Seit vielen Jahren erscheinen in unserem Gemeindeblatt "Gemeinde aktuell" Interviews von Menschen, die von ihrem Glauben an Gott erzählen. Inzwischen ist eine beachtliche Sammlung ermutigender Zeugnisse entstanden.



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Dezember 2021 und Januar 2022

Was wirklich zählt im Leben

Frau Gudrun Hein ist seit ca. zwei Jahren ein festes Mitglied unserer Gemeinde und bestätigt: „Hier habe ich meine geistliche Familie gefunden.“ Sie nahm am Glaubenskurs 2020 teil, in dessen Ergebnis sie feststellte: „Indem Gott uns sucht, finden wir uns selber.“ Daniela Gneuß traf sie in ihrem Haus am Försterberg in Freiberg und führte, bei einem liebevoll gedeckten Tisch, mit ihr einen regen und bereichernden Austausch.

Liebe Frau Hein, Sie haben am letzten Glaubenskurs teilgenommen, ehe die einschneidenden Corona-Maßnahmen in Kraft traten. Wie hatten Sie vom Glaubenskurs erfahren? Wer hat Sie eingeladen?

Von einer lieben Nachbarin und Glaubenskurs- Erfahrenen erhielt ich eine herzliche Einladung zum Glaubenskurs, verbunden mit der Ermutigung: „Wir brauchen nicht großen Glauben, sondern Glauben an einen großen GOTT.“ Diese persönliche Aufforderung empfand ich als eine weitere wichtige Führung bei der neu aufgenommenen Intensivierung meines Glaubenslebens. Zwei wesentliche Schlüsselerlebnisse gingen dieser Erneuerung und dem Wachsen im christlichen Glauben voraus: Mein intensives Bibellesen, Verstehen und Verinnerlichen des Inhalts wurden mir durch eine Israel-Reise zum Bedürfnis. Diese führte mich nicht nur zu historisch und biblisch bestehenden Realitäten. Alle Sinne waren beim Erleben dieser Heiligen Stätten in großem Staunen und erreichten mein „innerstes Sein“. In großer Demut und Dankbarkeit spürte ich in der „Grabeskirche Jerusalem“ die geistliche Allmacht, den Heiligen Geist. Das zweite Schlüsselerlebnis war das Kennenlernen der Missionarin Maria Prean in Hochimst („Vision für Afrika“). Ihr überragendes Glaubenszeugnis und dessen Früchte bereicherten und forderten mich auf, mehr Gutes zu tun.

Welchen ersten Eindruck gewannen Sie vom Glaubenskurs? Was hat Sie motiviert, dabeizubleiben?

Unsicherheit bewegte mich voran dahingehend, dass meine Teilnahme aufgrund meines Alters als zu späte Entscheidung eingeschätzt werden könnte. Jedoch widerlegten die herzliche Aufnahme, die vermittelte Aufgeschlossenheit von Gemeindemitgliedern und Kursteilnehmern nicht nur meine Bedenken. Sie bestätigten auch, dass jeder, auch der späte Neubeginn und die damit einhergehende Vertiefung des Glaubenslebens, der Einladung Gottes und seinem Willen - und somit dem Anliegen des Glaubenskurses - entspricht. Die offene und besondere Atmosphäre im Glaubenskurs fiel mir sofort auf. Sie wurde von Pfarrer Liebscher, dem ökumenisch besetzten Mitarbeiterteam der Kirchgemeinden Freibergs und den jeweiligen Hauskreis-Teilnehmern geprägt. Der gesungene Lobpreis (als innige Anbetungsform Gottes) und der zugewandte Umgang der Teilnehmer miteinander ergänzten das christliche Gemeinschaftsempfinden. Erst mein wiederholtes, bewusstes Beobachten an den folgenden Kursabenden ließ mich erkennen und verdeutlichte mir, dass die anwesenden Gemeindemitglieder mit Selbstverständnis, in Freude von innen her ihr Christsein als persönliche, lebendige Beziehung mit dem Himmlischen Vater ausstrahlten und lebten. Jeder dieser Vortragenden hatte hier Zeugnis gegeben, aus persönlicher Erfahrung seines lebendigen Glaubens heraus. Deshalb erlebte ich sehr bewusst und in großer Dankbarkeit diese geistlich gesegnete Kursatmosphäre.

Wem würden Sie die Teilnahme am Glaubenskurs empfehlen?

Im Glaubenskurs werden vor allem die Grundlagen - wichtige Fragen und Antworten zum christlichen Glauben - vermittelt. Darin besteht dann für nach Glauben suchende Menschen überhaupt erst eine Entscheidungsgrundlage, um diese so wertvolle und wichtige Lebensorientierung für sich zu finden und – Christ zu werden. Wie bereits hervorgehoben, haben uns Glaubensuchende die vortragenden Gemeindemitglieder als lebendige Christen, und somit im Glauben befähigte Berufene, so wirkungsvoll überzeugt. Für mich war es ein Schlüsselerlebnis. Um den konkreten Weg zum Christsein, dem Neubeginn im Glauben, und dessen Vertiefung als Gottes Geschenk erfahren zu dürfen, wurden den Kursteilnehmern Angebote unterbreitet, die individuell in Anspruch genommen werden konnten. Das war sehr gut so. Deshalb bietet der Glaubenskurs altersunabhängig allen, die nach christlichem Glauben oder dessen Vertiefung suchen, ein wertvolles Lebens-Angebot, eine „Schulung des Heiligen Geistes“.

Wie würden Sie Ihr Leben vor und nach dem Glaubenskurs beschreiben?

Sowohl mein Lebensstil als auch dessen Inhalt haben sich sehr verändert: Mein Leben wurde infolge der CORONA-Maßnahmen, wie für so viele andere Menschen auch, fast auf Null gesetzt. Zu Hause bleiben, war angesagt. Sehr bald verstand ich jedoch diese Situation nicht nur als Pflicht und Schutz, sondern zunehmend auch als gelebte persönliche Chance: Bereits 2011 trat ich quasi in den Ruhestand ein. Dennoch praktizierte ich in den folgenden kostbaren Jahren ein „Dauernd-unterwegs-sein“ (ca. 30 Tausend gefahrene Kilometer pro Jahr). In dieser Zeit galt meine Zuwendung und Fürsorge vorrangig meiner hochbetagten geliebten Mutter, die ich intensiv in ihrer Häuslichkeit in Sosa im Erzgebirge bis zu ihrem Versterben (Karsamstag 2020) begleitete und betreute. Als starke, lebendige Persönlichkeit und handelnde Christin gab unsere Mutter uns Orientierung und Halt. Mit ihrer Liebe und Güte, mit Verständnis und Geborgenheit wurden wir von ihr reich beschenkt – sie war mir ein Lebens- und Glaubensvorbild. Mit meinem helfenden Handeln erwiderte ich in großer Dankbarkeit und Verbundenheit die erfahrene Liebe und wertorientierte, christliche Prägung durch mein Elternhaus. Ich bin sehr dankbar, dass mich zwischenzeitlich eine „geistliche Mutter“ (manchmal auch Seelsorgerin) in Glaubensfragen begleitet. Die CORONA-Zeit gewährte mir die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen und wieder zu mir selbst zu finden. Das war mir gerade nach dem Glaubenskurs und dessen gesegnetem Wirken für mein Christsein ein besonderes Bedürfnis. Daraus leitete sich auch meine konkrete Fragestellung ab: Was ist noch wesentlich für mein Leben und darüber hinaus? Wo gehöre ich wirklich hin in der mir noch geschenkten Lebenszeit? Nach einer ehrlichen Lebens-Bilanz der letzten Jahre einerseits und der erfahrenen Gnade durch die Vergebung Gottes andererseits sind meine Sünden und Versäumnisse getilgt - und somit bin ich frei geworden. Welch ein großes Geschenk! Deshalb habe ich das als trennend von Gottes Willen Erkannte in meinem Leben aufgegeben oder geändert. Eine besonders schwere Entscheidung für mich bestand in diesem Zusammenhang in der Trennung nach einer langjährig gelebten Partnerschaft. Erst dank der mehrfach unmittelbar erlebten Führung, Hilfe und Liebe Gottes, die er mir spürbar ins Herz gelegt hat, ist mir eine persönliche Glaubensbeziehung möglich geworden, in der ich innerlich gefestigt bin und weiter wachsen will.

Gibt es seit dem Glaubenskurs liebgewordene Rituale?

Mein Start in den Tag hat sich seit dem Glaubenskurs verändert. Ich beginne den Morgen nicht mehr mit dem „Zeitgeist“, den Nachrichten, sondern lade Gott meistens bewusst in den Tag ein. Es ist mir ebenso ein Bedürfnis, mich mit guten geistigen Impulsen zu füllen. Vor allem wachse ich am Bibellesen, sehe oder höre mir über YouTube Predigten an, zum Beispiel von Maria Prean oder Dr. Charles Stanley.

Man trifft Sie regelmäßig im Gottesdienst. Was ist Ihnen hier besonders wichtig und wertvoll?

In unseren Gottesdiensten erlebe ich lebendige, klare Botschaft der Verkündigung von Pfarrer Liebscher und von Gemeindevertretern sowie eine Lebendigkeit des Christseins in der Gemeinde. Man spürt das im Miteinander, in persönlichen herzlichen Kontakten und im Interesse aneinander. Durch die vielen liebevollen Mitarbeiter wird eine aktiv gelebte Gemeinschaft mit gesegnetem Wirken begründet.

Liebe Frau Hein, vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Ihnen weiter Gottes Segen und viele gute Zeiten mit unserem Herrn!


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88
Oktober und November 2021

Gott hat in unserem Leben immer einen roten Faden gespannt

Ruben und Mirjam Wagner (beide 28 und aus dem Erzgebirge stammend) bereichern seit ca. zwei Jahren unsere Gemeinde. Ruben hat einen Bachelor in Wirtschaftsingenieurwesen und ist diplomierter Werkstofftechniker. Mirjam hat ebenfalls einen Bachelor, jedoch in Ernährungswissenschaften und ist noch dazu Physiotherapeutin. Momentan ist der Alltag der beiden sehr geprägt von den beiden Wirbelwinden Naemi (2½ Jahre) und Adele (10 Monate). Heute stellen sie sich der Gemeinde vor und geben Einblicke in ihr Leben. Ruben erlebt man in unserer Gemeinde als Techniker und beim Lobpreis, Mirjam arbeitet im Elki-Kreis mit. Daniela Gneuß hat sie als Familie in ihrer wunderschönen Altbauwohnung an der Hornstraße getroffen.

