Seit vielen Jahren erscheinen in unserem Gemeindeblatt "Gemeinde aktuell" Interviews von Menschen, die von ihrem Glauben an Gott erzählen. Inzwischen ist eine beachtliche Sammlung ermutigender Zeugnisse entstanden.



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Im Lobpreis habe ich Gott persönlich erlebt

Vivian Strohbach ist 19 Jahre alt, stammt aus Freiberg und wohnt mit ihrer Mama in Lichtenberg. Zu unserer Gemeinde gehört sie seit vier Jahren. Ihr Gesicht kennt man aus der Kinderchorarbeit und sie ist Mitarbeiterin in der Jungen Gemeinde. Im Juni nächsten Jahres wird sie ihren Verlobten Felix Reichelt heiraten. Am 1. Advent soll Vivian in den neuen Kirchenvorstand berufen werden. Mit diesem Interview stellt sie sich der Gemeinde vor. Daniela Gneuß hat sich mit ihr unterhalten.

Hallo Vivi, hast du ein Lieblingsessen und ein Lieblingsgetränk?

Ich esse am liebsten alles, was meine Omas kochen. Und ich liebe Cappuccino.

Welches Buch liegt momentan auf deinem Nachttisch?

Einen Nachttisch habe ich gar nicht, am nächsten wäre der Schreibtisch. Und dort liegt tatsächlich meine Bibel, in der ich regelmäßig lese. Und jede Menge wunderschöne Notizbücher, in die ich alles Mögliche schreibe, was mich gerade beschäftigt. Da gibt es ein Gebetsbuch, ein Dankesbuch, ein To-Do-Buch … Ich liebe Notizbücher!

Du befindest dich noch in der Ausbildung, was genau machst du?

Ich studiere seit Oktober diesen Jahres an der TU Chemnitz Grundschullehramt im Hauptfach Englisch. Dass ich jetzt dort bin, hat Gott ganz wunderbar und beeindruckend geführt. Unter anderem ist für dieses Studium in Chemnitz ein Auslandsaufenthalt von zwei Monaten nötig, entweder vor oder während des Studiums. Und ich hatte die unerwartete Möglichkeit, auf den Punkt genau die nötige Zeit im Vorfeld in England zu verbringen. Das war für mich eindeutig Gottes Führung!

Dass du mal so aktiv in der Gemeinde unterwegs sein würdest, hättest du vor ein paar Jahren wahrscheinlich selber nicht gedacht. Wie kam es, dass der christliche Glaube in deinem Leben so eine große Rolle spielt? Wer hat dich geprägt?

Im April 2016 wurde ich von meiner Freundin Fräänz zum gefühlt 1000sten Mal zu einer JG-Rüstzeit eingeladen. Ich kenne sie seit meiner Kindheit, wir waren in Freiberg Nachbarinnen und sind beste Freundinnen. Sie war über die ganzen Jahre hartnäckig und hat mich immer wieder, aber ohne Druck, zu christlichen Veranstaltungen eingeladen, bis ich halt dann irgendwann mal Ja gesagt habe. Auf dieser Rüstzeit habe ich im Lobpreis Gott das erste Mal sehr intensiv erlebt und gespürt. Das war für mich ein sehr bewegendes Erlebnis. Von da an habe ich mich intensiv mit dem Glauben auseinandergesetzt und wurde Teil der JG. Im Herbst des gleichen Jahres habe ich mich bekehrt und im April darauf folgte die Taufe in einem kleinen Swimmingpool im Gemeindegarten. Stark geprägt und begleitet wurde ich durch Fräänz und durch ein Mentoring während einer Jüngerschaftsschule in Großhartmannsdorf. Dadurch bin ich im Glauben gewachsen, konnte reifen und vorwärts gehen.

Hattest oder hast du auch persönliche Krisen? Wer oder was trägt dich bzw. fängt dich dann auf?

