Was ist neu in der Jakobikirche?
Ziel der Sanierung der Jakobikirche war nicht nur, dass Altes wieder
zu neuem Glanz kommt und Schandflecken verschwinden, sondern auch,
dass die Kirche noch besser für das Gemeindeleben genutzt werden
kann. Deshalb gibt es einige Neuerungen, die in diesem und den
folgenden Gemeinde aktuell vorgestellt werden sollen:
1. Raum für Eltern mit Kleinstkindern
2. Raum unter der Orgelempore
3. Beleuchtung
4. Besser hören - Beschallung
5. Besser sehen - Video Projektor (Beamer)
1. Raum für Eltern mit Kleinstkindern
Sehr dankbar sind wir, dass mehr und mehr Eltern mit kleinen Kindern
unsere Gottesdienste besuchen. Nicht jedes Kind ist allerdings schon
mit 14 Monaten soweit, dass es gerne mit zum Kindergottesdienst
geht, die noch kleineren können in der Regel noch nicht gehen. Da
ist es oft nicht leicht, die lieben Kleinen den ganzen Gottesdienst
über ruhig und bei Laune zu halten. Das stresst Eltern (oh wie
peinlich, was mach ich nur?) und umsitzende Gottesdienstbesucher
gleichermaßen. Was also tun? Mit zum Kindergottesdienst oder gar
rausgehen? – Dann kann ich auch zuhause bleiben und mir die Predigt
hinterher im Internet anhören. Ganz dabei sein ohne jemanden zu
stören, der Predigt lauschen, ganz entspannt, auch wenn mein Baby
mal kickst oder brabbelt, das wäre es.
Lange haben wir nach so einer Möglichkeit gesucht: Traukapelle,
Gemeindesaal – alles nicht befriedigend. Jetzt haben wir es: einen
Raum in der Kirche, schalltechnisch getrennt, optisch verbunden, vom
Fußboden und an den kritischen Stellen beheizt, mit ordentlicher
Tonübertragung und Lautstärkeregler für die Anwesenden, ordentliche
Beleuchtung mit Nachrüstmöglichkeiten. Dieser Bereich unter der
Orgelempore hinter der neuen Glasscheibe ist kein Raum für
Kindergottesdienst und auch nicht für endlose Gespräche der Eltern,
sondern der Ort, wo Kleinstkinder sich wohl fühlen und Eltern den
Gottesdienst voll mitfeiern können – zukünftig mit kindgerechter
Einrichtung sicher noch besser.
Übrigens: der Raum unter der Orgelempore bietet weitere
Möglichkeiten – dazu mehr im nächsten Gemeinde aktuell.
2. Raum unter der Orgelempore
Neben den im letzten Gemeinde-aktuell
beschriebenen Nutzungsmöglichkeiten dieses Raumes für Eltern mit
Kleinstkindern gab es weitere Gründe, diesen Raum so zu schaffen:
Da ist zunächst unser Kirchenkaffee: Inzwischen nach jedem
Gottesdienst ein wichtiger Treffpunkt, liebevoll vorbereitet und vor
dem Umbau im Seitenschiff eingerichtet, wo es im Winter manchmal
ziemlich „frisch“ wurde. Kirchenkaffee im Gemeindesaal funktioniert
nicht: wenn man raus und wieder rein muss, kommen nur sehr wenige,
also muss Kirchenkaffee in der Kirche sein, an einem behaglicheren
Ort. Das wird jetzt möglich, vorwiegend als Stehkaffe auf
fußbodenbeheizten Steinplatten, ein paar mehr Sitzgelegenheiten werden
wir noch finden, Büchertisch gleich inklusive.
Wer mal in der Jakobikirche zu tun hat und einfach das Hauptportal
öffnet, wird erleben, dass ständig Leute hereinkommen und sich
umschauen. Deshalb bewegt uns schon lange der Wunsch nach einer
offenen Kirche. Bisher ist das immer am Personal gescheitert: wer
passt auf, wer kann mal ein paar Fragen beantworten oder ist einfach
zum Gespräch da. Auch wenn es weiter unser Wunsch bleibt, dass sich
ein Team „Offene Kirche“ findet, das sich genau dafür einsetzen will,
haben wir - wenn noch ein paar Kleinigkeiten komplettiert sind - als
ersten Schritt die Möglichkeit, eine Seitentür zu öffnen und den
Besuchern zumindest Zugang in den neuen Raum unter der Empore zu
ermöglichen. Damit ist ein Blick in den Kirchenraum möglich,
vielleicht werden wir auch noch eine Andachtsecke für Besinnung und
Einkehr einrichten, auch das Einspielen von Musik wäre denkbar.
