Wille werden!“ Nicht, dass ich Gottes Marionette bin und robotermäßig das mache, was er will, sondern dass ich von Gottes Geist verwandelt werde und letztlich sein Wille mein Wille wird.

Wie sieht dein Glaubensweg bis heute aus?

Bis zum Herbst 2013 war mein Glaubensleben relativ belanglos. Meine Eltern haben mich jeden Sonntag in den Gottesdienst mitgenommen. Mein Glaube war sehr traditionell geprägt.
Bis meine Schwester zu mir kam und sagte: „Franz, hast du nicht mal Lust, auf eine Rüstzeit nach Annaberg zu fahren?“ Ich bin dann mit einem Kumpel zusammen dorthin gefahren. Auf der Rüstzeit habe ich zum ersten Mal verstanden, dass Gott nicht fern, sondern ganz nah ist. Dass dieses große Wesen vor 2000 Jahren Mensch geworden ist, damit er uns nahe sein kann. Ich habe verstanden, dass er ein Gott der Liebe ist und jeden einzelnen Menschen so liebt, wie er ist. Dort habe ich Jesus in mein Leben eingeladen und mich bekehrt. Plötzlich konnte ich sogar langen Predigten von Anfang bis Ende zuhören, weil sie mich total angesprochen haben.
Nach der Rüstzeit hat mir meine Schwester weiter geholfen, an Jesus dranzubleiben. Damals habe ich „Feuer gefangen“. Ich fahre regelmäßig auf Rüstzeiten und bin immer mehr im Glauben gewachsen. Man kann es so vergleichen: Jeder ist ein leeres Gefäß, das immer wieder mit biblischem Input gefüllt werden muss. Die Rüstzeiten sind bis heute für mich ein großer Segen und machen mir viel Spaß. Außerdem ist es krass, wie viele Leute ich dort kennengelernt habe.
Seit Herbst 2015 bin ich auch als Rüstzeitmitarbeiter dabei. Das hat zusätzlich bewirkt, dass ich im Glauben gewachsen bin.

Hattest du in letzter Zeit ein besonderes Erlebnis mit Gott?

Ich komme gerade von der Silvester-Rüstzeit aus Großrückerswalde zurück. Ich bin mit relativ wenigen Erwartungen auf die Rüstzeit gefahren. Es war dann aber sehr cool mit Stadtspiel, Jungs-Mädels-Abend, Silvesterabend, Lobpreis und coolen Themen.
Und dann kam am letzten Tag eine Gruppe Jugendlicher aus Manchester (England) mit ihrem Leiter Simon und seiner Frau. Sie machen eine christliche Arbeit unter Jugendlichen in Strafanstalten und erzählen ihnen von Jesus. Außerdem haben sie eine Lebensgemeinschaft „The oaks“ (Die Eichen), wo sie entlassenen Straftätern eine neue Heimat bieten. Und diese Gruppe mit zwölf Leuten besuchte uns auf der Rüstzeit. Drei von den Jugendlichen haben ihre Lebenszeugnisse erzählt, wie sie Jesus im Gefängnis kennengelernt haben. Dann hat Simon eine echt krasse Predigt gehalten. Das war aber noch nicht alles. Nun kam seine Frau nach vorne und hat gebetet. Sie hatte prophetische Worte für jeden auf der Rüstzeit. Dann sind die anderen der Lebensgemeinschaft zu einzelnen Teilnehmern gegangen und haben auch für sie gebetet. Das beste aber war, dass der Leiter Simon zu mir kam und für mich in Englisch gebetet hat.

Vervollständige bitte mal den Satz: Ein Leben ohne Gott wäre für mich wie ...

… ein Apfel ohne Kerne. Das hätte keinen Sinn, er würde zwar gut schmecken, aber es würde nichts aus ihm wachsen. Er hätte seinen Sinn verloren. Mein Leben wäre total sinnlos ohne Gott. Er hat mir gezeigt, dass es noch viel mehr gibt und gesagt: Du lebst nicht nur für dieses Leben. Du kannst nach dem Tod weiterleben. Andere sollen auch zum Glauben kommen durch dich.

Gibt es eine Frage, die du gern mal Gott stellen würdest?

Ich würde ihn direkt fragen: Was soll ich nach der Schule tun?

Hast du schon einmal an Gott gezweifelt?

Zweifeln ist ein großes Feld. Für mich beginnt zweifeln schon damit, dass ich mir Sorgen mache um etwas. Die Bibel sagt:
Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. (1.Petrus 5,7)
Gott sagt: Ihr seid nicht allein. Er hat uns seinen Heiligen Geist gegeben, dass wir uns um nichts sorgen brauchen. Zweifeln fängt für mich schon da an, wenn ich sage: Ich habe Angst vor der nächsten Klassenarbeit. Dann traue ich Gott nicht zu, dass er mir helfen kann. Oft stehe ich im Kampf und zweifle: Das schaff ich nicht! Ich habe nicht genug gemacht! Aber warum eigentlich? Gott ist doch bei mir.

Was bringt dich zum Danken?

Jemand hat mir mal gesagt, dass die Relation von Danken und Bitten 7:3 sein soll. Also wenn du betest, sollst du siebenmal danken und dreimal bitten. In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass ich sogar danken konnte für kleine Sachen. Gott hat so viel für mich gemacht, dass es tausend Gründe gibt, ihm dankbar zu sein. Er ist der Auslöser, dass ich danken kann.

Was ist dein größtes Gebetsanliegen?

Segen. Wenn ich für andere und für mich bete, geht es oft um seinen Segen. Dass Gott mich segnet und mir seinen Heiligen Geist gibt und genauso auch die anderen Menschen segnet. Dann kann ich leichter an ihn glauben und für andere ein Segen sein.

Was ist deine Lieblings-Bibelstelle?

Die Bibelstelle, die direkt in mein Leben hineingesprochen hat, ist mein Konfispruch. Wir konnten die Bibelstelle selber wählen, aber ich wollte das nicht und habe es Superintendent Noth überlassen. Als ich bei der Konfirmation kniete, war ich sehr gespannt, wie er lautete:
Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. (2. Timotheus 1,7)
Ich war total berührt, denn Kraft braucht man immer und Liebe ist das, was Menschen zusammenhält. Und wenn man total durcheinander ist, braucht man Besonnenheit. Wenn Angst unser Leben beherrscht, ist das nicht von Gott. Wenn ich um seinen Geist bitte, flieht die Furcht. Drei positive Eigenschaften kommen und die eine negative geht weg, deshalb finde ich diese Bibelstelle echt geil.

Welchen Rat gibst du Jugendlichen, um an Jesus dranzubleiben?

Ich würde die Jugendlichen fragen, was ihr Musikgeschmack ist, und dann würde ich ihnen einen christlichen Interpreten empfehlen. Und würde ich ihnen sagen: Komm, mach jeden Tag Lobpreis in deiner Lieblings-Musikrichtung! Denn Musik spricht jeden Jugendlichen an. Dann würde ich ihnen die Zeiten sagen, wann JG und PROMISE ist. Und ich würde sie vor allem zu Rüstzeiten einladen, weil das für mich das Highlight ist.

