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Glauben und Leben

Interviews über Glauben und Leben

Verschiedene Menschen aus unserer Gemeinde erzählen in Interviews von ihrem Glauben und ihrem Leben (Rubrik MENSCHEN UND GLAUBE in "Gemeinde aktuell").

 
Annegreth Aßmann Rosemarie Gruber-Friebel Sadko Meusel
Hermann Bertlein Veronika Günther Ellen Nicke
Tomas Büttner Jutta Gutte Manuela Neubert
Tobias Duteloff Thomas Haase Gerd Norzinski
Mike Emrich Susanne Kaiser Matthias Rudloff
Sarah Emrich Falk-Uwe & Rosemarie Keil Christian Schulz
Germar Geiler Helga Kluge Markus Ssuschke
Michael Gietzelt Hans-Dieter Kuhnt Carmen Trautmann
Tobias Gietzelt Henry Kunze Marianne Weiß
Daniela Gneuß Linda Meusel  
Falk Gneuß Iris Mayer  

Einfach kein Zufall!

Über ihre Leidenschaft für Kunst, Kultur und Gemeinde unterhielt sich Gundula Rudloff mit Falk-Uwe und Rosemarie Keil.

Vorneweg: Was fällt euch eigentlich als erstes ein, wenn ihr an unsere Gemeinde denkt?
Rosemarie: dass man sich einbringen und schnell eine Aufgabe bekommen kann.
Falk-Uwe: Gemeinschaft, Heimat, dass ich mich im Gottesdienst zu Haus fühle und dass man mit Jung und Alt Kontakt haben kann, z.B. auch nach den Gottesdiensten beim Kirchen-Cafe.

Sich bei den verschiedensten Gelegenheiten mit ihren Gaben in die Gemeinde einzubringen - seien es Gemeindekreise, Gemeindefeste oder Krippenspiele – das ist einfach typisch für Falk-Uwe (61) und Rosemarie Keil (60). Beide haben bereits aktiv im Team „Kirche im Abendlicht“ mitgearbeitet, bevor sie seit 2006 „offizielle“ Gemeindeglieder wurden und gehören seit über 10 Jahren einem „übergemeindlich besetzten“ Hauskreis an.
Seit 1985 leben sie wieder in Freiberg bzw. Halsbach. Falk-Uwe leitet die Qualitätssicherung in einem Werk zur Herstellung von Feuerwerk, Rosemarie war zuletzt in einer Krankenkasse tätig. Sie haben eine erwachsene Tochter.

Rosi, dich sehe ich vor meinem inneren Auge mit einem Buch in der Hand, Falk-Uwe, dich mit einer Kamera. Erzählt doch mal etwas von euren Freizeit-Leidenschaften!
Rosemarie: Uns verbindet schon immer ein großes Interesse an Kunst und Kultur. Wir sind Kunstgenießer in verschiedener Hinsicht: Ausstellungen, Musik, Theater.
Falk-Uwe: und wir sind auch schon immer bestrebt, selbst etwas Künstlerisches zu machen. Musik machen können wir aber leider nicht, Sport ist auch nicht so mein Ding; wir mussten uns was suchen, was geht. Ich habe mal etwas gezeichnet und verschiedenes Kunsthandwerkliches ausprobiert, aber so richtig war es das nicht.
Mein Schwiegervater war Fotograf und auf diese Weise bin ich schließlich zur Fotografie gekommen – mit eigener Dunkelkammer.
An der Bezirkskulturakademie in Cottbus habe ich eine Ausbildung gemacht und dann einen Fotoclub geleitet. Das war das Gute in der DDR: es wurde viel für Kultur getan. Gern erinnere ich mich noch an Radtouren während meiner Zeit als Lehrer, wo wir unterwegs mit Schülern gezeichnet und fotografiert haben.
Rosemarie: Schon seit der Kindheit habe ich Literatur geliebt. Mit 9 oder 10 Jahren habe ich das erste Gedicht verfasst und mein Vater hat mich gefragt: Wo hast du das abgeschrieben?
Ich habe auch gern Aufsätze geschrieben, später bei literarischen Wettbewerben erfolgreich mitgemacht. Dank einer sehr guten Deutsch-Lehrerin in der EOS gehörte ich zu einer Rezitatoren-Gruppe, wo wir zu gesellschaftlichen und kulturellen Anlässen Texte und Gedichte gesprochen haben. Das hat mir viel Spaß gemacht und ich habe dabei viel gelernt.
Falk-Uwe: In der Zeit, wo wir in der Nähe von Weißwasser wohnten, haben wir auch mal einem Keramik-Zirkel angehört und ich habe Schmuck gestaltet. Bei den Sorben gewann ich sogar mal einen Preis für ein typisch sorbisches Osterei.
Rosemarie: Und ich war viel mit Handarbeiten und künstlerischer Textilgestaltung beschäftigt. Richtig mit Schreiben ging es bei mir Anfang der 80-er Jahre los.
Wir waren damals ein paar Tage in Weimar, Falk-Uwe hat fotografiert und ich schrieb Reise-Impressionen. Daraus machten wir dann ein „Büchel“, denn Falk-Uwe hat schon damals gern etwas mit Bildern gestaltet. Wir haben eigentlich immer zusammen gearbeitet, weil wir uns gegenseitig die besten Kritiker sind.
Mein Herz schlägt besonders für Ostpreußen, die Heimat meiner Vorfahren. Ein Buch darüber ist fertig und an zwei Projekten arbeite ich gerade: an einer Dorfchronik über den Ort, wo meine Großeltern gelebt haben. Das ist sehr aufwändig, aber auch spannend, weil es viele Kontakte bedeutet und weil ich sogar mir bisher unbekannte verwandtschaftliche Beziehungen entdeckt habe.
Das zweite Projekt sind fiktive Briefe an meinen Großvater, den ich nie kennen gelernt habe, weil er auf der Flucht während des Krieges verschollen ist.

Die Leidenschaft für Gemeinde ist euch ja im Unterschied zu manchen anderen Begabungen nicht in die Wiege gelegt worden. Wie kam es dazu?
Falk-Uwe: Als Lehrer in der Lausitz war ich ja in besonderer Weise mit der SED-Parteilinie konfrontiert. Auffällig war mir aber damals, dass die anständigen und auch gebildeten Kinder meist Christen waren. Das gab mir zu denken. Im Lehrerzimmer gab es manche bösartigen und giftigen Bemerkungen über den Pfarrer, der engagierte und gute Jugendarbeit machte. Da habe ich gemerkt: bei den Christen ist was los. Und dann haben wir etwas miterlebt, was wir bis heute toll finden: der Pfarrer hat angefragt, ob er in einem Schulraum Christenlehre halten dürfe, was natürlich abgelehnt wurde. Da hat er einfach in seinem Auto vor der Schule Christenlehre gemacht: seinen Wartburg mit Schülern vollgeladen, seine Geige ausgepackt und gespielt. Das war überzeugend, dass sich jemand so für seine Sache einsetzt. Das war die erste bewusste Begegnung mit einem Christen.
Rosemarie: Meine ersten Berührungen mit Christen waren eher unattraktiv. Ich bin z.B. in der Grundschulzeit mal entgegen der Überzeugung meiner Eltern zu einem kirchlichen Kinderkreis mitgegangen und weiß noch, dass ich überhaupt nichts begriffen habe. Oder ich denke an eine Mitschülerin an der EOS, die Christ war, aber dann in einem Aufsatz eine völlig andere Position vertreten hat. Das fand ich unglaubwürdig.
Oder da war eine Mitstudentin, von der ich mal was zur Bedeutung des christlichen Glaubens erfahren wollte; aber die konnte das auch nicht
erklären. Ganz anders wurde das erst nach der Wende. Anfang der 90-er Jahre hatten wir die Möglichkeit, in die Alpen zu fahren und da haben wir über viele Jahre immer wieder eine Christin getroffen, bei der uns besonders beeindruckt hat, dass sie so dankbar für alles sein konnte.
Inzwischen lebten wir ja in Freiberg und waren auch ab und zu, z.B. Weihnachten, im Dom. Das Schlüsselerlebnis für mich hing eigentlich mit unserer Tochter zusammen.
Da gab es manches Schwierige in der Zeit und bis heute scheint es mir wie eine Eingebung gewesen zu sein, dass ich eines Tages dachte: frag mal im Dom nach, ob es da was für Jugendliche gibt. Und tatsächlich hat sie dort Anschluss und Hilfe gefunden. Das war ein großer Segen für uns alle.
Später wollte sich unsere Tochter taufen lassen und das wurde uns beiden dann zum Anlass, unsere Konfirmation nachzuholen, denn wir waren beide als Säuglinge getauft worden.
Wir haben den „Familienunterricht“ bei Pfr. Fischer noch in sehr guter Erinnerung. Aber die Taufe von Verena ging unserer Konfirmation voraus! Ganz wichtig wurde uns dann der Hauskreis. Als jemand uns dazu einlud, haben wir nur schüchtern zurückgefragt: Hauskreis – was ist das?
Die Antwort war: Kommt doch mal vorbei! Und wir sind bis heute dabei geblieben! Da gibt es die intensivsten Gespräche über Glaubensfragen.
Das Erstaunliche ist, dass wir den Kreis stets bereichert verlassen, weil alle ihre Gedanken und Erfahrungen einbringen.
Und ganz wichtig ist das Gefühl: da kann man einander vertrauen, sich öffnen, keiner lacht einen aus.
Zu unserem 30. Hochzeitstag 2002 haben wir uns übrigens entschieden: jetzt lassen wir uns trauen! Das war eine ganz schöne Feier zusammen mit unserem Hauskreis!

Wenn ihr jetzt in Bezug auf Gemeinde den Satz hört: Ich bin ein Teil des Ganzen – was heißt das für euch?
Rosemarie: Ich fühle mich so! Für mich hat das damit zu tun, andere Leute kennen zu lernen und dann zu entdecken: wir sind so etwas wie Mosaiksteinchen und was dabei rauskommt, wenn wir was gemeinsam machen, funktioniert tatsächlich. Das erlebe ich zum Beispiel bei „Kirche im Abendlicht“ so oder auch beim Krippenspiel.
Falk-Uwe: Für mich ist das ganz selbstverständlich: was zu tun, wo ich mich mit meinen Gaben einbringen kann. Da fühle ich mich als Teil des Ganzen.
Rosemarie: Bei „Teil des Ganzen“ denke ich auch an das Miteinander der Gemeinden unserer Stadt und daran, dass man die Kräfte noch besser bündeln und so sicher auch Finanzen sparen könnte.

Viele Menschen aus eurer Generation sind der Kirche gegenüber ja sehr distanziert. Was könnte ihnen helfen, offener zu werden?
Rosemarie: Einige haben sich schon mal zu Kirche im Abendlicht einladen lassen.
Falk-Uwe: oder auch Heiligabend zum Krippenspiel. Da habe ich gesagt: Da mache ich mit. Ungewöhnliche Aktionen wie der „Halsbacher Advent“, den Ute Böhm initiiert hat, machen auch neugierig.
Rosemarie: Wir hätten nie gedacht, dass so viele kommen würden, um sich an den Adventssonntagen vor verschiedenen Fenstern des Ortes zu treffen, um zu singen und etwas über den Advent zu hören.
Als es vor unserm Fenster war, konnten wir auch eine Karte mit einem biblischen Inhalt mitgeben. Das war eine tolle Aktion!
In dem Zusammenhang muss ich an meinen Konfirmationsspruch denken. Wir haben uns beide die Sprüche selbst ausgesucht:

Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge;
Heb dich dorthin! So wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein.

(Matthäus 17.20)

Rückblickend kann ich nur sagen: vieles in unserem Leben war einfach kein Zufall. Gott hat mir geholfen, Berge zu versetzen!
Falk-Uwe: Mein Spruch heißt:

Ich bin bei dir, dass ich dir helfe und dich errette, spricht der Herr.

(Jeremia 15,20)

Mir ist daran wichtig: Jesus ist immer für mich da; ich muss seine Hilfe nur annehmen.
Danke für das Gespräch! Und viel Freude weiterhin beim Einbringen eurer vielfältigen Gaben! Ich wünsche euch, dass ihr spürt, wie ihr ein unersetzlicher Teil des Ganzen seid!


Gemeinde soll nicht im eigenen Sud kochen,
sondern Menschen zu Jesus führen

Daniela Gneuß (39) mag es nicht, im Rampenlicht zu stehen, auch wenn sie als Verantwortliche am Büchertisch in der Jakobikirche durchaus präsent ist und die Frauenabende „Evas unter sich“ initiiert hat und federführend mitgestaltet. Daniela gehört einem Hauskreis an und hat sich auch in diesem Jahr wieder für „Weihnachten im Schuhkarton“ engagiert.
In Löbau ist sie aufgewachsen und mehrmals innerhalb Sachsens umgezogen, bevor sie mit ihrem Mann Falk 8 Jahre in Essen gelebt hat. Seit Sommer 2007 gehört die Familie zu unserer Gemeinde und als Mutter von 5 Kindern kommt Daniela (zumindest vorerst) nicht auf die Idee, in ihrem Beruf als Krankenschwester zu arbeiten. Eine ruhige Stunde mit Gundula Rudloff konnte trotzdem organisiert werden.

Ist die Advents- und Weihnachtszeit für euch als Familie eigentlich eine besondere Zeit?
Ja, im Advent werden wir dieses Jahr wieder wichteln: wir machen Lose für jedes Familienmitglied und dann wird gezogen. Die Aufgabe ist dann, dem, der auf dem gezogenen Los steht, eine Woche lang eine Freude zu machen. Das muss nicht ein Geschenk sein, sondern kann genauso eine praktische Hilfe sein oder eine Ermutigung oder ein Kompliment. Nach einer Woche wird’s neu gemischt.
Viel Gemütlichkeit schaffen wir im Advent nicht, aber abends lesen wir mit allen Kindern zusammen eine fortlaufende Geschichte, die die christliche Botschaft auf gute Weise mit dem Advent verbindet. Einige Jahre war es sogar das selbe Buch. Und Heiligabend laden wir einen Menschen, der sonst allein wäre, ein, in unser „Chaos“ mit Essen und Bescherung einzusteigen.

In unserm Land zählt ihr mit 5 Kindern als kinderreich. Wie fühlt sich das eigentlich an?
Selbst in der eigenen Familie kam das etwas komisch an und wir fühlten uns in Frage gestellt - schon als das vierte Kind kam. Aber immer, wenn das Kind da war, war alles O.K. Sonst im Alltag erleben wir das unterschiedlich. Manche finden das ganz toll, aber wir haben auch schon Bemerkungen gehört wie: Müssen die denn noch ein Kind in die Welt setzen. Die haben doch schon genug. In der Kirchgemeinde sind wir mit allen Kindern immer positiv aufgenommen worden und haben uns voll und ganz akzeptiert gefühlt. Ich finde es total schön und bereichernd, Kinder zu haben! Aber ich glaube, die Entscheidung ist wichtig: Ja, ich will das. Wenn man ansonsten zu viel plant, gibt es immer Gründe, warum Kinder gerade nicht in die Planung reinpassen. Kinder zu haben ist laut, aber lustig, Wir lachen viel und es hält jung! Klar ist: mit 5 Kindern und mir als „Nichtverdiener“ geht nicht alles. Wir stecken zurück, wo andere nicht überlegen müssen, ob sie Schwimmen gehen, Essen gehen oder ins Kino gehen. Aber wir haben uns dafür entschieden. Wir wollen es so.
Allerdings finde ich es ab und zu hilfreich, wenn mir jemand Ermutigung und Anerkennung dafür gibt, denn manchmal zweifle ich auch an meiner Rolle, wenn es bei den Kindern eine Pubertätsschub gibt oder alle krank sind, der Mann nicht da ist. Auch mit vier Kindern bin ich schon an gesundheitliche Grenzen gekommen und auch krank geworden. Ich bin also nicht immer „auf Wolke 7“, sondern empfinde die Situation auch als Kampf. Aber es ist gut so; ich will mit niemandem tauschen.

Bleibt eigentlich bei der gesamten Haushalts- und Kinderlogistik auch mal Zeit nur für dich, für deine Bedürfnisse, Wünsche, Hobbys?
Es ist schon so: ich stecke zugunsten der Familie zurück. Aber zum Beispiel der „Evas-Abend“ ist was, wo ich mich einbringen kann. Ich genieße es, mit anderen Frauen zusammen sein zu können. Und ich nehme mir auch Auszeiten. Das ist für mich spazieren gehen, im Garten was machen, Sport treiben: schwimmen, walken oder joggen. Mal eine Freundin treffen oder mit den Hauskreis-Frauen zusammen sein. (Vielleicht ja ein Tipp für die anderen Hauskreise: ab und zu separate Treffen von Männern und Frauen?!) Auszeit ist auch: einen guten Film angucken oder ein Buch lesen. Bücher sind sowieso meine Leidenschaft. Ich muss eben nach etwas Ausschau halten, was auch
realistisch ist, umzusetzen.

Noch mal zum Eva-Abend: Was hat dich besonders motiviert, so ein Angebot zu initiieren?
Ich finde, dass Frauen wunderbare Gaben und Talente haben. Ich bin keine Feministin. Aber ich glaube, dass Frauen oft die sind, die mehr beten und als „Gefühlsmenschen“ näher an Gott dran sind und auch einladender für andere sein können. Meine Vorstellung für diese Abende ist: Gaben entdecken, Talente fördern, Lust auf Gott zu machen.

Christliche Kindererziehung – was heißt das eigentlich für dich?
Christliche Werte leben, auch auf die Wortwahl achten, Tischgebete sprechen, vor dem Schlafen mit den Kindern beten und auch bei Krankheit um Heilung beten. Wenn die Kinder früh aus dem Haus gehen, werden sie gesegnet. Wir lassen nicht alles Spielzeug und auch nicht alle Bücher zu. Auch Halloween-Partys lehnen wir ab. Vielleicht bin ich da auch etwas radikal, weil ich erst als Erwachsene zum Glauben gekommen bin. Wichtig ist mir auch, viel miteinander zu reden und natürlich auch darüber, wenn etwa in der Schule blöde Sprüche wegen des christlichen Glaubens unserer Kinder kommen.
Der Sonntag ist bei uns ein besonderer Tag. Es ist normal, zum Gottesdienst zu gehen und keine Arbeit an Haus und Hof zu machen, sondern Freunde einzuladen, Spiele oder Ausflüge zu machen.

Wo findest du, müsste sich unsere Gemeinde verändern oder weiter entwickeln?
Ich fände es gut, wenn mehr Gottesdienste gestaltet werden, die für glaubensferne Menschen ansprechend sind. Aus der Gemeinde in Essen kenne ich das so: mit Lobpreis, ohne Talar, ohne bestimmte Liturgie, interessante Themen im Licht der Bibel. Vielleicht würde dann die Hemmschwelle für Leute niedriger. Ich wünschte mir auch noch mehr Miteinander der Generationen vielleicht bei Nachmittagsveranstaltungen. Und ich wünschte mir mehr Kulturelles in der Kirche, weil man dazu auch Leute einladen kann, die sonst nicht in die Kirche gehen. Mir geht es immer darum, die Hemmschwelle niedrig zu machen und sich für Menschen zu öffnen, die Gott noch nicht kennen.

Wozu ist Gemeinde da – wie würdest du es erklären?
Gemeinde ist dazu da, dass man sich gegenseitig stärkt und miteinander Glauben lebt. Aber Gemeinde soll nicht im eigenen Sud kochen, sondern Menschen zu Jesus führen.
Gibt es eine Frage, die du gern von Jesus beantwortet hättest?
Warum bin ich krank geworden? Sonst bin ich total zufrieden mit dem Leben, aber die Krankheit - Zöliakie - hätte ich gern los!

Was mit Gott erlebt – was fällt dir als erstes ein?
Dass Falk von Essen gern zurück nach Sachsen ziehen wollte und ich nicht. Aber dann ist mir auf einer Frauenkonferenz mit Maria Prean klar geworden: wenn das für uns als Familie dran ist, ist es gut. Menschlich fand ich es sehr schwierig und ich habe viel geheult. Aber dann hatte ich ein Bild, das mir eine große Hilfe war: da war ein schmaler Steg, über den ich gehen musste, aber mit dem Blick auf Jesus wird es gut. Auf diese Zusage Gottes habe ich mich berufen. So habe ich mich in aller Veränderung getragen gefühlt und erlebt: es ist Gottes Weg mit uns. Das hat mir tiefen Frieden gegeben.
Als Erlebnis mit Gott fällt mir auch unsere jüngste Tochter Martha ein. Eigentlich hab ich mich in der Zeit nach einem Job umgeguckt, hatte auch schon auf Probe gearbeitet – und dann war ich schwanger. Eine kurze Phase der beruflichen Überlegungen ist dadurch abrupt beendet worden und ich habe erkannt: es ist Gottes Plan für mich, dass ich noch bei den Kindern bleibe. Martha ist ein „Herzenskind“ Gottes für mich.

Ein Bibelwort, das dir viel bedeutet …
… ist mein Taufspruch. Den habe ich mir zu meiner Taufe 1993 (nach ProChrist) selbst ausgesucht: Lehre mich tun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott; dein guter Geist führe mich auf ebner Bahn. (Psalm 143, 10)
Das Wort ist für mich wie ein Wegweiser, der mir hilft zu fragen: was würde Jesus tun?

Zuletzt: bitte ein Buchtipp für die Advents- und Weihnachtszeit!
Adrian Plass: „Das Wiedersehen“ – ein wundervolles Buch über tiefe Gefühle verletzter Menschen. Adrian Plass kennen viele als Humoristen, aber er hat sich mehr und mehr als ernsthafter Schriftsteller etabliert.