Habt ihr einen Lieblingsfilm, eine Filmempfehlung für uns?

R.: Wir schauen kaum fern und selten Filme. Wir haben gemerkt, dass uns Filme im Nachgang noch lange beschäftigen und unsere Gedanken prägen, das war nicht immer gut. Deswegen haben wir uns entschieden, nur ausgewählte Medien zu konsumieren.

Was liegt momentan auf euren Nachttischen? Was lest ihr gern?

M.: Bücher lesen wir ehrlich gesagt eher weniger. Aber sehr gern schmökern wir in der Zeitschrift „Anders leben“, weil diese uns in der Vereinbarkeit von Glauben und einem nachhaltigen Leben sehr anspricht. Dann findet man bei uns auch immer wieder Kletterzeitschriften, da wir beide leidenschaftliche Kletterer sind.

Könnt ihr diesem Hobby momentan überhaupt nachgehen?

M.: Doch, schon, aber anders als früher ohne Kinder. In unserer Urlaubsplanung spielen Klettergebiete eine große Rolle. Wir waren in Spanien, Kroatien, Italien und sogar in Dänemark zum Klettern. Im Alltag klettern wir an den Felsen in der Umgebung – für unseren Geschmack viel zu selten (lacht). Seit wir Kinder haben, fahren wir mit Freunden oder anderen Familien in den Urlaub. Dann können wir abwechselnd klettern und mit den Kindern spielen. Das Klettern ist für uns auch immer wieder ein gutes Ehetraining, da wir uns gegenseitig sichern; da muss man sich auch auf den anderen absolut verlassen können.

Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?

M.: Wir kennen uns schon seit der 5. Klasse, sind aber erst ein Jahr vor dem Abitur ein Paar geworden.
R.: Nach dem Abitur sind wir dann beide für ein Jahr ins Ausland gegangen: ich nach Kroatien und Mirjam nach England. Als diese Zeit rum war, habe ich Mirjam sofort gefragt, ob sie mich heiraten möchte. Ich war mir sicher: Wenn wir dieses Jahr als Paar überstanden haben, dann schaffen wir alles gemeinsam.

Wie verlief euer Glaubensleben? Was hat euch geprägt?

M.: Durch meine Familie war ich fest in der Landeskirche integriert und habe immer an vielen Angeboten, die es altersentsprechend gab, teilgenommen. Meine ganz persönliche Zeit mit Gott begann erst so richtig nach dem Abitur in England. Ich habe immer an Gott geglaubt, aber dort habe ich ihn erst richtig intensiv erlebt und wahrgenommen. Ich war sehr viel allein, war weniger abgelenkt, dadurch hatte er mehr Raum zum Wirken. Da habe ich auch angefangen, Fastenzeiten einzuplanen und Ruben hat von Kroatien aus mit gefastet. Ich denke, da hat Gott angefangen, mich auf alles weitere vorzubereiten. Während meiner Studienzeit in Jena habe ich in der SMD (Studentenmission) mitgearbeitet und sie geleitet. Die SMD betreibt eine Arbeit, die sehr öffentlichkeitswirksam ist. Dort habe ich dann endgültig gelernt, mich aus meiner Komfortzone herauszubegeben und meine „Christenblase“ zu verlassen, für meinen Glauben auch öffentlich einzustehen. In Jena ist die linke Szene sehr aktiv und es war oft ein Kampf, dass an der Uni christliche Aktionen überhaupt erlaubt wurden. Wir haben unter anderem auf der Straße missioniert und Markustheater vorgeführt; und ich durfte lernen, über meine eigenen Grenzen zu gehen. Das war für mich ein absoluter Gewinn und eine weitere gute Vorbereitung von Gott. Nach dem Studium sind wir 2015 als frisch verheiratetes Paar nach Dresden gezogen und haben unsere geistliche Heimat in der FeG Dresden Süd gefunden. Wir wurden schnell Mitarbeiter und haben bei der Gemeindegründung mitgemacht.
R.: Mein Glaubensleben als Kind und Jugendlicher verlief ähnlich wie bei Mirjam. Allerdings habe ich in der Zeit im Erzgebirge auch von den Rüstzeiten sehr viel Prägendes und Formendes mitgenommen. Während meines Studiums in Freiberg war ich auch in der SMD und der EKSG (ev.-kath. Studentengemeinde) und habe in einer sehr tollen WG mit drei anderen Christen gelebt. Wahrscheinlich war das die weltbeste Männer-WG und auf jeden Fall für mich eine sehr besondere Zeit. Meine intensivste Zeit mit Gott begann für mich in der FeG Dresden Süd. Dort habe ich gelernt, meinen Glauben mehr nach außen zu leben und davon zu erzählen.
M.: Nach unseren beiden Studien- und Berufsabschlüssen 2018 haben wir mit einem VW-Bus eine Reise durch Südosteuropa gemacht, bis nach Albanien. Ich war hochschwanger und viele haben mich für verrückt gehalten (lacht). Ich habe darin kein Problem gesehen, Gott war ja dabei.

Was genau hat euch dann letztendlich nach Freiberg verschlagen?

R.: Das hat berufliche Gründe. Während meine vielversprechenden Bewerbungen in Dresden nicht klappten, habe ich in Freiberg die Möglichkeit bekommen zu promovieren, und wir wollten die täglichen Pendelfahrten zwischen Dresden und Freiberg vermeiden. Mirjam wollte nie nach Freiberg. Aber es war, als ob Gott zu uns einfach gesagt hat: „Geht nach Freiberg!“ Genau das haben wir getan und Mirjams Vorbehalte gegen Freiberg hat Gott Stück für Stück ausgeräumt. Nun sind wir hier, fühlen uns wohl und finden es einfach wunderschön, hier zu leben.

Was bedeuten euch Freundschaften?

R.: Ich persönlich pflege seit meiner Jugend eine Zweierschaft mit einem Freund, die hat sich über die Jahre erhalten und vertieft. Ich denke, gerade wir Männer haben oft einen Mangel an solchen tiefen und guten Beziehungen. Aber es ist so wichtig, sich auf Augenhöhe über die „richtigen“ Männerthemen austauschen zu können und gegebenenfalls auch zu korrigieren. Auch wenn ich Mirjam als wichtigsten und nächsten Menschen in meinem Leben habe, ist mir diese Zweierschaft Gold wert.

Gab es in eurem Leben auch Krisen? Wie seid ihr damit umgegangen?

R.: Das Jahr 2019 war ein sehr intensives Jahr für uns. Im Januar wurde unsere Tochter Naemi geboren. Im Mai trafen wir die Entscheidung, nach Freiberg zu gehen; und kurz darauf hatte ich auf der A17 einen Autounfall mit Totalschaden, ein LKW hatte mich übersehen. Und im selben Jahr bekam ich eine Schwellung am Hals, die sich als gutartiger Tumor an der Halsschlagader herausstellte und operiert werden musste. Mit allen Risiken, die so eine OP an der Halsschlagader mit sich bringt.
M.: Aber in der Zeit hat uns das Netz unserer Gemeinde in Dresden sehr gut aufgefangen und umbetet. Bei uns beiden war das Grundvertrauen, dass es Gott gut mit uns meint und gut ist, nie weg. Ich würde sagen, das war fast schon ein naiver kindlicher Glaube, der uns in dieser Zeit getragen hat. Wir hatten die feste Zusage von Gott, dass er mit uns noch etwas vorhat. Daran haben wir uns gehalten. Das hat uns Kraft gegeben. Ruben hat die OP sehr gut überstanden. Durch den Autounfall, so einschneidend er auch war, wurden wir in unserer Entscheidung für Freiberg bestätigt, weil damit die Pendelei für Ruben weggefallen ist.

Wie erlebt ihr Gott in eurem Familienalltag? Als Ehepaar? Jeder für sich?

M.: Wir versuchen, im Alltag eine natürliche Beziehung zu Gott vorzuleben. Die Kinder erleben, dass auch wir als Eltern Sorgen haben, sie im Gebet mit Gott besprechen und abgeben. Wir wünschen uns, dass Gebet im Alltag, also Reden mit Gott, auch für sie etwas ganz Normales wird.
R.: Unser Leben ist ja momentan sehr von Familienzeiten geprägt. Wenn ich dann doch mal allein unterwegs bin, dann bin ich recht schnell in Kontakt mit Gott und spreche mit ihm.
M.: Mir und uns ist der Hauskreis sehr wichtig. Es ist oft die einzige Möglichkeit in der Woche, um mal über einen Bibeltext nachzudenken und sich auszutauschen. Im Lockdown haben wir uns online getroffen. Aber auch jetzt genießen wir es, dass durch den Einsatz der Technik auch die dabei sein können, die die Kinder ins Bett bringen.
R.: Wir durften erleben, dass Gott uns immer den Weg vorbereitete und wollen offen bleiben für seine Veränderungen, auch wenn das bedeuten würde, wieder von hier wegzugehen. Dafür wollen wir bereit sein. Jetzt sind wir in Freiberg, und das ist sehr schön, obwohl wir nie hierher wollten. Gott versorgt uns hier sehr gut mit allem, was wir brauchen: Gemeinde, Freunde, Familie, eine wunderschöne Wohnung und noch so vieles andere mehr. Dafür sind wir total dankbar.

Lieber Ruben, liebe Mirjam, ich danke euch für das Gespräch und eure Offenheit. Bleibt weiterhin in allem gesegnet! Schön, dass ihr da seid!


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87
August und September 2021

Mit Gott neu durchstarten

Nora Friedrich ist 48 Jahre alt, wohnt in und stammt aus Freiberg. Sie und ihr Ehemann Sven haben drei Kinder: Lilien, Til und Theo. Nora arbeitet als Physiotherapeutin in eigener Praxis. In der Gemeinde kennt man sie vom Begrüßungsdienst an der Kirchenpforte. Daniela Gneuß hat sich mit dieser hochsympathischen, quirligen Frau bei einem Kaffee in ihrer wunderschönen Wohnung im Münzbachtal getroffen.

Liebe Nora, gibt es bei dir ein Lieblingsessen?

N.: Oh ja, Quark und Kartoffeln, ganz profan. Das könnte ich jeden Tag essen.

Hast du ein Lieblingsbuch bzw. einen Film, den du empfehlen kannst?