Schließlich und endlich hätten wir hier auch noch einen größeren
Ausweich-Gemeinderaum falls der Gemeindesaal einmal nicht zur
Verfügung stehen sollte.
Also: eine Fülle von neuen Möglichkeiten, für die wir sehr dankbar
sind. Wenn Sie sich auch darüber freuen, freuen wir uns, wenn Sie uns
bei der Refinanzierung der vorgestreckten Ausgaben für diese Maßnahmen
unterstützen und dazu das Gemeindekonto nutzen.
3. Elektrik und Beleuchtung
Die Sanierung der Elektroinstallation war ein weiteres großes Thema
zunächst mal mit dem banalen Ziel, überall ausreichend Strom ohne
Sicherheitsrisiko und mit deutlich weniger Kabeln kreuz und quer
durch den Kirchenraum zu erreichen. Wir brauchen jetzt zum
Staubsaugen keine 20 m Verlängerungskabel mehr und der Beamer geht
nicht mehr aus, wenn das Licht oder die Heizung ausgeschaltet
werden, Kabeltrommel nebst Zuführung im Kirchenschiff sind
verschwunden. Zusätzlich haben wir jetzt 2 Starkstrom-steckdosen im
Altarraum für anspruchsvollere Veranstaltungen (haben wir zum
Jona-Musical schon gebraucht), sowie einige schaltbare Steckdosen,
wo Scheinwerfer angeschlossen werden können, die dann vom
Technikplatz angesteuert werden (beim Krippenspiel erstmals voll
ausgereizt).
Bei der Neugestaltung der Beleuchtung gab es drei Ziele:
1. ein freundlicher Raumeindruck
2. Die Gesangbücher sollen an jedem Platz und bei jeder Witterung
und Tageszeit gut lesbar sein
3. die Akteure im Altarraum sollen gut sichtbar sein
Bei den Zielen 1 und 2 haben wir deutliche Verbesserungen erreicht.
Das neu bemalte Gewölbe wird dezent ausgeleuchtet, der Altar ist
hell, das Gesamtbild ist mit dem trüben Erscheinungsbild der
Vergangenheit nicht mehr zu vergleichen. Bewusst haben wir uns für
moderne Leuchtmittel entschieden, die das historische Gebäude zu
mehr machen als nur einem Denkmal.
Bezüglich Ziel 3 haben wir die längste Zeit gebraucht, aber nun sind
die nötigen Ergänzungsleuchten installiert, so dass z.B. auch am
Pult eine gute Beleuchtung gewährleistet ist.
Was ein weiterer Vorteil ist: die Beleuchtung lässt sich nicht nur
aus der alten Sakristei, die übrigens jetzt komplett in einen
Funktionsraum umgestaltet wurde, schalten, sondern auch per Laptop
vom Technikplatz. Also auch während einer Veranstaltung kann die
Beleuchtung ständig optimiert werden, viele Lampen lassen sich
stufenlos dimmen. Und das alles mit einem weitestgehend
selbsterklärenden Schalttablett – Technikteam und Kirchenvorstand
sind hier eingeweiht.
Beim nächsten mal geht es dann um die Beschallung inclusive
Schwerhörigenanlagen.
4. Besser hören - Beschallung
Auch wenn wir hier vor der eigentlichen großen
Sanierung schon einiges machen konnten, hatten wir ja weitere
Verbesserungen angekündigt.
Da wäre zunächst die Ergänzung der Lautsprecher durch zwei weitere
Kugeln im hinteren Teil des Kirchenschiffes. Dadurch wird vor allem
die Sprachverständlichkeit dort sowie auf den Emporen deutlich
verbessert. Bei ganz voller Kirche können wir als Unterstützung die
alten Tonsäulen auf den Emporen dazunehmen (was sich z.B. beim
Konfirmations-Gottesdienst schon bewährt hat).