Mein Verlobter Felix ist im Moment menschlich der erste, der mich auffängt, mit mir und für mich betet, wenn ich es gerade selber nicht kann. Er ist mir eine große Stütze an schlechten Tagen und ermutigt mich, Gottes Güte nicht aus dem Blick zu verlieren. Nach meiner Bekehrung hatte ich auf einmal große Probleme mit Selbstannahme, Selbstwert, meinem Aussehen und konnte Gottes Liebe für mich nicht sehen. Ich dachte, nach einem Gebet geht das weg; dem war aber nicht so. Es war ein Prozess der Heilung. Auch da war es wieder Fräänz, die im Gebet drangeblieben ist und mich begleitet hat. Sie hat mir geholfen, in diesem negativen Sog noch kurz vor knapp die Reißleine zu ziehen. Ich kenne jetzt meine Identität in Gott. Diese negativen Gedanken kommen zwar immer noch manchmal hoch, aber ich kann Gottes gute Wahrheiten über mich dagegen halten. Eine extrem große Hilfe ist mir dabei das Lesen in der Bibel, sie ist prall gefüllt mit guten Wahrheiten.

Man sieht dir deine Begeisterung für Gott an. Was genau begeistert dich an ihm und wie erlebst du ihn?

Mich begeistert, dass Gott persönlich ist, und ich finde es total beeindruckend, wie Gott in nur einer Sekunde mit so vielen Menschen zeitgleich Dinge aushandelt. Gott ist für mich überall nah und persönlich und er ist im Alltag neben mir. Er sieht mich und nimmt mich wahr. Natürlich kann ich das nicht immer spüren, aber ich bin der festen Überzeugung, dass er zu jeder Zeit an meiner Seite ist. Das erkenne ich oft an ganz vielen kleinen Wundern in meinem Alltag. Mein erster Zugang zu ihm ist im Lobpreis, da ich ihn da zum ersten Mal persönlich erlebt habe und Musik liebe. Ich tanke auch beim Bibellesen auf. Dadurch kann ich Gottes Charakter kennenlernen und herausfinden, wie er ist und dann diese Erkenntnisse in meinen vielen, wunderschönen Notizbüchern festhalten. Dadurch erfahre ich seinen Zuspruch.

Was begeistert dich an unserer Gemeinde?

Ich finde es toll, dass die Jugend in der Gemeinde selbstverständlich ist, als wichtiger Teil gut integriert und eigentlich überall mit dabei ist. Und mich begeistert und fasziniert, dass der Heilige Geist im Gottesdienst und im Gemeindeleben eingeladen wird, die Führung zu übernehmen. Unsere Gemeinde ist Heimat für so viele Menschen; man kennt und unterhält sich, es ist manchmal wie nach Hause kommen. Das finde ich total schön.

Du wirst als Sprachrohr für die Jugend in den Kirchenvorstand berufen. Wie hast du dein persönliches Ja dazu gefunden? Worauf wird dein Fokus liegen?

Ich bin ins Gebet gegangen, ob ich überhaupt Zeit und Kapazitäten dafür habe und ob das wirklich mein Platz ist, an dem Gott mich haben will. In einer normalen Alltagssituation ist mir wie ein Geistesblitz ein Gebetseindruck eingefallen, der mir schon vor einiger Zeit zugesprochen wurde. Damals konnte ich damit überhaupt nichts anfangen. Jetzt wusste ich sofort, dass der Eindruck von damals für genau diese Situation und Frage war. Gott hat mich liebevoll erinnert, das fand ich absolut krass und toll! Mein Fokus wird auf einem intensiveren Austausch zwischen Gemeinde und Jugend liegen, aber ein Stück weit lasse ich es auch einfach auf mich zukommen.

Wenn es ginge, welche Person aus der Bibel würdest du gerne mal treffen und warum?

Natürlich Jesus. Aber es gibt noch so viele andere Personen, die ich sehr interessant finde. Da ist es besonders Hiob, der mich fasziniert. Sein Leben bricht auseinander und er steckt in einer tiefen Krise. Trotzdem ist es Gott, der für ihn wichtig ist und ihm einen Wert gibt. Hiob ist mir ein großes Vorbild: Er hat alles verloren und in Gott doch alles gefunden. Ich würde ihn fragen, wie er das macht, und ob er einen Tipp für mich hat, wie man in größter Not Gott von ganzem Herzen vertrauen kann.