Du bist Mitarbeiter in der Jungen Gemeinde, im PROMISE und im Beamerteam. Warum engagierst du dich in unserer Gemeinde?

Weil ich gefragt wurde. In der Gemeinde gibt es so viele Aufgaben. Überall werden Leute gebraucht, damit Gottes Reich gebaut werden kann. Wenn ich ein bisschen von meiner Zeit für Gott opfere, wächst die Gemeinde. Und Gemeinde ist mit das Beste, was Menschen zusammen machen können. Wenn ich zweimal im Monat Beamerdienst mache und statt um 10 Uhr schon um 9 Uhr komme, nutze ich meine Zeit für etwas sehr Gutes.

Vervollständige mal den Satz: Gemeinde ist für mich ...

… die Möglichkeit, an Gott dranzubleiben. Ich kann dort auftanken für die Woche, die vor mir liegt. Und dadurch kann Gott echt zu mir reden.

Was gefällt dir besonders an unserer Gemeinde?

Die jugendgerechte Art und Weise. Ich habe vor kurzem eine Predigt von Theo Lehmann gehört und da hat er den Spruch gebracht: Wer die Jugend hat, hat die Zukunft. Wenn ich jeden Sonntag die drei Kindergottesdienstgruppen sehe, wenn ich die Junge Gemeinde und den PROMISE sehe, dann ist das der Beweis dafür, dass sich die Gemeinde stark für Kinder und Jugendliche engagiert.

Bald beginnt die Passionszeit. Gibt es etwas, das dir hilft, das Leiden Jesu zu vergegenwärtigen?

Im letzten Jahr habe ich das Daniel-Fasten 40 Tage lang durchgezogen. Ich habe nur Obst und Gemüse gegessen, um Jesus näher zu sein und um die Leidenszeit Jesu etwas nachzuvollziehen. In diesem Jahr soll sich mein Fasten auf Dinge beziehen, die meinen Alltag stark bestimmen, wie etwa Handyspiele. Ich bin kein Freund von halben Sachen. Deshalb ist mein Motto auch beim Fasten: Ganz oder gar nicht!

Vielen Dank für das gute Gespräch.




65

Ich habe schon so viele Gebetserhörungen erlebt

Karin Hellinger ist von Beruf Säuglingsschwester und seit sechs Jahren verwitwet. Sie hat einen Sohn. Das Interview mit ihr führte Frank Herter.

Wie sind Sie nach Freiberg gekommen?

Ich bin in Lódz (Polen) geboren und dann 1946 mit meiner Familie nach Halle geflüchtet, wo ich aufwuchs. Später habe ich dort im Krankenhaus gearbeitet. Auf einer Urlaubsfahrt habe ich in Sotchi am Schwarzen Meer meinen Mann kennengelernt. Dass wir uns dort trafen, war ein Zufall. Er machte eigentlich nie Badeurlaube, weil er lieber zum Bergsteigen fuhr. Wegen eines Beinbruchs war das aber in jenem Jahr nicht möglich und so trafen wir uns in Sotschi. Er wohnte damals in Karl-Marx-Stadt. Wir heirateten 1970 in Halle und zogen dann nach Freiberg, weil er hier eine Arbeitsstelle als Ingenieur für Gasanwendung bei den Stadtwerken und später im Brennstoffinstitut fand. Als unser Sohn geboren wurde, habe ich dann in der Krippe gearbeitet.

Wie war Ihr Weg in unsere Gemeinde?

Ich bin christlich erzogen worden. In Halle wurde ich in einer altlutherischen Gemeinde konfirmiert und war sehr aktiv im Jugendkreis. Wir sind beispielsweise regelmäßig zum Singen zu älteren Leuten gegangen. Als wir nach Freiberg kamen, gab es erst einmal eine „Funkstille“ in Bezug auf Glauben und Gemeinde, weil mein Mann aus der Kirche ausgetreten war und ich als Altlutheranerin schlecht Anschluss fand. Ich bin dann sehr krank geworden: Ich hatte einen Hirntumor. Aber gerade durch diesen Schicksalsschlag lernte ich wieder das Beten. Und Gott hat meine Gebete wunderbar erhört. Nach meinem Klinikaufenthalt in Chemnitz suchte ich den Kontakt zur Christophorus-Gemeinde, die ich schon von den Krippenspielen in Zug gut kannte. Ich ließ mich dort 1990 eingemeinden, weil ich den familiären Charakter schätzte. Nach einiger Zeit wurde ich dann von Frau Örtel als Mitarbeiterin für den Frauenkreis geworben und bin so recht schnell in die Gemeinde hineingewachsen.

Was ist das Wichtigste für Sie im Leben?

Das Wichtigste ist, dass man, wenn es einem nicht gut geht, jemanden hat, zu dem man beten kann. Und das ist Jesus. Ich habe schon so viele Gebetserhörungen erlebt. Er ist mein Halt. Mein wichtigster Bibelvers ist mein Konfirmationsspruch:
Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg. (Psalm 119,105)
Unser Pfarrer hatte mir diesen Vers in meine Konfirmationsbibel geschrieben mit dem Zusatz: „Zum häufigen Gebrauch“. Das habe ich mir zu Herzen genommen.

Welche Gebetserhörungen haben Sie denn schon erlebt?

Die größte Gebetserhörung war, dass ich wieder gesund geworden bin und der Gehirntumor erfolgreich operiert werden konnte. Wenn ich Angst habe, bete ich jedes Mal und erlebe, wie Jesus mir hilft. Ich habe auch viel um meinen Mann und meinen Sohn gebetet. Beide waren bzw. sind Bergsteiger. Mein Sohn hat sogar sein Hobby zum Beruf gemacht und ist Industrie-Kletterer (gerüstfreie Seiltechnik mit eigener Firma) geworden. Wenn er sich lange nicht meldet, habe ich Angst um ihn. Ich bringe dann meine Angst zu Jesus. Und er hat schon viele Male meine Gebete erhört. Außerdem zeigt er mir den richtigen Weg, wenn ich Entscheidungen treffen muss. Seine Antwort bekomme ich nicht immer sofort, aber spätestens nach ein paar Tagen kommt mir die Erkenntnis. Dann weiß ich: Das habe ich von Gott jetzt gesagt gekriegt. Der Glaube ist es, der mich dahin führt, dass ich das merke.
Das habe ich erst vor kurzem wieder erleben dürfen. Ich war mit einer ehemaligen Kollegin zum Wandern in Tirol im Urlaub. An einem Tag waren wir auf dem wunderschönen Panoramaweg unterwegs. Je höher wir kamen, desto schmaler und schwieriger wurde der Weg. Ich war auch nicht mehr so sicher zu Fuß wie früher. Bei der Rast auf einer Bank gab uns ein junges Ehepaar einen guten Rat: „Wenn wir Ihnen einen Rat geben dürfen, gehen Sie hier nicht weiter. Bis jetzt ist der Weg noch gangbar für Sie, aber nach der Kurve geht er am Grat entlang. Das ist nicht ungefährlich!“ Da habe ich wieder Gottes Rat gehört. Das sind seine Führungen. Er ist mein Halt und mein Schirm. Wir sind dann umgekehrt und wieder sicher nach Hause gekommen.