Gut verstärken kann man nur, wenn auch ein gutes Signal kommt: Dazu
braucht es gute Sprecher, die in die richtigen Mikrofone richtig
hineinsprechen. Wir wollen uns im Technikteam bemühen, die
verschiedenen Sprecher immer wieder darauf hinzuweisen. Nach der
positiven Resonanz auf einen Gottesdienst mit Headset (das ist ein
Mikrophon, das direkt am Kopf befestigt ist) haben wir uns
entschieden, uns ein solches zu leisten. Aus der Nähe vielleicht für
den einen oder anderen bei der Pfarrerin optisch noch
gewöhnungsbedürftig, aber schon aus der Kirchenmitte kaum noch zu
erkennen, bietet es einfach deutliche Vorteile für die Nutzer, die
sich frei an jedem beliebigen Ort der Kirche bewegen können, ohne dass
die Verständlichkeit darunter leidet. Übrigens: in der Nähe des
Mittelganges hört man besser als an den Seiten.
Auch für die Techniker ist manches leichter geworden, auch wenn die
Aufgaben gewachsen sind. Statt ein Mischpult schief und halb versteckt
seitlich auf der Kirchenbank bedienen müssen, gibt es jetzt mehr
Kanäle, um eine Band vernünftig abmischen und Musik von CD/MP3/Stick
leichter einspielen zu können. Die Predigtaufnahme hat sich
vereinfacht und eine Vielzahl von Details rund um das Mischpult haben
sich verbessert.
Ganz wichtig: die Induktionsschleife, die für Schwerhörige deutliche
Verbesserungen bietet (s. Kasten), die separate Beschallung des
Babykrabbelbereichs unter der Orgelempore hinter Glas und viel weniger
herumliegende Kabel.
Unterstützt wird das alles dadurch, dass der Schallschutz zur Straße
durch die Schallschutzverglasung deutlich besser geworden ist. Wie
schnell man doch vergisst, wie laut es früher manchmal war.
Trotz allem bleibt unsere schöne Kirche ein akustisch anspruchsvoller
Raum, wo es nie so klingen wird wie im eigenen Wohnzimmer. Wenn die
Sprecher gut die Mikros nutzen, die Techniker ihr bestes geben (wovon
Sie ausgehen können!), jeder, der nicht mehr so gut hört, die
Unterstützungsmöglichkeiten nutzt und wir in Liebe miteinander
umgehen, wenn es mal nicht so gelingt, werden wir viele wohlklingende
Gottesdienste miteinander feiern können!
5. Besser sehen - Video Projektor (Beamer)
Bilder, Videos oder Liedtexte an eine Leinwand werfen, das hat man
früher mit Tageslichtprojektoren (Polylux) gemacht, seit einigen
Jahren haben wir für den Kindergottesdienst Bakigo einen Beamer im
Einsatz, den wir gelegentlich auch in der Kirche verwendet haben. Dazu
mussten wir dann eine Leinwand aufbauen, ein Brett zwischen den
Bankreihen installieren, Stromkabel verlegen und einen Bediener dort
postieren. Trotz aller Mühe – wenn die Sonne schien, war nicht
wirklich viel zu sehen.
Nach langem Suchen hat das nun ein Ende. Den dunkelsten Platz in der
Kirche haben wir für eine Leinwand ausgewählt: Die Fläche über der
Kanzel. Obwohl fest installiert und optisch unauffällig, kann sie für
besondere Anlässe auch entfernt werden. Der Beamer ist im neu
gestalteten Lesepult der Kanzel versteckt, dessen Ablagefläche dadurch
etwas höher geworden ist, was bei Nutzung der Kanzel ohnehin von
Vorteil ist. Die Steuerung erfolgt vom Technikplatz mit demselben
Laptop, der auch für die Beleuchtungssteuerung der Kirche, die
Predigtaufnahmen und das Abspielen von CDs und DVDs verwendet werden
kann. – Wieder eine Vereinfachung, die im übrigen auch dem leidigen
Liedzettelkopieren ein Ende setzt. Und keine Sorge: es wird auch
weiterhin Gesangbücher geben.
Matthias Rudloff
Sie erwägen die Anschaffung eines Hörgerätes? Sie besitzen bereits
eins?
Achten sie darauf, dass sie eine „T“-Einstellung (für Telefonieren)
wählen können. Sie haben dann im gesamten unteren Kirchenschiff durch
die Induktionsschleife eine exzellente Übertragungsqualität!