Danke für diesen Einblick in dein Leben und für dein Engagement in Gemeinde! Ich wünsch dir ganz viel von der wechselseitigen Erfahrung, dass du andern Mut machen kannst – nicht nur, aber auch zu Kindern und dass du immer wieder viel Ermutigung und Kraft für alles geschenkt bekommst!


Gleichaltrige als Vorbild sind viel wichtiger
als Erwachsene

Tobias Gietzelt (18) würde gern mal Maschinenbau studieren. Ob er davor noch irgendwas anderes macht, weiß er noch nicht genau, aber dazu hat er ja noch Zeit nachzudenken, bis sein letztes Schuljahr zuende ist. Obwohl er durch seine vielseitigen Hobbies wohl gar nicht so viel Zeit hat! Da ist als erstes die Musik: Schlagzeug, Klavier, Singen (seit der 6. Klasse im Freiberger Knabenchor). Mit Computerspielen verbringt er – weniger nach der eigenen Einschätzung, aber nach der seiner Mutter - viel zu viel Zeit. Hin und wieder bastelt er gern, z.B. an Fahrrädern und schließlich gehört der Fußball dazu (den er vereinsmäßig allerdings aufgrund zu häufiger Verletzungen aufgegeben hat). In unserer Kirchgemeinde aktiv ist er mindestens seitdem er laufen und seinen Vater bei diversen Bau- und Reparaturtätigkeiten begleiten konnte bzw. seit er groß genug ist, um Gemeinde-aktuell in Briefkästen verteilen zu können. Jetzt gehört er zum Mitarbeiterteam der Jungen Gemeinde (JG), ist Mitglied in einem Jugendhauskreis und gibt in der Band „Deep Worship“ den Rhythmus an. Gundula Rudloff unterhielt sich mit ihm in der Hollywood-Schaukel.

Tobias, Gemeinde ist für dich ...
Ort, wo ich auf jeden Fall auftanken kann. Da denke ich zuerst an die JG, wo man sich mit vielen Leuten, die mehr oder weniger mit Gott erlebt haben, austauschen kann. Das ist auch ein Ort, wo die älteren für die jüngeren Vorbildwirkung haben können. Da denkt man manchmal: Mensch, da hab ich auch mal gestanden. Und dann kann ich den Jüngeren jetzt erzählen, was andere mir früher mal erzählt haben. Das ist auf jeden Fall spannend! Spannend finde ich auch, dass Lobpreis im Gottesdienst inzwischen in jeder Generation Anklang findet, das finde ich genial!

Hast du Vorbilder?
Es gibt Leute, wo man sagt: Mensch, so möchte ich später auch mal werden. Im Lobpreis-Bereich denke ich an Samuel Harfst und die Hillsong-Leute. Die sind bei der Sache, reißen andere mit, aber stellen sich selbst nicht dar. Das ist die Herausforderung: in der Musik bei Gott zu bleiben. Die JG-Leiter – also Bauchs und Frank – sind mir auch Vorbild. Von ihnen kann ich viel lernen zum Umgang mit Gott im Alltag!

Du bist in einer christlichen Familie aufgewachsen. Was war besonders wichtig und prägend für deine geistliche Entwicklung?
Erstmal ist es hilfreich, in christliche Gemeinde reinzuwachsen, weil dann einfach viele Kontakte da sind. Viele, auch ältere, kennen mich und ich kenne sie. Ansonsten denke ich zuerst an die Band! Mit der Konfirmation war klar: Gott muss es geben. Da ist der Gedanke gereift: da ist was; da gehst du auf Suche, in der JG wirst du schon Antworten finden….Das war dann auch so, obwohl JG mir zuerst vor allem Spaß mit den anderen bedeutete. Der Knackpunkt für mich war die Frage von Markus: willst du beim Lobpreis-Abend auf dem Klavier mitspielen? Ich hab das dann gemacht – auch wenn es musikalisch nicht so toll war. Bei einem Stück hat Markus dann Klavier gespielt und ich Cajon – das hat mir richtig Spaß gemacht. Vor dem nächsten Promise-Jugend-Gottesdienst hat Markus mich wieder gefragt. Diesmal, ob ich Cajon spielen würde. Das war eine echt spannende Phase, weil ich eigentlich in der selben Zeit, in der Band-Probe war, Fußball-Training hatte. Aber weil ich häufig Verletzungen am Sprunggelenk hatte, konnte ich mehr bei den Bandproben dabei sein. Immer, wenn ich wieder mehr in Fußball investieren wollte, kam wieder eine Verletzung. Ich glaube, das war Gottes Führung. So bin ich in der Band richtig aktiv geworden. Das hat für mich sehr viel mit der Festigung meines Glaubens zu tun. Eine Rüstzeit in Hermannsdorf war auch sehr wichtig, wo wir ganz viel Lobpreismusik gemacht haben. Da hatte ich das Gefühl, endgültig „angekommen“ zu sein. Wir haben viel gequatscht und gebetet und ich habe mein Leben endgültig Jesus anvertraut. Danach wusste ich: wofür ich das mache mit der Musik und dass man damit eine Botschaft rüberbringt.

Kannst du noch etwas sagen zu der Rolle, die deine Familie für deinen Glauben spielte oder bis heute spielt?
Ich bin, wie gesagt, mit dem christlichen Glauben aufgewachsen. Das bedeutet, dass mir zum Beispiel das Gebet vor dem Essen oder dem Schlafen sehr wichtig und selbstverständlich ist. Mit meinen Eltern kann ich über geistliche Themen sprechen, was mich in meinem eigenen Glauben weiter bringt und mich gewisse Dinge besser verstehen lässt, die für mich unverständlich oder gar zweifelhaft waren. Außerdem habe ich durch meine Eltern schon früh gelernt, was es heißt, christliche Gemeinschaft zu leben und zu pflegen – etwa durch den Hauskreis meiner Eltern, bei dessen Ausflügen oder Rüstzeiten ich schon oft dabei war oder durch diverse Klettertouren meines Vaters mit Freunden (mehr oder weniger freiwillig).

Was ist für junge Leute wichtig, damit sie ihren Platz im Reich Gottes und in christlicher Gemeinde finden können?
Gleichaltrige, die überzeugte Christen sind! Gleichaltrige als Vorbild sind viel wichtiger als Erwachsene. Gleichaltrige machen neugieriger und lassen den Wunsch wachsen: Reich Gottes will ich auch entdecken!

Wie muss Gemeinde aussehen, wo junge Leute ihren Platz finden können?
Offenheit, Herzlichkeit, Akzeptanz durch alle Generationen hindurch. Gemeinde sollte die Individualität fördern – und sich nicht mit Grabenkämpfen aufhalten.

Hast du Wünsche / Visionen für dein Leben?
Was die Band betrifft, dass wir mal richtig große Auftritte haben. Aber erstmal sind kleine Schritte angesagt, dass wir uns als Band festigen. Ansonsten: Familie haben und falls ich irgendwann nicht mehr in Freiberg sein sollte: eine Gemeinde finden, wo gute Gemeinschaft ist. Da hab ich ja jetzt Glück.

Welche Fragen würdest du gern von Gott beantwortet haben?
Vor einigen Wochen ist meine Oma gestorben. So richtig an Gott geglaubt hat sie nicht. – Ist sie im Himmel angekommen?

Gibt es einen Bibelvers, der dir besonders wichtig ist?
Eine Geschichte, nämlich die vom „verlorenen Sohn“ (Lukas 15, 11-32). Das war die erste Geschichte, über die ich mal mehr nachgedacht habe; ich habe sie damals auch in die handgeschriebene Gemeindebibel geschrieben (vor 7 Jahren oder so). Seitdem bin ich immer wieder auf die Geschichte gestoßen: der Vater ist für mich ganz großes Vorbild, wie er an den Sohn glaubt, diese endlose Liebe zu dem Sohn, dass er alles vergeben kann!

Kannst du von einem Erlebnis mit Gott erzählen?
Das sind bei mir eher viele Kleinigkeiten, die mich immer wieder drauf stoßen: es ist nicht alles selbstverständlich! Neulich bin ich mit dem Zug nach Mecklenburg-Vorpommern gefahren. Zwischen Berlin und Neubrandenburg ist der Zug wegen eines Defektes stehen geblieben. Weil ich Musik gehört habe, habe ich die Durchsage nicht mitgekriegt, dass ich hätte aussteigen sollen. So merkte ich schließlich, dass der Zug wieder zurück fuhr. Trotz allem bin ich dann irgendwann noch gut angekommen. Da hab ich gesagt: Danke, Gott! Oder beim Autofahren hat mal was nicht funktioniert – und dann ging es doch.

Wie ist das für dich als Christ in der Schule? Spricht man darüber? Wissen das die anderen?
Ich hab einen Kumpel, mit dem ich reden kann. Ich habe aber auch echt Glück, dass ich keinen Gegenwind erfahre. Aber andere zu animieren, mal mitzukommen – zum Beispiel zu „JesusHouse“ das ist total schwierig. Quatschen ja, aber mehr nicht… Insgesamt: es ist ein Segen, dass Offenheit da ist zum Reden. In der Schule, in der ich vorher war, hatten wir einen Bibelkreis: einmal wöchentlich haben wir eine kleine Andacht gemacht mit Thema und Gebet.
Danke für das Gespräch.


Tanzen bedeutet für mich:
der Glaube bekommt Hand und Fuß

Als Rosemarie Gruber-Friebel (57) 2004 mit ihrem Mann Ulrich aus dem württembergischen Sulzbach nach Freiberg zog, kam sie eigentlich zurück in ihre Heimat. In Frankenberg geboren, aufgewachsen und stets engagiert in intensivem kirchgemeindlichem Leben, lange Zeit in Eppendorf gelebt und gearbeitet, ist sie bestens vertraut mit Land und Leuten hier.
Neben ihren vielseitigen kreativen Gaben ist sie leidenschaftlich gern Großmutter und ihr Lieblingselement ist das Wasser. In unserer Gemeinde leitet sie das meditative Tanzen, ist im Posaunenchor mit der Trompete zu hören, sie verantwortet mit ihrem Mann zusammen einen Hauskreis und die „Kirche im Abendlicht“. Übergemeindlich bringt sie sich in der Frauenarbeit ein. In ihrem Garten besuchte Gundula Rudloff sie an einem sommerlichen Maimorgen.

Was hat dich im Glauben eigentlich am meisten geprägt? Was sind deine Wurzeln?
Ich bin für mein kirchliches Elternhaus sehr dankbar. Für mich war die Kirchgemeinde, der Kontakt unter Christen, Zusammenhalt und gegenseitige Hilfe von Anfang an wichtig. Die Gemeinde war gerade in DDR-Zeiten ein Raum der Freiheit. Die Gruppe in der Jungen Gemeinde gab uns Geborgenheit, ein Zuhause. Gleichzeitig war es eine Aufbruchzeit. Martin-Luther-King war unser Idol und stand für die Sehnsucht nach Freiheit. Ich bin auch sehr dankbar, dass ich einen Partner gefunden habe, der auch Christ war. Und durch das Blasen im Posaunenchor kann man sich einfach nicht verstecken. Das Blasen gehört einfach zu meinen Wurzeln im Gemeindeleben. Mein Vater war ephoraler Posaunenchorleiter. Meine Schwester und ich haben bei ihm das Blasen gelernt; ich glaube, wir gehörten zu den ersten Mädchen, die einem Posaunenchor angehörten. Über das Blasen habe ich dann auch meinen ersten Mann kennen gelernt. Und mein Schwiegervater war Landesposaunenwart.

Dein Glaube oder besser: eine Ausdrucksweise des Glaubens ist für dich auch die Bewegung, der Tanz.
Ja, aber das ist erst gewachsen, nachdem mein Leben durch ein tiefes Tal gegangen ist. Das hat mit der Zeit zu tun, in der mein Mann krank war und gestorben ist und meine berufliche Existenz verloren ging. Wir haben ja gemeinsam in der Arztpraxis meines Mannes gearbeitet. 23 Jahre waren wir verheiratet. Mit Ausbruch der Krankheit ging unsere gemeinsame Zeit dann ganz schnell zu Ende, aber im Nachhinein kann ich sagen: es war auch eine gute und wichtige Zeit, einfach weil wir wirklich Zeit miteinander hatten. Bis zu dieser Zeit in meinem Leben habe ich meinen Konfirmationsspruch eigentlich nicht verstanden: „Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht, fest im Glauben.“ (aus 1. Petrus 5) In diesem Lebenstal habe ich plötzlich gesehen, was alles für Anfechtungen auf einen lauern. Rückblickend bin ich dankbar, durch dieses Tal geführt worden zu sein. Dazu gehörte eine Kur in der De Ignis Klinik in Altensteig und dort gab es das Angebot „Tanz und Bewegung“ – und das war’s! Das waren für mich Schritte wie in ein neues Leben hinein: die Bewegung, das Loslassen-Können des Vergangenen. Bis dahin hatte ich immer festgehalten und versucht, das Leben aus eigener Kraft zu bestehen. Das mit dem Tanz hat sich dann Stück für Stück weiter entwickelt. Später in Württemberg hatte ich die Möglichkeit, eine dreijährige berufsbegleitende Ausbildung zu machen: „Meditation des Tanzes und sakraler Tanz“. Als wir in Sulzbach „Kirche im Abendlicht“ als neue Gottesdienstform begonnen haben, haben wir mit einer Gruppe getanzt aus dem Anliegen heraus, die gute Nachricht auf alle mögliche Weise zu vermitteln. Das Tanzen bedeutet für mich: der Glaube kriegt Hand und Fuß und ich merke, wie geistliche Inhalte einen über die Bewegung berühren. Eigentlich ist es betendes Tanzen oder tanzendes Beten. Im Hinblick auf das „tiefe Tal“ bleiben natürlich Warum-Fragen.

Wie lebst du heute mit diesen schmerzlichen Fragen?
Ich lasse sie stehen. Und ich sage: Wenn Gott das so entschieden hat, dann will ich damit auch leben. Im Vaterunser beten wir immer: „Dein Wille geschehe.“ Das sagt sich manchmal leicht, aber zu akzeptieren, dass Gottes Wille anders ist als meiner – das ist was ganz anderes! In der Trauer habe ich aber auch immer wieder erlebt, dass Menschen zur rechten Zeit da waren – wie Engel, die mich begleitet haben. Eine wichtige Rolle spielte da auch der Kontakt zur Luther-Kirchgemeinde in Chemnitz.
Du hast es schon angedeutet: du warst eine Zeit lang in Baden-Württemberg und gehörst heute an die Seite eines württembergischen Pfarrers. Erzähl mal, wie das kam.
Wir haben uns auf einem CVJM-Schiff auf einer Kreuzfahrt kennen gelernt. Es gab so viel Gleiches in unserer Lebensgeschichte: Er hatte zur selben Zeit seine Frau verloren. Wir haben beide gespürt, wie gut es tut, wenn man das jemandem erzählen kann, der einen versteht, weil er das selbe erlebt hat. Wir haben schnell gespürt, dass es auf einen gemeinsamen neuen Weg hinausläuft. Das einzige Problem war nur die Entfernung Eppendort – Sulzbach!

Und wie habt ihr das geregelt?
Ich habe mehrmals erlebt, dass Gott zu mir durch Träume spricht. In diesem Fall war es auch ganz klar! Und damit wusste ich, dass ich aufbrechen sollte! Und es war so eine schöne Zeit in Sulzbach! Damals hatte Ulrich gesagt: wenn du jetzt alles zurück lässt, dann komme ich im Ruhestand nach Sachsen. Und dann ist die Entscheidung gewachsen, nicht direkt in die alte Heimat zurück zu gehen, sondern nach Freiberg.
Du bist sehr vielseitig begabt. Was schätzt du als deine größten Stärken ein?
Ich bin ein spontaner Typ. Ich kann jeweils in der Situation entscheiden. Ich kann auf Menschen zugehen. Auch Menschen, die ich vorher nicht kenne, kann ich z.B. durch das Tanzen mit auf den Weg nehmen…. Das hat sicher was mit meinem Beruf zu tun. Eigentlich wollte ich ja Kostümbildnerin werden und hatte dafür eine Ausbildung zur Damenmaßschneiderin gemacht. Aber dann, als ich meinen Mann kennen gelernt hatte, der Arzt war, habe ich ihm zuliebe eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht. Da musste ich viel spontan entscheiden. Besonders brisant war das in den Nachtdiensten, wenn es um Notfälle ging: was mache ich jetzt?
Als ich Ulrich kennen gelernt habe, hat er eines Tages gesagt: „Übrigens, ich bin Pfarrer.“ Da habe ich als erstes gedacht: schlimmer als in einer Landarztpraxis kann das auch nicht sein!
Noch was zu den Gaben: mit dem Tanz kommt jetzt meine kreative Seite voll zum Zuge – und dazu ganz ohne Druck! „Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen, du hast mir den Sack der Trauer ausgezogen und mich mit Freude gegürtet…“ – Dieser Vers aus Psalm 30 ist zu „meinem“ Bibelwort geworden. Es ist eine meiner schönsten Lebenserfahrungen, trotz des Schweren und obwohl das Leben ganz anders als geplant oder gewünscht gegangen ist, mich wieder freuen und lachen zu können! Das empfinde ich als Geschenk. Durch Schweres wird man ein anderer Mensch. Aber das ist nichts Negatives, sondern das vertieft das Leben – auch glaubensmäßig.

Du bist sehr in der übergemeindlichen Frauenarbeit engagiert - warum?
Frauen sind eigentlich die, die wesentlich die Gemeindearbeit tragen mit ihren fleißigen Händen, mit Kreativität und Warmherzigkeit. Frauen schätzen in besonderer Weise das Miteinander. Es ist sicher auch kein Zufall, dass in der Tanzgruppe überwiegend Frauen sind. Seit kurzer Zeit gehöre ich dem ephoralen Leitungsteam von 8 Frauen an, die zum Beispiel den jährlichen „Weltgebetstag der Frauen“, das Rogate-Frauentreffen und Bildungsfahrten vorbereiten. Übrigens war das Rogate-Treffen am 28. Mai in Großhartmannsdorf ganz toll! Der Gottesdienst war sehr gelungen genauso wie hinterher das Gospelkonzert. Es war richtige Aufbruchstimmung!

Würdest du dir wünschen, dass mehr Verbindung zwischen diesen Aktionen und den Frauen in unserer Gemeinde wächst? Könntest du dir vorstellen, auch offiziell Ansprechpartnerin für die Frauenarbeit zu sein?
Ja! Es wäre sehr schön, wenn die Frauenarbeit mehr in die gesamte Gemeindearbeit integriert wäre. Ich würde auch gern überlegen, wie man Angebote für jüngere Frauen machen kann, denn wie gesagt: ohne Frauen geht eigentlich nichts. Und das betrifft nicht nur das Großmutter-Alter! Ich würde gern im Team überlegen: was ist denn das Bedürfnis von Frauen? - Und mit einer Pfarrerin in der Gemeinde müsste dieser Kontakt doch gut möglich sein. Von Dresden werden sehr gute Themen angeboten und es gibt tolle Multiplikatoren-Treffen, wo wir theologisch-geistlich fundiertes „Futter“ bekommen.

Wie sieht dein Traum von Gemeinde aus?
Gemeinde ist immer ein Weg; es gibt nie das Endgültige. Gemeinde wird sich immer bewegen und verändern. Das wird auch zu Reibungspunkten führen, aber entscheidend ist: man ist miteinander unterwegs, achtet und schätzt sich wert. Und: wir bringen die frohe Botschaft nach außen. Mein Wunsch ist, dass wir Gottes Liebe weiter geben, indem wir Freude rüberbringen und vorleben, wie das geht, einander Mut zu machen, aufeinander zu achten, den Einzelnen zu sehen, auch unsere Gaben zu entdecken – das ist spannend! Aber so werden wir spüren, wie das ist, getragen, geführt, manchmal auch „geschubst“ zu werden.
Und: ich finde, wir haben als Gemeinde so große Verantwortung, Werte in die Gesellschaft hineinzutragen, den Menschen so etwas wie einen „Anker“ zu geben. Meine Hoffnung ist, dass das auch durch den Kirchentag in Dresden geschieht!

Danke für das Gespräch, deinen Einsatz und die Hoffnung, die du ausstrahlst, dass wir noch viel Bewegendes hier in Gemeinde erleben können!


Ich finde es „cool“, selbst vor dem Tod keine Angst haben zu müssen

Thomas Haase (34), verheiratet mit Katja, mit der er einen 11 Monate jungen Sohn hat, ist von Beruf Finanzbeamter. Die meisten, die ihn aus dem Gemeindeleben kennen, verbinden mit ihm allerdings Musik. In großer musikalischer Breite und viel zeitlichem Engagement bringt er sich an der Orgel und im Lobpreis am Piano, mit Gitarre und Gesang ein. Thomas ist gebürtiger Pockauer und lebt seit 2004 in Freiberg. Mit seiner Frau gehört er einem Hauskreis an. Gundula Rudloff sprach mit ihm über sein geniales Hobby, Glaube, Geld und Gemeinschaft.

Thomas, wolltest du eigentlich mal Musiker werden?
Einen Kirchenmusiker-Abschluss (C) habe ich ja. Aber Hochschulmusik wollte ich nie studieren. Mein „2. Berufswunsch“ war schon immer Kantor. Aber als ich mit kirchlichen Mitarbeitern und Pfarrern drüber geredet habe, haben sie mir gesagt, dass aus Gründen der Personaleinsparung zukünftig immer mehr Musiker im Nebenamt gebraucht werden. Außerdem wollte ich nicht die Lust an meinem Hobby verlieren, wenn ich es zum Beruf mache. Deshalb hatte ich von Anfang an im Blick, das nebenberuflich zu machen. Ansonsten habe ich immer davon geträumt, in einer Band zu spielen, aber dazu kam es nur kurze Zeit während ich Zivi war.