Was ist Ihr größtes Gebetsanliegen?

Dass mein Sohn zum Glauben findet. Das ist meine größte Sorge als Mutter.

Und welche Hobbys haben Sie?

Ich laufe sehr gerne mit meiner ehemaligen Kollegin in einem flotten Wanderschritt oder bastle im Frauenkreis. Ich bin auch in einer Senioren-Sportgruppe. Dort gefällt mir besonders das Ausdauertraining.

Warum liegt Ihnen „Weihnachten im Schuhkarton“ so am Herzen?

Weil mich die Freude der Kinder berührt, wenn sie einen Geschenkkarton bekommen. Wichtig ist, dass der Karton überreicht wird mit der Erklärung, wo er herkommt. Mir ist es ein Anliegen, dass die Kinder dorthin finden, wo ich schon bin mit meinem Glauben.

Was fällt Ihnen als erstes zu unserer Gemeinde ein?

Ich freue mich, dass es mit Christophorus und Jakobi so gut klappt und es so eine lebendige Gemeinde geworden ist. Es gibt viele Kinder, Jugendliche und Familien. Mich stört es nicht, wenn man Kinder im Gottesdienst hört. Ich freue mich über sie, weil sie die Zukunft unserer Kirche sind.

Wenn Sie an unserer Gemeinde etwas verändern könnten, was würden Sie tun?

Eigentlich nichts. Ich bete allerdings viel, dass die anstehende Kirchen- Reform so wird, wie es Gottes Wille ist.

Wie feiern Sie die Advents- und Weihnachtszeit?

Advent feiern wir gemütlich im Frauenkreis. Mit Helga Kluge treffe ich mich gerne zum adventlichen Kaffeetrinken. An Weihnachten freue ich mich, dass mein Sohn da ist. Wir feiern zusammen und gehen dann um 22:00 Uhr zur Christmette.

Vielen Dank, Frau Hellinger, für das gute Gespräch.




64

Der Weg mit Jesus scheint mir zu klar und zu logisch, um ihn nicht zu gehen

Unser Interviewpartner ist dieses Mal Jürgen Hess, Mechatroniker. Er ist glücklich verheiratet mit Karina. Zur Familie gehören außerdem ihre beiden erwachsenen Söhne Alfred und Richard. Frank Herter interviewte ihn beim Kaffeetrinken.

Jürgen, bist du eigentlich ein Freiberger?

Nein, ich komme aus Johanngeorgenstadt bei Schwarzenberg, meine Frau Karina aus Langenau. Wir haben uns während meines Studiums in der Studentenkneipe „Alte Mensa“ kennengelernt. Nach sieben Semestern habe ich mich dann beruflich wegen Perspektivlosigkeit anders orientiert und später die Ausbildung zum Mechatroniker absolviert. Danach war ich zwölf Jahre bei Solarworld u.a. in der Forschungsabteilung tätig. Durch die Insolvenz bin ich jetzt für 6,5 Monate in einer Transfergesellschaft. Sie vermittelt rund 850 Mitarbeiter in neue Arbeitsverhältnisse. Ich bin deswegen nicht unglücklich, sondern freue mich auf eine neue Aufgabe, die mir gefällt und Freude macht. Ich weiss noch nicht genau, wie es weitergehen wird. Das ist im Moment eine komische Zeit, da gibt es auch mal eine schlaflose Nacht. Aber ich vertraue darauf, dass es mit Gottes Hilfe klappen wird.

Wir kennen uns u.a. aus dem Glaubenskurs. Kannst du uns deine Geschichte mit Gott erzählen?

Meine Geschichte mit Gott hat damit angefangen, dass ich meine Frau Karina kennengelernt habe, die getauft ist. Als wir Kinder bekamen wollte sie, dass unsere Söhne auch getauft werden. Ich habe mich der Sache nicht in den Weg gestellt. Und sie haben in der Jakobikirche dann an der „kirchlichen Ausbildung“ mit Kindergottesdienst, Konfirmandenunterricht usw. teilgenommen. So gingen wir ein- bis zweimal im Monat in den Gottesdienst – noch mit einem ganz anderen Vorsatz und anderen Gedanken im Kopf als jetzt, aber es hat mich auch schon beeinflusst. Pfarrerin Gundula Rudloff hatte einen sehr guten Einfluss auf unsere Söhne. Alfred hat begonnen, Gitarre zu spielen und sich später in einer Band engagiert. Richard hat bei den Anspielen mitgemacht und sogar Stücke selber geschrieben. Ich habe auch bemerkt, dass die Freunde, die bei uns zu Hause „aufgeschlagen sind“, alles nette, wohlerzogene Typen waren. Ich bin dann mit zum PROMISE gegangen, weil ich meine Kinder dort erleben wollte. Da habe ich gesehen, was in der Kirche bei der Jugend so abgehen kann. Außerdem merkte ich, dass verschiedene Leute in unserer Nachbarschaft auch in die Jakobikirche gingen. Alle Leute, die mir ans Herz gewachsen und die mir wertvoll geworden sind, mit denen ich mich gerne unterhalte, waren Christen und in der Jakobigemeinde. Im Herbst 2015 hat Daniel Liebscher angedeutet, dass es im Januar einen Glaubenskurs geben wird. Den ersten Mittwoch haben wir verpasst, aber am zweiten Abend waren wir dabei. Anfangs bin ich zu den Terminen sehr widerwillig hingegangen, weil abends im Fernsehen sehr wichtige Fußballspiele liefen. Aber nach den Abenden war das ganz anders. Ich hatte überhaupt nicht mehr das Gefühl, dass ich etwas verpasst habe und war letztlich doch froh, dass ich mitgegangen bin. Alfred und Richard haben mich darauf hingewiesen, dass das ja nicht von ungefähr kam. Dann ging das Gehirngetriebe bei mir an und ich dachte, dass ich der Sache mit dem Glauben eine reale Chance geben will. Ich nahm mir vor, ab jetzt ein viertel Jahr lang jeden Gottesdienst zu besuchen und den Glaubenskurs durchzuziehen. Ich sagte mir: Das mit dem Jesus will ich jetzt wissen. Beim vierten oder fünften Abend ist mir bewusst geworden, dass der Glaube eine Sache der eigenen Entscheidung ist. Ich muß nicht warten, bis mir Jesus buchstäblich „gegenüber steht“ und ich eine brachiale Erfahrung habe, die mich umhaut, sondern ich versuche es einfach einmal und gebe der Sache mit Jesus eine Chance. Nach einiger Zeit habe ich erkannt, dass es mit Gott viel einfacher ist, Problematiken und anstehende Sachen zu bewältigen, als ohne ihn. Das war eine wichtige Erfahrung für mich. Nach dem achten Mal habe ich gemerkt, dass sich wirklich was getan hat. Und ich habe mit Schrecken realisiert, dass es nur noch zwei Abende gab und dann der Kurs vorbei war. Ich fragte meine Frau: Und was ist dann? Da fehlt uns was. Und so hatten wir uns damals vorgenommen, in einen Hauskreis zu gehen. Im Herbst 2016 kam dann der Wunsch in mir auf, mich im nächsten Jahr taufen zu lassen. 2017 haben wir den Glaubenskurs noch einmal besucht.