Auch wenn Sie kein Hörgerät haben, aber nicht mehr so gut hören wie
früher, können wir Ihnen jetzt etwas ganz besonderes anbieten: Einen
Kopfhörer mit Empfangsgerät, durch die Induktionsschleife angesteuert,
unauffällig und einfach zu bedienen, ebenfalls mit ganz hervorragender
Qualität. Wir haben erstmal ein Gerät angeschafft. Probieren Sie es
aus! Sprechen Sie vor dem Gottesdienst den Techniker am Mischpult an;
er bereitet alles vor und erklärt es Ihnen gerne. Und wenn Sie dann
überzeugt sind und das öfter nutzen möchten, lassen Sie uns darüber
sprechen, wie wir ein weiteres Gerät finanzieren können bzw. Sie sich
Ihr persönliches anschaffen können. Die Kosten liegen übrigens bei gut
200,00 €.
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Die Glocken der Jakobikirche
Die Glocken der Jakobikirche - über dieses Thema hat man mich
gebeten, etwas für Gemeinde aktuell zu schreiben. Da ich bisher gar
nichts über diese Glocken weiß, sitze ich über einem Stapel alter
Akten aus dem Gemeindearchiv und versuche, mich schlau zu machen.
Stapelweise Kostenvoranschläge von Glockengießereien, Erläuterungen
über elektrische Läutewerke, Zeitungsartikel über
Glocken-Einweihungsfeiern und Fotografien aus den 50er Jahren mit
einem Lastwagen, der Glocken anliefert. Schier überwältigt von der
Flut der Dokumente frage ich mich, wer hat die Glocken eigentlich
erfunden? Sie müssen sehr alt sein, denn schon frühromanische
Kirchen haben Glockentürme. In der Spätantike stand der Turm frei
von der Kirche, wie sich noch an vielen Beispielen, z.B. in Italien
erkennen lässt. Aber seit wann gibt es dann die Läutewerke? Ein
erster Versuch mit Griff ins Bücherregal Architektur - Romanik,
liefert zwar Informationen über Glockentürme, aber kein Wort zu den
eigentlichen Glocken. Der zeitgenössische Mensch würde nun im
Internet nachschauen. Ich blättere dagegen weiter munter in den
alten Papieren und werde überraschend schnell fündig: Eine kleine
Broschüre vom Ende des 19.Jh. schildert nach dem Abdruck von
Schillers Die Glocke die Geschichte und das Herstellungsverfahren
für Glocken -spannend!
Nach der Legende sei Pontius Meropius Paulinos im 5.Jh. durch einen
Wald gegangen und habe beim Anblick der Glockenblume die Idee zur
Herstellung metallischer Glocken gehabt. Vermutlich verwendeten
schottische Klöster seit dem 6. Jh. Glocken. Im Jahre 1100 berichtet
der Mönch Theophilus aus Westfalen über die Technik des
Glockengusses. Wie werden nun Glocken hergestellt? Auch hierüber
gibt das Heftchen präzise Auskunft: Der Kern der künftigen Glocke
wird aus Ziegelsteinen aufgemauert, die mit einer Lehmschicht
überzogen werden. Der Kern wird mit Talg bestrichen und aus Lehm die
eigentliche spätere Glocke - die so genannte Dickung - darüber
geformt. Inschriften und Verzierungen werden aus Wachs auf die
Dickung aufgeklebt. Die Dickung wird mit Fett bestrichen und darüber
aus Lehm der Glockenmantel aufgebracht. Um die Dickung zu entfernen
und einen auszugießenden Hohlraum zu schaffen, wird der Mantel
angehoben, die Dickung zerschlagen und der Mantel mit entsprechendem
Hohlraum wieder über dem Kern platziert. In den Hohlraum wird nun
das geschmolzene Metall - häufig Bronze- gegossen. Nach der
Abkühlung wird der Mantel entfernt und die Glocke lässt sich vom
Kern abheben.