Liebe Vivian,
vielen Dank für das erfrischende Gespräch und die persönlichen Einblicke in dein Leben und deinen Glauben.




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Ich bin ein Teil des Ganzen und diene ihm

Veronika Günther ist 66 Jahre alt, stammt aus Ostrau, einem Dorf zwischen Döbeln und Riesa, und ist seit 44 Jahren verheiratet. Zu ihrer Familie gehören drei inzwischen erwachsene Kinder, acht Enkel und ein Urenkel. Über viele Jahre war Veronika Teil und Vorsitzende des Kirchenvorstandes. Mit der Wahl des neuen KVs verabschiedet sie sich nun aus dieser Arbeit, und so ist es ein guter Moment, um dankbar zurückzuschauen. Daniela Gneuß hat sich mit ihr zu diesem Interview getroffen.

Veronika, was ist dein Lieblingsessen und Getränk?

Ich esse sehr gern Zunge. Mein Lieblingsgetränk weiß ja nun inzwischen wohl jeder!

Welches Buch liest du gerade?

Momentan sind das eher Bauverträge, Rechnungsprüfungen und Kostenaufstellungen. Ich lese eigentlich nur im Urlaub, dann sehr gern historische Romane.

Was hast du beruflich gemacht?

Ich war von 1976 bis 2014 hier in Freiberg als Hebamme tätig. Eigentlich war mein Berufswunsch ein anderer, aber Gott hatte dann diesen guten Plan für mich. Ich durfte ca. 3000 Frauen bei der Geburt begleiten. Durch diesen Beruf musste ich mir ein sicheres Auftreten antrainieren, was mir auch in meiner Arbeit im Kirchenvorstand sehr zu Gute kam. Früher war ich eher schüchtern. Das glaubt mir aber heute niemand mehr.

Wie verlief dein Glaubensleben, wer hat dich geprägt?

Mein christliches Elternhaus, besonders meine Mutter. Sie war eine starke Beterin und hat mir Glauben vorgelebt, sodass ich darin wachsen durfte. Der christliche Glaube war und ist mir selbstverständlich. Mein Konfirmationsspruch:
„Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus“
hat das für mich immer unterstrichen.

Hattest du persönliche Krisen in deinem Leben und wie bist du damit umgegangen?

Ich hatte mehrere schwere Erkrankungen, das würde ich schon als Krisen bezeichnen. In diesen Zeiten hatte ich eine gute Psychologin und hilfreiche Gespräche mit vertrauten, aber nicht zu nahestehenden Menschen. Doch diese Zeiten haben nicht zu Glaubenskrisen geführt, etwas anderes eigentlich auch nicht. Ich habe den Leitspruch meiner Mutter übernommen: „Wenn nicht geschieht, was wir wollen, geschieht etwas Besseres.“ Das heißt allerdings nicht, dass ich nicht auch manchmal ordentlich durchgehangen habe. Aber mehr seelisch, es ließ mich nie an meinem Glauben zweifeln.

Wenn es ginge, welche Figur aus der Bibel würdest du gern mal treffen?

Wahrscheinlich Maria, die Mutter des Herrn. Ihre hingebungsvolle und dabei glaubensstarke Demut hat mich immer fasziniert. Da fehlt mir noch so viel!

Du warst über viele Jahre die Vorsitzende unseres Kirchenvorstandes und scheidest jetzt aus. Wie viele Jahre waren es insgesamt und wie viele Pfarrer durftest du begleiten?

Ich wurde 1988 in den KV nachberufen und habe in meiner gesamten KV-Zeit drei hauptamtliche Pfarrer und mindesten vier Vakanzvertretungen erlebt.

Warum war dir die Arbeit im KV neben deiner Familie und deinem Beruf im Schichtdienst so wichtig?

Ich hatte einmal Ja gesagt und damit Verantwortung übernommen. Dazu muss man dann auch stehen können. Nur die Sitzungen absitzen, das war nicht mein Ding. Also habe ich geschaut, wo es was zu tun gibt. Und so habe ich mir immer mehr Überblick verschafft. Leider bin ich leicht perfektionistisch angehaucht. Das macht das Leben nicht leichter. Aber wenn ich was mache, will ich es auch so gut wie möglich erledigen und am besten sofort. Geduld ist nicht meine Stärke.

