Seit vielen Jahren erscheinen in unserem Gemeindeblatt "Gemeinde aktuell" Interviews von Menschen, die von ihrem Glauben an Gott erzählen. Inzwischen ist eine beachtliche Sammlung ermutigender Zeugnisse entstanden.



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Jesus ist für mich der Weg zur Freiheit

Unser Interviewpartner ist dieses Mal Hannes Vogel. Er ist 30 Jahre alt, gehört seit 2015 zu unserer Gemeinde und hat in Freiberg Geowissenschaften mit der Vertiefung Hydrogeologie/Ingenieurgeologie (Boden, Grundwasser) studiert. Frank Herter führte das Gespräch mit ihm.

Man sieht dich im Gottesdienst immer mal wieder beim Videofilmen oder beim Beamen. Sind das deine Hobbys?

Ja, inzwischen. Ich fotografiere seit Jahren sehr gerne. Aus dem Bedarf des Filmens in der Coronazeit ist dann das Predigtfilmen geworden.

Hast du noch mehr Hobbies?

Ich gehe gerne laufen, spiele Volleyball, reise und fotografiere gerne, wandere und ich mag Klettersteige in den Alpen sehr gerne.

Du bist in Eppendorf aufgewachsen. Wie kamst du nach Freiberg?

Durchs Studium an der Bergakademie. Ich schätze sehr, dass alles sehr praxisnah aufgebaut ist, die Nähe zu den Professoren und die kleinen Studiengruppen.

Welche Bedeutung hat Jesus in deinem Leben?

Jesus ist für mich der Weg zur Freiheit. Und Jesus ist die Freiheit. In ihm ist alles Gute, sowohl jetzt hier auf der Erde als auch dann, wenn wir einmal bei ihm sein werden. Er zeigt mir, was gut für mich ist.

Wie bist du zum Glauben gekommen?

Ich bin in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen und habe die typische christliche „Karriereleiter“ erklommen: mit Kindergottesdienst, Konfirmandenunterricht und Junger Gemeinde. Ich habe damals unbewusst immer wieder meiner älteren Schwester nachgeeifert. Als sie auf die erste Rüstzeit gefahren ist, wollte ich auch auf eine Rüstzeit fahren. Als sie konfirmiert wurde, wollte ich das auch. Später habe ich bemerkt, dass es nicht darum geht, jemandem nachzueifern, sondern dass es um eine persönliche Beziehung zu Jesus geht, die tragfähig ist.

Gab es dafür einen besonderen Anlass?

Meine Initialzündung war bei einer Jugendevangelisation 2005 in Flöha. Dort hat Frank Döhler gepredigt. An einem der Abende habe ich mich bekehrt. Das war für mich ein ganz bewusster Schritt, der mir sehr wichtig war.

Was war bisher dein größtes Erlebnis mit Gott?

Durch meinen Professor kam ich zu einem Studienaufenthalt nach Kanada (British Colombia, ganz im Westen). Dort habe ich eine Zeit erlebt, die geprägt war von neuen Erlebnissen mit Gott und genialer Gemeinschaft mit Christen. Ich kam in Kontakt mit einer sehr lebendigen Gemeinde in Vancouver, die sich ein Theater gekauft hat und dort ihre Gottesdienste feiert. Für mich war sehr beeindruckend, wie die Geschwister ihren Glauben gelebt haben: offen, fröhlich, unverkrampft und nah am Wort Gottes. Ein Mitbewohner aus meiner WG in Freiberg hat mich dort sogar einmal besucht, und wir haben einen Abenteuerurlaub in der Wildnis Kanadas unternommen, inklusive der Begegnung mit Bären.

Wurdest du in deinem Glauben auch schon mal stark herausgefordert?

Es gibt zwei Sachen, die mich in meinem Glauben sehr herausgefordert haben. Das eine war eine psychische Krankheit einer Bekannten. Das andere war ein Beziehungsende. Ich bin dankbar, dass ich in dieser Zeit mit sehr guten Geschwistern Gemeinschaft haben konnte. Sie haben mir Gott und seine Liebe wieder nähergebracht. Ihre Gebetsunterstützung und ihre ganz praktische Hilfe haben mich durch diese schwierigen Zeiten getragen. Ich fragte Gott damals, warum er das zugelassen hat. Im Nachhinein kann ich vieles einordnen. Manches verstehe ich aber heute noch nicht.