N.: Seit ich neu zum Glauben gekommen bin, hat sich mein Lese- und Fernsehverhalten komplett verändert. Es ist mir jetzt sehr wichtig, mich mit guten Inputs zu füllen und ich schaue kaum noch fern. Ich lese sehr gern Biographien, die sich mit dem christlichen Glauben beschäftigen, z.B. Bücher von Hans-Peter Royer oder über Open Doors: „Mit Jesus im Feuerofen“. An Filmen finde ich „Woran glaubst du?“ und „Unplanned“ sehr wertvoll.

Spielte für dich der Glaube schon in der Kindheit eine Rolle? Wer war dein Vorbild?

N.: Da hat mich meine Mutti sehr gut und vorbildhaft geprägt. Ich habe durch sie schon als Kind einen lebendigen und praktischen Glauben und ein Leben mit einer persönlichen Beziehung zu Jesus erlebt. Das durften wir als Kinder hautnah und echt miterleben.

Du sagst selber, dass du dann deinen Glauben eher traditionell gelebt hast. Wie hast du zurück zu einem lebendigen Glauben und zu unserer Gemeinde gefunden?

N.: Das ist richtig, ich lebte meinen Glauben „So ein bissel halt“ und meine Gebete reichten nicht weiter als bis zur Zimmerdecke. Von außen wirkten wir wie eine normale christliche Familie, aber mein Glaube war tatsächlich nur traditionell, nicht lebendig. Das änderte sich am 8. Dezember 2017. An diesem Tag bekam ich meine Krebsdiagnose, und innerhalb eines Wimpernschlags brach mein ganzes bis dahin perfektes, durchorganisiertes, übervolles, stressiges und auf 100 % Fitsein gebautes Lebenshaus zusammen. Es fühlte sich an, als würde mir der Boden unter den Füßen weggerissen, und nichts, was mir bis dahin wichtig war, konnte mir Halt geben. Aber diese schlimme Diagnose war der Auslöser für jeden weiteren Schritt, denn mir wurde klar, dass nur Jesus mir helfen konnte. Zu diesem Zeitpunkt wurde in der Gemeinde zur Teilnahme am Glaubenskurs eingeladen. Meine Schwester ist dort Mitarbeiterin und sie hat mich dann auf meinen Wunsch hin dort angemeldet.

Wie hast du dann den Glaubenskurs erlebt? Wem würdest du ihn empfehlen?

N.: Er war der Beginn meines Lebens mit Jesus. Gott hatte das perfekte Timing geschenkt: Ich wurde nach meiner OP montags aus dem Krankenhaus entlassen, und am Mittwoch startete der Glaubenskurs, mit mir! Ich konnte jedes Mal dabei sein. Das allein ist für mich schon ein großes Wunder, denn die Chemotherapie begann erst danach. Ich habe im Glaubenskurs echte Begleitung erlebt, wurde aufgefangen und getragen, erlebte wunderbare Gemeinschaft … Es waren einfach die 1000 kleinen und großen Dinge, die mir in dieser herausfordernden Zeit Halt und Kraft gegeben haben. Ich habe gespürt, dass Gott mich in meiner Not sieht und nicht fallen lässt, dass er einen guten Plan hat, auch wenn ich diesen Plan nicht kannte. Und ich wurde neu herausgefordert, mein Leben bis dahin zu hinterfragen. Empfehlen würde ich den Glaubenskurs jedem, der auf der Suche ist; der Fragen zum Glauben hat und diese immer schon mal stellen wollte, oder der Jesus, Gott und den Heiligen Geist einfach mal kennenlernen möchte. Ich würde sagen, eine Teilnahme lohnt sich immer!

Wie bist du vor dieser Lebenswende mit Krisen umgegangen? Was konkret hat sich verändert?

N.: Früher war es immer ein Kampf gewesen, und ich habe alles aus eigener Kraft versucht und gemacht, halt „selbst“ und „ständig“. Ich dachte immer, ich muss mir selber helfen. Heute weiß ich, nur Jesus kann mir wirklich helfen. Ohne ihn geht es nicht. Für mich eine riesige Erleichterung.

Man trifft dich mit deiner Familie fast jeden Sonntag im Gottesdienst. Was ist deine Motivation und was sind deine Erfahrungen damit?

N.: Natürlich kann man auch zu Hause Glauben leben. Aber es ist Sonntag, wohin sollten wir denn an diesem Tag sonst gehen als zum Gottesdienst? Für uns ist der Gottesdienst ein fester Termin. Wenn ich daran glaube, dass Jesus am Sonntagmorgen in unserer Kirche gegenwärtig ist, dann will ich doch unbedingt dabei sein! Ich genieße sehr die Gemeinschaft, das Gebet, das Abendmahl, eigentlich das „Gesamtpaket“ Gottesdienst. Es stärkt mich für die Woche und gibt mir Kraft für die Herausforderungen. Was mir auch wichtig geworden ist: Ich setze damit auch ein Zeichen vor der unsichtbaren Welt.

Du hast an einem Kurs zum Thema Berufung teilgenommen? Wie kam es dazu?

N.: Wo ist mein Platz im Reich Gottes? Was hat Gott mit mir vor? Wie und wo kann ich mich einbringen bzw. dienen? Diese Fragen hatten mich in letzter Zeit immer mehr beschäftigt. Ich war und bin auf dem Weg und suchte nach konkretem „Handwerkszeug“. Als ich die Werbung für „FOCUSBERUFUNG“ auf unserer Homepage fand, hat sie mich förmlich angesprungen, und ich wusste sofort, dass ich da mitmache. Es klang, als wäre das extra für mich gemacht. Der Kurs geht über neun Monate, ist überkonfessionell und man trifft sich einmal samstags und einen Wochentag im Monat. Es gibt gemeinsame Aktionstage und eine Seelsorgewoche. In dieser Zeit werden verschiedene Themen angeboten und bearbeitet ,wie z.B. Lebensvision, Persönlichkeit, meine Biographie, Geistesgaben, Seelsorge, vom Glauben reden und einige andere. Das alles hilft dabei, gemeinsam die eigene Berufung zu finden. Es gab eine Straßenaktion, wo ich gelernt habe, wie man mit Fremden über den Glauben ins Gespräch kommen kann, ohne aufdringlich zu sein. Am spannendsten fand ich die Seelsorgewoche mit der herausfordernden Aufforderung an mich: „Pass auf, wie du über dich selber denkst!“

Konntest du einen Teil der Fragen für dich beantworten?

N.: Oh ja, ich bin z.B. niemand, der vor vielen Menschen gut reden kann. Aber ich bin eine Ermutigerin und kann andere Menschen in ihrer Not sehen und begleiten. Und meine Stärken liegen im Gebet und in der Begleitung von Einzelpersonen. Das jetzt konkret zu wissen hilft mir sehr für weitere Schritte. Bin gespannt, was Gott mir vor die Füße legt.

Wenn es möglich wäre, welche Person aus der Bibel würdest du gerne mal treffen und warum?

N.: Natürlich Jesus, er ist für mich ein Beispiel für Vollkommenheit. Aber darüber hinaus würde ich gern Josua treffen. Er war voller Hingabe, absolut treu und gehorsam.

Liebe Nora, vielen Dank für das erfrischende Gespräch. Wir wünschen dir weiter Gottes Segen und sind gespannt, auf welchen Wegen wir dich in der Gemeinde oder darüber hinaus erleben dürfen!


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86
Juni und Juli 2021

Ein Leben mit Posaunen zum Lob Gottes

In diesem Jahr feiert unser Posaunenchor sein 100-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass stellen sich Dagmar (52, pharmazeutisch-technische Assistentin) und Christoph Kuhn (51, Familienrichter) vor und geben Erfahrungen aus ihrem Leben und mit dem Posaunenchor weiter. Sie sind begeisterte Posaunisten und seit fast 25 Jahren dabei. Man kennt ihre Gesichter von den Auftritten des Posaunenchores in unserer Gemeinde. Zu ihrer Familie gehören noch die beiden Töchter Katharina und Juliane. Desweiteren ist Dagmar seit vielen Jahren Mitarbeiterin im Kindergottesdienst. Daniela Gneuß hat die beiden getroffen und sich von ihrer Begeisterung für das Blasen im Posaunenchor mitreißen lassen.

Ihr seid keine gebürtigen Sachsen, oder?

D: Nein, wir stammen beide aus der Nähe von Osnabrück und waren dort schon gemeinsam in der Schule und aktiv in der Kirchenkreisarbeit. Dabei haben wir uns auch kennen und lieben gelernt.
C: Seit 1997 sind wir beruflich in Freiberg. Davor gab es für unsere Familie einen Zwischenstopp auf Rügen, wo wir einige Jahre lebten. In Freiberg sind wir angekommen und fühlen uns wohl und akzeptiert, einfach zu Hause.

Welches Buch liegt momentan auf eurem Nachttisch?

D: „Der Gesang der Flußkrebse“, ein ganz wunderbares Buch!
C: „Das Feld“ von Robert Seethaler. Ein sehr spezielles Buch, aber ich mag seine Art zu erzählen sehr.

Erzählt mal: Wie seid ihr zur Posaune gekommen?

D: Ich habe Posaune schon als Kind spielen gelernt, so mit zwölf oder dreizehn. Eigentlich wollte ich gemeisam mit meiner Freundin das Trompetenspiel erlernen, aber damals wurden nur Posaunenspieler gesucht und so habe ich mich für dieses Instrument entschieden. Also, eigentlich war es eher Zufall, aber ein sehr schöner.
C: In meiner Familie waren Blasinstrumente fest etabliert, und es war für mich als Kind irgendwie selbstverständlich, dass ich das Posaunenspielen lerne.
D: Eigentlich waren wir ab dieser Zeit auch immer in Posaunenchören, da die Posaune ja nur mehrstimmig wirklich gut klingt. Insgesamt waren es vier Chöre, egal wo wir wohnten. Im Posaunenchor von Jakobi waren wir schon, als wir noch zur Domgemeinde gehörten. Durch einen Umzug innerhalb von Freiberg wurden wir dann auch Gemeindemitglieder. Gundula Rudloff stand damals mit Kinderwagen vor unserer Tür und begrüßte uns als neue Mitglieder der Gemeinde, das war irgendwie schon ein schöner Moment.

Wo sind eure Verbindungen zwischen Posaunenchor und Glaubensleben?