In der Gemeinde erleben wir dich zwar meistens als Musiker, aber Gemeinde ist für dich viel mehr als ein Ort, wo du ein lieb gewonnenes Hobby einbringen kannst ...
Ja, in Gemeinde ist mir vor allem der Hauskreis wichtig, die lockere Atmosphäre dort mit Freunden oder Menschen, die es noch werden können. Mir ist wichtig, weiter zu kommen mit dem Wort Gottes, im Dialog zu sein, Gemeinschaft zu haben in der Lehre und im Gebet. Mein Ideal-Bild von Hauskreis ist: Freundschaft pflegen, Liebe leben, sich in allen Lebenslagen zur Seite stehen. Für mich gehört auch die Skatrunde zur Gemeinde. Das hat auch was mit Leben teilen zu tun. Gemeinde heißt für mich: Reich Gottes bauen, auch nach außen gehen, missionarisch werden. Ansonsten bringe ich schon sehr gern Musik in Gemeinde ein, weil das für mich auch Erfahrungen der Nähe Gottes sind.

Gottesdienst ist ja ohne Musik schwer denkbar. Was macht für dich einen lebendigen Gottesdienst aus; einen Gottesdienst, wo du gern hingehst und wo du auch andere hin einladen würdest?
Zu einem guten Gottesdienst gehört für mich, dass dort auch Gemeindeleben stattfindet. Ein guter Gottesdienst ist nicht nur ein Vortrag vom Pfarrer, sondern viel aktive Teilnahme. Das heißt für mich, dass wir bewusst zusammen beten, bewusst die Lieder gemeinsam singen und uns nach dem Gottesdienst ungezwungen unterhalten – über Persönliches und über das gehörte Wort Gottes aus dem Gottesdienst. Wichtig ist mir auch eine Mischung aus Tradition und Neuem, zum Beispiel was die Musik betrifft, damit die verschiedenen Generationen sich wieder finden können.
Zu einem lebendigen Gottesdienst gehört für mich auch, dass die Gemeindeglieder merken, wenn Neue da sind und sie auch ansprechen. Neue Leute sollten merken: hier kann ich Anschluss finden, wenn ich möchte, hier werde ich herzlich aufgenommen.
Und dann ist mein Traum von Gottesdienst, dass die Geistesgaben zum Einsatz kommen. Das könnte zum Beispiel bedeuten, dass Menschen bezeugen, was sie mit Gott erlebt haben. Das könnte auch bedeuten, dass es die Möglichkeit gibt, etwas mitzuteilen, von dem man den Eindruck hat, Gott sagt es zu allen.
Was mich sehr freuen würde ist, wenn Leute im Gottesdienst mehr Gefühle zulassen würden: aufstehen, tanzen, Hände heben, klatschen. Aber in allem ist mir das allerwichtigste, dass klar ist: Gott und sein Wort ist im Mittelpunkt!

Die meiste Zeit des Tages verbringst du ja im Finanzamt. Macht es einen Unterschied, dass du deinen Beruf als Christ ausübst?
Ich denke, dass es in jedem Beruf einen Unterschied macht, ob ich das als Christ tue oder nicht. Für mich liegt ein Unterschied darin, wie ich zum Beispiel mit sozialen Fragen umgehe, mit der Frage der Gerechtigkeit. Und als Betriebsprüfer hat für mich die Frage nach der Wahrheit einen hohen Stellenwert. Ich werde Leute nicht mit irgendwelchen Tricks zu Aussagen bringen oder zwingen. Aber ich merke auch, dass einem durch das Gesetz und die Verwaltungsvorschriften manchmal die Hände gebunden sind.

Noch was zum Geld: Hast du Grundsätze zum Umgang mit Geld, die du als Christ wichtig findest?
Ich hab mal sinngemäß gehört: Womit man reich gesegnet ist, das sollte man auch reich verschenken. Wenn einem also Geld gegeben ist, sollte man es auch für Gottes Sache einsetzen, für Menschen, die es brauchen und für die Gemeinde.
Wichtig ist, aufzupassen, dass nicht das Geld einen beherrscht und man nur noch sein Vermögen verwaltet, statt sich für die eigentlichen Dinge des Lebens Zeit zu nehmen.
Die Gefahr besteht ja nicht nur, wenn man „im Geld schwimmt“, sondern fängt schon an, wenn man sich ständig darum dreht, wie man sein Vermögen vermehren oder die günstigsten Schnäppchen ergattern kann. Wenn wir als Christen mit Geld umgehen, sollten wir das immer in dem Bewusstsein tun: nichts ist für die Ewigkeit, Vermögen ist nur ein vorläufiges Geschenk. Daraus erwächst Dankbarkeit für das, was man hat, selbst wenn’s nicht viel ist. Ich komme aus einer Familie, wo Geld knapp war, aber wir waren trotzdem glücklich!

Familie, Beruf, Gemeinde – für viele Menschen deiner Generation, besonders wenn es gerade die „Kinderphase“ ist, ist das ein Spagat, wenn nicht sogar unmöglich, das „unter einen Hut“ zu bringen. Wie geht ihr damit um?
Es ist wirklich ein schwerer Spagat, sich die Zeit so einzuteilen, dass in allen Bereichen etwas Befriedigendes herauskommt. Ich habe das Glück, dass ich mein Hobby in der Gemeinde ausüben kann. Vielleicht ist das sogar ein Rezept, sich zu fragen: Wo kann ich das, was ich gut kann und gern tue, in Gemeinde einbringen? Damit könnten sich vielleicht – zeitlich gesehen – Synergien ergeben. Außerdem braucht es klare Strukturen und Regeln, die man in Ehe und Familie absprechen muss und gegenseitiges Verständnis, wenn der jeweils andere abends mal weg ist. Insgesamt sollten wir versuchen – wenn es irgend geht – als Familie Teil der Gemeinde zu sein.

Es ist dir ein Anliegen, den christlichen Glauben nicht „unter der Bettdecke“, also nicht als Privatsache zu leben, sondern unter die Menschen zu bringen. Was würdest du sagen: wozu braucht man als junger, erfolgreicher, gesunder Mensch Gott, Kirche, Glaube?
Wenn es im Leben nur um mich geht, bin ich ein Egoist. Ohne die Verbindung zu Gott wäre ich nicht in der Weise fähig, andere Menschen zu lieben. Seit meiner Teenie-Zeit beschäftigt mich das Thema „cool sein“. Ich habe entdeckt, dass ich keine Ängste haben muss, wenn ich alles zu Jesus bringen kann. Ich finde es „cool“, selbst vor dem Tod keine Angst haben zu müssen. Gottes Kraft brauche ich auch, um ehrlich und wahrhaftig sein zu können, um nicht zu manipulieren und immer an meinen persönlichen Vorteil denken zu müssen.

Was hat dich eigentlich am meisten geistlich geprägt; was hat dir auf deinem Weg mit Gott geholfen?
In letzter Zeit vor allem mein Trauzeuge, der sich in Glaubens-, Familien- und Berufsfragen für mich Zeit genommen hat. Solche Zweiergespräche haben mich weiter gebracht; die Chance, im Gespräch grundsätzlich über meinen Weg als Christ nachzudenken, wo wir über Entscheidungen geredet und miteinander gebetet haben. Mein Elternhaus war für meine geistliche Prägung auch wichtig und die Landeskirchliche Gemeinschaft, viele Gruppen und Kreise als Kind und Jugendlicher. Besonders denke ich an einen Chorleiter, der für mich auch ein geistlicher Leiter war. Er hat uns jungen Leuten gezeigt, wofür wir die Musik eigentlich machen. Vor Auftritten haben wir zusammen gebetet.

Zuletzt: Gibt es ein Bibelwort, das dir besonders wichtig ist?
Ja, mein Konfirmationsspruch:
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht. (Johannes 15,5)
Das ist zu so etwas wie einem Leitmotiv für mich geworden: Frucht bringen, indem ich bei Jesus bleibe und nicht auf meine eigenen Stärken baue. Mich beschäftigt die Frage: was ist überhaupt Frucht? Für mich hat das mit Entwicklung, Wachstum zu tun; auch damit, neue Leute zu gewinnen, sich also in Gemeinde fortzupflanzen; lebendig sein, nicht verschrumpeln.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Segen - nicht nur für deinen musikalischen Einsatz.


Beten ist aussprechen, was der Heilige Geist sagt

Germar Geiler (49), verheiratet mit Silke, 4 Kinder, ist nicht nur mit unserer Kirchgemeinde sehr verbunden, sondern beruflich auch sehr mit unserer Region am Rande des Erzgebirges, denn sein Gewerbe ist der Internethandel mit erzgebirgischer Volkskunst. Er lebt mit seiner Familie in Zug und gehört seit 2002 dem Kirchenvorstand an. Gundula Rudloff unterhielt sich mit ihm.

Mit dir begegnet mir jemand aus unserer Gemeinde, der aus unsern Aktivitäten und Veranstaltungen gar nicht mehr wegzudenken geht. Es gibt weniges in Gemeinde, wo du nicht dabei bist. Germar, was würde dir ohne Gemeinde fehlen?
Christsein ohne Gemeinde geht nicht. Ein Leben ohne Gemeinde würde bedeuten, kein Christ mehr zu sein. Es würde bedeuten, Jesus nicht zu haben. Ich möchte mir das gar nicht vorstellen!

Wie würdest du zur Zeit deinen Platz in Gemeinde beschreiben? Wo bringst du dich besonders gerne ein?
Wenn es um Fürbitte geht, bei Aktionen mit Kindern, im Kirchenvorstand. Viele Dinge sind mir wichtig. Und kochen tue ich mit großer Leidenschaft und egal, für welche Anzahl von Personen. Ich möchte gern dabei sein, den Weg als Gemeinde zu finden und zu gehen, den Gott vorhat. Und was mir noch sehr am Herzen liegt: dass wir einander lieb haben, damit niemand sich ausgegrenzt fühlt; dass alle sich wohl fühlen, dass Gemeinde für alle ein Zuhause ist. Ich wünschte mir, andern mit der inneren Haltung begegnen zu können: was sagt Gott über diesen Menschen?

Wie ist Glaube in dir entstanden und gewachsen?
Zunächst haben meine Eltern darauf geachtet, dass ich Christenlehre und Konfirmandenunterricht mache. In der Jungen Gemeinde war ich sogar ziemlich aktiv, ich würde sagen: nah an Gott dran. Aber danach war ich erstmal weit weg von Glaube und Kirche. Ich habe zwar im Chor gesungen und war Weihnachten mal in der Kirche, aber echten Kontakt hatte ich nicht. Ich habe mir ein religiöses Weltbild selbst zusammen gebaut – und war davon sehr überzeugt! Das hat sich radikal verändert, seitdem ich 2002 im Glaubenskurs (Alphakurs) war. Eigentlich bin ich nur deshalb hingegangen, weil ich mich einfach informieren wollte, was da läuft. In der Mitte des Kurses gab es den Alpha-Tag zu dem Thema „Der Heilige Geist“. Ich habe für mich um die Erfüllung mit dem Heiligen Geist beten lassen (davon hatte ich vorher nie etwas gehört). Danach war mir schlagartig klar: Jesus ist der einzige Weg zu Gott. Die Bibel ist kein „schöngeistiges“ Buch, sondern lebendiges Gotteswort. Ich habe die Gegenwart Gottes gespürt, sein „Anklopfen“. Das ist schwer zu beschreiben, aber es war wie Nie-wieder-weg-wollen! Und jetzt? – Ich bin weiter auf dem Weg. Ich lerne, mich in aller Unvollkommenheit auf Jesus zu verlassen.

Inzwischen ist ein Glaubenskurs ohne deine Mitwirkung gar nicht mehr denkbar. Warum ist dir das missionarische Engagement so wichtig?
Weil Gott mir das auf’s Herz gelegt hat. Ich empfinde Traurigkeit über die Menschen, die Jesus noch nicht kennen. Denn es ist ja eine Frage von Leben und Tod. Aber mir ist klar, dass ich es nicht machen kann, sondern nur der Heilige Geist, Gott selbst.

Was würdest du jemandem sagen oder raten, der Gott nicht kennt, ihn aber kennen lernen möchte?
Ich würde ein einfaches, kurzes Gebet empfehlen: Herr, wenn es dich gibt, zeig mir, dass es dich gibt! Gott verspricht schließlich in seinem Wort, dass er sich finden lassen wird von denen, die ihn suchen.
Und dann ist wichtig, „Nägel mit Köpfen“ zu machen, also sein Leben Jesus zu übergeben. Schließlich gehört das Bibellesen dazu. (Den Römerbrief finde ich besonders hilfreich.) Und ich würde sagen: bevor du Bibel liest, bitte Gott, dass er dir erklärt, was du liest.

Noch mal zum Gebet. Wo gebetet wird, bist du besonders oft anzutreffen. Warum? Was motiviert dich?
Die Gemeinschaft mit Gott und: den Willen Gottes zu erfahren. Gebet bewegt den Arm Gottes – auch für andere Menschen!

Kann man Beten lernen?
Ja, unbedingt. Aber nur durch Beten. Ich kann mich noch gut an mein erstes Gebet in Gemeinschaft erinnern: ich habe in der Situation genau gemerkt: das ist jetzt dran, den Mund aufzumachen, aber ich habe mich dagegen gewehrt. Und dann ging es mir erst wieder gut, als ich es wirklich getan habe. Seitdem erlebe ich in Gebetsrunden oft: andere beten laut, was ich gerade gedacht habe. Daran wird mir deutlich: beten ist aussprechen, was der Heilige Geist sagt. Beten ist nicht: sagen, was in den Ohren anderer gut klingt. Das muss man üben, auszuschalten und sich ganz auf Gott konzentrieren. Sehr hilfreich war und ist mir dafür auch der geschützte Rahmen des Frühgebetes am Dienstag morgen.
Der Apostel Paulus sagte mal: wir sollen ohne Unterlass beten. Das sagt mir: es gibt sehr vielfältige Formen des Gebetes. Es geht um die Gewissheit in mir: Gott ist immer da. Ohne Unterlass beten ist: sich selbst immer wieder zu Gott zurückrufen und sich immer wieder bewusst entscheiden: ich will in Gottes Nähe sein.

Du bist oft an Frank Herters Seite, wenn es um Kinder-Aktionen geht. Was begeistert dich am meisten an Kindern?
Kinder sind ehrlich und offen und brauchen viel Liebe.

Was ist für dich das Wichtigste, was du weitergeben willst, auch deinen eigenen Kindern?
Das eine, das wirklich zählt, dass sie den Weg zu Gott finden.

Wenn du eine Million gewinnen würdest ...
Eine Million?? – Geld ist für mich eigentlich unwichtig. Ich habe mal bei einer Versicherung gearbeitet. Da dreht sich alles nur um Geld und dabei habe ich gemerkt: ich verliere Gott ganz aus den Augen. Geld ist zwar notwendig zum Leben, aber ich will lieber nicht so viel Geld haben. Lieber würde ich als Mönch leben.

Und wenn du noch mal von vorn beginnen könntest?
Ich bereue meine Vergangenheit nicht; ich habe gemerkt: Gott kann alles gebrauchen. Zum Beispiel habe ich in der Zeit bei der Versicherung auch was zum Umgang mit Menschen gelernt. Ich habe keine Angst, an fremden Türen zu klingeln. Aber wenn ich noch mal von vorn beginnen könnte, würde ich sofort um die Erfüllung mit dem Heiligen Geist beten lassen! Im Übrigen habe ich die Ewigkeit vor mir. Was sollte ich mich da um ein paar Jahre grämen!

Was wünschst du dir für unsere Gemeinde?
Dass jeder sich einen Mitchristen als Seelsorger sucht, um Nöte und Sorgen loszuwerden und zusammen zu beten. Also: dass das Leben nicht so oft an der Oberfläche bleibt und wir einander nur sagen: mir geht’s gut, sondern dass wir bewusst auch andere Zeiten zusammen aushalten.

Vielen Dank für das Gespräch und all deine Dienste an den verschiedenen Stellen unserer Gemeinde!


Der Glaube hilft zur Aufrichtigkeit

Gerd Norzinski (67) ist der Jakobikirche schon sehr lange und der Bauphase durch die letzten Jahre hindurch besonders verbunden, denn seit 2008 ist er Vorsitzender der Gesellschaft zur Erhaltung der Jakobikirche e.V.. Aber auch längst davor und trotz seiner zunehmend herausfordernden Berufsjahre, zuletzt als Geschäftsführer eines technischen Unternehmens in Freiberg, hat der gebürtige Freiberger seine Gaben und Möglichkeiten bei uns in Gemeinde eingebracht, etwa im Kirchenvorstand (von 1984 – 2002) oder im „Bibelgesprächskreis“, dem er seit seiner Gründung unter Pfarrer Milde vor ungefähr 30 Jahren angehört. Bis heute ist er begeisterter Teilnehmer beim jährlich stattfindenden „Männerforum“, einer Einrichtung, die in der ehemaligen Partnergemeinde von Jakobi, Sulingen, angesiedelt ist und die sich zu Rüstzeiten in West und Ost trifft. Er ist mit Marianne verheiratet, hat zwei Töchter und ist trotz seines regen Engagements für seine 5 Enkel auch für Spontaneinsätze, z.B. bezüglich des Baugeschehens, zu haben. Gundula Rudloff führte das Gespräch.

Gerd, was geht dir durch Kopf und Herz, wenn du in der frisch sanierten Jakobikirche stehst?
Dank, dass wir durch die Fördermittel die Möglichkeit bekommen haben, so grundlegend zu sanieren und damit so ein wertvolles Gebäude zu erhalten. Ich bin in der Jakobikirche getauft und konfirmiert worden; von daher muss ich allerdings sagen, dass ich die Kirche auch, wie sie war, lieb gewonnen habe.
Ich empfinde große Dankbarkeit auch dafür, dass so viele Menschen aus unserer Gemeinde diese ganze Bauphase finanziell mitgetragen haben und dass sich die Gemeindeleitung so dafür eingesetzt hat. Als ich das erste Mal unter dem Gewölbe stand - oben auf dem Gerüst - und die Baustrahler die Farben beleuchtet haben, das war für mich sehr ergreifend. Es ist einfach erstaunlich, wie toll alles geworden ist nach dem desolaten Zustand zuvor.

Es ist ja in unserm Land längst nicht mehr selbstverständlich, zur Kirche zu gehören. Wie ist es gekommen, dass es für dich so selbstverständlich ist?
Ich weiß nicht, ob ich von mir aus diesen Weg gegangen wäre. Prägend war meine Frau. Auch wenn ich christlich erzogen wurde, habe ich Leben mit christlicher Gemeinde erst durch sie kennen gelernt. Als Kind war ich in der Christenlehre und im Konfirmandenunterricht, aber ich habe mir immer gesagt: wenn ich mal nicht mehr muss (also nach der Konfirmation), dann höre ich damit auf. Aber als ich Marianne kennen gelernt habe, hat sie sehr deutlich gemacht: entweder mit Kirche oder nicht mit ihr. Ich hab mich für sie entschieden und habe dann gedacht: wenn man schon bekennt, zur Kirche dazu zu gehören, dann muss man das auch mit Leben füllen. Etwas später habe ich mich dann auf Anfrage von Pfr. Milde zur Kirchenvorstandswahl aufstellen lassen.

Wenn du an das Leben in der Kirchgemeinde denkst – was war besonders prägend?
Die Vakanz (Zeit der unbesetzten Pfarrstelle, Anm. der Redaktion) nach Pfarrer Milde. Das war wie eine Bewährungszeit, wo ich zum Beispiel auch Lesepredigten mit gehalten habe. Was ich in der Zeit gemerkt habe: als Kirchenvorsteher kann man viel machen, auch Gottes Wort verkündigen, aber die Seelsorge kommt zu kurz. Und das ist ganz wichtig, entscheidend für viele Menschen.

Was verstehst du unter Seelsorge?
Abendmahl feiern, geistliche Gespräche führen, auch Sterbebegleitung. Das ist doch die Hauptsache, dass da eine vertrauenswürdige Person ist, die für einen da ist, wenn etwas auf der Seele brennt.

Wie würdest du die Hauptaufgabe christlicher Gemeinde heute in unserer Stadt beschreiben?
Was die christlichen Gemeinden an gemeinsamen Dingen angeschoben haben (z.B. Pfingstmontag oder auf dem Bergstadtfest oder während des Christmarktes), das muss weiter gehen, damit alle über den Tellerrand hinausschauen und gemeindeübergreifend denken. Ich finde es wichtig, eine Haltung abzulegen, wo man sagt: das war schon immer gut, deshalb ist es auch in Zukunft das richtige. Was zusammen zu machen, hat die Chance, Kräfte zu bündeln, um mit den vorhandenen personellen und finanziellen Möglichkeiten attraktivere Arbeit machen zu können. Ich finde es ein lohnendes Ziel, mehr Ökumene zu leben durch mehr gemeinsame Gottesdienste. Ich meine, wir kennen uns als Christen der Stadt Freiberg zu wenig. Aber erst, wenn wir uns wirklich kennen, können wir auch Gemeinsamkeiten finden.