Vor kurzem wurdest du im Gottesdienst unserer Gemeinde getauft. Welche Bedeutung hat deine Taufe für dich?

Die Taufe war ein hervorragender Moment. Das hat mich total berührt. Ich konnte die Tränen kaum verbergen, es war sehr ergreifend. Ich saß so günstig in der Kirche, dass ein Sonnenstrahl direkt auf mein Gesicht gefallen ist. Ich hatte den Eindruck, dass alles im Gottesdienst ganz speziell für mich war.

Welchen Rat gibst du jemandem, der auf der Suche nach Gott ist?

Jemandem, der alles hinterfragt und für alles Beweise braucht, sage ich: Man kann nicht alles beweisen. Ich kann nicht beweisen, ob ich meine Mutti oder meinen Pappi liebe. Ich habe sie einfach lieb. Glaube ist eine Frage der Entscheidung. Als Nicht-Christ habe ich überhaupt nicht gewusst, dass ich mit meinen Problemen vor Gott treten und er mir die Probleme auch wegnehmen kann. Ich habe alles mit mir rumgeschleppt, viele Jahre. Wahnsinn! Jetzt habe ich die Erfahrung gemacht, dass mir vieles mit Gott bedeutend leichter fällt. Die meisten Menschen, die ich kenne, haben mit Gott zu tun. Das ist doch nicht von ungefähr. Ich kann diese „Gottesangelegenheit“ nicht mit so einem Abstand bewerten, wenn ich weiß, dass diese Menschen, die mir am Herzen liegen, mit Gott sind. So habe ich mich halsüberkopf in dieses „Gottesleben“ reingestürzt. Ich gehe jeden Sonntag in den Gottesdienst. Ich bete früh, wenn ich mit dem Auto oder dem Moped zur Arbeit fahre. Am Nachmittag danke ich Gott für alles, was er gemacht hat. Wie oft habe ich mir früher gesagt: Mann, hatte ich ein Glück! Heute sehe ich das anders, weil ich weiß, dass Gott mein Leben in der Hand hat. Ich bin noch nie so locker und gelöst in einen Arbeitsplatzwechsel gegangen. Ich habe überhaupt keine Angst mehr davor. Ich gehe nicht unter die Brücke zum Sterben. Ich vertraue Gott!

Was sind deine Hobbys?

Ich spiele gerne Fußball bei den „Alten Herrn“ im SV Fortuna Langenau. Dort war ich auch viele Jahre Fußballtrainer. Ich fahre gerne Fahrrad und Motorrad.

Welcher Bibelvers ist für dich am wichtigsten?

Der heimgekehrte bzw. der verlorene Sohn aus Lukas 15,11f:
Und er (der verlorene Sohn) machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.
Die Liebe des Vaters hatte ich vor zwei Jahren absolut noch nicht verstanden, aber heute ist mir das ganz wichtig, ein Gradmesser. Dass ich niemand danach beurteile, was er gemacht hat, sondern ich beurteile, wie er ist und wie er sich mir gegenüber gibt. Ich habe viel mit Leuten zu tun auf Arbeit. Da gibt es schon mal jemanden, der vom Benehmen her oder fachlich daneben getreten ist. Mir ist wichtig, dass ich die Leute in meinem Team unvoreingenommen und fair behandle. Kein Mensch hat es verdient, extra gut oder extra schlecht behandelt zu werden. Ich muss sie alle gleich gut behandeln. Gott ist es wichtig, dass er sich um jeden gleich gut kümmert.

Welches Glaubensthema beschäftigt dich zurzeit?

Ich bin ja noch nicht so lange Christ. Es ist aber erstaunlich, was mir in den letzten eineinhalb Jahren klar geworden ist. Ich habe natürlich das Glück, zwei „Profis“ - meine Söhne Richard und Alfred – zu Hause zu haben, die beide theologische Fächer studieren. Wenn wir zusammen mit dem Auto fahren, haben wir oft ein Thema drauf. Dann diskutieren wir leidenschaftlich und ich bekomme eine Lehrstunde in Glaubensfragen von den beiden. Das macht viel Spaß. Mir ist es übrigens wie Schuppen von den Augen gefallen, dass ich jetzt mit Menschen anders umgehen muss. Das betrifft auch unsere Ehe. Wo ich mir früher keine Gedanken gemacht habe, wie ich Kritik äußere, bin ich jetzt durch Jesus ruhiger und verständnisvoller geworden.

Was begeistert dich, wenn du an unsere Gemeinde denkst?

Ich bin ein begeistertes Mitglied der Jakobigemeinde und das nicht erst jetzt, sondern schon, seit meine Jungs in die Junge Gemeinde und die PROMISE Gottesdienste gegangen sind. Ich habe gesehen, wie sie dort aufgelebt sind. Die Jakobigemeinde ist eine lebendige Gemeinde, weil man alle Altersgruppen trifft, auch viele junge Familien mit ganz kleinen Kindern.

Hast du Wünsche an unsere Gemeinde?

Mein größter Wunsch ist, dass sie diese Power und diese Vielfältigkeit behält. Ich habe mir mit Karina überlegt, dass wir uns im Kirchencafé-Team aktiv einbringen wollen. Das Kirchencafé ist sehr wichtig für die Gemeinschaft und für Leute, die sonst niemanden haben.

Wir feierten vor kurzem das Erntedankfest. Für welche drei Punkte bist du Gott besonders dankbar?

Erstens bin ich Gott total dankbar, dass er mich zu sich geholt hat. Das ist der wichtigste Punkt, weil alles andere darauf aufbaut. Dass meine Kinder den Weg mit Jesus gegangen sind, kommt ja nicht von ungefähr.
Ich bin zweitens Gott dankbar, dass ich durch meine Kinder und meine Frau zu Gott gekommen bin.
Und drittens bin ich dankbar, dass mein Leben so läuft wie es läuft. Es gibt Höhen und Tiefen, das ist ganz normal. Ich bin jetzt von Leuten angesprochen worden: „Wir haben dich vor der Kirche gesehen!“ Da sagte ich: „Ja, ich gehe jeden Sonntag in die Kirche!“ Sie flüsterten mir dann ins Ohr: „Oh, wir sind jetzt auch mal wieder da gewesen!“ Ich sagte dann: „Ihr könnt ruhig laut reden!“ Ich bin noch nie negativ auf den Glauben angesprochen worden. Und wenn, das würde mich jetzt auch nicht stören, es könnte mich nicht von meinem Weg abbringen. Der Weg mit Jesus erscheint mir zu klar und zu logisch, um ihn nicht zu gehen.

Vielen Dank für dieses spannende Interview.