Woher hast du die Kraft und die immer wieder neue Motivation dazu bekommen?

Die Kraft kommt von Gott allein, denn Gott ist die Kraft. Wenn man für andere oder in dem Fall für die Gemeinde etwas macht, kann man diese Hilfe auch deutlich spüren. Keiner lebt für sich allein und jeder soll alles zur Ehre Gottes tun. Keiner lebt aus sich allein, denn ohne Gott kann niemand etwas Gutes schaffen. Also gilt mein Dank unserem Gott für alles, was ich leisten konnte und dafür, dass ich dienen durfte. Danken will ich aber auch allen, die mich in dieser Arbeit unterstützten, mir Anregung und Hilfestellung, aber auch Wertschätzung gaben. Das alles ist sehr hilfreich gewesen und wird es auch für den Kirchenvorstand in seiner neuen Besetzung sein. Behaltet es bitte bei!

Welche Zeit war für dich am intensivsten?

Der Aufbau einer lebendigen Gemeinde unter und mit Gundula Rudloff und die gleichzeitige Zusammenführung der beiden Gemeindeteile Christophorus/Zug und Jakobi. Eine sehr spannende und positive Zeit.

Wen siehst du als deinen Nachfolger?

Das bin ich schon so oft gefragt worden … Einen Nachfolger in dem umfassenden Sinn wird es nicht geben. Die kirchlichen Strukturen ändern sich. Wir als Jakobi-Christophorus-Kirchgemeinde sind dem Gemeindebund Freiberg beigetreten. Ab 2021 wird sich die Verwaltung zentralisieren. Alle Arbeiten, die ich bisher für unsere Gemeinde getan habe, werden dann in der Verwaltung am Untermarkt oder direkt in der Kassenverwaltung in Pirna erledigt. Das betrifft auch das Kirchgeld. Mit dieser Ausgabe von „Gemeinde aktuell“ kommen die Kirchgelderinnerungen das letzte Mal aus meiner Bearbeitung. Ich danke allen, die in all den Jahren treu ihr Kirchgeld bezahlt haben, für diese wichtige Unterstützung unserer Gemeinde. Haltet fest an dieser Treue, auch wenn das Kirchgeld jetzt zentral verwaltet wird. (ACHTUNG: Dann neue Kontonummer!)

Verschwindest du jetzt aus dem Gemeindeleben?Welches Buch liest du gerade?

Natürlich nicht … Es gibt so viele, auch kleine Dinge zu tun. Gemeinde lebt doch nur, wenn viele sich an vielen Stellen einbringen und mitarbeiten. Aus der „Willow-Creek“-Bewegung ist mir ein Satz besonders wichtig geworden:
Ich bin ein Teil des Ganzen und diene ihm.
Wenn sich diese Aussage alle ins Herz schreiben und danach handeln, sind uns die Führung und der Segen Gottes gewiss. Und nur mit diesem Segen kann Gemeindeaufbau und -erhalt gelingen. Jeder ist wichtig, auch wenn er nur etwas vermeintlich Kleines beiträgt! Es gibt so vieles, was im Hintergrund getan wird und auch getan werden muss. Das fällt erst auf, wenn es mal keiner macht. Man sollte nie in „wichtig“ oder „unwichtig bzw. nebensächlich“ einteilen. Alles ist wichtig! Alles, was wir für die Gemeinde oder für Einzelne tun, ist auch Gott wichtig, vor allem, wenn es kein Dritter merkt, hört oder sieht. Anerkennung ist schön, die wichtigste Anerkennung kommt aber von Gott, wenn wir es ihm zur Ehre tun.

Liebe Veronika,
vielen Dank für das angeregte Gespräch, den Einblick in dein Leben und die wertvollen Worte für unsere Gemeinde. Wir wünschen dir Gottes Segen für die Zukunft, danken dir für deine intensive Arbeit und freuen uns darauf, dir weiterhin in der Gemeinde zu begegnen.