Was hilft dir, am Glauben dran zu bleiben?

Glauben ist für mich so eine ähnliche Übung wie Sport zu treiben. Nicht immer so einfach, aber immer wieder gut, wenn ich mir die Zeit dafür genommen habe. Wenn ich morgens meine Stille Zeit gemacht habe, wenn ich Gottes Wort gelesen und darüber nachgedacht habe, dann ist das für mich eine große Hilfe. Außerdem kenne ich noch etwas ganz Praktisches: Ich habe mir die „Open Doors-App“ auf mein Handy geladen. In der App habe ich täglich um 13:02 Uhr eine Erinnerung geschaltet und bekomme dann Impulse und Gebetsanliegen von verfolgten Christen auf der ganzen Welt. Das hält meinen Glauben wach.

Hat dir die Corona-Krise neue Einsichten in Bezug auf dein Leben und deinen Glauben gebracht?

Wir machen zurzeit unseren Hauskreis als Videokonferenz. Das ist nicht die gleiche Gemeinschaft wie sonst, wenn wir uns treffen, aber es konnten plötzlich Leute daran teilnehmen, die gar nicht mehr in Freiberg leben. Wir hatten trotzdem viel Freude am Austausch. Als es die Samstagabend-Andachten noch nicht gab, machte ich einmal eine Predigtaufnahme. Irgendwie kam eine einzelne Frau dazu. Und so predigte Daniel an diesem Abend nur für diese Frau und ich filmte. Ich fand es so schön, wie diese Frau wertgeschätzt wurde.

Was ist dein Lieblingsbibelvers?

Es ist die Geschichte vom verlorenen Sohn in Lukas 15. Für mich ist der besondere Aspekt nicht so sehr der verlorene, sondern der andere Sohn. Zu ihm sagte der Vater: „Du kannst mich um alles bitten!“, aber er fragte nicht. Vielleicht war er zu zurückhaltend oder zu stolz. Ich kann mich mit ihm sehr gut identifizieren und wünsche mir, dass ich mutiger dabei werde, das, was Gott schon bereitet hat, zu ergreifen. Die Geschichte fordert mich heraus, nicht zu bescheiden zu sein, Dinge von Gott zu erbitten, um die Gemeinschaft mit ihm intensiver zu erleben.

Du engagierst dich in unserer Gemeinde auch bei dem Treff für junge Erwachsene „Mittendrin“. Warum ist dir dieser Dienst wichtig?

Weil ich in der Gemeinde in Kanada erlebt habe, wie wichtig es ist, neue Leute willkommen zu heißen. Ich war damals als Fremder hingekommen, wurde super herzlich von den anderen jungen Menschen aufgenommen und eingeladen und hatte sofort eine tolle Gemeinschaft mit ihnen. Das hat mich sehr erfreut, und ich habe gemerkt: Das sind wirkliche Geschwister, die offen sind für neue Leute. Und diese Erfahrung will ich durch das „Mittendrin“ weitergeben.

Was gefällt dir besonders an unserer Gemeinde?

Mir gefällt sehr: die Freiheit, in der Gottesdienste gefeiert werden; die Möglichkeit, seine Gaben einzubringen; wie mit verschiedenen Themen umgegangen wird und der Mix der verschiedenen Generationen. Ich finde, die Gemeinde bildet einen guten Querschnitt der Gesellschaft ab.

Was wünschst du unserer Gemeinde? Sollte sie etwas neu in den Blick nehmen?

Die Gemeinde ist schon sehr vielseitig ausgeprägt. Man könnte über Angebote für Studenten nachdenken, obwohl es schwierig ist, weil sie an der Peripherie leben und eine sehr „flexible“ Gruppe sind. Sie sind oft nur eine begrenzte Zeit da und dann wieder weg. Ich habe noch eine andere Idee: Man könnte die Audio-Predigten auch als Podcast im Internet anbieten. Ich höre sehr gerne Podcasts bei der Hausarbeit, auf Reisen und bei Autofahrten.

Vielen Dank für das gute Gespräch.



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