C: Im Prinzip ist unsere Musik eine andere Art Lobpreis. Wir spielen zur Ehre Gottes, das sogar mehrstimmig, laut und oft schmetternd, welch ein Privileg! Der Zweck des Posaunenchores ist das Lob Gottes. Die Art Musik, die wir spielen dürfen, ist so vielfältig. Egal ob es ein Stück von Bach ist oder Swing, jede Musik spiegelt das Wesen Gottes wieder. Davon ein Teil sein zu dürfen und mitzumachen, das ist toll!
D.: Posaunenchöre haben in vielen Kirchgemeinden eine lange Tradition und sind ein wichtiger Teil. Jeder Mensch hat ja einen anderen Zugang zu Gott. Für nicht wenige ist es diese Art von Musik.

Man spürt förmlich eure Begeisterung für den Posaunenchor und seine Arbeit. Was meint ihr: Woran genau liegt das?

C.: In unserem Posaunenchor sind wir ca. 20 Mitglieder, alle aus verschiedenen Gemeinden Freibergs und ein gutes Miteinander von Jung und Alt. Dieses unkomplizierte Zusammenspiel über die Gemeinden hinaus macht große Freude. Das Proben mit den anderen und das gemeinsame Blasen ist toll. Die Posaune ist ein Instrument, das auf Mehrstimmigkeit ausgelegt ist. Erst im Spiel mit den anderen Instrumenten klingt es letztendlich gut. Und das immer wieder zu erleben, wie jeder einzelne sich einbringt und es am Ende ein Wohlklang wird, das begeistert mich sehr.
D.: Einmal im Jahr gibt es immer ein Posaunenfest an wechselnden Orten. Das nehmen wir als eine gute Austauschmöglichkeit wahr und als wertvolle Zeit in Gemeinschaft, quasi viele begeisterte Posaunisten unter sich. Man kann sich neu inspirieren lassen, das ist ein großes Geschenk.
C.: Wir versuchen auch, gemeinsame Zeiten über das Proben hinaus zu haben, und es sind gute Freundschaften entstanden. Wir veranstalten einmal im Jahr ein Grillen, eine Weihnachtsfeier und vor zwei Jahren gab es eine Rüstzeit in Krummenhennersdorf. Diese möchten wir auf jeden Fall wiederholen.

Wie oft trifft sich der Posaunenchor normalerweise? Wie übt ihr Zwei, allen Umständen zum Trotz?

D.: Eigentlich einmal in der Woche donnerstags. Das ist seit Jahren ein fester Termin für uns und fordert natürlich Verbindlichkeit. Aber egal, wie voll oder hektisch unsere Woche auch ist: Auf diese Treffen freuen wir uns immer, es ist eines unserer Wochenhighligths.
C.: Jetzt in Coronazeiten gab es natürlich keine Treffen. Aber da wir beide Posaune spielen, konnten wir gut weiterüben. Wir haben uns wirklich jeden Donnerstagabend zusammengesetzt und zu zweit geprobt, das hat auch ein Stück weit Kraft gegeben. Natürlich gab es jetzt seit langer Zeit auch keine Auftritte unseres Chores, das schmerzt sehr. Umso mehr hatten wir Freude daran, zu Ostern vom Kirchturm und vor der Kirche zu blasen. So konnte die gute Botschaft auf diese Art und Weise weit erklingen und vielen Menschen Hoffnung geben. Gerade im letzten Jahr, als Ostern kein Gottesdienst sein durfte, war das ein großes Geschenk.

Was wünscht ihr euch persönlich für den Posaunenchor?

C.: Ich würde mir wünschen, dass wir neu in die Nachwuchsarbeit investieren. Generell sind wir ein offener Kreis und man kann als Musiker einfach dazukommen. Aber wir müssen auch die Kinder und Jugendlichen wieder neu für diese Art Musik gewinnen.
D.: Mein Wunsch wäre, dass wir öfter Teil des Gottesdienstes sind, wenn auch nicht immer als ganzer Posaunenchor. Und natürlich, dass unser Jubiläum stattfinden kann, auf das wir uns schon alle lange freuen.

Dagmar, dich kennt man auch aus dem Kindergottesdienst. Wie kam es zu dieser Arbeit?

D.: Ich habe schon als Jugendliche in Osnabrück bei der Kinder- und Jugendarbeit gern mitgemacht. Als ich dann selber Mutter wurde, war es irgendwann ein logischer Schritt von mir, mich in unserer Kirchgemeinde in der Kinderarbeit mit einzubringen. Ich profitiere auch selbst sehr davon. Es ist einfach begeisternd zu erleben, wie Kinder Glauben und Gott erleben und darin erste eigene Schritte gehen.

Was schätzt ihr an unserer Gemeinde?

D.: Uns gefällt es total gut, dass es so viele Familien mit Kindern gibt, die nicht nur in den Gottesdienst kommen, sondern in so vielen verschiedenen Bereichen dabei und aktiv sind, sei es beim Kirchenkaffee, in der Jungen Gemeinde, im Kinderchor, bei der Christenlehre oder den Evas. Auch hier lieben wir diese Mischung von Jung und Alt, jeder darf sich willkommen fühlen.

Wenn ihr eine Person aus der Bibel treffen könntet, wer wäre es und warum?

D.: Bei mir wären das Joseph und Maria, aber besonders Joseph. Sie waren ein junges unverheiratetes Paar und Joseph vertraute in allen Umständen voll auf Gott, ohne in letzter Konsequenz zu wissen, was passiert. Das beindruckt mich sehr.
C.: Ich würde gern König Salomo treffen. In meinen Augen war das quasi der erste Familienrichter. Seine Geschichte mit den beiden Müttern im Streit um das Kind wurde auch in meiner Studienzeit erwähnt. Ich finde seine Reaktion und Idee sehr spannend, da ich auch heute beruflich erlebe, wie Eltern an ihren Kindern zerren.

Liebe Dagmar, lieber Christoph, vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen euch auf eurem weiteren gemeinsamen Weg im Posaunenchor und im Leben Gottes Segen!


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85
April und Mai 2021

Mit Gott durch den Familientrubel

Robert und Elisabeth Rehm sind beide 29 Jahre alt. Sie leben mit ihren Kindern Emma (4) und Paula (2) und den beiden Hunden Polly und Mika seit kurzem in Seifersdorf. Elisabeth ist ausgebildete Physiotherapeutin und im Moment als Vollzeitmama aktiv. Robert hat eine Theologie-Ausbildung abgeschlossen und ist seit März in unserer Gemeinde als Gemeindepädagoge angestellt. Mit diesem Interview stellen sich die beiden vor und geben einen Einblick in ihr Leben. Daniela Gneuß hat diese sympathischen Menschen mit ihren Kindern zu einem trubeligen Gespräch getroffen.

Welches Buch liegt momentan auf euren Nachttischen?

E.: Im Moment keines, da wir gerade über dem Umzug sind und vieles schon verpackt ist. Aber ich lese sonst wirklich sehr gern, meine Lieblingsautorin ist Karen Kingsbury. Ihre zuletzt veröffentlichte Reihe war „Leaving“, leider nur in Englisch erhältlich. Ich habe sie trotzdem gelesen und jetzt zumindest einen groben Überblick über die Handlung.

Gibt es Lieblingsfilme oder Filme, die ihr empfehlen könnt?

R.: Unbedingt „War Room“ und „Facing the Giants“. Das sind christliche Filme und die Themen daraus passen in viele Lebenssituationen. Deshalb eine große Empfehlung von mir, diese immer mal wieder anzuschauen. Man entdeckt jedes Mal etwas Neues, das einen anspricht.

Die Gemeinde kennt euch ja schon ein Stück weit, aber mögt ihr trotzdem kurz eure Glaubenswege bis hierher erzählen?

R.: Aufgewachsen bin ich in einem christlichen Elternhaus in Schwarzenberg. Meine Eltern haben mir vorgelebt, wie wichtig es ist, eine persönliche Beziehung zu Jesus zu haben. Meine eigene Entscheidung für ein Leben mit Jesus habe ich bei der Evangelisationsveranstaltung Pro Christ 2009 getroffen. Da gab es an jedem Abend einen persönlichen Aufruf zur Entscheidung für Jesus, und ich hatte ein großes Bedürfnis, diesem Bekehrungsaufruf zu folgen. Und dann ging´s los! Ich besuchte viele JGs und saugte alles auf, was ich an geistlicher Nahrung bekommen konnte. Ich war so hungrig! In jener Zeit habe ich auch Daniel Liebscher kennengelernt. Letztendlich kam es dazu, dass ich in der Jakobi-Christophorus-Gemeinde mein FSJ gemacht habe. In mir wuchs der Wunsch, hauptberuflich unbedingt etwas für Gott und Jesus zu tun, egal was und wie. Das war für mich der Anlass, Theologie zu studieren. Mit dem Studium in Leipzig begann glaubenstechnisch eine sehr besondere Zeit. Meine Erfahrung daraus ist, dass sich Jesus extremst um uns kümmert. Er möchte, dass wir geistlich und weltlich gut versorgt sind. Und eine weitere Erfahrung ist: Wenn etwas umkämpft wird, dann merke ich erst, wie wichtig es mir ist.
E.: Ich bin in einer sehr kirchenintegrierten Familie in Pappendorf aufgewachsen. Irgendwie haben bei uns alle etwas mit Kirche zu tun. Meine Mutter hat uns schon als Kinder die kirchlichen Feste und die Vorbereitungszeiten darauf auf ganz wunderbare Weise nahegebracht; das war sehr schön und wertvoll. So war für mich Glaube immer schon erlebbar. Eine persönliche Entscheidung für Jesus habe ich als Jugendliche während der Kirchenwochen getroffen, die damals von „Licht auf dem Berg“ in Annaberg organisiert wurden.

Wir sind sehr neugierig: Wie habt ihr euch kennengelernt?

E.: Über die Junge Gemeinde in Pappendorf. Angefangen hat es mit einer Freundschaft, und wir haben dann auch viele Dinge im Glauben gemeinsam unternommen, z.B. eine Jüngerschaftsschule besucht. Ich fand Robert eigentlich sofort toll, aber ich muss sagen, dass es eine ganze Weile gedauert hat, bis er das mitbekommen und es letztendlich gefunkt hat. Aber irgendwann war es dann soweit. Weihnachten 2012 haben wir uns verlobt und im Sommer 2013 geheiratet. Geplant ist, dass ihr mit den Eltern von Elisabeth in einer Art Wohngemeinschaft, quasi drei Generationen unter einem Dach, leben werdet.

Wie dürfen wir uns das vorstellen? Wie ist eure momentane Familiensituation?