Gibt es einen Bibelvers, der dir besonders wichtig ist?
Nein. Dazu muss ich sagen: mir ist immer mehr klar geworden, wie viele Lücken ich bezüglich des Wissens über die Bibel habe. Da habe ich mir vor einiger Zeit ein Buch gekauft, wo Grundlegendes über das Christsein beschrieben ist. Das lese ich mit viel Gewinn. Vielleicht habe ich mir auch einfach wenig Zeit genommen. Jetzt will ich mich jedenfalls etwas tiefgründiger damit beschäftigen; ich habe ja jetzt auch mehr Freizeit.

Hast du einen Tipp für Ruheständler?
Ja: bringt euch ein in Gemeinde! Es gibt so viel zu tun. Wenn viele mit anfassen, kann viel erledigt werden. Das sehe ich ganz pragmatisch.

Wenn du eine Million gewinnen würdest …
… würde ich sicher davon was für den Kirchenbau geben und natürlich für Familie und Kinder – aber ich spekuliere nicht darauf!

Was möchtest du deinen Kindern und Enkeln mit auf den Lebensweg geben?
Vorbild zu sein – in allen Lebensbereichen.

An welche Werte denkst du besonders?
Leben in Harmonie: so leben, dass ich dem andern in die Augen schauen kann und niemandem aus dem Weg gehen muss. Außerdem: Anstand und Achtung gegenüber dem Partner. Und: ich habe schon oft eine schützende Hand über mir gespürt. Ja, Gottvertrauen, das ist auch etwas, was ich weiter geben möchte. Gottvertrauen schließt für mich alles ein, was ein Christenleben ausmacht. Gott vertrauen - wenn mir das immer gelänge, könnte ich auch die 10 Gebote Gottes einhalten.

Gibt es Situationen, in denen du Gottvertrauen besonders gebraucht hast?
Ja, bei Schwierigkeiten in der Firma. Viele Leute aus der Gemeinde waren in der Situation für mich da und haben versucht, das mit zu tragen. Ich glaube schon: Gott hat mir Kraft gegeben, die Probleme zu lösen. Oder bei einer schlimmen ärztlichen Diagnose. Ohne dieses Vertrauen wäre mir heute noch unbegreiflich, wie ich das mit so großer Abgeklärtheit aufnehmen konnte. Da habe ich ganz konkret gemerkt: ich bin getragen. Sonst kenne ich mich anders.

Was begeistert dich am meisten?
Dass ich mich sportlich betätigen kann: Klettern, Ski fahren, wandern, überhaupt: in der Natur sein. Wo ich auch gern dran zurückdenke: an Klettertouren in einigen Wänden der Hohen Tatra und an die World-Lopped-Läufe. Das sind alles Ski-Langläufe über 50 km Länge. Von den 10 europäischen Läufen habe ich 8 gemacht. Aber noch was ganz anderes: ehrliche, aufrichtige Menschen. Das sind für mich Vorbilder.

Und würdest du sagen, dass der christliche Glaube dir zu so einer Aufrichtigkeit hilft?
Ja, unbedingt; der Glaube hilft auch, um Vergebung zu bitten, wenn ich merke, dass ich andere Menschen verletzt habe.

Vielen Dank für das Gespräch und für allen Einsatz! Und viel Freude und Kraft weiterhin!


Zuerst auf Jesus schauen

Carmen Trautmann (48) ist eine echte Freibergerin und innerhalb unserer Stadt besonders mit der „Siedlung“ verbunden – wurde sie doch Weihnachten 1962 im Gemeindehaus Beutlerstrasse getauft. Dort war sie die meiste Zeit ihres Lebens nicht anzutreffen; das änderte sich, nachdem es inzwischen knapp 6 Jahre her ist, dass sie einen Glaubenskurs (Alpha) bei uns besucht hat. Heute ist sie regelmäßig im Dienstags-Frühgebet in der Beutlerstrasse anzutreffen, verteilt – ebenso im „Siedlungsgebiet“ - Gemeinde-aktuell, gehört einem Hauskreis an, macht in Gottesdiensten mit und ist eine wichtige Säule unseres Besuchsdienstes. Und ist als sportlicher Typ zuweilen auch joggend in der Siedlung zu sehen.
Carmen Trautmann ist Geologie-Ingenieurin und beruflich gerade dabei, ein Altbergbau-Kataster als digitalen Datenpool aufzubauen – wobei sie nicht nur die unterirdischen Gänge, sondern auch die Frömmigkeit der Bergleute spannend findet. Sie ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes. Gundula Rudloff trank mit ihr mehrere Tassen Tee.

Carmen, seitdem ich dich kenne, bist du nicht mehr wegzudenken aus dem Gemeindeleben - was ist dir so besonders wichtig geworden?
Ich bin ja noch Kleinkind im Glauben, gerade so alt wie euer Jonatan. Meine Konfirmation am 24. Juli 2005 war damals dein letzter Arbeitstag vor der Elternzeit. Mir ist wichtig geworden, „eingeflochten“ zu sein in ein Beziehungsnetz, in Gemeinde Menschen zu begegnen. Mit ihnen kann ich meiner Sehnsucht nach Begegnung mit Jesus Ausdruck geben und im Glauben wachsen. Ich empfinde mich in Bezug auf den Glauben wie ein neugieriges Kindes. Ich fühle mich einfach hingezogen, das lässt sich nicht in Worte fassen; vielleicht „hingeliebt“. Mir ist wichtig geworden zu wissen: da gehöre ich hin und ich kann’s mir nicht mehr vorstellen, die Zeit Sonntag früh nicht mit Gottesdienst zu füllen.

Gleich im Anschluss an den Glaubenkurs bist du Mitglied in einem Hauskreis geworden. Was bedeutet dir der Hauskreis?
Begegnung, nicht allein stehen im Glauben, von eigenen Problemen wegsehen können; die Lasten des Alltags gemeinsam im Gebet Gott hinhalten; drüber reden, was uns beschäftigt, also über die guten und schweren Seiten des Lebens und das alles miteinander tragen. Im Mittelpunkt steht dabei ein geistliches Thema und so können wir auch geistlich wachsen; aber das braucht Zeit miteinander und es ist gut, wenn da Menschen sind mit einer „Hirtengabe“, die uns zusammen halten.

Du hast das Gebet erwähnt, das dir ja offensichtlich etwas sehr Wertvolles ist. Hast du besondere Erfahrungen damit gemacht?
Ich denke zum Beispiel an das Gebet für Menschen, mit denen der Umgang für mich sehr schwer war. Ich habe gemerkt: durch das Beten verändert sich was.
Was sind dir die wichtigsten Gebetsanliegen für unsere Gemeinde?
Dass „Mühselige und Beladene“ Gottes Liebe erfahren, angerührt werden; dass Heilung geschieht – bei Krankheit und gerade auch in Beziehungen.
Und wo Gott nicht erhört, ist mir das ein Ansporn, im Gebet dranzubleiben und in dem Vertrauen zu wachsen, dass Gott einen guten Weg hat, selbst wenn’s für mich nicht erkennbar ist.

Dein weites Herz für die „Mühseligen und Beladenen“ hat dich ja auch für die Mitarbeit im Besuchsdienst bereit gemacht. Was sind deine Erfahrungen damit?
Der Besuchsdienst bringt für mich Kontakt mit Menschen, denen ich noch nie begegnet bin. Ich kann was mitbringen, manche sind total überrascht, sogar glücklich, dass jemand kommt und sich mit ihnen unterhält. Denn häufig haben auch die eigenen Kinder keine Zeit.
Und wenn dir Menschen unfreundlich begegnen?
Ich bete danach und gebe die Situation an Gott ab mit der Bitte, dass er die Menschen etwas von seiner Liebe erfahren lässt – wenn nicht durch mich, dann vielleicht durch das kleine Büchlein oder den schriftlichen Gruß, den ich hinterlasse… - Aber es gibt viel Dankbarkeit!

Bei dir fällt mir immer auch dein Garten ein und die besondere Beziehung, die du zu deinen Pfanzen hast ...
Zur Natur überhaupt! Viele Menschen gehen hektisch an allem vorbei, was uns die Schöpfung vor die Füße legt; mit allen Sinnen wahrzunehmen ist auch eine Möglichkeit, Gott zu erkennen. Mir macht es einfach Spaß, draußen was Schönes zu entdecken und für mich ist das auch nicht wetterabhängig. Eigentlich könnten wir mal einen Gottesdienst draußen feiern; das ist vielleicht auch anziehend für Menschen, die nicht in die Kirche gehen.

Zum Stichpunkt: Gott draußen erfahren: du hast vor kurzer Zeit „Wege-Exerzitien“ mitgemacht? Was ist das und was hast du für Erfahrungen dabei gemacht?
Das war ein Angebot der katholischen Jesuitengemeinschaft Dresden – wobei mir bei „katholisch“ als erstes aufgefallen ist, wie viel Gemeinsames wir haben!
Eine Erfahrung war: mit einem biblischen Thema zu laufen und unterwegs zu sein, hat bei mir auch innerlich was in Bewegung gebracht. Ich habe gemerkt: es gibt einen Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Bewegung. Es war gut, in Gemeinschaft zu schweigen, nicht immer zu schwatzen und dadurch sich selbst und die Natur neu wahrzunehmen. Die Stille kommt in der lauten Welt meist zu kurz.
Würdest du so etwas weiter empfehlen?
Ja, stille Zeiten oder mal ein stilles Wochenende kann sehr hilfreich sein, um Gott zu begegnen. Wir haben ja gerade das „Jahr der Stille“. Ich versuche auch, das Joggen mit stiller Zeit zu verbinden. Und ich beginne den Tag mit stiller Zeit, wo ich mir 15 – 20 Minuten nehme, um Ausrichtung zu finden. Beten heißt für mich nicht nur: Gott vollplappern, sondern auch hören können. Wertvoll ist mir auch ein stiller Tagesabschluss geworden, wo ich den Tag vor Gott noch mal an mir vorüberziehen lassen kann und wo Gutes und Schlechtes seinen Platz haben darf.

Wenn du noch mal von vorn anfangen könntest ...
Mir ist wichtig geworden: es war alles gut so, wie es war. Äußerlich betrachtet, habe ich viel Zeit meines Lebens ohne Gott verbracht, aber ich bin heute sicher: er war dabei; das ist für mich so etwas wie „innere Heilung“. In diesem Zusammenhang ist mir meine Taufe ganz wichtig geworden. Ich würde es so sagen: ich habe Frieden gefunden mit dem, was ist.

Hast du bestimmte Ziele oder Träume für dich oder für Gemeinde?
Dass ich Gott mehr im Alltag erlebe und mich zu einem Menschen entwickeln kann, der Jesus ähnlicher ist. Das heißt für mich zum Beispiel auf Arbeit, wo Glaube bei den meisten keine Rolle spielt, was von Gottes Liebe reinzubringen.
Und für Gemeinde wünsche ich mir, dass wir untereinander offener werden, voneinander lernen, einander annehmen, nicht nur ein gutes „Sonntaggesicht“ aufsetzen, sondern wirklich füreinander da sind. Das habe ich so erfahren und das hat mich tief berührt. Auch echt sein können, wenn es einem nicht gut geht und durch die Hand des Nächsten wieder Gottes Hand spüren.

Hast du einen Bibelvers, der dir viel bedeutet?
Ich habe zur Konfirmation das Wort aus der Bergpredigt geschenkt bekommen: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles zufallen (Matthäus 6,30). Das heißt für mich: ich will zuerst auf Jesus schauen; dann bekommt alles andere im Leben schon seinen richtigen Stellenwert. Und wenn ich mir meines Platzes bei Gott bewusst bin, kann ich auch auf manches verzichten, was mir sonst wichtig erschien. Zu erkennen: das Leben hängt nicht von mir und meinen Möglichkeiten ab - das war im Glaubenskurs mein größtes Geschenk, wie eine Erlösung.

Vielen Dank für das Gespräch und alle Gaben die du in unsere Gemeinde einbringst!


Sadko Meusel

Sadko Meusel (31) ist als gebürtiger Görlitzer vom Wohnen her viel in Sachsen herumgekommen: Chemnitz, Mittelbach, Zschopau.

Ähnlich vielfältig sind seine Interessen und Hobbys, die von Angeln über Tischlerei, Lesen, Skat-Spielen, bis zum Bier trinken gehen. Seit 2002 lebt der gelernte KFZ-Mechaniker in Freiberg, wo er seinen Diplom-Abschluss in Maschinenbau gemacht hat und sich seitdem mit Erdgas beschäftigt. 2006 hat er seine Frau Linda geheiratet, mit der er zwei Kinder hat. Sadko ist inzwischen langjähriger Mitarbeiter bei Bakigo und engagiert sich im Hauskreis. Gundula Rudloff befragte ihn für "Gemeinde Aktuell".

Sadko, was hat dich eigentlich geistlich geprägt?
Erstmal, dass ich Pfarrers-Sohn bin; ich habe also eine kirchliche Grundprägung. Und ich war in einer Kirchgemeinde, wo es eine gute Jungschar gab. Die großen Jugendlichen haben sich mit uns Kleinen abgegeben, waren uns Kumpels und Vorbilder und haben eine Atmosphäre geschaffen, wo man einfach gern war.
So richtig mit Glauben ging es bei mir erst in der Jungen Gemeinde los. Ausschlaggebend dafür war mehreres: ich wurde als Mitarbeiter für die Jungschar angefragt.
Nach einiger Zeit kam der Jugendwart und fragte mich, ob ich auf einer Jungschar-Rüstzeit mitarbeiten will. Dann gab es Pfingstrüstzeiten, die ein Christ aus der Nähe von Tübingen regelmäßig geleitet hat.
Im Anschluss an die Bibelarbeit wurde oft ein Lied gesungen und wer sein Leben mit Jesus festmachen wollte, konnte während eines Liedes aufstehen. Irgendwann hab ich gemerkt: das ist jetzt für mich dran. Ich habe meinen Kumpel neben mir gefragt, ob er auch aufsteht, aber er wollte nicht. Bei der zweiten Strophe hab ich den Kumpel an meiner anderen Seite gefragt, ob er mit aufsteht. Bei der dritten Strophe bin ich allein aufgestanden.

Wie würdest du das jetzt aus dem Abstand sehen: hat dieser Schritt etwas bei dir verändert?
Ich will es mal so sagen: diese Bekehrung war ein Schritt von vielen; Umkehr ist immer wieder nötig. Aber die Verbindlichkeit im Glauben – für mich selber und vor anderen – die war mit diesem Schritt verbunden, weil seitdem klar war: ich hab mein Leben mit Jesus festgemacht!

Das heißt: du würdest anderen das auch empfehlen?
Ja, die Entscheidung zu treffen, mit Jesus zu leben, ist sehr wichtig. In welcher Form auch immer das geschieht, spielt keine Rolle, aber dass da auch jemand ist, mit dem man diese Entscheidung im Gebet festmacht.

Kannst du von einem Erlebnis mit Gott aus der letzten Zeit erzählen?
Wir haben im Urlaub eine gute Zeit in einem christlichen Freizeithaus im Schwarzwald gehabt. Mit andern Christen dort Gemeinschaft zu haben und an Angeboten teilzunehmen, war echte geistliche und körperliche Erholung. Total beeindruckt hat mich das Referentenehepaar, das in fast kindlicher Naivität von Jesus geredet hat, ganz ohne Menschenfurcht. Ich finde vorbildlich, wie sie als Ehepaar in allen Problemen auf die Kraft des Gebetes vertrauen und so alle Probleme lösen…

Der wichtigste Auftrag von christlicher Gemeinde ist….
… Barmherzigkeit. Ich glaube, das ist ein Schlüssel dafür, wie Glaube sich ausbreiten kann.

Wie stellst du dir das konkreter vor?
Zum Beispiel durch Gastfreundschaft. Wenn wir Gästezimmer in Gemeinde hätten…. Ich merke: Geld opfern fällt mir leicht. Viel schwerer ist es schon, Zeit zu opfern. Ganz schwer vorstellbar ist für mich, fremde Menschen in mein Leben zu integrieren. Aber da müssten wir hin; unser privates Leben öffnen…

Warum engagierst du dich für Bakigo?
Weil das Kindesalter für den Glauben ein Schlüsselalter ist; hier wird der Grundstein gelegt. Manchmal denke ich: wenn wir für die Bakigo-Kinder unser Haus öffnen würden, wäre es schnell voll… Ich finde an der Arbeit so wichtig, dass jedes Kind merkt: ich bin wichtig und dass sie was von Jesus erfahren.

Sähe dein Leben anders aus, wenn du nicht Christ wärst?
Ich hätte bestimmt eine Kleinkriminellen-Karriere begonnen. Die Gelegenheiten zum Betrug sind doch überall da; man muss nur zugreifen. Aber als Christ weiß ich, wem ich Rechenschaft schuldig bin.

Welche Erfahrungen machst du damit, dich in einer nicht-christlichen Umgebung – zum Beispiel im Beruf – als Christ zu erkennen zu geben?
Das verursacht immer wieder Erstaunen: gibt’s so was noch? Dabei merke ich: Argumente für Gott bringen nichts. Ich denke, dass ich den christlichen Glauben halbwegs erklären kann, aber wichtiger ist, dass ich erzählen kann, was ich mit Gott erlebt habe. Nur weiß ich meist nicht, ob das was und wenn ja, was das auf Dauer auslöst….

Was gehört für dich zu den wichtigsten Bibelgeschichten?
Lukas 15, die Geschichte vom verlorenen Sohn. Am älteren Sohn (der sich über die Umkehr des jüngeren Sohnes nicht mit freuen kann, Anm. der Redaktion) wird mir deutlich: ich fülle mein Sohn-Sein nur halb aus; ich nutze mein Erbe nicht richtig bzw. nur so, als wenn ich zum Rasenmähen im Schuppen den besten Rasenmäher hätte, aber zur Sense greifen würde. Der ältere Sohn erinnert mich: ich könnte von Gott jeder Zeit alles haben, aber ich nutze die Möglichkeiten Gottes nicht.

Die Möglichkeiten Gottes nutzen – was heißt das für dich in Gemeinde?
Letztlich wissen wir doch: Gott ist nur Mut zum Vertrauen: Gott ist da; er wird sich durchsetzen. Gott ist tausendmal größer als wir uns vorstellen können. Das ist für mich auch Ansporn zu Barmherzigkeit und dazu, Glaubensprägungen, die nun mal verschieden sind, nicht zu Streitthemen zu machen.

Was macht Einheit in Gemeinde aus?
Dass wir uns selbst nicht so wichtig nehmen und akzeptieren, dass wir nicht perfekt sind! – Du kennst ja die Anekdote: Sagt einer zum andern: „Ich such mir ne neue Gemeinde, aber die muss perfekt sein!“ Sagt der andere: „Na, dann mal auf! Nur bedenke: sobald du in dieser Gemeinde bist, wird sie nicht mehr perfekt sein.“

Vielen Dank fürs Gespräch und viel Segen – auch im Einsatz in einer nicht perfekten Gemeinde!


Ellen Nicke

Wachsein in Liebe und Achtung vor Gott und vor einander
Ellen Nicke (66) ist eine Frau des Hintergrunds. In Freiberg geboren und traditionell christlich aufgewachsen, war Gemeindezugehörigkeit für sie immer selbstverständlich; allerdings in Jakobi-Christophorus erst seit 2002. Die kirchlichen Erinnerungen an Kindheit und Jugend kommentiert sie schlicht mit „alles nur Pflicht“ oder „scheinheilig, denn wenn’s drauf ankam, hab ich nicht geglaubt“. Dass das heute ganz anders ist, scheint durch jeden ihrer Sätze hindurch. Wobei sie keinen Hehl aus ihren Prioritäten macht: das wichtigste sind die Enkel, die 3 Kinder ihrer Tochter. Und so ist Ellen Nicke – auch wenn sie seit 1999 verwitwet ist - nicht einsam oder untätig. Denn auch das Mittun in der Kirchgemeinde hat einen wichtigen Stellenwert bekommen. Ihr dienendes Herz spürt man ihr zum Beispiel im Kirchenkaffee-
Team ab, wenn sie liebevoll und mit selbstgebackenem Kuchen alles für nach dem Gottesdienst vorbereitet oder gleich mehrere und „unbequeme“, weil steile Straßen mit Gemeinde-aktuell regelmäßig versorgt. Außerdem hat sie im Frauenkreis und im Hauskreis ihren festen Platz. Gundula Rudloff unterhielt sich mit ihr.

Ellen, im Hinblick auf deine Beziehung zu Gott hast du große Veränderungen erlebt. Wie kam das?
Irgendwie wusste ich schon lange: es muss mehr geben – aber Gott hatte mich noch nicht erreicht und die von ihm gesandten Schutzengel haben mich nicht aufgeweckt.
Als mein Mann eingeschlafen ist, habe ich von Gott bildhaft seine Führung gezeigt bekommen. Ich vernahm verwundert zunehmend etwas Schützendes um mich. Es ist, als wenn Gott mir das Liebste genommen hat, damit ich ihn finde. Jetzt bin ich 10 Jahre dabei, Gott zu erfahren. Von ihm angenommen zu sein ist das größte Geschenk, das ich überhaupt bekommen konnte und das ich nie wieder abgeben möchte, nicht in größter Freude und nicht in tiefster Trauer.
Als ich zum Glauben gekommen bin, wollte ich helfen und mir wurde klar, dass ich meine Möglichkeiten zuerst bei meinen Enkeln einsetzen sollte. Und ich habe gedacht: jetzt muss ich wissen, was in der Bibel steht, aber allein begreifst du’s nicht. Da bin ich in den Frauenkreis gegangen und in einen Alpha-Kurs (Glaubenskurs) und folgte einer Einladung in einen Hauskreis.