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Jesus ist für mich der Weg zur Freiheit

Unser Interviewpartner ist dieses Mal Hannes Vogel. Er ist 30 Jahre alt, gehört seit 2015 zu unserer Gemeinde und hat in Freiberg Geowissenschaften mit der Vertiefung Hydrogeologie/Ingenieurgeologie (Boden, Grundwasser) studiert. Frank Herter führte das Gespräch mit ihm.

Man sieht dich im Gottesdienst immer mal wieder beim Videofilmen oder beim Beamen. Sind das deine Hobbys?

Ja, inzwischen. Ich fotografiere seit Jahren sehr gerne. Aus dem Bedarf des Filmens in der Coronazeit ist dann das Predigtfilmen geworden.

Hast du noch mehr Hobbies?

Ich gehe gerne laufen, spiele Volleyball, reise und fotografiere gerne, wandere und ich mag Klettersteige in den Alpen sehr gerne.

Du bist in Eppendorf aufgewachsen. Wie kamst du nach Freiberg?

Durchs Studium an der Bergakademie. Ich schätze sehr, dass alles sehr praxisnah aufgebaut ist, die Nähe zu den Professoren und die kleinen Studiengruppen.

Welche Bedeutung hat Jesus in deinem Leben?

Jesus ist für mich der Weg zur Freiheit. Und Jesus ist die Freiheit. In ihm ist alles Gute, sowohl jetzt hier auf der Erde als auch dann, wenn wir einmal bei ihm sein werden. Er zeigt mir, was gut für mich ist.

Wie bist du zum Glauben gekommen?

Ich bin in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen und habe die typische christliche „Karriereleiter“ erklommen: mit Kindergottesdienst, Konfirmandenunterricht und Junger Gemeinde. Ich habe damals unbewusst immer wieder meiner älteren Schwester nachgeeifert. Als sie auf die erste Rüstzeit gefahren ist, wollte ich auch auf eine Rüstzeit fahren. Als sie konfirmiert wurde, wollte ich das auch. Später habe ich bemerkt, dass es nicht darum geht, jemandem nachzueifern, sondern dass es um eine persönliche Beziehung zu Jesus geht, die tragfähig ist.

Gab es dafür einen besonderen Anlass?

Meine Initialzündung war bei einer Jugendevangelisation 2005 in Flöha. Dort hat Frank Döhler gepredigt. An einem der Abende habe ich mich bekehrt. Das war für mich ein ganz bewusster Schritt, der mir sehr wichtig war.

Was war bisher dein größtes Erlebnis mit Gott?

Durch meinen Professor kam ich zu einem Studienaufenthalt nach Kanada (British Colombia, ganz im Westen). Dort habe ich eine Zeit erlebt, die geprägt war von neuen Erlebnissen mit Gott und genialer Gemeinschaft mit Christen. Ich kam in Kontakt mit einer sehr lebendigen Gemeinde in Vancouver, die sich ein Theater gekauft hat und dort ihre Gottesdienste feiert. Für mich war sehr beeindruckend, wie die Geschwister ihren Glauben gelebt haben: offen, fröhlich, unverkrampft und nah am Wort Gottes. Ein Mitbewohner aus meiner WG in Freiberg hat mich dort sogar einmal besucht, und wir haben einen Abenteuerurlaub in der Wildnis Kanadas unternommen, inklusive der Begegnung mit Bären.

Wurdest du in deinem Glauben auch schon mal stark herausgefordert?

Es gibt zwei Sachen, die mich in meinem Glauben sehr herausgefordert haben. Das eine war eine psychische Krankheit einer Bekannten. Das andere war ein Beziehungsende. Ich bin dankbar, dass ich in dieser Zeit mit sehr guten Geschwistern Gemeinschaft haben konnte. Sie haben mir Gott und seine Liebe wieder nähergebracht. Ihre Gebetsunterstützung und ihre ganz praktische Hilfe haben mich durch diese schwierigen Zeiten getragen. Ich fragte Gott damals, warum er das zugelassen hat. Im Nachhinein kann ich vieles einordnen. Manches verstehe ich aber heute noch nicht.