E.: Wir wohnen in Seifersdorf auf dem Hof meiner Eltern in einer gemeinsamen Wohnung, aber mit Rückzugsorten für beide Seiten. Geplant ist, dass meine Eltern auf diesem Hof in einem anderen Gebäude eine Wohnung ausbauen und dann jede Familie für sich wohnt. Aber das dauert erst mal noch etwas. Das klingt jetzt alles nach einer „Notlösung“, weil es beengt sein wird und auch ein Stück weit herausfordernd, aber wir freuen uns trotzdem sehr darauf. Wir sind vom Herzen her bekennende „Landeier“ und hätten uns ein Leben in einer Stadt nur schwer vorstellen können. Ich freue mich auch sehr auf familiäre Entlastung durch meine Eltern. Da beide Mädchen zu Hause sind, liegt unsere Hauptaufgabe in der Betreuung der Kinder. Das ist sehr schön und natürlich auch anstrengend. Aber wir haben ein gutes Abendritual entwickelt. Einer bringt die Kids zu Bett und erledigt die Küchenarbeit und was sonst noch so anfällt. Das machen wir beide auf unterschiedliche Weise. In dieser Zeit hat der andere frei und darf machen, was er möchte. Quasi geschenkte Zeit, sehr schön!

Robert, du arbeitest nach deinem abgeschlossenen Theologiestudium nicht als Pfarrer. Habt ihr beide Frieden darüber? Wie geht es euch damit?

R.: Für uns als Paar kam recht früh die Frage auf, ob wir uns den Dienst einer Pfarrfamilie vorstellen können. Als unsere beiden Kinder dann geboren wurden, verstärkte sich das Überlegen natürlich noch. Fragen wie „Möchten wir in einer Stadt leben?“, „Möchten wir alle paar Jahre umziehen und die Kinder aus ihrem Umfeld herausreißen?“ drängten sich uns auf. Wir mussten uns damit auseinandersetzen, kamen aber nicht wirklich zu einer Lösung oder Entscheidung. Letztendlich wurde ich dann nicht als Pfarrer der Landeskirche übernommen. Zuerst war ich sehr erstaunt darüber, aber recht schnell kam auch eine große Erleichterung auf und eine Freude über die vielen neuen Möglichkeiten, die sich damit auftaten. Doch ich musste mich jetzt auf einmal selber kümmern, wie es beruflich weitergeht. Der Kontakt zur Gemeinde von Jakobi-Christophorus war während der Studienzeit nie abgebrochen, und unabhängig voneinander kamen nun verschiedene Menschen auf mich zu und fragten, ob ich mich vielleicht als Gemeindepädagoge sehen könnte. Nach einem kurzen Bewerbungsausflug in die Wirtschaft habe ich mich dann auf diese Stelle beworben. Darin sehe ich eine sehr gute Mischung aus der Freiheit, die ich geschenkt bekommen habe, und den Dingen, die mir am Herzen liegen.
E.: Ich trage das natürlich mit und finde es auch noch gut! Ich habe mich nicht wirklich als „Pfarrfrau“ gesehen und bin sehr dankbar und erleichtert, dass es so gekommen ist, wie es jetzt ist.

Robert, gibt es Träume, Wünsche oder Visionen für deine Arbeit als Gemeindepädagoge? Elisabeth, wo siehst du deinen Platz in unserer Gemeinde?

R.: Ich freue mich auf das Team der Ehrenamtlichen und bin gespannt, welche Arbeit mir „vor die Füße fällt“. Wirklich traurig bin ich, dass in dieser Coronazeit die Kinder und Familien von Gemeinde schwer oder gar nicht erreicht werden und sie eigentlich dadurch vom Gemeindeleben ausgeschlossen sind. Viele Eltern erleben momentan eine große Überlastung und Überforderung und haben oftmals keine Kraft mehr für ihre Kinder. Aber die Kinder dürfen nicht auf der Strecke bleiben. Beide brauchen dringend Stärkung, Eltern und Kinder. Das wird sicher erst mal ein Schwerpunkt meiner Arbeit sein.
E.: Ich möchte mich schon auch gern in die Gemeinde einbringen und muss schauen, was sich jetzt mit der neuen Wohnsituation an Möglichkeiten auftut. Bisher war mir das durch Roberts berufliche Termine kaum möglich.

Hallo? Wie ist euer Zugang zu Gott? Was begeistert euch an ihm?

E.: Ich mag es sehr, draußen in der Natur zu sein und zu erleben, was er sich alles Tolles ausgedacht hat.
R.: Für mich ist es sehr wichtig, jeden Tag in der Bibel zu lesen; das ist für mich ein Zugang. Ein weiterer ist im Moment familienkompatibler Lobpreis. Das ist zum Beispiel einfach mal eine Playlist auf Spotify anschalten und mitten im Familienalltag laufen lassen. Ein großes Geschenk! An Ruhe und Gelegenheit für eine Zeit der Stille mit Gott mangelt es mir momentan. Und oft wachse ich selbst im Glauben an den interessanten Fragen meiner Kinder. Diese Gespräche mit den beiden helfen mir, aus meiner „theologischen Soße“ herauszukommen. Uns begeistert an Gott, dass wir gerade eine Rundumversorgung durch ihn erleben. Trotz der wenigen Zeit, die wir auf Grund unserer Familiensituation bewusst mit ihm verbringen. Erst vor kurzem wurde uns überraschend ein größerer Geldbetrag erlassen. Gott beschenkt uns reich, ich finde das absolut cool!

Wenn es gehen würde, welche Personen aus der Bibel würdet ihr gern treffen?

R.: Natürlich Jesus, wen sonst! Aber wenn ich so genau darüber nachdenke, dann würde ich auch gerne Paulus kennenlernen. Wahrscheinlich würde ich mich oft fremdschämen; doch tatsächlich wäre es total spannend, ihn mal live zu erleben, weil er einfach sehr krass und emotional das Evangelium verkündet hat.

Vielen Dank für das Gespräch, ihr beiden. Wir freuen uns sehr auf deinen Dienst, lieber Robert, und wünschen euch als Familie ein gutes Ankommen in unserer Gemeinde.


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84
Februar und März 2021

Jeder kann sein eigenes Lied vor Gott bringen!

Franz Weidauer ist 28 Jahre alt, stammt aus Schwarzenberg und wohnt momentan in einer Wohngemeinschaft in Freiberg. Er hat in Freiberg Angewandte Mathematik studiert und ist der Gemeinde als E-Gitarrist aus dem Lobpreis bekannt. Ab dem Frühjahr möchte er sich auf neue spannende Wege begeben – ein Grund für uns, ihn der Gemeinde mit diesem Interview näher vorzustellen. Daniela Gneuß hat sich mit ihm unterhalten.

Hallo Franz, zu Beginn habe ich ein paar kurze Fragen zum Einstieg für dich. Hast du ein Lieblingsgetränk?

Oh ja, Kaffee in allen Variationen. Mein Favorit ist dabei der „Flat White“ im Kaffee Momo.

Welches Buch liegt momentan auf deinem Nachttisch?

Ich bin tatsächlich kein großer Leser, aber erst gestern habe ich ein sehr packendes Buch gelesen. Es heißt „Nagel im Himmel“ und handelt von einem jungen Mann, der sich als mathematisches Genie entpuppt und einen für die Mathematik sehr wichtigen Beweis liefert, privat aber dramatische Umbrüche erleben muss.

Welchen Film kannst du empfehlen?

Ich bin großer „Star-Wars“-Fan und liebe auch die Filme von Christopher Nolan, z.B. „Inception“.

Du bist zum Studium nach Freiberg gekommen, wie hast du die Studentenzeit erlebt? Was hat dich dabei geprägt bzw. verändert?

Ich habe die meiste Zeit in einer Wohngemeinschaft (WG) gelebt, das fand ich für mich sehr spannend und schön. Mit Menschen unterschiedlichster Prägung und Nationalitäten auf engstem Raum zu wohnen, kann sehr herausfordernd sein. Ich habe es aber auch als bereichernd empfunden und bin dabei persönlich gewachsen und gereift. In dieser Zeit sind tiefe Freundschaften entstanden, die auch jetzt noch bestehen. Letztendlich waren die WGs immer auch ein Stück Missionsfeld für mich, wie ich meinen Glauben im Alltag leben kann. Für Studenten gibt es in Freiberg jetzt nicht so viele attraktive Angebote, das ist in einer Großstadt ganz anders. Deswegen bin ich auch selbst aktiv geworden und habe viele verschiedene Dinge angeschubst und mit organisiert. Nach dem Studium war ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig, habe aber immer noch am Studentenleben teilgenommen. Diese acht Jahre waren rückblickend für mich wie eine zweite Pubertät, ich konnte mich neu kennenlernen und vieles ausprobieren.

Wie war dein Glaubensleben bis hierher?

Ich stamme ja aus Schwarzenberg und kenne aus dieser Zeit auch unseren Pfarrer Daniel Liebscher. Unter seinen Fittichen bin ich meine ersten Glaubensschritte gegangen. Daraufhin bin ich recht schnell in die JG-Arbeit eingestiegen und fand dort erste geistliche Vorbilder im damaligen JG-Leiter und einem etwas älteren guten Freund. Sehr bereichernd fand ich auch meine damalige erste Zweierschaft. Das hat mich gelehrt, verbindlich mit Menschen unterwegs zu sein und Jüngerschaft praktisch zu leben. In Freiberg wollte ich meinen landeskirchlich geprägten Horizont erweitern und sehen, wie in anderen Gemeinden Glauben gelebt wird. Durch einen Kommilitonen bin ich in der Christusgemeinde gelandet und war dort Teil eines Hauskreises. In diesem Kreis habe ich viele charismatische Inputs bekommen, Ermutigung, geistliche Emanzipation; und mein Glaubensleben wurde herausgefordert. Der Kreis war für mich damals geistliche Heimat. Immer wieder und auch derzeit investieren Mentoren und Wegbegleiter in mich, das war und ist für mich absolut wertvoll. Mission habe ich immer als einen sehr wichtigen Punkt für mich gesehen. Durch das Mentoring durfte ich lernen: Fange klein an und gehe einen Schritt nach dem anderen. Es stellte sich heraus, dass ich mein Missionsfeld im Alltag finde, z.B. in der WG. Und das setzte ich praktisch um und durfte lernen zu zeigen, dass der Glauben für mich alltagstauglich und immer relevant ist. Momentan besteht neben dem Mentoring eine Zweierschaft, die in eine Freundschaft übergegangen ist. In ihr darf ich viel lernen und auch Dinge einbringen. Das finde ich absolut wertvoll und elementar für mich.