Wie kannst du das noch beschreiben, was für dich durch die Erfahrung Gottes anders geworden ist?
Ich bin ein neuer Mensch geworden, Gott hat mich verwandelt. Das ist phantastisch: Gott schenkt mir in heiklen Situationen Frieden; meine Verbissenheit hat er in Freude und Lockerheit verwandelt; früher konnte ich nie auf Menschen zugehen, heute habe ich nicht mehr solche Schwierigkeiten damit. Aus einem pingeligen Menschen ist ein großzügiger geworden, der über viele Kleinigkeiten hinwegschauen kann; ich kann eher loslassen; andere Menschen sind mir lieber und wichtiger als dass mein Umfeld perfekt ist.

Hast du in der letzten Zeit etwas besonders Schönes mit Gott erlebt?
Fast täglich erlebe ich ihn in Kleinigkeiten - die für mich groß sind. Ein Beispiel: ich habe das Haus verlassen, um einkaufen zu gehen. Aus irgendeinem Grund muss ich noch mal zurück, weil ich was vergessen habe. Und dann merke ich: das Fenster steht noch offen. Oder: der Schlüssel ist weg und ich suche ihn akribisch – bis ich anfange zu beten: Herr, du weißt, wo er ist, hilf mir…. Und ich drehe mich um, gucke in die Tasche und – schwupp, da ist er. Das sind Momente, die man nicht begreifen kann und davon gibt es viele….

Hast du Pläne für dein Leben?
Ja! Beten, dass Gott mir Kraft gibt, meine Enkel führen zu dürfen, bis sie selbständig genug sind… Ihnen mein Vertrauen schenken und ihre kindliche Liebe und Offenheit erfahren zu dürfen. Die weiteren Pläne hält Gott für mich bereit.

Was ist für dich das Wichtigste, was du deinen Enkeln weiter geben willst?
Liebe, Verständnis für vieles, Wissen, Lebendigkeit, Trost vom Alltag. Ich will sie auch mal verwöhnen dürfen an Körper und Seele. Auch Gott gehört dazu. Ich vertraue fest, dass er mir genug Kraft dafür geben wird.

Jakobi-Christophorus – was freut dich am meisten an unserer Gemeinde?
Die offene Atmosphäre, dass alle Generationen vertreten und angenommen sind.

Was stört oder sorgt dich im Hinblick auf unsere Gemeinde am meisten?
Wir sollten uns nicht so viel an Kleinigkeiten stoßen - zum Beispiel, wenn was nicht am richtigen Platz ist - oder an allem, was wir ungewöhnlich finden und mehr Verständnis füreinander aufbringen. Als größtes Problem sehe ich das Generationenproblem an. Ich bin stolz auf das Miteinander der Generationen in Jakobi-Christophorus, aber es muss noch mehr Integration von Älteren und Kindern geben. Wenn Kinder im Gottesdienst mal etwas lauter sind – also nicht öfters, das wäre ein Erziehungsproblem – sollte man sich nicht gleich empören und wenn ein älterer Mensch mal komisch guckt, sollte man nicht gleich negativ von ihm denken, sondern freundlich das Gespräch suchen… Zusammenfassend gesagt: ich denke, wir können noch darin wachsen, in Liebe und Achtung vor Gott und vor einander zu leben.
Noch ein Wort zu Gemeinde: ich gehe auch gern mal zum Gottesdienst in eine andere Kirche, um Gottes Wort in einer anderen Atmosphäre wahrzunehmen. Kirchen sind inspirierende, geschichtlich und architektonisch interessante Bauwerke. Sie sind für mich Orte der Stille, des Zu-Sich-Kommens, des Betens, Hörens und Dankens. Für mich ist unsere Gemeinde nur ein Teil der großen Gemeinde vor Gott.

Wir würdest du den Auftrag unserer Gemeinde für die Stadt beschreiben?
Immer wieder neue Wege in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen finden! – Aber das geht nur gemeinsam und mit anderen Gemeinden.

Gibt es ein Bibelwort, das dir besonders wichtig ist?
Mein Konfirmationsspruch: „Der Herr behüte dich vor allem Übel; er behüte deine Seele.“ (Psalm 121,7) An diesem Wort wird mir bewusst, dass Gott mich schon immer geführt hat und dass er verlässlich ist.
Und: „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen.“ (Jeremia 29, 13-14) Das erinnert mich daran, dass ich keine halben Sachen machen und nicht zurück in Scheinheiligkeit will. Mit ganzem Herzen war ich früher bei meiner beruflichen Arbeit. Heute weiß ich: wenn ich Gott ernsthaft und ehrlich und mit voller Überzeugung inständig bitte, dann hat er garantiert ein Wunder, einen Weg, eine Überraschung für mich. Aber es ist schwer, zu so einer Herzenshingabe zu finden, denn das Leben ist so unruhig. Aber Gott tut Wunder, jeden Tag. Das ist gewaltig!

Welche Rolle spielt die Bibel sonst für dich?
Ich habe die Erfahrung gemacht: je mehr ich mich mit der Bibel beschäftigen, desto mehr spüre ich die Wunder Gottes! Das Bibellesen ist wichtig nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern mit anderen zusammen, um das Wort Gottes zu verstehen. Damit es eine Herzenssache wird, brauche ich Gruppen und Kreise, Predigt, Bücher… Und je mehr ich mich mit der Bibel beschäftige, bewundere und achte ich die Schöpfung. Und hier schließt sich für mich der Kreis, dass wir alle, Große und Kleine, dazugehören. So ist jeder Tag für mich eine Bewährungsprobe, Gottes Liebe mit Dank anzunehmen und diese weitergeben zu können.

Danke für das Gespräch und alles Einbringen bei uns in Gemeinde! Ich wünsche dir noch viel dankbares Staunen über die Wunder Gottes und dass du damit viele Menschen anstecken kannst!


Henry Kunze

Henry Kunze (57) gehört zu denen, die mit der Vielfalt des Gemeindelebens zunächst in Jakobi und dann in Jakobi-Christophorus in besonderer Weise vertraut sind. Seit kurz vor der politischen Wende 1989 gehört er dazu, wurde wenig später in den Kirchen-vorstand berufen, zu dem er 15 Jahre lang bis zur Vereinigung unserer Kirchgemeinden gehörte. Die Krippenspiele in der Jakobikirche sind seit 1992 kaum ohne ihn denkbar, (auch wenn er in den letzten Jahren nicht mehr die Leitung inne hatte). Nach einem Glaubenskurs 2001 wurde er Mitglied eines Hauskreises; inzwischen gehört er zu den Hauskreisleitern unserer Gemeinde. Wenn nicht gerade der Kindergottesdienst Bakigo stattfindet, zu dessen Team er seit ca. 6 Jahren gehört, kann man ihn eigentlich immer im Erwachse-nen-Gottesdienst treffen, manchmal sogar auch an exponierter Stelle, denn in der „pfarrerlosen Zeit“ (Krankheit und Vakanz von Pfarrer Milde) hat er sich an Lese-Gottesdienste herangewagt, in denen er mit entsprechender Vorlage die Predigt gestaltet. Henry engagiert sich gern im Kirchnerdienst; außerdem ist er Gründungsmitglied des Vereins Markus 10 e.V., denn er hat ein großes Herz für Kinder und für das Anliegen, ihnen in unserer Stadt gute Bedingungen zu schaffen. Henry hat zwei erwachsene Söhne, 1 Enkelkind, lebt in Weißenborn und ist verwitwet. Gundula Rudloff traf sich mit ihm.

Erzähl etwas von deinem Weg, der dich in christliche Gemeinde hinein führte!
Ich habe immer nach dem Sinn des Lebens gesucht und für mich hat der „kommunistische Glaube“ einfach nicht zum „real existierenden Menschen“ gepasst. Heute sehe ich es so: Gott hat mir immer Menschen an die Seite gestellt, durch die er mich geführt hat. Da war zum Beispiel bei der Armee (1977-79) der Zimmergenosse aus einer Landeskirchlichen Gemeinschaft (eine Gemeinschaft innerhalb der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, (Anm. der Red.), mit dem ich intensiv über den christlichen Glauben geredet habe oder nach dem Studium ein Arbeitskollege, durch den ich dann für längere Zeit Anschluss an Treffen der Landeskirchlichen Gemeinschaft hatte. Aber dann kam es, dass einer meiner Söhne im Grundschulalter (also mit etwa 10) mit einem Mädchen aus der Jakobi-Gemeinde befreundet war und deshalb mit zur Christenlehre gehen wollte. So haben wir ihn zur Christenlehre angemeldet und ich bin von da an auch in die Gottesdienste gegangen. Es blieb nicht aus, dass in mir der Wunsch reifte, auch am Abendmahl teilzunehmen. Ich war als Säugling getauft worden und las inzwischen auch in der Bibel, trotzdem sagte mir der Kollege, dass da noch was fehlt, nämlich die Konfirmation. Ich habe also an einem eineinhalbjährigen Kurs „Erwachsenenkonfirmation“ teilgenommen (was damals nicht ungewöhnlich war, weil viele meinten, im "Westen" mit Konfirmation besser anzukommen) – wobei ich im Nachhinein weiß: das war noch lange Zeit ein „Kopfglaube“, eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus habe ich erst viel später (auch im Zusammenhang mit einem Glaubenskurs unserer Gemeinde) bekommen.

Wenn du einem Fremden etwas von Jakobi-Christophorus erzählen wolltest, womit würdest du beginnen?
Mit der offenen Atmosphäre! Ich würde erzählen, dass wir Gemeinde sind, die versucht, den Glauben nach außen zu leben und Menschen anzusprechen, die mit Gott noch keinen Kontakt haben. Ich würde erzählen von Jugend, Jugend-Gottesdiensten, Glaubenskursen, Kinder-Gottesdiensten und den vielen Hauskreisen, von einem Verjüngungsprozess und der Lebendigkeit.

Was macht dir am meisten Freude bei uns?
Kinder! Das ist ein Geschenk für mich! Als Schüler habe ich mal versucht, einem Mitschüler, der Lernschwierigkeiten hatte, zu helfen. Dabei bin ich total gescheitert. Ich habe gedacht: ich werde nie Lehrer und mache nie was mit Kindern! – Aber Gott hat mir diese Liebe geschenkt! Die Arbeit mit Kindern ist das, was ich heute nie auslasse; im Gegenteil: das hat mich auch durch eine Zeit getragen, in der ich einem Burnout nah war…

Wenn du einen Wunsch für unsere Gemeinde heute sagen kannst, wäre das….
ein Generationenhaus. Ich bin der Meinung, dass die Generationen füreinander da sind. Vielleicht kann man die Gemeindeprogramme so verändern, dass es mehr Berührungspunkte zwischen jung und alt gibt. Es gibt bestimmt viele ältere Menschen, die basteln oder vorlesen oder Hausaufgabenhilfe anbieten und so nachmittags Kinder betreuen können.

Ein zweites Pi-Haus oder Buntes Haus…..?
Nee, das müsste schon deutlich sein, dass wir das als Christen machen … ich weiß auch nicht, ob sich da jemand freiwillig meldet…

Wie kommst du mit dem Schicksalsschlag klar, dass deine Frau Anfang des letzten Jahres ihrem Leben ein Ende gesetzt hat?
Da war zunächst immer die Warum-Frage: warum war niemand da, der sie hat abhalten können? Aber vor meinem inneren Auge habe ich das Bild: sie ist bei Jesus, in seinen Händen geborgen. Und Gott hat für mich gesorgt: ein viertel Jahr lang bekam ich jeden Tag einen Anruf, jemand, der tröstete, fragte, wie es mir geht…. Es waren nie zu viele, so dass es irgendwie zu viel gewesen wäre. Ich fühlte mich dadurch getragen. Ich habe gemerkt, wie wichtig Beziehungen sind, auch im Hauskreis und wie wichtig es ist, mich nicht zurückzuziehen - aber es gibt keine Patentrezepte…
Und heute hat sich die Warum-Frage verändert in die Frage: Was hat Gott mit mir noch vor? Und das ist spannend für mich!

Welche Reaktionen auf deine Trauer waren für dich am hilfreichsten?
Stille Umarmungen, wenn ich Wärme gespürt habe, nicht Distanz; einfach Nähe, das ist besser als viele gut gemeinte Worte. Schmerz und Leid kann man schlecht in Worte fassen.

Gibt es in deinem Leben ein herausragendes Erlebnis mit Gott?
Da muss ich sofort dran denken, wie ich im Sommer 1989 nochmals zur Reserve eingezogen wurde; eine neue Waffe sollte ausprobiert werden. Ich habe das Schießen verweigert – normalerweise steht darauf Armee-Knast. Aber das war für mich eine Gewissensentscheidung. Durch ein Wunder Gottes habe ich nicht schießen müssen und bin frei geblieben, dafür bin ich heute noch dankbar!

Was würdest du als dein größtes Lernfeld bezeichnen?
Ich bin immer noch am Lernen und merke meine Unvollkommenheit überall – etwa in der Beziehung zu meinen Kindern … Letztlich gilt: ich will authentisch sein… Glauben leben….1. Korinther 13 ist für mich ganz wichtig. Da geht es um die Liebe. Ich denke, darauf kommt es an: als Spiegel der Liebe Jesu zu leben… den einzelnen zu sehen und in Liebe auf ihn einzugehen…

Eine letzte Frage: Was meinst du, was brauchen die Menschen unserer Stadt am meisten?
Unsere Liebe – und Gottes Liebe!

Danke, Henry für's Erzählen und für allen Einsatz bei uns! Viel Kraft und Segen für alle Herausforderungen!


Manuela Neubert

Manuela Neubert (45), lebt seit 21 Jahren in Freiberg. Sie ist mit Tobias verheiratet, hat 4 Kinder und arbeitet im Steinmetzbetrieb ihres Mannes. Sie leitet einen Hauskreis und gehört zum Gründungs- und Leitungsteam von Bakigo, dem Kindergottesdienst in der Jakobi-Christophorus-Gemeinde unter dem Motto „Bibel und Aktion“, in dem biblische Inhalte kreativ und altersgemäß vermittelt werden und die Mitarbeiter auch durch gemeinsames Basteln und Spiele eine persönliche Beziehung zu den Kindern aufbauen. 14-tägig treffen sich ca. 50 – 60 Kinder bei Bakigo.
Regina Reimann unterhielt sich mit ihr über Lebens- und Glaubenserfahrungen.

Manuela, du bist in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen. Wie hast du Jesus persönlich kennen gelernt?
Für mich sind es die Vorbilder im Glauben gewesen, ich habe viele Leute gehabt, die mir das vorgelebt haben. In erster Linie war das meine Großmutter und später Mitarbeiter in der Jugendarbeit, die wichtige Impulse für mein Leben gesetzt haben.
Ganz entscheidend war eine Mädchenrüstzeit, bei der ich mich dann auch getraut habe, eine Mitarbeiterin anzusprechen und in ihrer Begleitung mit Jesus persönlich anzufangen.

Jesus ist für Dich...
ein Freund, mit dem ich immer zu jeder Zeit reden kann.

Gibt es ein Bibelwort, das dir besonders viel bedeutet?
In letzter Zeit bedeuten mir die Worte aus 1. Korinther 13 sehr viel: Nun aber bleiben Glaube Hoffnung, Liebe, aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Hast du eine bestimmte Erfahrung mit diesem Text gemacht?
Ja ich denke, dass die Liebe wirklich das Wichtigste ist, weil ich nur so eine gute Beziehung mit Gott und meinen Mitmenschen leben kann. Es ist immer ein großes Stück Arbeit, denn es heißt immer wieder zu Gott hingehen und zu anderen. Jeden Tag neu anzufangen und immer wieder zu vergeben. Verletzungen und Enttäuschungen bleiben ja im Familien- und Arbeitsalltag nicht aus. Da hat es mir oft geholfen, diese Menschen, mit denen ich nicht reden konnte, zu segnen. Wenn wir Gott und unsere Mitmenschen nicht lieben, ist es uns auch egal, ob sie zu Jesus gehören. Nur die Liebe schafft es, dass die andern uns wirklich wichtig sind.

Kannst du uns was von dem erzählen, welche Auswirkung der Glaube an Gott in deinem Leben hat?
Es gibt manche Situationen, in denen ich ein „aha-Erlebnis“ habe, wo ich, nachdem ich Stille hatte – z.B. bei einem Spaziergang, bei dem ich mit Gott rede – dann merke: Gott ist da. Besonders im Rückblick kann ich sagen: Gott hat uns durch schwierige Zeiten durchgetragen, auch als Familie, es gab Lösungen, die wir uns nicht ausdenken konnten, die sich einfach ergeben haben. Wir haben da gemerkt: das war Gottes Handeln.
Ich habe z.B. ganz intensiv für meinen Sohn gebetet, der mit seinem Musiklehrer nicht klar kam. Mein Sohn wollte nicht mehr hingehen und der Musiklehrer hielt ihn für aufmüpfig. Seit ich intensiv dafür bete, hat sich die Sache entspannt.

Gibt es Zeiten, wo das nicht so klar ist, dass Gott da ist?
Ja! In Zeiten, wo man Leid mitbekommt, wo man sich fragt, warum müssen das Menschen mitmachen, wo ich manche Situation nicht begreifen kann, und wo ich selber vielleicht in einem Tal stecke.

Wie gehst du mit solchen Situationen dann um?
Unterschiedlich – auch wieder im Gebet, dass ich’s Gott sage oder auch dass ich mit anderen darüber rede. Wir haben auch in unserem Hauskreis ein offenes Verhältnis, wo wir Zweifel und Fragen anbringen können.

Du bist nach deinen eigenen Worten beratende, mithelfende und mitleitende Ehefrau im Steinmetzbetrieb deines Mannes. Wie siehst du deine Rolle als Christin in der Geschäftswelt? Hat die Beziehung zu Gott Auswirkung in diesen Bereich?
Ich versuche, den Part auszufüllen, der in die soziale Richtung geht. Ich versuche auch, mich um die persönlichen Belange unserer Mitarbeiter zu kümmern, dass es auch menschlich zugeht. Manchmal reibe ich mich da auch auf - bei den vielen unterschiedlichen Charakteren.
Ich denke auch, es sind nicht nur die Worte… Die Hauptsache ist, dass wir authentisch, also echt, leben.

Wie gehst du mit der zeitlichen Herausforderung zwischen Beruf, Familie und Ehrenamt um?
Sehr unterschiedlich. Es gibt Zeiten, da komme ich sehr gut damit klar. Ich habe jetzt auch ganz bewusst meine Arbeitszeit festgelegt. Aber es gibt Zeiten, da merke ich, dass bestimmte Bereiche zu kurz kommen. Insbesondere, wenn ich merke, dass meine Kinder zu kurz kommen, belastet mich das. Aber gerade in diesen Zeiten muss ich nach neuen Wegen suchen und das bringt mich manchmal auch persönlich weiter. Ich muss dann suchen, ob ich manche Dinge abgeben kann. So habe ich z.B. ganz bewusst mit dem Chor aufgehört. Obwohl ich sehr gerne mitgesungen habe.
Ich habe gelernt, wenn ich was Neues beginne, vorher zu überlegen, womit ich dann aufhöre, damit es gelingt. Das ist immer noch ein Lernprozess.

Bleibt da noch Zeit für dich, für persönliche Stille mit Gott?
Das muss ich mir auch hart erkämpfen. Wenn ich´s früh nicht schaffe, wird´s meistens nicht mehr. Ich habe eine halbe Stunde, nachdem die Kinder aus dem Haus sind und bevor ich auf Arbeit gehe. Aber ich muss mir das richtig fest vornehmen, sonst gelingt es nicht. Oder manchmal gehe ich abends ganz bewusst eine halbe Stunde für mich alleine laufen.

Du hast bei der Entwicklung des Konzepts für Bakigo federführend mitgearbeitet, hast Bakigo mit aufgebaut und bist von Anfang als verantwortliche Mitarbeiterin dabei. Was hat dich dabei motiviert? Wieso war dir das wichtig?
Kinder sind mir schon immer sehr wichtig gewesen. Natürlich zuerst meine eigenen. Mir ist wichtig, dass Kinder Jesus lieb gewinnen und nicht in die Kirche gedrängt werden.
Es war zum großen Teil auch die Unzufriedenheit mit der damaligen Situation des Kindergottesdienstes in Jakobi, wo meistens die Mitarbeiter mit ihren eigenen Kindern Kindergottesdienst hielten, die uns nach neuen Wegen suchen ließ.

Was willst du deinen Kindern und den Kindern von Bakigo fürs Leben mitgeben?
Dass man sein Lebenshaus auf einen Felsen bauen muss bei all der Unberechenbarkeit des Lebens, und dass dieser Fels Gott ist. Und dass es wichtig ist, zu verstehen, dass man dieses Fundament und diesen Halt im Leben braucht, um gut durchs Leben zu kommen.

Wenn Du nur noch kurze Zeit zu leben hättest...?
Würde ich bestimmt viele Kontakte intensiver pflegen, würde versuchen, manch einem noch was mit auf den Weg zu geben. Vielleicht auch in der Familie oder in Freundschaften die Zeit noch richtig ausnutzen, um in Ordnung zu bringen, was nicht in Ordnung ist.
Ich würde aber sicher auch noch was Verrücktes machen, oder was Schönes.

Zum Beispiel?
Auf eine schöne Insel, z.B. die Malediven, fahren und dort so richtig Südsee mit Palmen und Sandstrand genießen.