63

Der Glaube kann gar nicht nicht-wahr sein

Justine Richter ist seit einiger Zeit Mitarbeiterin in der Jungen Gemeinde und beim PROMISE Jugendgottesdienst. Sie wohnt in Halsbach und hat gerade ihr Abi gemacht. Zurzeit steckt sie in den Vorbereitungen für ihr Auslandsjahr bei der Missionsgesellschaft Operation Mobilisation (OM). Frank Herter hat sich zum Interview mit ihr im Albertpark getroffen.

Was fasziniert dich an Jesus Christus?

Jesus ist eine Persönlichkeit, die mir jeden Tag so individuell begegnet, wie ich es brauche. Wenn ich einen besten Freund brauche, begegnet er mir als Freund. Wenn ich nicht weiß, wie es weitergeht, zeigt er mir, wohin ich gehen muss. Wenn ich Trost brauche, tröstet er mich.

Was mich vor allem fasziniert, ist seine allumfassende Liebe. Kannst du uns deine Glaubensgeschichte erzählen?

Ich bin atheistisch aufgewachsen. In der 8. Klasse hatte ich eine Freundin, die ihren Glauben sehr lebendig lebt. Das hat mich ein bisschen gewundert, weil ich wusste, dass sie über alles gut nachdenkt und nicht ganz dämlich ist. Ich habe sie dann viel über den Glauben gefragt und war total interessiert. Sie hat mich in den PROMISE mitgenommen, wo Martin Dreyer (Volxbibel) gepredigt hat. Seine Zeugnisgeschichte hat mich sehr stark angesprochen, weil sie gut auf meine Situation gepasst hat. Danach habe ich angefangen, eine Bibel zu lesen, die ich geschenkt bekommen hatte. Es begann ein Prozess, bei dem meine Zweifel immer mehr verschwanden; ich konnte es einfach glauben, obwohl mir das vorher unmöglich vorkam. Mein Leben habe ich Jesus gegeben, und zwar mit einem Bekehrungsgebet, das hinten in der Bibel drin steht; erst zu Hause und dann später in einem PROMISE.

Wie hat dein Glaube die Beziehung zu deinen Eltern beeinflusst?

Es war sehr spannungsreich. Zuerst hatte ich es meinen Eltern gar nicht erzählt, aber als ich regelmäßig zur JG gehen wollte, musste ich es ihnen dann sagen. Sie konnten es nicht wirklich nachvollziehen, weil sie nur schlechte Erfahrungen mit Kirche gemacht haben und Glaube ist ja auch nichts wissenschaftlich Erklärbares. Inzwischen kommen sie besser damit klar und wir können offener darüber reden.

Was ist deine größte Leidenschaft, wofür schlägt dein Herz?

Ich möchte gerne Jugendliche im Glauben weiterbringen und mit ihnen in Gemeinschaft das Christsein praktisch leben. Mein Herz schlägt aber auch für Kunst. Beruflich möchte ich gerne etwas Soziales, Christliches, Kreatives machen.

Bei welcher Gelegenheit hast du Gott am stärksten erlebt?

Da gibt es viele verschiedene Gelegenheiten. Einmal hat mir Gott ein extrem starkes Gefühl gegeben, für eine Person zu beten, weil es im Moment wichtig ist. Das habe ich dann gemacht und später erfahren, dass es der Person gerade total schlecht ging. Ich habe erlebt, wie Gott im Hintergrund sehr stark gewirkt hat. Außerdem habe ich erlebt, dass, egal wie schlecht es mir geht, Gott mir totale Freude schenkt, wenn ich ihm diene. Auch wenn es überhaupt nicht zu den Umständen passt. Das ist total schön und ermutigend; da spüre ich, dass der Glaube an Jesus keine Einbildung ist.

Wie redet Gott zu dir?

Er redet viel durch Bibelverse, die mir einfallen. Oder auch durch andere Menschen. Wenn ich mir unnötige Gedanken über etwas mache, dann redet Gott zu mir: Darüber brauchst du nicht nachzudenken, das steht ganz klar in der Bibel. Gott schenkt mir oft im richtigen Moment den richtigen Gedanken und ich weiß, dass es die Wahrheit ist.

Was ist dein wichtigstes Gebetsanliegen?

Ich bete regelmäßig für meine Familie und seit der Fastenzeit (Europe shall be saved - Europa soll gerettet werden) besonders auch für die Jugendlichen in Europa.

Warum möchtest du ein Auslandsjahr bei einer Missionsgesellschaft machen?

Ursprünglich wollte ich einfach nur mal ein Jahr ins Ausland. Inzwischen hat sich das ziemlich geändert. Von dem Gedanken: Wenn ich schon ins Ausland gehe, möchte ich etwas für Jesus machen und dann gehe ich auch mit einer christlichen Organisation (www.om.org) bis hin zu dem festen Entschluss: Ich will dieses Jahr Gott bewusst hingeben, mich von ihm dort gebrauchen lassen, wo er mich haben will. Ich möchte das zu seiner Ehre tun.

Du schreibst Anspiele für den PROMISE, jetzt auch aktuell wieder für das Bergstadtfest. Wie entsteht so ein Theaterstück?

Zuerst beten wir im Mitarbeiterteam darüber. Mit diesen ersten Eindrücken bete ich weiter und es entsteht eine grobe Vorstellung. Kein konkreter Plan, oft eher einzelne Teile und ein „Ziel“ des Stücks. Ich versuche dann, alles zusammenzuschreiben und es entsteht das Stück. Bei der Probe gibt es oft noch Änderungen. Aber dann ist es fertig.

Hast du noch andere Hobbys?

Ich bin im Kunst-Leistungskurs gewesen und male und zeichne auch jetzt noch sehr viel. Ich höre sehr gern Musik, spiele Theater und lese gern.

Was haben dir deine Eltern mitgegeben?

Einen großen Gerechtigkeitssinn mit festen Prinzipien, dass ich Sachen hinterfrage, meine Kreativität und ein bisschen Mathematik von meinem Papa.

Hast du Vorbilder?

Ja, viele, aber nie nur eine Person. Es sind meist eher einzelne Eigenschaften, die ich bei Leitern und Freunden bewundere und daran wachsen kann. Zum Beispiel: geduldig sein.

Worüber freust du dich zurzeit am meisten?

Ich freue mich sehr über Musik (Lobpreis) und über einzelne Gedanken, die ich darin finde. Und ich freue mich über und mit Menschen in meinem Leben, wenn sie etwas Gutes erlebt haben.

Was macht dich traurig?

Viele Leute in meinem Umfeld wissen nicht so richtig, wo ihr Leben hingeht. Nicht nur nach der Schule, sondern prinzipiell. Ihnen fehlt die Orientierung. Ich bin traurig über diese Verlorenheit überall.

Welche Bibelstelle ist dir besonders wichtig?

Seit dem Adonia-Musical „Nehemia“, in dem ich selber mitgespielt habe, ist mir diese Stelle aus Nehemia 8,10 total wichtig geworden: Seid nicht bekümmert; denn die Freude am HERRN ist eure Stärke.