In deiner Studienzeit warst du sehr aktiv in der SMD tätig. Wie genau sah das aus?

Die SMD ist ein Netzwerk für Christen in Schule, Hochschule und Beruf. Ich bin seit 2012 dort aktiv und habe recht schnell Leitungspositionen übernommen. So habe ich in verschiedenen Bereichen mitgearbeitet, z.B. in der Band, im Lobpreis, bei Gebetstreffen. Das war für mich ein großes Lernfeld, und ich konnte wieder ein Wachstum erleben, es war aber auch sehr herausfordernd. Ich habe in dieser Zeit vieles hinterfragt, auch hinsichtlich meines Studienhintergrundes, der ja nun mal die Mathematik war. 2019 habe ich in Freiberg den internationalen Zweig der SMD mitgegründet, da es für Studierende aus dem Ausland fast gar keine Angebote gab. Ein besonderes Event dabei ist das „Timeout“, immer am Sonntagnachmittag. Dieser Tag ist für ausländische Studierende besonders schwierig, da das öffentliche Leben ruht und die Gefahr der Vereinsamung groß ist. Aber gerade auch die internationalen Studierenden sind sehr offen für den Glauben. Das ist ein großes Missionsfeld, dafür wollte ich eine Plattform schaffen. Auch in dieser Zeit habe ich wertvolle Freundschaften schließen können, z.B. bis nach Chile und in die Türkei.

Gab es in deinem Leben Krisenzeiten? Wie bist du damit umgegangen? Wer oder was hat dich aufgefangen?

2017 gab es für mich einen Break, in dieser Zeit hatte ich eine große persönliche und auch Glaubenskrise. Auslöser waren sicher eine Trennung und der Tod meiner Oma. Dazu kamen starke Glaubenszweifel und ich habe in vielen Dingen den Sinn für mich hinterfragt. Aufgefangen hat mich mein damaliger Mitbewohner Simeon, der für mich ein Wegbegleiter in der Krise war. Aber auch meine Eltern und meine Schwester waren immer für mich da. Ich habe in dieser Zeit mit Gott gekämpft und gerungen, ihm mein ganzes Leben hingehalten und um neue Führung gebeten. Schlussendlich löste sich dann einiges auf. Ich habe quasi auf „Reset“ gedrückt und mein Leben neu in Gott festgemacht. Rückblickend war dieses Jahr mein persönliches Wendejahr. Da kam auch wieder der Wunsch in mir auf, mich landeskirchlich zu vernetzen, und ich ging zu Jakobi.

Wie ist dein Zugang zu Gott? Was begeistert dich an ihm? Wie erlebst du ihn im Alltag?

Ich erlebe ihn durch Gebet, Musik, Lobpreis und Kunst, aber auch durch rationales Verstehen. Seine Größe und Weite, seine Schönheit und Schöpfung … Das ist mein Zugang zu Gott, gerade auch als Mathematiker. Ich finde es spannend, dadurch immer neue Zusammenhänge zu erkennen. Für mich ist die Kunst ebenfalls ein wichtiger Zugang zu Gott. Gott selber ist pure Kreativität und Schöpfung, und der Heilige Geist ist ein Geist der Neuschöpfung und der Schönheit. Warum sollte ein Schöpfergott uns systematisch täuschen? Lobpreis ist für mich mehr als Musik, sondern gesungenes Gebet und Ausdruck meiner Intimität mit Gott. Ich bin überzeugt, dass jeder sein eigenes Lied vor Gott singen kann. Es ist mir ein Anliegen, meinen Glauben im Alltag zu kultivieren. Durch Lobpreis kann ich das auch praktisch werden lassen. Und wenn ich in der Gemeinde im Lobpreis bin, möchte ich vom Überfluss abgeben. Ich musiziere zur Ehre Gottes, weil er es wert ist! Und natürlich erlebe ich Gott im Gebet, das ist mir nach meinem Krisenjahr neu wichtig geworden. Gebet ist wie Atmen, Jesus wahrnehmen und sicher sein, dass er der richtige Ort für meine Probleme und Anliegen ist. Das geht mal einfach und schlicht, aber auch mit Hingabe und Vollmacht. Ich erlebe immer wieder, dass pure Gottesnähe mein Herz verändert. Sehr spannend!

Ab diesem Frühjahr möchtest du gern zu neuen Ufern aufbrechen. Was ist dein Plan?

Das ist richtig, mein Vertrag an der Uni ist abgelaufen. Für mich war das ein Auslöser, mein Leben neu zu planen. Ich nahm an einem Seminar zur kreativen Lebensplanung teil und wollte mein Leben beruflich verändern, etwas riskieren. Da mich das Thema Glaube und Kunst schon seit einiger Zeit fasziniert hat, bin ich auf Crescendo in Leipzig gestoßen. Das ist eine Arbeit, die in Campus für Christus eingebettet ist. Ich habe mich dort für den vollzeitlichen Dienst beworben und suche dafür potentielle Unterstützer, da die Anstellung auf Spendenbasis läuft. Dieses Werk möchte Künstler ermutigen und ihnen eine Plattform geben, in ihre geistliche Berufung zu kommen. Fakt ist ja, dass auch nichtchristliche Künstler das kreative Gen von Gott bekommen haben. Wieviel mehr könnten unsere Gesellschaft und unsere Gemeinden von solcher kreativer Kunst beeinflusst werden! Schwerpunkte der Arbeit sind, Kunst in Gemeinden zu bringen, Künstler zum Glauben zu führen und Menschen zu helfen, auch durch die Kunst zum Glauben zu finden. Ich sehe einen Teil meiner Berufung darin, „Künstler für Gott“ zu sein. Durch diesen Dienst kann ich vollzeitlich für Gott arbeiten und trotzdem nah an den Menschen sein. Ich suche die Herausforderung und möchte die Zweifel aushalten. Ich möchte an meiner Berufung ansetzen und neue Schritte gehen; mich auf das Wasser wagen und testen, ob es trägt.

Welche Figur aus der Bibel hättest du gern kennengelernt?

Nehemia ist mir ein Vorbild in Sachen Leiterschaft. Er geht seinen Weg, auch wenn dieser einsam ist. Trotzdem leistet er einen priesterlichen Dienst für sein Volk, darin ist er für mich eine große Inspiration. Er ermutigt, auch einsame Wege zu gehen, wenn das „Ja“ von Gott dazu da ist. Aber auch Maria von Magdala hat mich beeindruckt, als sie Jesus die Füße mit Öl einreibt und darin ihre verschwenderische Liebe und Hingabe zeigt. Ich finde Menschen, die ihr Leben für die Gegenwart Gottes „verschwenden“, auch heute noch faszinierend und inspirierend.

Was nimmst du aus unserer Gemeinde mit? Was hast du an Vorschlägen für uns zur Verbesserung?

Sehr gut finde ich unter anderem das Miteinander von Jung und Alt. Von der Lobpreisarbeit nehme ich viele gute Inputs mit, besonders die übergemeindliche Lobpreisarbeit hat mir gut gefallen. Wenn mir etwas gefehlt hat, dann ist es vielleicht die Ausrichtung hin zu verbindlicher Jüngerschaft im Alltag und immer wieder die konkrete Frage, was meine nächsten Schritte als Jünger Jesu sind.

Liebe Franz,
danke für die Einblicke in dein Leben und das Teilhaben an deinen Visionen. Wir wünschen dir für deinen weiteren Weg Gottes Segen!


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83
Dezember 2020 und Januar 2021

Im Lobpreis habe ich Gott persönlich erlebt

Vivian Strohbach ist 19 Jahre alt, stammt aus Freiberg und wohnt mit ihrer Mama in Lichtenberg. Zu unserer Gemeinde gehört sie seit vier Jahren. Ihr Gesicht kennt man aus der Kinderchorarbeit und sie ist Mitarbeiterin in der Jungen Gemeinde. Im Juni nächsten Jahres wird sie ihren Verlobten Felix Reichelt heiraten. Am 1. Advent soll Vivian in den neuen Kirchenvorstand berufen werden. Mit diesem Interview stellt sie sich der Gemeinde vor. Daniela Gneuß hat sich mit ihr unterhalten.

Hallo Vivi, hast du ein Lieblingsessen und ein Lieblingsgetränk?

Ich esse am liebsten alles, was meine Omas kochen. Und ich liebe Cappuccino.

Welches Buch liegt momentan auf deinem Nachttisch?

Einen Nachttisch habe ich gar nicht, am nächsten wäre der Schreibtisch. Und dort liegt tatsächlich meine Bibel, in der ich regelmäßig lese. Und jede Menge wunderschöne Notizbücher, in die ich alles Mögliche schreibe, was mich gerade beschäftigt. Da gibt es ein Gebetsbuch, ein Dankesbuch, ein To-Do-Buch … Ich liebe Notizbücher!

Du befindest dich noch in der Ausbildung, was genau machst du?

Ich studiere seit Oktober diesen Jahres an der TU Chemnitz Grundschullehramt im Hauptfach Englisch. Dass ich jetzt dort bin, hat Gott ganz wunderbar und beeindruckend geführt. Unter anderem ist für dieses Studium in Chemnitz ein Auslandsaufenthalt von zwei Monaten nötig, entweder vor oder während des Studiums. Und ich hatte die unerwartete Möglichkeit, auf den Punkt genau die nötige Zeit im Vorfeld in England zu verbringen. Das war für mich eindeutig Gottes Führung!

Dass du mal so aktiv in der Gemeinde unterwegs sein würdest, hättest du vor ein paar Jahren wahrscheinlich selber nicht gedacht. Wie kam es, dass der christliche Glaube in deinem Leben so eine große Rolle spielt? Wer hat dich geprägt?

Im April 2016 wurde ich von meiner Freundin Fräänz zum gefühlt 1000sten Mal zu einer JG-Rüstzeit eingeladen. Ich kenne sie seit meiner Kindheit, wir waren in Freiberg Nachbarinnen und sind beste Freundinnen. Sie war über die ganzen Jahre hartnäckig und hat mich immer wieder, aber ohne Druck, zu christlichen Veranstaltungen eingeladen, bis ich halt dann irgendwann mal Ja gesagt habe. Auf dieser Rüstzeit habe ich im Lobpreis Gott das erste Mal sehr intensiv erlebt und gespürt. Das war für mich ein sehr bewegendes Erlebnis. Von da an habe ich mich intensiv mit dem Glauben auseinandergesetzt und wurde Teil der JG. Im Herbst des gleichen Jahres habe ich mich bekehrt und im April darauf folgte die Taufe in einem kleinen Swimmingpool im Gemeindegarten. Stark geprägt und begleitet wurde ich durch Fräänz und durch ein Mentoring während einer Jüngerschaftsschule in Großhartmannsdorf. Dadurch bin ich im Glauben gewachsen, konnte reifen und vorwärts gehen.