Die Broschüre lehrt auch, dass die größte Glocke der Welt eine Masse
von 190 t aufweist und sich in Moskau befindet. Die Kaiserglocke im
Kölner Dom von 1876 bringt es immerhin noch auf eine Masse von 26
Tonnen. Nachdem wir soviel über Glocken im Allgemeinen erfahren
haben, nun zu den Glocken der Jakobikirche: Die Jakobikirche wurde
1890 bis 1892 erbaut. Die romanische Vorgängerkirche war baufällig
und nach einiger Diskussion in den 80er Jahren des 19.Jh. über zu
treffende Maßnahmen wurde deren Abriss und ein Neubau beschlossen,
Die Fotografie in Abb. 1 zeigt die Glocken der alten Jakobikirche,
aufgenommen im Jahre 1890. Was mit diesen Glocken geschah, ist nicht
bekannt. Verschiedene Ausschnitte aus dem Freiberger Anzeiger und
Tageblatt schildern ausführlich die Grundsteinlegung der neuen
Jakobikirche 1890, das Richtfest des Turmes 1891 und schließlich die
Einweihungsfeier der neuen Kirche im Jahre 1892. Die Jakobi-
Gemeinde durfte in den Jahren 1887 - 1892 ihre Gottesdienste in der
Nikolaikirche feiern. Im Jahre 1892 erhält die Jakobikirche auch
drei neue Bronze-Glocken in den Tönen H, Dis und Fis:
- Die große Glocke: 45 Zentner, Inschrift: Ehre sei Gott in der
Höhe!
- Die mittlere Glocke: 23 Zentner, Inschrift: Friede auf Erden!
- Die kleine Glocke: 13 Zentner: Inschrift: Den Menschen ein
Wohlgefallen!
Die Glockenweihe fand am 27. Januar 1892 statt. Vom feinen
Kulturgeschmack jener Zeit zeugt auch das musikalische Programm der
Nachfeier der Jakobiglocken- weihe: Außer Schillers Lied von der
Glocke mit Musik von K. Stör wurde u.a. die As-Dur Polonaise von
Chopin auf einem Bechstein-Flügel dargeboten. Diese Nachfeier muss
großen Anklang gefunden haben, finden sich doch viele positive
Kritiken hierüber in den alten Unterlagen.
Während der beiden Weltkriege wurden im Zuge der Metallknappheit
auch Kirchenglocken beschlagnahmt. So erhält die Jakobigemeinde 1917
die Aufforderung, die beiden kleineren Glocken abzugeben. Es finden
sich Einsprüche der Gemeinde von 1918 gegen diesen Erlass, die
offenbar Erfolg zeigen: Die Jakobi-Kirche darf ihre drei Glocken
behalten.
Weniger Glück hat die Kirche leider im Jahre 1940. In einer Liste an
den Herrn Landesdenkmalpfleger müssen die Glocken der Jakobi- Kirche
angegeben werden mit dem Hinweis, dass bisher keine Glocken der
Jakobi-Gemeinde abgegeben worden seien. Einige Zeit später folgt
eine Anordnung zur Glockenabnahme wegen Beschlagnahmung der
Bronzeglocken. Hier wird die Abnahme der großen und der mittleren
Glocke gefordert. Dass dies auch wirklich geschah, belegt eine
Bescheinigung über deren Abnahme vom 13. Januar 1942. Darin wird
erwähnt, dass die Glocken aus technischen Gründen für die Abnahme
zerschlagen wurden und keine Schallplattenaufnahmen vom Klang der
Glocken vorher angefertigt worden seien. Ein vertraulicher
Runderlass vom 11. Dezember 1941 an die Kirchen- vorstände schreibt
vor, dass Glockenabnahmefeiern zu unterlassen seien! Die Gemeinde
darf somit nur die kleine Glocke behalten. Und wie geht die
Geschichte weiter? Wie kam die Jakobikirche wieder zu ihren drei
Glocken? Auch hier wird man in den Archiven fündig: Am 24. Oktober
1952 wird ein Liefervertrag mit der Gießerei Schilling in Apolda
geschlossen zur Lieferung von zwei Glocken:
- Einer großen Glocke mit einer Masse von 2000 kg, Ton Es
- Einer kleinere Glocke mit 800 kg, Ton As.
Es ist interessant zu lesen, dass die Glocken per Gewicht bezahlt
wurden, genau 2 DRM/kg. Die Weihe der neuen Glocken findet am 6.
April 1955 statt. Diese Glocken befinden sich auch heute noch auf
dem Turm der Jakobikirche und haben im nunmehr vergangenen Jahr
ihren 50. Geburtstag gehabt. Wir wünschen ihnen auch weiterhin alles
Gute und dass sie noch lange zur Ehre Gottes ihr Geläute erklingen
lassen!
Bernd Bitnar |