Was würdest du, wenn du die Möglichkeit dazu hättest, gern in unserer Gemeinde verändern?
Ich hätte gerne, dass wir noch mehr an den Leuten dran sind. Dinge machen, die uns selber gut tun, und wo man Leute mitbringen kann. Z.B. gemeinsam Sport machen. Einfach auch was, wo ich Leute vielleicht gut erreichen und über aktuelle Themen sprechen kann. Außerdem wünsche ich mir mehr Kontakte in Gemeinde, wo man sich kennen lernen und auch unterschiedliche Ansichten austauschen kann, um miteinander als Gemeinde vorwärts zu gehen.

Vielen Dank, Manuela, für so viel Offenheit! Ich wünsche Dir, dass Du weiterhin ganz vielen Menschen zum Segen wirst.


Sarah Emrich

Sarah Emrich ist manchen sicher schon als Kind aus unserer Gemeinde bekannt. Inzwischen ist sie 21 Jahre jung, im 3. Ausbildungsjahr zur Ergotherapeutin, Mitarbeiterin in der Jungen Gemeinde (JG) und verantwortlich für den Jugendhauskreis. Wenn’s um Gott und Glaube geht spürt man ihr die Begeisterung einfach ab – weshalb sie auch lieber mit dem Leser oder der Leserin persönlich ins Gespräch kommen würde.
Gundula Rudloff sprach mit ihr.

Sarah, warum glaubst du eigentlich an Gott?
Sarah Emrich: Weil ich ihn schon oft erlebt habe. Ich habe gemerkt: man ist nicht automatisch Christ, wenn man – wie ich - christlich aufwächst. Ich würde meine Entwicklung etwa so beschreiben: zunächst habe ich Gott nie hinterfragt, ich hatte dann so etwas wie einen Kinderglauben; als Teenie hatte das nicht so viel mit mir persönlich zu tun, es gab auch verschiedene Zweifel, ich hab angefangen, alles zu hinterfragen; nach der Konfirmation kam dann eine „lasche Phase“. Richtig mit Gott wieder angefangen hab ich auf einer Silvesterrüstzeit. Da habe ich Gott das erste Mal richtig gespürt und dann ging es richtig vorwärts. Es war in einer Anbetungszeit. Da wusste ich plötzlich nicht nur im Kopf, dass es ihn gibt, sondern dass ich seine Gegenwart erleben kann. Das kann ich schlecht erklären, aber es war einfach klar: das kann nur Gott sein. Ich war davon viel mehr berührt als von Gebetserhörungen, die ich auch kannte, die man aber meist auch anders erklären kann….

Was hat dir am meisten im Glauben geholfen oder dich vorangebracht?
Sarah Emrich: Sehr hilfreich ist, dass meine Eltern Vorbilder sind. Wie sie Ehe und Familie leben, wie sie Gott vertrauen… da waren viele Gespräche und das alles hat mich sehr geprägt. Dann waren Rüstzeiten wichtig (im Rahmen der Kirchenwochenarbeit), besonders, seitdem ich als Mitarbeiterin dabei war; da ging es mehr in die Tiefe und ich wurde mehr herausgefordert.

Du hast auch eine „Jüngerschaftsschule“ mitgemacht. Erzähl mal, was das war….
Sarah Emrich: Das war vor 3 Jahren und hat mich sehr voran gebracht und war wichtig für mein geistliches Fundament. Ein Jahr lang haben wir uns ein Wochenende im Monat getroffen. Zu der Zeit gehörte das regelmäßige Bibellesen (nach Plan), Bibelstellen auswendig lernen, ein Gebetstagebuch führen (also Gebetsanliegen aufschreiben und aufmerksam sein für das, was Gott tut), regelmäßiger Gottesdienstbesuch mit Mitschriften bei den Predigten. Wir hatten alle einen Mentor für persönliche Gespräche und sollten auch eine Freundschaft mit jemandem pflegen, der nicht Christ ist. Das war richtig streng, aber auch eine Zeit, in der wir Themen sehr intensiv behandelt haben. Wir waren auch draußen unterwegs, haben auf dem Marktplatz Lieder gesungen. Und richtig krasse Typen waren dabei, alle wollten echt was von Gott…

Und ist das jetzt nur noch schöne Erinnerung oder mehr?
Sarah Emrich: Ja, es ist mehr. Die Beziehung zu Gott ist besser geworden, intensiver. Ich weiß viel tiefer: Er liebt mich, ich habe Lust auf mehr, Sehnsucht nach mehr….

Hast du dafür Vorbilder?
Sarah Emrich: Zum Beispiel Noah: wie der angepackt hat auf Gottes Wort hin oder Abraham, wie er vertraut hat, obwohl er seinen einzigen Sohn opfern sollte oder David: er hat viele Fehler gemacht, aber er war aufrichtig vor Gott und kam mit seinen Fehlern zu ihm.

Hast du auch Frauen als Vorbilder?
Sarah Emrich: Naja, ich will ja gar nicht genauso sein wie andere… aber bestimmte Eigenschaften beeindrucken mich, zum Beispiel bei Maria, dass sie Jesus so gut zuhören konnte. Aber eigentlich habe ich nicht ein großes Vorbild… Aber was mir noch einfällt: mein Vater ist mir ein großes Vorbild!

Welche Zukunftspläne hast du eigentlich für dein Leben?
Sarah Emrich: Ich will erstmal meine Ausbildung zuende machen; dann im Beruf arbeiten; einen tollen Mann finden oder besser: der mich. Heiraten, ein paar Kinder haben und am besten wäre natürlich: Jesus kommt wieder, bevor meine Eltern oder irgendjemand anders, der mir sehr wichtig ist, sterben. Insgesamt wünsche ich mir, dass sich nicht zu viel um den Beruf dreht und um Leistung.

Möchtest du durch deinen Beruf den Glauben an Gott weitergeben?
Sarah Emrich: Ja, in Einzeltherapien ergibt sich das auch, aber ich habe auch schon einen „Dämpfer“ gekriegt: man sollte religiös neutral sein. Aber ich kann auch viel dadurch weiter geben, wie ich bin und lebe. „Sie sind ein Glücksbringer für mich“, hat mir mal jemand gesagt. Ich hab das Glück, eine ausgeglichene Person zu sein; das hilft vielen, gerade in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, wo ich gerade bin…

Und du empfindest es so, dass Gott dir dieses Wesen schenkt….
Sarah Emrich: Ja: es wird gut, es liegt in Gottes Hand – das strahle ich offensichtlich für viele Menschen aus; und das kann ich nicht von mir aus.

Was motiviert dich eigentlich zur Mitarbeit in der JG? Was ist dir dabei das wichtigste?
Sarah Emrich: Ich finde am wichtigsten, dass Beziehungen gelebt werden; dass es mehr ist als Kommen und Spaß haben. Ich wünsche mir mehr Miteinander durch Gebet füreinander. Und ich finde das Mentoring-Prinzip ganz wichtig: dass jemand älteres für jemand jüngeres da ist. Das wäre überhaupt auch in Gemeinde gut; man überdenkt mehr das Leben… Für die nächsten Winterferien planen wir eine Rüstzeit mit Frank Herter in Hermannsdorf; die Vorbereitungen für ein tolles Thema laufen und bis Weihnachten machen wir ganz coole Sachen, zum Beispiel einen „Rotlichtabend“ mit Übernachtung – da geht es um Freundschaft, Liebe, Sexualität oder einen Mädels-Jungs-Abend (also getrennt). Außer-dem beschäftigen wir uns mit den Lebensmaßstäben, die Sabine Ball (ehemalige Multimillionärin, die in Dresden das soziale Projekt „Stoffwechsel“ gründete) formuliert hat, z. B.: „Vision und Realität schließen sich nicht aus!“

Das Miteinander der Generationen in Gemeinde ist dir sehr wichtig – warum?
Sarah Emrich: Weil Gott sich was dabei gedacht hat. In der Familie sind auch verschiedene Generationen… Ich würde mir wünschen, dass wir einander mehr wertschätzen. Ich würde gern mit Älteren ins Gespräch kommen, aber mir fehlt der Ansatz, wie ich ein Gespräch beginnen könnte….

Also: du würdest dir wünschen, dass Ältere dich mal ansprechen?
Sarah Emrich: Ja! Und ich wünsche mir, dass es nicht nur oberflächlich bleibt, dass wir uns wirklich füreinander interessieren….

Hast du noch andere Wünsche für Gemeinde?
Sarah Emrich: Ja, dass jeder den anderen wichtig findet.
Und dann wünsch ich mir mehr Beteiligung der Jüngeren am Kirchenkaffee, denn sonst kommt man sich manchmal als jüngerer Mensch blöd vor…

Du sagst: nach dem Gottesdienst… das heißt: für dich ist Gottesdienst wichtig?
Sarah Emrich: Ja, weil man Leute trifft, die man sonst nicht trifft. Ich finde auch immer toll, wenn Leute im Gottesdienst was Persönliches einbringen.

Gab es in der letzten Zeit etwas, was dich richtig begeistert hat?
Sarah Emrich: Ja, das schöne Herbstwetter. Bei der Arbeit kann ich manchmal ne Runde rausgehen. Natur erleben ist für mich: Gott hautnah. Er hat alles so kreativ und liebevoll gemacht – das gibt mit immer wieder neuen Schwung!

Und was hat dich sehr geärgert?
Sarah Emrich: Von meinem Mentor in der Ausbildung war ich oft sehr genervt; ich hatte das Gefühl, wir reden aneinander vorbei, als wenn wir verschiedenen Sprachen sprechen. Wir haben mal in unserem Hauskreis zusammen für ihn gebetet und danach hat Gott ein richtig gutes Gespräch geschenkt!

Erzähl mal was vom Jugend-Hauskreis!
Sarah Emrich: Wir Ältere aus der JG haben ihn gegründet, weil wir mehr in die Tiefe wollten. Es gibt dort Höhen und Tiefen, ein Problem ist gerade, dass Leute weggehen, wir sind gerade nicht viele…

Was ist deine Hauptaufgabe als Leiterin dieses Hauskreises?
Sarah Emrich: Mir ist es wichtig, darauf zu achten, dass eine Struktur da ist, dass es vorwärts geht…und andere zu motivieren, was von sich persönlich reinzugeben.

Hast du einen Wunsch an Gott?
Sarah Emrich: Ja, ich will ihn besser kennen lernen, durch mehr Zeit zum Bibellesen, aber auch einfach so im Alltag; ich wünsche mir, überall mit ihm zusammen zu sein und nicht nur zu beten: bitte mach… oder danke für…., sondern so zu leben, als wenn er neben mir sitzt. Mir fällt es schwer, Bibelstellen auswendig zu lernen, aber ich glaube, die Chance davon ist, dass ich Gott eben hören muss. Das erlebe ich so, dass er mich an Worte erinnert - zum Beispiel auch durch Lobpreislieder - so dass ich weiß: er meint mich.

Danke für das Gespräch und für die Anregungen, die vielleicht noch vielen wichtig werden!


Michael Gietzelt

Mit Michael Gietzelt (52) kommt hier ein Kirchenvorsteher zu Wort, der bereits etwa 13-jährige Gemeindeleitungs-Erfahrung hat, 25-jährige Ehe-Erfahrung mit Sylvia, mit der er zwei Kinder hat, knapp 30-jährige Hauskreiserfahrung und noch längere Berufserfahrung als Installateur, oft unterwegs auf Montage. Stets einsatzbereit und kompetent, nicht nur, wenn es um Reparaturen oder diverse Installationen in Kirchen oder Gemeindehäusern geht, sondern auch, wenn es um Gottesdienst und die Aufgaben als Kirchner geht, könnte man meinen, der gebürtige Freiberger sei bereits in die Kirchgemeinde hineingeboren. Aber das ist keineswegs so. Denn Michael Gietzelt war schon erwachsen, als er sich konfirmieren ließ. Gundula Rudloff unterhielt sich mit ihm über Lebens- und Glaubenserfahrungen.

Erzähl doch mal, wie das kam, dass du dich als Erwachsener für Kirche interessiert hast – und das 1983, also als es durchaus nicht Mode war…
Michael Gietzelt: Ich bin durch Kletterfreunde dazu gekommen; die waren in einem Hauskreis. Ich war offen, auf der Suche. So habe ich zur Kirche gefunden und mich konfirmieren lassen. Stück für Stück bin ich dann reingewachsen…

Aber beim Klettern bist du auch geblieben – bis heute….
Michael Gietzelt: Ursprünglich wollte ich mal Fallschirmspringer werden. Durch Bücher bin ich auf’s Klettern gekommen. Ich mache das aber heute nicht mehr oft, aber wenn, dann in der Sächsischen Schweiz.

Viel öfter läufst du…
Michael Gietzelt: Ja, das Laufen war am Anfang das Training für das Klettern. Das hat sich dann für mich verselbständigt. Eine besondere Vorliebe habe ich für Landschaftsläufe, die richtig lang sind.

Was war dein längster Lauf?
Michael Gietzelt: Fast jedes Jahr mache ich den Rennsteiglauf mit, 73 km. Heute brauche ich etwa achteinhalb Stunden dafür (früher war ich schneller), aber es ist mir immer ein großer Ansporn, auf diese Weise die Schöpfung zu erleben.

Ist der Sport dafür verantwortlich, dass ich (und ich wüsste nicht, wem es anders ginge) dich nur ausgeglichen und freundlich kenne? Gibt es das überhaupt, dass du mal unausgeglichen oder hektisch bist?
Michael Gietzelt: Ja, zwischen Aufstehen und zur Arbeit gehen.

Was hat dich in der letzten Zeit am meisten geärgert und am meisten gefreut?
Michael Gietzelt: Am meisten gefreut hat mich, dass Sylvia sich so gut von der Krankheit erholt hat und am meisten geärgert….. ich hätte gern mehr Zeit für Familie und Gemeinde, aber die Arbeitsbelastung ist oft so groß…

Was ist für dich das Wesentliche am Leben einer Kirchgemeinde?
Michael Gietzelt: Die Gemeinschaft untereinander und mit Jesus. Das Besondere ist der gemeinsame Halt, die gemeinsame Mitte. Wer nur so selten kommt, kann das gar nicht erleben, was Gemeinde eigentlich geben kann: zusammen was mit Gott erleben…

Wo denkst du, liegen unsere Stärken als Jakobi-Christophorus-Gemeinde und was sollten wir unbedingt weiter entwickeln?
Michael Gietzelt: Ich finde, es ist uns bisher gelungen, viele zu mobilisieren, ehrenamtlich mitzutun; gleichzeitig ist genau das weiter zu entwickeln, weil es noch zu wenige sind. Ansonsten sollten wir nicht aus dem Blick verlieren, dass es Zeit braucht, einander kennen zu lernen – auch aus den verschiedenen Gemeindeteilen. Nur so kann es zum besseren Miteinander kommen. Wir müssen mehr miteinander reden und ich wünsche mir mehr Kommunikation zwischen dem Kirchenvorstand und den Gemeindegliedern – in beide Richtungen!

Aus welchen Lebenserfahrungen hast du am meisten gelernt?
Michael Gietzelt: Da fällt mir sofort das Klettern ein. Das wichtigste dabei ist, sich aufeinander verlassen zu können; anders würde das am Seil nicht gehen. Das hat mich in der Hinsicht geprägt, dass ich mich bemühe, verlässlich zu sein. Und wenn ich insgesamt an Sport denke: man lernt seine Grenzen kennen; wie weit man gehen kann, ohne sich zu überfordern. Darauf lerne ich, auch mal Nein sagen zu können.

Hast du Vorbilder?
Michael Gietzelt: Keine bestimmten Namen, aber Personen, die Großes leisten und dabei bescheiden bleiben.

Leben mit Gott im Alltag – wie sieht das bei dir aus? Macht es im Alltag einen Unterschied, dass du Christ bist?
Michael Gietzelt: Ich versuche, Gott überall mit einzubeziehen. Ich bete zum Beispiel für unfall- und staufreie Fahrten. Ich bete dafür, dass ich mit den vielen unterschiedlichen Menschen, mit denen ich zu tun habe, klar komme. Das ist nämlich manchmal gar nicht so einfach, wenn die Leute bei der Arbeit hinter mir stehen und zugucken und womöglich noch ein Gespräch anfangen wollen, wenn ich mit der Installation beschäftigt bin und mir Zahlen merken muss, weil ich gerade etwas abmesse… Aber ich mache immer wieder die Erfahrung: ich kann mit den Leuten zurechtkommen.
Gott überall mit einzubeziehen, heißt für mich: Gott nicht nur Tisch- und Gutenacht-Gebete und für den Sonntag, sondern überall mit ihm zusammen sein. Ich merke, dass es nicht gut ist, Dinge ohne Gott anzupacken; dann zermartere ich mir den Kopf, dabei fällt mir im Gebet manchmal ganz schnell eine Lösung ein.

Gibt es einen Bibelvers, der dir besonders viel bedeutet?
Michael Gietzelt: Ja, mein Konfirmationsspruch: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.“ (1. Samuel 16,7) Das heißt für mich: auch wenn wir Menschen beurteilen, sollten wir sie niemals verurteilen, weil wir das Herz ja nicht sehen. Außerdem: wir sollten Gott in unser Herz schauen lassen, ihn ins Herz reinlassen, das Herz von Gott reinigen lassen. In letzter Zeit ist mir beim Lesen der Apostelgeschichte ein Satz besonders wichtig geworden. Da heißt es irgendwo von der Ausstrahlung der ersten Gemeinde: „Jeder spürte, dass hier Gott am Werk ist.“ Meine Sehnsucht ist, dass die Leute das von unserer Gemeinde sagen könnten! Damit beginnt Erweckung – so war’s in der Urgemeinde.

Wenn diese Gemeindeaktuell-Ausgabe raus ist, hast du gerade deine Silberhochzeit hinter dir. 25 Jahre zusammen – das ist ja heute alles andere als eine Selbst-
verständlichkeit. Was ist dein Tipp für gelingende Ehe?

Michael Gietzelt: Zunächst: ich hab mir Zeit gelassen mit dem Heiraten; das konnte ich auch, weil ich viele gute Freunde hatte und Hobbys, die mich auch ausgefüllt haben. Ich hab mich allein nie gelangweilt. Dann kam irgendwann das Gefühl: das ist die Frau, die für mich bestimmt ist. Ehe und Familie möchte ich nicht missen; das ist ein großer Halt. Wir sind nicht immer einer Meinung; aber viel wichtiger ist: ein Zuhause zu haben. Ich bin sehr dankbar; ich kann mir gar nichts anderes vorstellen….!
Ärgerlich finde ich, dass das Ehe- und Familienbild in unserer Gesellschaft so verschwimmt – zum Beispiel durch die Diskussion über die Kinderadoption für homosexuelle Paare. Die Kirche sollte da klare Worte finden und ein „Stachel“ sein, auch wenn es vielen nicht gefällt. Aber das ist die Bestimmung der Kirche.

Danke, Michael, für das Gespräch und für alle Klarheit und Hingabe im Dienst für das Reich Gottes hier in Freiberg!


Iris Mayer

Iris Mayer (43), aufgewachsen in Schwäbisch Hall, lebt jetzt seit 15 Jahren in Freiberg. Sie ist mit Gerd verheiratet, hat 4 Kinder und gehört seit der Einführung des neuen Kirchenvorstandes zum Gemeindeleitungsteam dazu. Über das, wofür ihr Herz schlägt, unterhielt sich Gundula Rudloff mit ihr.

Iris, vor 15 Jahren war sicher kaum absehbar, wie lange ihr hier sein würdet. Was gefällt dir so gut an Freiberg?
Iris Mayer: Ich fühle mich hier einfach sehr wohl. Ich glaube auch, dass die Mentalität der Sachsen sehr gut zu Süddeutschen passt. Schon bei der Wohnungssuche damals ist uns ganz viel Freundlichkeit und Herzlichkeit entgegengekommen, das hat mich begeistert. Aber auch die Stadt, die Gebäude... Weil ich am Anfang mit zwei kleinen Kindern den ganzen Tag allein zu Hause war, habe ich über die Freie Presse zu einer Spiel- und Krabbelgruppe eingeladen. Viele sind gekommen und aus der Zeit habe ich bis heute wertvolle Freundschaften. Für mich war das etwas wie eine „Selbstfindungszeit" und ich habe gemerkt, dass ich mich bald mehr mit den Leuten hier identifizieren konnte als woanders. Ich habe auch empfunden, dass hier viele Menschen geistlich offen, nicht so festgelegt sind und dass kirchlich nicht so viel hohler Traditionalismus da ist, sondern mehr echte Überzeugung. Mein Vater sagte damals schon: da ist die Zukunft!

Du hast als Erzieherin in verschiedenen Kindergärten gearbeitet, lange Jahre ehrenamtlich und dann 7 Jahre bis letztes Jahr mit einer Anstellung in der Kinder- und Jugendarbeit des überkonfessionellen Vereins „Marburger Kreis". Der Jugendgottesdienst „Promise" ist seit Jahren ohne dich nicht denkbar. Außerdem hast du nicht nur 4 Kinder, sondern engagierst dich zur Zeit auch als Tagesmutter für Kleinkinder und hast vor, ein Pflegekind in eure Familie aufzunehmen. Warum liegen dir Kinder und junge Leute so sehr am Herzen?
Iris Mayer: Als ich 11 Jahre alt war, war ich der Babysitter unserer Straße... Aber ich könnte gar nicht sagen, welche Altersgruppe mir die liebste ist. Ich finde, es ist in jeder Altersgruppe spannend zu sehen, was da für eine Persönlichkeit vor mir steht. Was ich an Jugendlichen spannend finde, ist die Art und Weise, wie sie mir Gegenüber sind. Mir ist immer wichtig, sie ernst zu nehmen und als vollwertig anzusehen. Ich möchte ihnen Hilfestellung geben, damit sie glaubwürdige Vorbilder finden und den Prozess der Persönlichkeitsfindung begleiten. Manchmal fällt es mir schwer, loslassen zu können, gerade wo sie anders sind. Was ich nie wollte oder geplant habe, aber was sich einfach ergeben hat, weil ich auch angefragt wurde ist, dass ich bei jedem unserer Kinder eine Krabbelgruppe angefangen habe. Dadurch sind auch ganz viele Elternkontakte entstanden... Durch alles hindurch merke ich: da ist meine Berufung, in dieser Aufgabe fühle ich mich richtig; so geht es mir auch mit dem Ort Freiberg: hier ist mein Platz.