Hattest oder hast du auch persönliche Krisen? Wer oder was trägt dich bzw. fängt dich dann auf?

Mein Verlobter Felix ist im Moment menschlich der erste, der mich auffängt, mit mir und für mich betet, wenn ich es gerade selber nicht kann. Er ist mir eine große Stütze an schlechten Tagen und ermutigt mich, Gottes Güte nicht aus dem Blick zu verlieren. Nach meiner Bekehrung hatte ich auf einmal große Probleme mit Selbstannahme, Selbstwert, meinem Aussehen und konnte Gottes Liebe für mich nicht sehen. Ich dachte, nach einem Gebet geht das weg; dem war aber nicht so. Es war ein Prozess der Heilung. Auch da war es wieder Fräänz, die im Gebet drangeblieben ist und mich begleitet hat. Sie hat mir geholfen, in diesem negativen Sog noch kurz vor knapp die Reißleine zu ziehen. Ich kenne jetzt meine Identität in Gott. Diese negativen Gedanken kommen zwar immer noch manchmal hoch, aber ich kann Gottes gute Wahrheiten über mich dagegen halten. Eine extrem große Hilfe ist mir dabei das Lesen in der Bibel, sie ist prall gefüllt mit guten Wahrheiten.

Man sieht dir deine Begeisterung für Gott an. Was genau begeistert dich an ihm und wie erlebst du ihn?

Mich begeistert, dass Gott persönlich ist, und ich finde es total beeindruckend, wie Gott in nur einer Sekunde mit so vielen Menschen zeitgleich Dinge aushandelt. Gott ist für mich überall nah und persönlich und er ist im Alltag neben mir. Er sieht mich und nimmt mich wahr. Natürlich kann ich das nicht immer spüren, aber ich bin der festen Überzeugung, dass er zu jeder Zeit an meiner Seite ist. Das erkenne ich oft an ganz vielen kleinen Wundern in meinem Alltag. Mein erster Zugang zu ihm ist im Lobpreis, da ich ihn da zum ersten Mal persönlich erlebt habe und Musik liebe. Ich tanke auch beim Bibellesen auf. Dadurch kann ich Gottes Charakter kennenlernen und herausfinden, wie er ist und dann diese Erkenntnisse in meinen vielen, wunderschönen Notizbüchern festhalten. Dadurch erfahre ich seinen Zuspruch.

Was begeistert dich an unserer Gemeinde?

Ich finde es toll, dass die Jugend in der Gemeinde selbstverständlich ist, als wichtiger Teil gut integriert und eigentlich überall mit dabei ist. Und mich begeistert und fasziniert, dass der Heilige Geist im Gottesdienst und im Gemeindeleben eingeladen wird, die Führung zu übernehmen. Unsere Gemeinde ist Heimat für so viele Menschen; man kennt und unterhält sich, es ist manchmal wie nach Hause kommen. Das finde ich total schön.

Du wirst als Sprachrohr für die Jugend in den Kirchenvorstand berufen. Wie hast du dein persönliches Ja dazu gefunden? Worauf wird dein Fokus liegen?

Ich bin ins Gebet gegangen, ob ich überhaupt Zeit und Kapazitäten dafür habe und ob das wirklich mein Platz ist, an dem Gott mich haben will. In einer normalen Alltagssituation ist mir wie ein Geistesblitz ein Gebetseindruck eingefallen, der mir schon vor einiger Zeit zugesprochen wurde. Damals konnte ich damit überhaupt nichts anfangen. Jetzt wusste ich sofort, dass der Eindruck von damals für genau diese Situation und Frage war. Gott hat mich liebevoll erinnert, das fand ich absolut krass und toll! Mein Fokus wird auf einem intensiveren Austausch zwischen Gemeinde und Jugend liegen, aber ein Stück weit lasse ich es auch einfach auf mich zukommen.

Wenn es ginge, welche Person aus der Bibel würdest du gerne mal treffen und warum?

Natürlich Jesus. Aber es gibt noch so viele andere Personen, die ich sehr interessant finde. Da ist es besonders Hiob, der mich fasziniert. Sein Leben bricht auseinander und er steckt in einer tiefen Krise. Trotzdem ist es Gott, der für ihn wichtig ist und ihm einen Wert gibt. Hiob ist mir ein großes Vorbild: Er hat alles verloren und in Gott doch alles gefunden. Ich würde ihn fragen, wie er das macht, und ob er einen Tipp für mich hat, wie man in größter Not Gott von ganzem Herzen vertrauen kann.

Liebe Vivian,
vielen Dank für das erfrischende Gespräch und die persönlichen Einblicke in dein Leben und deinen Glauben.


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82
Oktober und November 2020

Ich bin ein Teil des Ganzen und diene ihm

Veronika Günther ist 66 Jahre alt, stammt aus Ostrau, einem Dorf zwischen Döbeln und Riesa, und ist seit 44 Jahren verheiratet. Zu ihrer Familie gehören drei inzwischen erwachsene Kinder, acht Enkel und ein Urenkel. Über viele Jahre war Veronika Teil und Vorsitzende des Kirchenvorstandes. Mit der Wahl des neuen KVs verabschiedet sie sich nun aus dieser Arbeit, und so ist es ein guter Moment, um dankbar zurückzuschauen. Daniela Gneuß hat sich mit ihr zu diesem Interview getroffen.

Veronika, was ist dein Lieblingsessen und Getränk?

Ich esse sehr gern Zunge. Mein Lieblingsgetränk weiß ja nun inzwischen wohl jeder!

Welches Buch liest du gerade?

Momentan sind das eher Bauverträge, Rechnungsprüfungen und Kostenaufstellungen. Ich lese eigentlich nur im Urlaub, dann sehr gern historische Romane.

Was hast du beruflich gemacht?

Ich war von 1976 bis 2014 hier in Freiberg als Hebamme tätig. Eigentlich war mein Berufswunsch ein anderer, aber Gott hatte dann diesen guten Plan für mich. Ich durfte ca. 3000 Frauen bei der Geburt begleiten. Durch diesen Beruf musste ich mir ein sicheres Auftreten antrainieren, was mir auch in meiner Arbeit im Kirchenvorstand sehr zu Gute kam. Früher war ich eher schüchtern. Das glaubt mir aber heute niemand mehr.

Wie verlief dein Glaubensleben, wer hat dich geprägt?

Mein christliches Elternhaus, besonders meine Mutter. Sie war eine starke Beterin und hat mir Glauben vorgelebt, sodass ich darin wachsen durfte. Der christliche Glaube war und ist mir selbstverständlich. Mein Konfirmationsspruch:
„Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus“
hat das für mich immer unterstrichen.

Hattest du persönliche Krisen in deinem Leben und wie bist du damit umgegangen?

Ich hatte mehrere schwere Erkrankungen, das würde ich schon als Krisen bezeichnen. In diesen Zeiten hatte ich eine gute Psychologin und hilfreiche Gespräche mit vertrauten, aber nicht zu nahestehenden Menschen. Doch diese Zeiten haben nicht zu Glaubenskrisen geführt, etwas anderes eigentlich auch nicht. Ich habe den Leitspruch meiner Mutter übernommen: „Wenn nicht geschieht, was wir wollen, geschieht etwas Besseres.“ Das heißt allerdings nicht, dass ich nicht auch manchmal ordentlich durchgehangen habe. Aber mehr seelisch, es ließ mich nie an meinem Glauben zweifeln.

Wenn es ginge, welche Figur aus der Bibel würdest du gern mal treffen?

Wahrscheinlich Maria, die Mutter des Herrn. Ihre hingebungsvolle und dabei glaubensstarke Demut hat mich immer fasziniert. Da fehlt mir noch so viel!

Du warst über viele Jahre die Vorsitzende unseres Kirchenvorstandes und scheidest jetzt aus. Wie viele Jahre waren es insgesamt und wie viele Pfarrer durftest du begleiten?

Ich wurde 1988 in den KV nachberufen und habe in meiner gesamten KV-Zeit drei hauptamtliche Pfarrer und mindesten vier Vakanzvertretungen erlebt.

Warum war dir die Arbeit im KV neben deiner Familie und deinem Beruf im Schichtdienst so wichtig?

Ich hatte einmal Ja gesagt und damit Verantwortung übernommen. Dazu muss man dann auch stehen können. Nur die Sitzungen absitzen, das war nicht mein Ding. Also habe ich geschaut, wo es was zu tun gibt. Und so habe ich mir immer mehr Überblick verschafft. Leider bin ich leicht perfektionistisch angehaucht. Das macht das Leben nicht leichter. Aber wenn ich was mache, will ich es auch so gut wie möglich erledigen und am besten sofort. Geduld ist nicht meine Stärke.

Woher hast du die Kraft und die immer wieder neue Motivation dazu bekommen?

Die Kraft kommt von Gott allein, denn Gott ist die Kraft. Wenn man für andere oder in dem Fall für die Gemeinde etwas macht, kann man diese Hilfe auch deutlich spüren. Keiner lebt für sich allein und jeder soll alles zur Ehre Gottes tun. Keiner lebt aus sich allein, denn ohne Gott kann niemand etwas Gutes schaffen. Also gilt mein Dank unserem Gott für alles, was ich leisten konnte und dafür, dass ich dienen durfte. Danken will ich aber auch allen, die mich in dieser Arbeit unterstützten, mir Anregung und Hilfestellung, aber auch Wertschätzung gaben. Das alles ist sehr hilfreich gewesen und wird es auch für den Kirchenvorstand in seiner neuen Besetzung sein. Behaltet es bitte bei!

Welche Zeit war für dich am intensivsten?

Der Aufbau einer lebendigen Gemeinde unter und mit Gundula Rudloff und die gleichzeitige Zusammenführung der beiden Gemeindeteile Christophorus/Zug und Jakobi. Eine sehr spannende und positive Zeit.

Wen siehst du als deinen Nachfolger?