Was hilft dir, am Glauben dran zu bleiben?

Glauben ist für mich so eine ähnliche Übung wie Sport zu treiben. Nicht immer so einfach, aber immer wieder gut, wenn ich mir die Zeit dafür genommen habe. Wenn ich morgens meine Stille Zeit gemacht habe, wenn ich Gottes Wort gelesen und darüber nachgedacht habe, dann ist das für mich eine große Hilfe. Außerdem kenne ich noch etwas ganz Praktisches: Ich habe mir die „Open Doors-App“ auf mein Handy geladen. In der App habe ich täglich um 13:02 Uhr eine Erinnerung geschaltet und bekomme dann Impulse und Gebetsanliegen von verfolgten Christen auf der ganzen Welt. Das hält meinen Glauben wach.

Hat dir die Corona-Krise neue Einsichten in Bezug auf dein Leben und deinen Glauben gebracht?

Wir machen zurzeit unseren Hauskreis als Videokonferenz. Das ist nicht die gleiche Gemeinschaft wie sonst, wenn wir uns treffen, aber es konnten plötzlich Leute daran teilnehmen, die gar nicht mehr in Freiberg leben. Wir hatten trotzdem viel Freude am Austausch. Als es die Samstagabend-Andachten noch nicht gab, machte ich einmal eine Predigtaufnahme. Irgendwie kam eine einzelne Frau dazu. Und so predigte Daniel an diesem Abend nur für diese Frau und ich filmte. Ich fand es so schön, wie diese Frau wertgeschätzt wurde.

Was ist dein Lieblingsbibelvers?

Es ist die Geschichte vom verlorenen Sohn in Lukas 15. Für mich ist der besondere Aspekt nicht so sehr der verlorene, sondern der andere Sohn. Zu ihm sagte der Vater: „Du kannst mich um alles bitten!“, aber er fragte nicht. Vielleicht war er zu zurückhaltend oder zu stolz. Ich kann mich mit ihm sehr gut identifizieren und wünsche mir, dass ich mutiger dabei werde, das, was Gott schon bereitet hat, zu ergreifen. Die Geschichte fordert mich heraus, nicht zu bescheiden zu sein, Dinge von Gott zu erbitten, um die Gemeinschaft mit ihm intensiver zu erleben.

Du engagierst dich in unserer Gemeinde auch bei dem Treff für junge Erwachsene „Mittendrin“. Warum ist dir dieser Dienst wichtig?

Weil ich in der Gemeinde in Kanada erlebt habe, wie wichtig es ist, neue Leute willkommen zu heißen. Ich war damals als Fremder hingekommen, wurde super herzlich von den anderen jungen Menschen aufgenommen und eingeladen und hatte sofort eine tolle Gemeinschaft mit ihnen. Das hat mich sehr erfreut, und ich habe gemerkt: Das sind wirkliche Geschwister, die offen sind für neue Leute. Und diese Erfahrung will ich durch das „Mittendrin“ weitergeben.

Was gefällt dir besonders an unserer Gemeinde?

Mir gefällt sehr: die Freiheit, in der Gottesdienste gefeiert werden; die Möglichkeit, seine Gaben einzubringen; wie mit verschiedenen Themen umgegangen wird und der Mix der verschiedenen Generationen. Ich finde, die Gemeinde bildet einen guten Querschnitt der Gesellschaft ab.

Was wünschst du unserer Gemeinde? Sollte sie etwas neu in den Blick nehmen?

Die Gemeinde ist schon sehr vielseitig ausgeprägt. Man könnte über Angebote für Studenten nachdenken, obwohl es schwierig ist, weil sie an der Peripherie leben und eine sehr „flexible“ Gruppe sind. Sie sind oft nur eine begrenzte Zeit da und dann wieder weg. Ich habe noch eine andere Idee: Man könnte die Audio-Predigten auch als Podcast im Internet anbieten. Ich höre sehr gerne Podcasts bei der Hausarbeit, auf Reisen und bei Autofahrten.

Vielen Dank für das gute Gespräch.



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