Hast du schon mal an Gott gezweifelt?

Ich bin ein sehr hinterfragender, kritischer Mensch. Bei mir kommen ab und zu mal eher grundlegende Zweifel auf (Ist das überhaupt alles wahr?), vielleicht auch, weil ich früher Atheist war. Aber dann merke ich sehr schnell, dass ich schon so viel mit Jesus erlebt habe. Der Glaube kann also gar nicht nicht-wahr sein. Neulich habe ich eine Predigt gehört, die mir sehr weitergeholfen hat: Wenn wir versagen oder wenn Sachen nicht funktionieren, dann merken wir, dass wir uns nicht auf das Prinzip: "Ich bete und alles funktioniert" verlassen sollen, sondern auf die Ursache, also auf Gott! Ich habe aber öfter Probleme damit gehabt.

Welche Impulse hast du vor allem aus dem Mitarbeiter-Trainingskurs mitgenommen?

Was mich am meisten geprägt hat, war der Teil zu Heilung. Mir ist klar geworden, dass wir um Heilung in Autorität beten dürfen und es wichtig ist, dass wir das tun. Wir können uns darauf verlassen, dass Gott etwas bewirkt. Ein weiterer Punkt ist, Leiterschaft wertzuschätzen. Ich habe offene Augen für das Zusammenwirken der Mitarbeiter bekommen.

Du besuchst neben unserer Gemeinde auch gerne die Ev.-Kirchliche Gemeinschaft. Welche Bedeutung hat für dich Gemeinde?

Gemeinde ist für mich absolut wichtig. Nicht nur die Gemeinde, in der man getauft wurde, sondern der ganze Leib Christi. Wichtig ist, dass wir alle zusammenarbeiten und ein Ziel haben: dass wir alle auf Jesus hinarbeiten, ihn großmachen und er unser Zentrum ist. Dann wachsen wir zusammen und es entsteht Gemeinschaft, und nicht anders herum.

Wo siehst du die größten Aufgaben der Freiberger Gemeinden?

Ich finde, die Gemeinden sollten ihre Außenwirkung stärken. Wir machen viele coole Sachen (PROMISE, Evas, …), aber das bekommen viele Leute überhaupt nicht mit. Wir sollten mehr bekannt sein für das, was wir tun, als für die Architektur unserer Gebäude.

Welche Bedeutung hat das 500-jährige Reformations- jubiläum für dich?

Am Anfang hatte es für mich gar keine Bedeutung, ich wusste auch nicht so viel über Martin Luther. Mittlerweile hat sich das geändert. Die Punkte „Allein durch Gnade“, „Allein durch Glaube“, „Allein durch Christus“ und „Allein das Wort“ sind mir sehr wichtig geworden. Wir sind aus Gnade gerettet, aus Glauben und nicht dadurch, dass wir irgendetwas tun. In diesem Jahr habe ich das nochmal richtig verstanden. Die Reformation ist ein Prozess und wir können auch nach 500 Jahren immer noch davon lernen. Wir sollten uns wieder mehr auf diese Punkte konzentrieren.

Vielen Dank für dieses ehrliche Interview.




62

Wachstum in die Tiefe ist mir wichtig

Anke Büttner ist Ergotherapeutin und lebt mit ihrem Mann Tomas und ihren beiden erwachsenen Söhnen, Clemens und Daniel, in Seifersdorf (bei Großschirma). Frank Herter traf sich mit ihr zu einem Interview.

Wie sieht deine persönliche Geschichte mit Gott aus? Wie bist du zum Glauben gekommen?

Ich bin traditionell christlich erzogen worden und besuchte von Kind auf die zahlreichen Angebote der Domgemeinde: Ev. Kindergarten, Christenlehre, Konfirmandenstunde und Junge Gemeinde. Während meiner Konfirmationszeit war mir schon klar, dass ich mit Gott ernst machen möchte. Deshalb war es für mich bei der Konfirmation ein bewusstes Ja-Sagen. In die Junge Gemeinde bin ich dann sehr schnell eingestiegen, zuerst als Teilnehmerin und dann auch als Mitarbeiterin. Meine Lebensübergabe fand später bei einem Jugendgottesdienst mit Theo Lehmann in der Jakobikirche statt.
Wachstum in die Tiefe ist mir schon immer wichtig gewesen. Ich war auch früher schon fragend, wobei mich nie Zweifel gequält haben. Glaube war stets „gewiss“. Ich traf mich mit drei anderen Jugendlichen zusätzlich zur JG in einem Bibelkreis. Nach meiner Ausbildung und der Hochzeit mit Tomas hat sich daraus ein Hauskreis entwickelt, den es nach über 20 Jahren mit vielen Veränderungen heute noch gibt.

Was fasziniert dich an Jesus?

Oh, ganz viel! An Jesus fasziniert mich, dass er in der Herrlichkeit Gottes war und dann auf die Erde gekommen ist. Er hat als einfacher Mensch gelebt, obwohl er wusste, wie es beim Vater war. Und dass er sich für diesen Weg nicht zu schade war, vom Säugling zum Pubertierenden, zum Zimmermann und schließlich bis ans Kreuz zu gehen. Ich finde es sehr faszinierend, er hat es aus Gnade und Liebe für uns getan, obwohl er uns noch gar nicht kannte.

Ein Leben ohne Gott wäre für dich wie …

… rumstochern in der Dunkelheit, planlos, ziellos, haltlos, fundamentlos – nicht vorstellbar.

Hat dich Gott schon einmal überrascht?

Er überrascht mich jeden Morgen neu, mit vielen kleinen und großen Dingen.

Welche Bedeutung hat für dich das Wirken des Heiligen Geistes?

Ich finde es genial, ihn als Stellvertreter Jesu in Anspruch nehmen zu können und zu wissen, dass er mir die enge Verbindung zum Vater ermöglicht. Er ist immer da und ich bin hier auf der Erde nicht alleine.

Was beschäftigt dich in Bezug auf Gott zurzeit am meisten?

Geistliches Wachstum.

Hast du ein Hobby?

Ich arbeite gern kreativ mit Ton, Papier und Holz. Dazu gestalte ich so manches in unserem Fachwerkhaus und im Garten.

Was machst du nach einem anstrengenden Arbeitstag, um zu entspannen?

Ich bin jemand, der eher aktiv entspannt. Das totale Ausruhen fällt mir sehr schwer. Wenn ich Zeit habe, laufe ich meine Runde von fünf Kilometern. Das macht mir den Kopf frei. Oder ich genieße eine Tasse Espresso vor unserem Haus auf der Bank.

Wenn Zeit und Geld keine Rolle spielten, was würdest du dann gern einmal machen?

Ich würde unser Haus fertig sanieren.

Welcher Bibelvers ist dir besonders wichtig? Das ist der Psalm 23: Der Herr ist mein Hirte.

Wie sieht deine tägliche persönliche Zeit mit Gott aus?

Ich lese am Morgen die Losung und höre zwei Morgenandachten im Autoradio. Dazwischen nehme ich mir eine Gebetszeit. Am Abend komme ich manchmal noch zum Bibellesen.