Das bin ich schon so oft gefragt worden … Einen Nachfolger in dem umfassenden Sinn wird es nicht geben. Die kirchlichen Strukturen ändern sich. Wir als Jakobi-Christophorus-Kirchgemeinde sind dem Gemeindebund Freiberg beigetreten. Ab 2021 wird sich die Verwaltung zentralisieren. Alle Arbeiten, die ich bisher für unsere Gemeinde getan habe, werden dann in der Verwaltung am Untermarkt oder direkt in der Kassenverwaltung in Pirna erledigt. Das betrifft auch das Kirchgeld. Mit dieser Ausgabe von „Gemeinde aktuell“ kommen die Kirchgelderinnerungen das letzte Mal aus meiner Bearbeitung. Ich danke allen, die in all den Jahren treu ihr Kirchgeld bezahlt haben, für diese wichtige Unterstützung unserer Gemeinde. Haltet fest an dieser Treue, auch wenn das Kirchgeld jetzt zentral verwaltet wird. (ACHTUNG: Dann neue Kontonummer!)

Verschwindest du jetzt aus dem Gemeindeleben?Welches Buch liest du gerade?

Natürlich nicht … Es gibt so viele, auch kleine Dinge zu tun. Gemeinde lebt doch nur, wenn viele sich an vielen Stellen einbringen und mitarbeiten. Aus der „Willow-Creek“-Bewegung ist mir ein Satz besonders wichtig geworden:
Ich bin ein Teil des Ganzen und diene ihm.
Wenn sich diese Aussage alle ins Herz schreiben und danach handeln, sind uns die Führung und der Segen Gottes gewiss. Und nur mit diesem Segen kann Gemeindeaufbau und -erhalt gelingen. Jeder ist wichtig, auch wenn er nur etwas vermeintlich Kleines beiträgt! Es gibt so vieles, was im Hintergrund getan wird und auch getan werden muss. Das fällt erst auf, wenn es mal keiner macht. Man sollte nie in „wichtig“ oder „unwichtig bzw. nebensächlich“ einteilen. Alles ist wichtig! Alles, was wir für die Gemeinde oder für Einzelne tun, ist auch Gott wichtig, vor allem, wenn es kein Dritter merkt, hört oder sieht. Anerkennung ist schön, die wichtigste Anerkennung kommt aber von Gott, wenn wir es ihm zur Ehre tun.

Liebe Veronika,
vielen Dank für das angeregte Gespräch, den Einblick in dein Leben und die wertvollen Worte für unsere Gemeinde. Wir wünschen dir Gottes Segen für die Zukunft, danken dir für deine intensive Arbeit und freuen uns darauf, dir weiterhin in der Gemeinde zu begegnen.


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81
August und September 2020

Jesus ist für mich der Weg zur Freiheit

Unser Interviewpartner ist dieses Mal Hannes Vogel. Er ist 30 Jahre alt, gehört seit 2015 zu unserer Gemeinde und hat in Freiberg Geowissenschaften mit der Vertiefung Hydrogeologie/Ingenieurgeologie (Boden, Grundwasser) studiert. Frank Herter führte das Gespräch mit ihm.

Man sieht dich im Gottesdienst immer mal wieder beim Videofilmen oder beim Beamen. Sind das deine Hobbys?

Ja, inzwischen. Ich fotografiere seit Jahren sehr gerne. Aus dem Bedarf des Filmens in der Coronazeit ist dann das Predigtfilmen geworden.

Hast du noch mehr Hobbies?

Ich gehe gerne laufen, spiele Volleyball, reise und fotografiere gerne, wandere und ich mag Klettersteige in den Alpen sehr gerne.

Du bist in Eppendorf aufgewachsen. Wie kamst du nach Freiberg?

Durchs Studium an der Bergakademie. Ich schätze sehr, dass alles sehr praxisnah aufgebaut ist, die Nähe zu den Professoren und die kleinen Studiengruppen.

Welche Bedeutung hat Jesus in deinem Leben?

Jesus ist für mich der Weg zur Freiheit. Und Jesus ist die Freiheit. In ihm ist alles Gute, sowohl jetzt hier auf der Erde als auch dann, wenn wir einmal bei ihm sein werden. Er zeigt mir, was gut für mich ist.

Wie bist du zum Glauben gekommen?

Ich bin in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen und habe die typische christliche „Karriereleiter“ erklommen: mit Kindergottesdienst, Konfirmandenunterricht und Junger Gemeinde. Ich habe damals unbewusst immer wieder meiner älteren Schwester nachgeeifert. Als sie auf die erste Rüstzeit gefahren ist, wollte ich auch auf eine Rüstzeit fahren. Als sie konfirmiert wurde, wollte ich das auch. Später habe ich bemerkt, dass es nicht darum geht, jemandem nachzueifern, sondern dass es um eine persönliche Beziehung zu Jesus geht, die tragfähig ist.

Gab es dafür einen besonderen Anlass?

Meine Initialzündung war bei einer Jugendevangelisation 2005 in Flöha. Dort hat Frank Döhler gepredigt. An einem der Abende habe ich mich bekehrt. Das war für mich ein ganz bewusster Schritt, der mir sehr wichtig war.

Was war bisher dein größtes Erlebnis mit Gott?

Durch meinen Professor kam ich zu einem Studienaufenthalt nach Kanada (British Colombia, ganz im Westen). Dort habe ich eine Zeit erlebt, die geprägt war von neuen Erlebnissen mit Gott und genialer Gemeinschaft mit Christen. Ich kam in Kontakt mit einer sehr lebendigen Gemeinde in Vancouver, die sich ein Theater gekauft hat und dort ihre Gottesdienste feiert. Für mich war sehr beeindruckend, wie die Geschwister ihren Glauben gelebt haben: offen, fröhlich, unverkrampft und nah am Wort Gottes. Ein Mitbewohner aus meiner WG in Freiberg hat mich dort sogar einmal besucht, und wir haben einen Abenteuerurlaub in der Wildnis Kanadas unternommen, inklusive der Begegnung mit Bären.

Wurdest du in deinem Glauben auch schon mal stark herausgefordert?

Es gibt zwei Sachen, die mich in meinem Glauben sehr herausgefordert haben. Das eine war eine psychische Krankheit einer Bekannten. Das andere war ein Beziehungsende. Ich bin dankbar, dass ich in dieser Zeit mit sehr guten Geschwistern Gemeinschaft haben konnte. Sie haben mir Gott und seine Liebe wieder nähergebracht. Ihre Gebetsunterstützung und ihre ganz praktische Hilfe haben mich durch diese schwierigen Zeiten getragen. Ich fragte Gott damals, warum er das zugelassen hat. Im Nachhinein kann ich vieles einordnen. Manches verstehe ich aber heute noch nicht.

Was hilft dir, am Glauben dran zu bleiben?

Glauben ist für mich so eine ähnliche Übung wie Sport zu treiben. Nicht immer so einfach, aber immer wieder gut, wenn ich mir die Zeit dafür genommen habe. Wenn ich morgens meine Stille Zeit gemacht habe, wenn ich Gottes Wort gelesen und darüber nachgedacht habe, dann ist das für mich eine große Hilfe. Außerdem kenne ich noch etwas ganz Praktisches: Ich habe mir die „Open Doors-App“ auf mein Handy geladen. In der App habe ich täglich um 13:02 Uhr eine Erinnerung geschaltet und bekomme dann Impulse und Gebetsanliegen von verfolgten Christen auf der ganzen Welt. Das hält meinen Glauben wach.

Hat dir die Corona-Krise neue Einsichten in Bezug auf dein Leben und deinen Glauben gebracht?

Wir machen zurzeit unseren Hauskreis als Videokonferenz. Das ist nicht die gleiche Gemeinschaft wie sonst, wenn wir uns treffen, aber es konnten plötzlich Leute daran teilnehmen, die gar nicht mehr in Freiberg leben. Wir hatten trotzdem viel Freude am Austausch. Als es die Samstagabend-Andachten noch nicht gab, machte ich einmal eine Predigtaufnahme. Irgendwie kam eine einzelne Frau dazu. Und so predigte Daniel an diesem Abend nur für diese Frau und ich filmte. Ich fand es so schön, wie diese Frau wertgeschätzt wurde.

Was ist dein Lieblingsbibelvers?

Es ist die Geschichte vom verlorenen Sohn in Lukas 15. Für mich ist der besondere Aspekt nicht so sehr der verlorene, sondern der andere Sohn. Zu ihm sagte der Vater: „Du kannst mich um alles bitten!“, aber er fragte nicht. Vielleicht war er zu zurückhaltend oder zu stolz. Ich kann mich mit ihm sehr gut identifizieren und wünsche mir, dass ich mutiger dabei werde, das, was Gott schon bereitet hat, zu ergreifen. Die Geschichte fordert mich heraus, nicht zu bescheiden zu sein, Dinge von Gott zu erbitten, um die Gemeinschaft mit ihm intensiver zu erleben.

Du engagierst dich in unserer Gemeinde auch bei dem Treff für junge Erwachsene „Mittendrin“. Warum ist dir dieser Dienst wichtig?

Weil ich in der Gemeinde in Kanada erlebt habe, wie wichtig es ist, neue Leute willkommen zu heißen. Ich war damals als Fremder hingekommen, wurde super herzlich von den anderen jungen Menschen aufgenommen und eingeladen und hatte sofort eine tolle Gemeinschaft mit ihnen. Das hat mich sehr erfreut, und ich habe gemerkt: Das sind wirkliche Geschwister, die offen sind für neue Leute. Und diese Erfahrung will ich durch das „Mittendrin“ weitergeben.

Was gefällt dir besonders an unserer Gemeinde?

Mir gefällt sehr: die Freiheit, in der Gottesdienste gefeiert werden; die Möglichkeit, seine Gaben einzubringen; wie mit verschiedenen Themen umgegangen wird und der Mix der verschiedenen Generationen. Ich finde, die Gemeinde bildet einen guten Querschnitt der Gesellschaft ab.

Was wünschst du unserer Gemeinde? Sollte sie etwas neu in den Blick nehmen?

Die Gemeinde ist schon sehr vielseitig ausgeprägt. Man könnte über Angebote für Studenten nachdenken, obwohl es schwierig ist, weil sie an der Peripherie leben und eine sehr „flexible“ Gruppe sind. Sie sind oft nur eine begrenzte Zeit da und dann wieder weg. Ich habe noch eine andere Idee: Man könnte die Audio-Predigten auch als Podcast im Internet anbieten. Ich höre sehr gerne Podcasts bei der Hausarbeit, auf Reisen und bei Autofahrten.

Vielen Dank für das gute Gespräch.



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