Wie hast du hier in christlicher Gemeinde Fuß gefasst?
Iris Mayer: Ich habe Kinderangebote ausprobiert und einfach in verschiedenen Gemeinden „geschnuppert"; wir haben auch Gottesdienste gesucht, wo Kinder nicht Störfaktor sind.... Jetzt kann ich ehrlich sagen: Ich habe das Gefühl, hier in Gemeinde zu Hause, eingewurzelt zu sein.

Der ganze Bereich Ehe - Familie -Erziehung liegt dir am Herzen, weshalb du dich ja auch in den Erziehungsseminaren unserer Gemeinde einbringst. Wie macht man Leuten eigentlich Mut zu Kindern?
Iris Mayer: Ich kann nur sagen: es ist so ein Glück, Kinder aufwachsen zu sehen, das ist eine Bereicherung für's Leben; außerdem auch eine extreme Lebensschulung. Es ist einfach das größte Glück und die größte Herausforderung!

Was würdest du als größte Erziehungs-Herausforderung beschreiben?
Iris Mayer: Das Kind als eigenständige Persönlichkeit zu achten. Das Wechselspiel zwischen Freiheit und klaren Regeln erfordert viel Fingerspitzengefühl. Und wo siehst du die größte Not von Familie und wie sollte man ihr begegnen? Die größte Herausforderung sehe ich im Zeitfaktor. Oft ist die wirtschaftliche Notwendigkeit der Arbeit für beide da, aber dadurch wird ein harmonisches Miteinander erschwert und zu viele Zwänge und Anforderungen belasten das Familienleben. Familienpolitik müsste nicht nur wirtschaftlichen, sondern viel mehr familiäre Gesichtspunkte beachten und die Aufgabe der Erziehung der eigenen Kinder würdigen.

Eine ganz persönliche Frage: wie bist du zum Glauben gekommen?
Iris Mayer: Ich bin getauft und konfirmiert worden. Ich hatte immer gehofft, dass einer mir sagt, wie man Glauben lebt. Irgendwann war ich richtig frustriert, dass ich nicht wusste, was Glauben und Leben miteinander zu tun hat... Ich habe gebetet: Herr, es muss doch mehr möglich sein. Mit 18 war ich auf einem Seminar, wo ich zum ersten Mal gehört habe, dass man Gott sein Leben anvertrauen kann und dazu viele praktische Punkte: wie man Gottes Stimme wahrnimmt, stille Zeit machen und Bibel lesen kann... Das war für mich ein Durchbruch. Vor einem Zeugen habe ich eine Beichte abgelegt und Jesus mein Leben anvertraut - das war unglaublich befreiend. Ein Problem war nur, dass ich dadurch ins Kreuzfeuer meiner Familie geriet; die haben darin nur beengende Moral gesehen...

Es gibt ja viele Menschen, die Christsein nur als Moral verstehen. Was sagst du ihnen?
Iris Mayer: Dass ich mit Gott alle Möglichkeiten habe - in der sichtbaren und in der unsichtbaren Welt; und ich weiß: das Leben hier ist nicht das letzte...

Was hindert eigentlich viele Menschen daran, zum Glauben zu kommen?
Iris Mayer: Man gilt als dumm - und wer will das schon?! Christlicher Glaube wird oft mit Ideologie verwechselt. Ich finde, es müsste uns viel mehr gelingen, die Freiheit als Christ zu vermitteln, dass Gott nämlich unabhängiger macht z.B. von der gesellschaftlichen Stellung, weil allein Gott meinen Wert definiert. Seine Wertschätzung hängt nicht an meiner Leistung. Das wird so selten vermittelt. Christen sollten selbstverständlicher Wertschätzung vermitteln. Stell dir vor, du gewinnst eine Million... Damit würde ich unser Haus weiter ausbauen und sicherlich auch ein anderes Auto fahren. Aber vor allem würde ich mir eine Stiftung für Kinder und Jugendliche überlegen. - Geld macht nicht glücklicher... auch, wenn ich alles hätte - aber man muss Träume haben.

Zum Schluss: was würdest du, wenn du die Möglichkeit hättest -und dazu bist du ja auch im Kirchenvorstand - gern in Gemeinde verändern?
Iris Mayer: Ich bin Freund von unkonventionellen Formen, ich würde mehr experimentieren, gerade in Bezug auf unsere Gottesdienste. Ich wünsche mir auch mehr Vernetzung zwischen den Kindern vom Kindergottesdienst Bakigo und den Gottesdiensten in der Kirche.

Danke, Iris, für das Gespräch! Ich wünsche dir, dass du weiter ganz vielen Kindern und jungen Menschen zum Segen wirst!


Jutta Gutte

„Dass muss man einfach mal erlebt haben, und das Allerschönste war, dass ich zwei Reihen vor mir meinen Enkel sah".
Jutta Gutte (72) könnte eigentlich ihre Nerven schonen, aber ihre große Wachheit für geistliches Leben und Wirken lässt sie auch ProChrist live in Chemnitz nicht verpassen, wo sie sich mit einigen anderen aus unserer Kirchgemeinde unter die ca. 6000 Menschen in der Chemnitz-Arena mischt. In christliche Gemeinde und christliches Leben ist die gebürtige Freibergerin durch ihre Familie hineingewachsen. Und als besondere Vorbilder fallen ihr gleich die Großeltern ein, Menschen, die mit Jesus gelebt haben - und das durch schwere Zeiten und viel Leid hindurch bis ans Ende. Vor ca. 30 Jahren gehörte sie mal dem Kirchenvorstand an, unter Oertels hat sie im Chor mitgesungen; bis heute ist sie unter denen, die treu Gemeinde-aktuell austragen und helfen, das Kirchgeld einzuholen. Und: das Gebet ist für sie Dienst für die Gemeinde, mit zunehmendem Alter umso mehr, auch wenn sie gleichzeitig spürt, dass es viel zu wenig ist... Mit ihr sprach Gundula Rudloff.

Frau Gutte, ich kenne Sie als Menschen, der in die Mitte der Gemeinde gehört und Sie sind christlich aufgewachsen. Wie haben Sie Jesus persönlich kennen gelernt?
Frau Gutte: Ich habe Jesus erst in Zeiten kennen gelernt, die für mich persönlich sehr schlimm waren. Das hat für mich mit der Erfahrung des Heiligen Geistes zu tun. Das war, wie wenn in einem alten Schloss plötzlich die Türen aufgehen und Licht kommt rein. Die Folge war viel Buße und Seelsorge, ein langer Weg, auf dem ich bis heute bin. Es ist ein himmelweiter Unterschied, Kirche, kirchliches Leben u.s.w. zu kennen oder mit Jesus konfrontiert zu sein!

Durch das Wirken des Heiligen Geistes hat sich ihr Leben verändert. Können Sie das näher beschreiben?
Frau Gutte: Ich habe gemerkt: ohne Sündenerkenntnis und Buße - also Umkehr -geht gar nichts. Mir ist klar geworden: alles, was ich bin, bin ich nur durch Jesus Christus, meinen HERRN. Ab dem Zeitpunkt war mein Gebet: HERR, sag mir, wie ich dir dienen kann und hilf mir dich zu hören. Und ich habe erlebt, wie Gott sehr konkret in mein Leben hineinredet, z. B. bezüglich meines Berufes. Ich bin gelernte Uhrmacherin (hab auch mal in Glashütte gearbeitet) und plötzlich wusste ich: „Kretzschmarstift". Es war mir völlig egal, wo und wie ich in dieser diakonischen Einrichtung für geistig Behinderte eingesetzt werden würde. Nur zwei Bedingungen hatte ich: dass ich nicht im Kalten stehen muss (aus gesundheitlichen Gründen) und dass ich in der Erntezeit Urlaub machen kann, weil ich ein großes Gartengrundstück hatte - und habe. Daraus sind dann 30 Jahre geworden, bis zur Rente. Und wenn ich nicht sicher gewusst hätte: HERR, du hast mich hier hingeschickt - dann wäre mir die Arbeit dort vielleicht zu schwer geworden. Aber so kann ich im Rückblick sagen: es war eine gute Zeit.

Auf Ihren Garten muss ich noch mal zurückkommen. Leider (!) habe ich ihn immer noch nicht aufgesucht, aber mit seinen Blumen haben Sie schon vielfach Gemeinde erfreut und mit Obst und Gemüse auch unserer Familie schon so manches Mal viel Freude gemacht. Woher kommt eigentlich Ihre große Liebe zum Garten, ihre Freude und Begeisterung an der Schöpfung?
Frau Gutte: Seit 51 Jahren gehört das Grundstück nun mir. Es ist eine Oase mit all den Blumen und Früchten, die ich von April bis Herbst ernten kann... Ich habe Gott schon gesagt, dass ich mein Herz nicht dran hängen will... aber ich lebe dort. Immer, wenn ich wieder von dort nach Hause gehe - und ich bin jeden Tag dort, um die Katze zu versorgen - sage ich: Herr, es ist dein Ort; und alles, was ich dort machen will, berede ich vorher mit ihm.

Gibt es ein Bibelwort, das Ihnen besonders viel bedeutet?
Frau Gutte: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin" (1. Korinther 15,10) - nichts ist aus mir selber, alles ist Geschenk, jeder neue Tag.... Wenn ich an Gottes Wort denke, ist mir folgendes noch besonders wichtig: zuerst das Blut Jesu: es hat alles erlöst, den Satan besiegt, ist große Kraft gegen alles Böse....

Das ist für Sie die Zusammenfassung für das Heil, das wir durch Jesus haben?
Frau Gutte: Ja! Und es ist für mich Inbegriff für das Herrschaftsgebiet Jesu. Darum spreche ich das mehrmals täglich aus. Überhaupt ist es mir wichtig, das Wort Gottes laut auszusprechen, auch Worte Jesu wie: „Der Sohn Gottes ist erschienen, um die Werke des Teufels zu zerstören." (1. Johannes 3,8) oder einfach die Aufforderung: „Steh auf!" die mehrfach nach Heilungsgeschichten vorkommt.

Was genau bedeutet das für Sie?
Frau Gutte: Vertrauen; tun, was Jesus sagt, ohne selbst zu überlegen, ob ich das wohl kann....

Verbringen Sie im Alltag extra Zeiten mit Gott?
Frau Gutte: Ja, das sind bestimmte Zeiten, da setzte ich mich hin, mindestens eine Stunde. Zuerst bitte ich den Heiligen Geist, dass er mich an Jesu Herz führt und in die Arme des himmlischen Vaters. Und dann bete ich alles hinein in diese offenen Arme. Zwischendurch lese ich in der Bibel. Zuletzt befehle ich Gott den Tag an mit all den konkreten Anliegen... Und dann merke ich oft: der Heilige Geist führt ja und abends kann ich sagen: HERR, du hast das und das und das... getan. - Diese besonderen Zeiten mit Gott sind Zeiten, wo ich mich selbst los bin, da spüre ich keine Schmerzen oder Sorgen...

Erzählen Sie doch mal von einem besonderen Erlebnis mit Gott!
Frau Gutte: Da war ich ein kleines Mädchen, vielleicht fünf Jahre alt, da habe ich ein Wunder erlebt, das ich heute noch weiß. Der Glaube an Gott war irgendwie in mir da. Jedenfalls wurde ich von meinen Eltern geschickt, einen Korb mit roten Johannisbeeren zu den Großeltern auf die Humboldtstraße zu bringen. Es war Sonntag. Ich hatte ein weißes Kleid an- und der Korb war so schwer! Ich habe ihn an den Körper gedrückt, um es zu schaffen und beim Nachhausegehen sah ich dann die vielen Flecken, alles rot auf dem weißen Kleid. Und in der großen Angst vor meiner Mutter habe ich mich an Gott gewandt. Irgendwie gelang es dann, zu Hause das Kleid unbemerkt zu wechseln. Ich habe es ins Wasser getaucht und rausgezogen - und das Kleid war weiß, vollständig sauber. Ich wusste als Kind: Das hast du gemacht, Gott! Und dann waren da die Wunder am Kriegsende... Dass mein Vater die Bombenhölle von Dresden überlebt hat und dass er nach Hause kam am Hochzeitstag meiner Eltern. Niemand konnte das wissen, aber meine Mutter hat uns Kindern gesagt: er kommt. Und so war es.....

Haben Sie eine brennende Frage an Gott?
Frau Gutte: Ja! Wer wird mein Gartengrundstück bekommen und: wo soll ich hin, wie soll es werden, wenn ich nicht mehr so kann wie bisher?

Haben Sie Angst vor dem Altern und Sterben?
Frau Gutte: Nein! Ein Leben mit Gott macht da einen Riesen-Unterschied. Wenn ich sterbe, dann kommt ja das, was danach kommt... Dann ist doch nicht Feierabend, dann geht's doch erst los....!

Haben Sie einen Wunsch für uns als Jakobi-Christophorus-Gemeinde?
Frau Gutte: Ja! Das hab ich mir sogar schon aufgeschrieben! (nimmt eine beschriebene Karte aus ihrer Bibel und liest vor) Ich wünsche einen Kirchenvorstand, der geschlossen im Gebet vor dem HERRN steht und seine Weisungen von ihm und aus seinem Wort empfängt, damit der Heilige Geist wirken kann zum Bau des Reiches Gottes. Und: dass gerade junge Leute lernen, mit dem Wort Gottes zu leben, denn mit seinem Wort kommt der Heilige Geist! Deshalb will ich jungen Leuten sagen: lest die Bibel, sucht Gott, „kauft die Zeit aus" (Kolosser 4,5), verschwendet sie nicht an Sinnloses (z.B. zu viel Fernsehen). Ich weiß, dass oft so viel Arbeit im Weg zu stehen scheint... An Arbeit hat es mir in jungen Jahren auch nicht gemangelt. Aber ich habe sehr viele Kassetten mit christlicher Botschaft gehört (und heute gibt es ja noch sehr viel mehr und bessere Medien). Und es gibt so viele Möglichkeiten, das Wort Gottes auch bei der Arbeit oder beim Essen oder beim Unterwegssein... zu hören. Das Wort Gottes hilft, von sich selbst weg und zu Gott hin zu finden, es hilft, Not und Schmerzen zu lösen. Wo kommt denn Hilfe her? Sie ist doch nirgendwo anders zu finden. Als Christ zu leben, bedeutet ja nicht, in keine Krisen zu kommen, aber in Krisen die richtige Adresse zu haben. Also: lebt jetzt mit Gott! Später wird das alles viel schwieriger, wenn die Augen alt sind und man nicht mehr richtig sehen kann, wenn die Ohren alt sind und man nicht mehr richtig hören kann...

Vielen Dank, Frau Gutte, für so viel Offenheit und Vertrauen! Viel gute Zeit mit Gott und in Ihrem Garten wünsche ich Ihnen für dieses Frühjahr!


Falk Gneuß

Eigentlich hatte er mit seiner Familie die sächsische Heimat als Wohnsitz schon „abgehakt", als die Anfrage der Firma mit dem Jobangebot kam, das attraktiv genug war, um im Sommer 2007 nach 9 Jahren Erfahrungen in Essen den Weg hierher zurück zu finden. Im Nachhinein aber hat für Falk Gneuß (40), gebürtig in Memmendorf bei Oederan alles „gepasst" und er empfindet sein Hier-Sein als Führung Gottes. Und wir als Gemeinde auch, sonst hätten wir ihn nicht in den neuen Kirchenvorstand berufen können. Über 15 Ehejahre verbinden ihn mit seiner Frau Daniela, 12 bzw. 10 Jahre mit seinen Töchtern Rahel und Hanna, 8 und 5 Jahre mit den Söhnen Jakob und Benjamin und etwa 9 Monate mit dem zur Zeit noch unbekannten, weil ungeborenen 5. Kind.
Gundula Rudloff unterhielt sich mit ihm.

Falk, ich kann mich noch gut an den Sonntag erinnern, als ihr das erste Mal bei uns im Gottesdienst wart und wir am Ausgang kurz ins Gespräch kamen. Damals wart ihr gerade vor ein paar Tagen nach Naundorf zugezogen. Für euch ist Kirche vor Ort offensichtlich nicht automatisch eure Kirchgemeinde, sondern für euch gelten bestimmte Kriterien. Welche gehören für dich dazu?
Falk Gneuß: In der jetzigen Familienphase ist uns der Kindergottesdienst besonders wichtig. „Bakigo" hat uns sehr gut gefallen. Und: Lebendigkeit, also die aktive Mitarbeit vieler ist für uns entscheidend.

Du hast in eurer Zeit in Essen viele Erfahrungen mit Kirchgemeinde gesammelt Was war dir besonders wichtig und was möchtest du gern hier einbringen?
Falk Gneuß: Ich habe im Kindergottesdienst mitgearbeitet, (der - so ähnlich wie Bakigo - nach Promiseland-Vorbild organisiert war) und dort eine Kleingruppe geleitet. Der Männerstammtisch war sehr gut; in diesem Zusammenhang gab es verschiedene Aktivitäten vom Grillen bis zum Segeltörn. Was mich auch sehr beschäftigt hat ist die politische Auseinandersetzung mit dem Thema Familie. Da diskutiere ich mit Leidenschaft. Hier will ich mich bei den Erziehungs-Seminaren einbringen. Ich habe mich an der Gestaltung der Gottesdienste mit beteiligt. Darauf freue ich mich auch hier. Und ich war Hauskreisleiter, wobei ich im Moment erstmal genieße, einfach Mitglied im Hauskreis zu sein. Ansonsten hab ich zum Leidwesen meiner Frau immer einen (dummen) Spruch auf Lager...

Und wenn du weder im Büro noch in der Gemeinde bist? Hast du noch andere Hobbys?
Falk Gneuß:  Naja - schmunzelt! - Wir versuchen das klassische Familienmodell zu leben. D.h. der Mann geht (lange) arbeiten, die Frau managt die Familie und das Haus. Sonntag ist Familientag. Da gehen wir oft wandern oder machen Radtouren. Abends versuche ich bewusst noch am Alltag meiner Familie teilzunehmen -falls ich noch nicht zu k.o. bin. Leider sitze ich manchmal zu lange vor dem Fernseher... Falls ich Zeit zum Lesen finde, ist es meist ein Krimi. Zeit für klassische Hobbys habe ich gegenwärtig nicht, aber beim „Heimwerken" finde ich den notwendigen Ausgleich.

Wie bist du Christ geworden?
Falk Gneuß:  Das war bei ProChrist 93 mit Billy Graham (siehe Einladung zu ProChrist 2009, S.15 u. 20 - Anm. der Redaktion) Eine Freundin hat uns da hingeschleift. Chemnitz war damals ein Übertragungsort dieser Evangelisation. Ich bin mit meiner Freundin Dani zusammen hingegangen und wir sind im selben Jahr Christ geworden. Unsere Freundin hat dann gesagt: als Bekehrte könnt ihr nicht mehr einfach so zusammen leben. O.K. - dann haben wir ein halbes Jahr lang enthaltsam gelebt, bis wir geheiratet haben. Und alle haben gedacht: wir sind schwanger...

Kannst du uns was von dem erzählen, was du mit Gott erlebt hast?
Falk Gneuß:  Die ganzen Umstände des Umzugs hierher waren für uns Gottes Fügung. Schließlich hatten wir uns in Essen gut eingelebt - und jetzt sollten wir umziehen? Nach vielen Gebeten mit Freunden und einem Bibelwort war es uns dann klar. Und eins vergesse ich auch nicht, es ist schon ungefähr 20 Jahre her. Ich hatte gerade die Fahrerlaubnis gemacht. Trabbi, keine Erfahrung und ich wollt's ihm geben. Eine Kurve bei Oberschöna war das Ende davon. Ich hab mich zwei mal überschlagen, bin im Straßengraben gelandet - und ausgestiegen. Das ganze Auto war so platt wie die Motorhaube. Da habe ich mir gedacht: Gott wird wohl noch was mit mir vorhaben...

Gibt es ein Bibelwort, das dir besonders wichtig ist?
Falk Gneuß:  „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Einen anderen Weg zu Gott dem Vater gibt es nicht." (Joh. 14,6)

Wenn du eine Million gewinnen würdest....
Falk Gneuß:  ... würde ich davon mehr als nur den Zehnten geben. Wofür? - Zum Beispiel für „Kaleb". (Das ist eine Lebensschutzorganisation, die sich vor allem gegen die Tötung durch Abtreibung einsetzt, Anm. der Red.) ...würde ich Geld dafür einsetzen, dass wir mehr Platz zum Wohnen haben, mehr in Urlaub fahren und ich würde wieder Crysler fahren.

Nochmal zum Zehnten: Das scheint was ganz Normales für dich zu sein?
Falk Gneuß:  Ja, auch wenn's schwer fällt. Wir haben damit angefangen, als wir Christen geworden sind. Denn eigentlich geht's uns ja nicht schlecht.....