Du bist Mitinitiatorin des Leitertrainingskurses. Was bewegt dich in Bezug auf Leiterschaft in unserer Gemeinde?

Ich sehe sehr viele „Felder“, die bestellt werden müssen, und sehr wenige „Bauern“, die das tun. Es gibt einen Mangel an Mitarbeitern und Leitern. Der Leitertrainingskurs will potentiellen Mitarbeitern helfen, sich zu entwickeln. Sie sollen ihren Platz in der Gemeinde finden und an Aufgaben herangeführt werden.

Was ist dein größtes Gebetsanliegen?

Das sind viele einzelne Menschen, aber auch ganze Familien. Ich bete um geistliches Wachstum, aber auch für die weltweite Politik.

Worüber freust du dich zurzeit am meisten?

Über meine beiden Jungs. Ich freue mich, dass Daniel im Sommer ein Auslandsjahr in Thailand machen kann. Ich freue mich über Clemens, wie er in seinen Aufgaben im Studium wächst. Und ich freue mich über meinen Mann, dass er mich liebt und wir wieder mehr Zeit füreinander haben.

Welche drei Stichworte fallen dir ein, wenn du an unsere Gemeinde denkst?

Lebendig – Tiefgründig – Wachsend.

Was gelingt unserer Gemeinde besonders gut?

Ich finde die Gottesdienste sehr gut, weil alle Altersgruppen angesprochen werden.

In welchem Bereich siehst du in unserer Gemeinde die größten Arbeitsfelder?

Ich sehe Bedarf in der Schulung der ehrenamtlichen Mitarbeiter und Leiter. Die Wenigen, die sowieso schon viel tun, dürfen nicht unter der Belastung zusammenbrechen. Die Hauptamtlichen sollten entlastet werden und eher zu Koordinatoren werden.

Hast du einen geistlichen Tipp für den Sommerurlaub? Wie kann man Gott in der freien Zeit besonders gut begegnen?

Wir machen Zelturlaub und nehmen uns Zeit zum Bibellesen in der Stille der Natur. Das kann ich sehr empfehlen.

Vielen Dank, Anke, für das interessante Gespräch.




61

Jesus, mach du, dass ich vergeben kann

Robert Sieland, gebürtig in Bad Langensalza (Thüringen), ist durch das Studium nach Freiberg gekommen und mit Madeleine verheiratet. Die beiden sind seit September 2014 Mitglied unserer Gemeinde. Robert ist von Beruf Hydrogeologe (Stichwort Grundwasser) und arbeitet in unserer Gemeinde im Glaubenskurs und im Kirchencafé mit. Außerdem ist er Hauskreisleiter und nimmt am Leitertrainingskurs teil. Frank Herter hat sich mit ihm unterhalten.

Robert, bist du in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen?

Ja, das kann man so sagen. Meine Mutter ist evangelisch und mein Vater katholisch. Ich bin zur Christenlehre gegangen, konfirmiert worden und war in der Jungen Gemeinde. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass es ein lebendiger Glaube war. Gottesdienst erlebte ich nur traditionell und theoretisch.

Wie bist du dann zum lebendigen Glauben gekommen?

Durch das Studium hier in Freiberg hat sich das geändert. Ich bekam Kontakt zu Christen (u.a. bei der SMD), die völlig anders waren. Einer von ihnen war Geologe mit einer lustigen Natur. Eines Tages kam er mit seiner Frau in die Geologie-Vorlesung und ich rief ihm zu: „Mensch, alter Kumpel, komm setz dich zu mir und lass mich an deinem geologischen Geist teilhaben!“ Er schaute mich total ernst an und fragte: „Bist du wirklich im Geist?“
Das hat mich getroffen, denn ich wusste ganz genau, was er meinte. Wir haben uns dann zum Kaffee verabredet und ich habe ihm von meinem theoretischen Glauben erzählt. Ich glaubte an ein Leben nach dem Tod, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass mich Jesus liebt und er eine persönliche Beziehung mit mir haben will und ich mit ihm reden kann. Das war mir völlig unklar. Dieser Geologe hat mich dann zu einem Jüngerschafts-Hauskreis eingeladen. Die Gemeinschaft mit den Christen dort hat meinen Glauben nach und nach verändert.
Meine Bekehrung habe ich bei einem ProChrist-Abend im Kinopolis Freiberg erlebt. Ich hatte mir den Vortrag angehört und fand ihn gut. Danach wurde dazu aufgerufen, nach vorne ans Kreuz zu kommen und sein Leben Jesus zu übergeben. Ich fand das total doof und dachte mir: Das ist jetzt das Peinlichste der ganzen Veranstaltung. Das musst du jetzt irgendwie aussitzen. Ich gehe niemals da vor! Da kriegen mich keine zehn Pferde hin! Und dann gingen die ersten Jugendlichen vor zum Kreuz. Ich habe mich im Kopf total dagegen gewehrt, aber plötzlich bin ich ganz mechanisch aufgestanden und mit nach vorne gegangen. Die Mitarbeiter haben dann für uns gebetet. Es war für mich in diesem Moment völlig emotionslos, aber ich habe zu Jesus gesagt: „Ja, ich will dir mein Leben geben!“ Ab diesem Zeitpunkt hat Jesus in mir Stück für Stück stark gewirkt.

Was war dein größtes Erlebnis mit Gott?

Das war, als ich meine Frau kennengelernt habe. Ich war lange Zeit solo. Alle meine Freunde um mich herum hatten Freundinnen und haben geheiratet. Das hat mich extrem frustriert. Ich dachte mir: Ich Pausenclown kriege sowieso keine! Ich habe nächtelang mit Gott gehadert und habe ihn angefleht, dass er mich nicht einsam und alleine irgendwo sterben lassen soll. Das ging monatelang so. Bis ich urplötzlich von Gott einen Gedanken bekam: „Ich habe definitiv eine Frau für dich! Es gibt da draußen eine Frau, die ich für dich vorbereitet habe! Aber du bekommst sie erst, wenn du 30 Jahre alt bist!“
Das Problem war aber, dass ich erst 23 Jahre alt war. Ich dachte mir: Oh mein Gott, das willst du mir antun? Ich soll sieben Jahre warten? Nachdem der Schock verflogen war, hatte ich tatsächlich Ruhe und inneren Frieden. Ich bin auch nicht mehr verzweifelt zu irgendwelchen Partys gerannt, um Frauen kennenzulernen. Ich habe nicht mehr aktiv gesucht. Einige Jahre später habe ich dann mit 28 meine heutige Frau Madeleine kennengelernt. Sie war anfangs Studentin in meinen Seminaren, ich war Lehrer an der Uni. Nachdem alle meine Lehrveranstaltungen, an denen Madeleine teilnahm, zu Ende waren, sind wir als Paar zusammengekommen. Schließlich habe ich Madeleine einen Monat vor meinem 31. Geburtstag geheiratet. Das war mein größtes Erlebnis mit Gott!

Wie und wann hast du die Führung des Heiligen Geistes am deutlichsten gespürt?

Den Heiligen Geist habe ich am stärksten letztes Jahr beim Glaubenskurs gespürt, zu dem er mich geführt hat. Ich hatte gedacht, dass ich als Teilnehmer hingehen könnte, um etwas zu lernen. Und dann wurde ich von Daniel Liebscher angesprochen, ob ich dort nicht mitarbeiten wollte. Ich habe zugesagt und bin bei dieser Arbeit sehr stark gewachsen und habe viel Vertrauen zu meinem Glauben bekommen.
Die Führung des Heiligen Geistes habe ich aber besonders gespürt, als ich das Thema „Wer ist Jesus?“ vorbereitet und gehalten habe. Ich war mega-aufgeregt und hatte das Gefühl, dass ich Jesus eigentlich gar nicht kenne. Ich hatte die Befürchtung, dass ich auf Fragen überhaupt nicht antworten könnte. Und als es dann soweit war, habe ich zum ersten Mal so richtig den Heiligen Geist gespürt. Nachdem wir als Mitarbeiter gebetet hatten, bin ich ganz ruhig geworden, tiefenentspannt. Während meines Vortrages konnte ich mich regelrecht „neben mich stellen“ und mich selbst reden hören. Ich musste nicht nachdenken, die Worte flossen wie ein Wasserfall aus mir heraus. Das war der Hammer!

Welche der drei Personen Gottes fasziniert dich am meisten?

Wenn ich bete, bete ich meistens zu Gott, dem Vater. Aber wenn ich Angst habe, dann bete ich zu Jesus, z. B. wenn ich zum Zahnarzt muss oder wenn ich im Ausland unterwegs bin und Angst vor Überfällen habe. Für die großen Dinge des Lebens (Führung oder Partnerschaft) ist aber der Vater zuständig.

Wie sieht deine tägliche Zeit mit Jesus aus?

Die hat sich seit dem Leitertrainingskurs sehr entwickelt, weil wir da einen Bibelleseplan haben. Dadurch schaffe ich es nämlich, regelmäßig in der Bibel zu lesen und auch zu beten. Ich mache das immer früh im Zug, wenn ich nach Chemnitz zur Arbeit fahre.

Du bist Mitarbeiter im Glaubenskurs. Warum engagierst du dich gerade in diesem Bereich?

Weil mich Daniel Liebscher angesprochen hat. Ich brauche immer einen Impuls. Seit ich mit meiner Frau verheiratet bin, haben wir einen sehr routinemäßigen Alltagstrott: Fahrt zur Arbeit, acht Stunden Arbeit, Rückfahrt nach Hause. Wir beide haben uns gesagt, dass das nicht alles sein kann. Wir wollten uns in der Gemeinde engagieren, wussten aber nicht wie und wo, und da kam die Anfrage wie gerufen.

Welche zwei Charaktereigenschaften beschreiben dich am besten?

Humorvoll und kontaktfreudig.

Was sind deine Hobbys?

Tauchen in Seen und Steinbrüchen, Joggen, Fahrradfahren und Schwimmen.

Wie entspannst du dich nach einer anstrengenden Woche?

Am besten durch ein Wochenende ohne Termine, wo ich einfach mal zu Hause sein kann. Dann spiele ich gerne auch ab und zu Akkordeon.

Was begeistert dich am meisten?

Ich bin gerne in der Natur und emotional sehr ergriffen, wenn die Ruhe eines Waldes mich umgibt oder ich einen schönen Sonnenuntergang beobachte. Und dann liebe ich das Reisen in exotische Länder Afrikas oder Südamerikas. Während meiner Doktorarbeitszeit konnte ich viermal nach Bolivien reisen.

Wenn Zeit und Geld keine Rolle spielten, was würdest du dann gerne einmal machen?

Ich würde gerne für einige Zeit ins Ausland gehen und in der Entwicklungshilfe arbeiten, zum Beispiel Brunnen bohren. Etwas machen, was wirklich sinnvoll ist und wo ich meine Fähigkeiten und mein studiertes Wissen für Bedürftige einsetzen kann.

Was ist dein größtes Gebetsanliegen?

Meine Frau und ich fragen Gott derzeit, wie es in Zukunft für uns beide job-mäßig weitergehen soll. Sie arbeitet in Dresden, ich in Chemnitz. Und wir wohnen hier in Freiberg. Das tägliche Pendeln ist keine Dauerlösung.

Wo siehst du Gott im Moment am stärksten wirken?

Gott gebraucht mich als „Werkzeug“ für die Teilnehmer im Glaubenskurs. Er wirkt in mir, indem er mir das Gebet und die Fürbitte sehr wichtig macht.

Welcher Bibelvers ist für dich besonders bedeutsam und warum?

Das ist unser Trauspruch aus 2. Timotheus 1,7:
Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
Das finde ich sehr wichtig. Angesichts der Schreckensnachrichten, die man täglich hört, kann es einem schon bange werden. Wenn ich mir dann diesen Bibelspruch ins Gedächtnis rufe, hilft er mir, auf Gott zu vertrauen. Er will nicht, dass wir in Angst leben, sondern mutig und stark werden.

Wenn du wüsstest, dass ein dir bekannter Mensch nur noch kurze Zeit zu leben hat, was würdest du tun?

Dann würde ich zu diesem Menschen hingehen und ihn um Entschuldigung bitten für alles, was ich ihm gegenüber falsch gemacht habe, auch wenn mir das sehr schwer fällt. Solch eine Situation hat mir Gott zum Glück schon geschenkt.
Das Verhältnis zu meinem Stiefvater war, seit ich ihn kenne, sehr schlecht. Er provozierte mich und ich reagierte unangemessen. Ich wusste immer schon, dass ich ihm vergeben muss, aber ich konnte es nicht. Irgendwann habe ich gebetet: „Jesus, ich will ihm vergeben, aber ich kann es nicht. Mach du, dass ich es kann!“ Nach diesem Gebet wusste ich, dass Gott eine Situation schaffen wird, wo ich ihm vergeben kann und muss. Eines Tages kam ein Anruf, dass er im Krankenhaus liegt und eine schwierige Operation bevorsteht, wobei es nicht sicher war, ob er sie überleben würde. Für mich war spätestens in diesem Moment klar: Jetzt musste ich zu ihm! Ich ging hin und stand an seinem Krankenbett, und da sprach er mich von sich aus darauf an. Ich war Jesus so dankbar. Wir haben uns ausgesprochen und ich konnte ihm vergeben. Es war sehr heilsam.

Was begeistert dich, wenn du an unsere Gemeinde denkst?

Die Vielfalt, dass Junge und Alte, Familien und Einzelpersonen und sogar Flüchtlinge da sind. Und dass sich viele in der Gemeinde engagieren.

Welches Fest ist für dich bedeut-samer: Ostern oder Pfingsten?

Seit dem letzten Glaubenskurs ist mir Pfingsten zunehmend wichtiger geworden. Der Grund dafür ist der Heilige Geist, den braucht man jeden Tag. Er gibt uns die Kraft zum Glauben.

Vielen Dank für dieses authentische Gespräch.
Frank Herter