Was willst du deinen Kindern gern für's Leben mitgeben?
Falk Gneuß:  Den christlichen Glauben - im Moment freue ich mich, dass es zu gelingen scheint.

Wie macht ihr das konkret?
Falk Gneuß:  Wenn's Probleme gibt - und nicht nur dann - beten wir gemeinsam darüber. Wir versuchen, unsere Kinder an das Bibellesen heranzuführen. Vom Bibellesebund gibt es ja spezielles Material für Kinder. Und wir nehmen das Angebot christlicher Familienfreizeiten wahr. Wir versuchen, die vielen Fragen, die die Kinder haben, nach den Maßstäben der Bibel zu beantworten und bewusst den Sonntag zu heiligen. Das heißt: außer den Gottesdienst zu besuchen konsequent nicht zu arbeiten.
Nochmal zur Frage: Soziale Kompetenzen wie Hilfsbereitschaft und der Einsatz für das Familien - / Gemeinwohl sind uns wichtig. Wie wahrscheinlich alle Eltern wollen wir unsere Kinder „stark machen für das Leben". Das bedeutet zum einen, die Kinder bei der Entwicklung ihrer Talente zu unterstützen. Es ist schön zuzuschauen, wie ihre Dinge gelingen. Wir wollen sie ermutigen, Gott zu fragen, was ER mit ihnen vorhat. Zum anderen wollen wir unseren Kindern mit auf den Weg geben, dass unser Tun (oder auch Unterlassen) Konsequenzen hat: wenn ich Mist mache, muss ich dafür gerade stehen. Oder wenn ich ordentlich übe, kann ich das Klavierstück. Nicht zuletzt möchte ich meinen Kindern auch praktische Fähigkeiten beibringen; es schadet ja nicht, wenn man einen Nagel irgendwie ins Holz bringt und seinen Fahrradschlauch selbst flicken kann.
Auch wenn es etwas leistungsorientiert erscheint, möchte ich meinen Kindern den Wert der Arbeit rüberbringen. Das kann in der Schule, beim Tischabräumen oder im Büro sein. Ich sehe dabei auch die Gefahr, zu ehrgeizig mit den Kindern zu sein (nach dem Motto: sie sollen verwirklichen, was ich nie geschafft habe). Zum Glück bremst mich meine Frau dann.

Wenn du nur noch kurze Zeit zu leben hättest...
Falk Gneuß:  ... wollte ich darauf achten, keine offenen Rechnungen in Beziehungsfragen zu haben und ich würde noch ein paar Berge erwandern.

Hast du Vorbilder?
Falk Gneuß:  Keine prominenten. Ich lasse mich von Männern beeindrucken, die sowohl im Job als auch als Familienväter gut sind.

Was verstehst du unter „Reich Gottes"?
Falk Gneuß:  Die neue Welt, wenn Jesus wiederkommt. „Das beste kommt noch" - das ist für mich ein wichtiger Satz; ich muss nicht alles hier erleben und ich weiß: mit dem Tod ist nicht alles aus.

Und was hast du jetzt schon davon, Christ zu sein?
Falk Gneuß: Gott handelt ja auch heute. Er hat mich gemacht, damit ich in Beziehung zu ihm lebe. Für mich ist Gott rational ganz logisch.

Vielen Dank, Falk! Auf viel gute Zeit miteinander. Und damit du heute abend noch was von deiner Familie hast (und ich von meiner): Tschüß!


Linda Meusel

Damit Sie die Neuen aus dem neuen Kirchenvorstand besser kennen lernen können, soll an dieser Stelle eine von ihnen zu Wort kommen.
Linda Meusel (28, Diplom-Geoökologin, gebürtige Bautzenerin) ist allerdings längst unabhängig von ihrem neuen Amt bei uns in Gemeinde und darüber hinaus gemeindeübergreifend als Christin unserer Stadt engagiert. Ihren Namen haben Sie als aufmerksamer Gemeindeaktuell-Leser sicher schon unter „Layout und Redaktion" entdeckt, denn seit etwa einem Jahr arbeitet sie im Redaktionsteam mit. Teamarbeit ist überhaupt das Stichwort, das in besonderer Weise zu ihrer integrierenden Art passt, mit der sie sich außerdem im „Elki"-Team (Eltern-Kind-Kreis), im Chor, im Frauenfrühstücksteam und als Mitverantwortliche eines Hauskreises einbringt. Jetzt, im Dezember, wo diese Zeilen entstehen, ist ihr Organisationstalent in besonderer Weise im Einsatz, da sie für die tägliche Besetzung des christlichen Christmarktstandes verantwortlich ist und fast täglich aktualisierte Dienstpläne herausbringt, um zur Mitarbeit zu motivieren. Linda ist mit Sadko verheiratet und Mutter von Karla (eineinhalb). Gundula Rudloff führte das Gespräch.

Linda, wenn du an unsere Kirchgemeinde denkst - was fällt dir als erstes dazu ein?
Linda Meusel: Die Baufälligkeit der Jakobikirche... Aber- und das ist ja wichtiger: das gute Miteinander. Ich bin sehr sehne in das Gemeindeleben reingekommen, weil viel Offenheit da ist; das Kirchenkaffee ist ein besonders wichtiger Punkt, um aufeinander zuzugehen. Mir fällt ein: die Vielfältigkeit der Angebote.

Mit welchen Gefühlen gehst du in deine neue Aufgabe als Kirchenvorsteherin?
Linda Meusel: Ich bin bereit, mich formen zu lassen - und habe insgesamt viel Vorfreude. Ich bin gespannt darauf, was mich erwartet. Ich bin auch etwas aufgeregt, spüre Mut zu Veränderung, auch bei mir selbst. Ich habe die Hoffnung, mich selbst durch diesen Dienst weiter zu entwickeln;

Was würdest du gern in Gemeinde entwickeln?
Linda Meusel: Angebote für Frauen zwischen 30 und 40.

Was ist dein kirchlicher Hintergrund, was für lebensgeschichtliche Erfahrungen mit Kirche bringst du mit?
Linda Meusel: Ich komme aus einer Kirchgemeinde unserer Landeskirche, die sehr liturgisch und konventionell geprägt war. Lieder und Sprache im Gottesdienst klangen für mich nur veraltet. Verantwortung in Gemeinde war Männerdomäne, vom Konfirmandenunterricht habe ich nur noch Gruselgeschichten des Pfarrers in Erinnerung. Ein total wichtiger Kontakt war für mich der zur sehr aktiven Jungen Gemeinde (JG). Ganz im Gegensatz zu allem ändern habe ich dort sehr lebendiges und freies Christsein kennen gelernt. Ich war immer mit Abstand die Jüngste, aber dort tat sich für mich ein ganz anderer Horizont auf, Gebetsnächste von Gründonnerstag auf Karfreitag habe ich in guter Erinnerung und eine evangelistische Veranstaltung, bei der ich nach vorn gegangen bin, um mein Leben Jesus anzuvertrauen. Das war für mich ein wichtiger Punkt. Insgesamt sehe ich es aber als Weg an, in den Glauben hinein zu wachsen.

Hast du Vorbilder?
Linda Meusel: Da denke ich an eine Familie aus der damaligen JG, die nach Peru in ein Missions-Krankenhaus gegangen ist und an ihr inniges Gottvertrauen, ihre Lebendigkeit im Glauben im Alltag wie am Sonntag - und das alles mit 4 bzw. dann 5 Kindern! Und dann fällt mir Corrie ten Boom ein und dass es eine Frau ist, die unter schwierigsten Bedingungen an Gott festgehalten hat und Vergebung gelebt hat.

Welche Visionen hast du für dein Leben?
Linda Meusel: Vision ist ein großes Wort. Im Kleinen gesprochen: unsere Familie zu vergrößern - aber da will ich mich auch nicht festlegen, damit es nicht so schwer zu tragen ist, wenn es anders kommt. Ich wünsche mir ein offenes Haus, oft Gäste an unserm Tisch - was in der großen Familie von Sadko vorgelebt wird.

Kannst du uns von einem Erlebnis mit Gott erzählen?
Linda Meusel: Ein Erlebnis mit Gott sind für mich gerade die Umstände, die sich gefügt haben. Dazu zähle ich auch die Möglichkeit, mich für den Weihnachtsmarkt zu engagieren. Das gibt mir das Gefühl, richtig zu sein, da sein zu sollen.

Du bist jung, dynamisch, top ausgebildet - und jetzt zu Hause als Mutter. Wie geht es dir damit?
Linda Meusel: Die Motivation, mich in dem Bereich, den ich studiert habe, einzusetzen, hat während des Studiums bereits etwas nachgelassen. Ich will das Muttersein jetzt nutzen, mich eventuell umzuorientieren. Ich bin noch am Suchen nach Aufgaben, die mich erfüllen und nutze die Zeit, um Dinge zu tun, die mir Spaß machen - ich langweile mich nicht!

Was macht dir am meisten Spaß?
Linda Meusel: Menschen zu treffen!

Gibt es eine Frage, die du gern von Gott beantwortet haben möchtest?
Linda Meusel: Wo willst Du mich haben - Jesus? Ich merke, dass ich mich kaum traue, zu fragen, weil ich zugeschüttet bin mit eigenen Vorstellungen vom Leben. Aber mein Wunsch ist, dass Jesus in mir wächst, auch wenn das Leben dann anders aussieht, als ich es mir vorgestellt habe. Und dann möchte ich Gott gern fragen: Wie schafft man es, alle Menschen gleich zu lieben? Auch wenn manche recht eigenartig sind, andere wiederum scheinbar liebenswerter?

Hast du ein Bibelwort, das dich sehr begleitet?
Linda Meusel: Die Frage, die Jesus Petrus stellt: „Hast du mich lieb?" (Johannes 21) Ich spüre, dass das bei mir einen wunden Punkt trifft; es geht nicht um mich, sondern darum, dass Jesus in mir Raum gewinnt. Das ist ja eine sehr intime Frage, aus der ich große Vertrautheit und Liebe heraushöre. Wenn ich sie bejahe, ist damit eine Zugehörigkeit verbunden... Dann ist mir noch mein Konfirmationsspruch wichtig: „Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden." (1. Johannes 4,10) Gott rechnet mit unserer Unvollkommenheit und sagt uns, wie viel wir ihm bedeuten. Aber allein mit unserer Menschlichkeit kommen wir nie zum Ziel. Und noch was ist mir wichtig: die ganze Frage der gerechten Verteilung vor Gütern und Geld. Ich denke, wir haben als Gemeinde auch Verantwortung z. B. für unsere Konsumgewohnheiten, soweit es uns die finanziellen Mittel erlauben. Gerade, weil es uns hier überwiegend so gut geht, sollten wir nicht aus dem Blick verlieren, dass da nicht überall so ist. Auf jeden Fall: ich freue mich, hier in der Gemeinde zu sein - es macht mir Spaß.

Ja, das merkt man! Dir weiterhin viel Freude und Segen - nicht nur bei allem Dienst in Gemeinde und im neuen Amt.


Tomas Büttner

Thomas Büttner (44), ist verheiratet mit Anke, hat 2 Söhne (9 und 12 Jahre) und ist Technischer Leiter und Koordinator des Ambulanten Rehabilitations-Zentrums ADMEDIA, Freiberg. Bei uns in der Gemeinde ist er aktiv als Hauskreisleiter, im Technik-Team und wird zusammen mit Uwe Tesch das Krippenspiel Heiligabend in der Jakobikirche leiten. Gundula Rudloff hat das Gespräch für Gemeinde-aktuell mit ihm geführt.

Tomas, du wohnst zwar in Seifersdorf und bist erst seit kurzem mit deiner Familie Mitglied unserer Gemeinde, aber eigentlich bist du doch schon von Kindesbeinen an mit der Jakobigemeinde verbunden, stimmt's?
Tomas Büttner: Ja, mit Jakobi verbinde ich so etwas wie Heimat. Ich bin in der Jakobikirche getauft und konfirmiert worden, war Mitarbeiter im Kindergottesdienst und bis zur Wende auch in der Jungen Gemeinde. Durch die Hochzeit gehörten wir seit 1988 zur Domgemeinde, wo ich auch mal Kirchenvorsteher war; seit 2001 sind wir in Seifersdorf.

Wie bist du zum Glauben gekommen oder: wie ist dein Glaube gewachsen?
Tomas Büttner: In meinem Elternhaus bin ich kirchlich erzogen worden. 1978 war in der Jakobikirche eine Jugendevangelisation mit Theo Lehmann, da habe ich das festgemacht. Du gehört sozusagen zu den Gründern der „Hauskreisszene". Wie ist das gekommen? Aus dem gemeinsamen Gebet für die Lobpreisabende (Annenkapelle am Dom) ist Anfang der 90-er Jahre ein Hauskreis geworden. Seitdem hat sich viel verändert, wir haben uns auch mal geteilt, aber es sind immer noch Gründungsmitglieder dabei - bis heute! Kannst du uns von einem besonderen Erlebnis mit Gott erzählen? Das sind eher die vielen kleinen Dinge im Alltag.... Doch: Ich habe bis 2000 im Gaststättenbetrieb meiner Schwiegereltern gearbeitet. Als die Gaststätte geschlossen wurde, bin ich arbeitslos geworden. Wir hatten zwei Kinder.... Und dann hatte ich innerhalb einer Woche einen Arbeitsvertrag. Und das, ohne dass ich was dazu getan hätte. Ich wurde gefragt, ob ich im Patiententransport bei ADMEDIA arbeiten könne. Ich hatte einen Führerschein. Also habe ich es gemacht. Das ist für mich ein Riesenwunder! - wenn man sieht, wie lange einige suchen.....

Und du bist immer noch - im andern Bereich - gern dort?
Tomas Büttner: Ja! Weil jeder Tag anders ist und ich mit vielen Leuten in Kontakt komme.

Christliche Gemeinde bedeutet dir...
Tomas Büttner: ...zusammen Gottesdienst feiern und -genauso wichtig - Beziehungen pflegen, füreinander da sein, helfen, in der Kinderbetreuung zum Beispiel. Jeder, der in die Gemeinde geht, sollte einer Kleingruppe angehören. Das ist das Fundament einer funktionierenden Gemeinde. Für mich bedeuten diese Treffen: geistliche Kraft bekommen. Dort wächst Zusammenhalt, weil man sich wirklich kennen lernt. „Gemeinde" kommt ja von Gemeinschaft.

Hast du Vorbilder?
Tomas Büttner: Es gibt Leute, die ich bewundere und ich versuche, das Gute von ihnen zu behalten. Zwei fallen mir besonders ein: Mein Vater mit seiner Zielstrebigkeit und seinem handwerklichen Geschick und Theo Lehmann mit seiner Fähigkeit, so zu predigen, dass es die Jugend mitreißt. Ansonsten lese ich gern Biografien.

Was willst du deinen Kindern gern für ihr Leben mitgeben?
Tomas Büttner: Dass man Ziele braucht im Leben, Beharrlichkeit. Und: ohne Gott geht gar nichts. Das Vertrauen zu Gott ist wie ein guter Straßenbelag, auf dem man gehen kann...

Wenn du eine Million gewinnen würdest...
Tomas Büttner: ... würde ich eine ordentliche elektrische Installation für die Jakobikirche finanzieren und was für die Innen-Sanierung tun. Und da ich ein sparsamer Mensch bin, würde ich Geld anlegen.

Ein Leben ohne Gott wäre für dich...
Tomas Büttner: ...wie ein Wüstenmarsch ohne Wasser.

Was denkst du, was die Menschen unserer Stadt am meisten brauchen und wie siehst du den gesellschaftlichen Auftrag von Kirche?
Tomas Büttner: Ich denke, dass die Vertrauenswürdigkeit politischer und gesellschaftlicher Persönlichkeiten wichtig ist und der Mut, selber was anzupacken und sich einzumischen. Die Kirche sollte durch offene Angebote mehr für Bedürftige da sein und sich mit christlichen Werten mehr in der Stadtverwaltung einbringen.

Was ist dein Lieblingsvers in der Bibel und hast du eine Leseempfehlung für Gottsucher?
Tomas Büttner: Ich lese sehr gern die Psalmen, das gibt mir viele Impulse für den Tag, meistens nehme ich mir einen Vers mit in den Tag. In den Psalmen zu lesen, kann ich auch ändern empfehlen, aber auch zum Beispiel die Josef-Geschichte (1. Mose 37 - 50). Das ist ein guter historischer Krimi.

Jesus ist für dich...
Tomas Büttner: ... ein guter Freund, auch ein Vater, Beschützer, der die Hand über mich hält.

Wenn du in unserer Gemeinde etwas verändern könntest, was würdest du als erstes tun?
Tomas Büttner: Mehr Mitarbeiter anstellen (also Hauptamtliche) und mehr Ehrenamtliche engagieren und ein großes, schönes Mehrzweckgebäude bauen.

Am meisten begeistert dich...
Tomas Büttner: Mich begeistert viel.... Ein schönes Autorennen, ein guter historischer Roman, meine Söhne.

... und deine Frau hoffentlich auch!
Tomas Büttner: Ja, natürlich!!

Danke für's Mitteilen und viel Freude weiter und wieder am Mitgestalten bei uns in Jakobi-Christophorus!


Susanne Kaiser

Susanne (Suse) Kaiser ist vielen noch aus Gemeinde Aktuell 2005 bekannt. Damals haben wir sie als ehrenamtliche Nachfolgerin von Kantor Matthias Aßmann begrüßt und sie vor allem musikalisch vorgestellt. Sie ist weiterhin etwa 2x monatlich an einer unserer Orgeln zu hören, ist inzwischen 28 Jahre alt, hat vier Kinder zwischen 2 und 7 Jahren und lebt mit ihrer Familie in Niederschöna. Heute fragen wir sie zu ihren persönlichen Glaubensüberzeugungen:

Bist du schon immer Christ gewesen?
Susanne (Suse) Kaiser: Meine Eltern haben mir von Kindheit an Christsein vorgelebt, und so bin ich damit aufgewachsen, dass Gott existiert. Durch unseren Pfarrer habe ich früh erfahren, dass es auf eine persönliche Beziehung zu Gott ankommt. Ich habe mich dann mit 11 Jahren bewusst für einen Weg mit Gott entschieden. Das war auf einer „Kirchenwoche" in Hermannsdorf. Das ist der Ort im Erzgebirge, aus dem ich komme. Da gab es Kinderlobpreis und wiederholt den Aufruf: „Wer mit Jesus leben will, der kann sich dazu entscheiden." Ich wollte das schon lange, habe auch schon lange gewusst, wie das geht, aber mich erst nicht getraut. Schuld einzugestehen und Sünden zu bekennen gehörte ja auch mit dazu...

Wer ist Jesus seitdem für dich?
Susanne (Suse) Kaiser: Das ganze Zentrum des christlichen Glaubens, die Ursache und der Mittelpunkt des Glaubens, der es möglich macht, dass wir Zugang zu Gott haben. Jesus ist für mich der absolute Felsen, die Basis, die immer bleiben wird, auch wenn alles andere wegbricht.

Hast du schon mal an diesem Felsen oder an Gott insgesamt gezweifelt?
Susanne (Suse) Kaiser: Nein, nicht grundsätzlich. Natürlich habe ich bestimmte Lehrmeinungen und Auffassungen überdacht und auch in Frage gestellt, aber nicht die Existenz Gottes und dass er mich liebt.

Ein Leben ohne Gott...
Susanne (Suse) Kaiser: ... kann ich mir nicht vorstellen, es wäre haltlos und hoffnungslos.

Kannst du dich an eine besondere Erfahrung mit Gott erinnern?
Susanne (Suse) Kaiser: Das liegt schon etwas länger zurück: Mein Mann hatte sich beim Schneeschaufeln einen schlimmen Hexenschuss zugezogen. Das passierte unmittelbar vor unserem Hochzeitstag und wir hatten uns schon lange vorgenommen, 3 Tage gemeinsam ohne Kinder wegzufahren. Ich hatte mich sehr darauf gefreut und nun sah ich dieses Wochenende plötzlich dahinschwinden. Ich war richtig sauer und hatte selber absolut keinen Glauben zum Beten. Ganz anders unsere 5-jährige Tochter: sie hat gebetet und wir erlebten, wie am nächsten Tag tatsächlich alle Schmerzen weg waren.

Gibt es eine Frage, auf die du dir von Gott eine Antwort wünschst?
Susanne (Suse) Kaiser: Ich frage mich manchmal, warum so vieles auf der der Welt so ungleich verteilt ist: Wohlstand, Glück, Gesundheit, die Lebensmöglichkeiten. Irgendwie glaube ich schon, dass Gott sich was dabei gedacht hat, auch wenn ich es nicht verstehen kann. Er muss eine ganz andere Sicht auf die Dinge haben. Und ich weiß nicht, womit ich verdient habe, dass es mir so gut geht - verdient habe ich es nicht, es ist ein Geschenk.

Welcher Bibelvers ist Dir besonders wichtig?
Susanne (Suse) Kaiser: Ich habe nicht den Lieblingsvers. Es ist vielmehr so, dass mich in bestimmten Situationen bestimmte Verse stark ansprechen. Ich habe mal eine Jüngerschaftsschule besucht, da haben wir viele Bibelverse auswendig gelernt. Es fallen mir dann sehr unterschiedliche Verse in den jeweiligen Lebenssituationen ein.
Zum Beispiel kann ich mich erinnern, dass mir mal ein ganzes biblisches Buch sehr wichtig geworden ist. Und zwar war das, als ich ein Kind verloren hatte, da habe ich das Buch Hiob gelesen und bin dadurch getröstet worden. Da hat sich einiges ganz neu erschlossen. Das Buch Hiob hat mich dann noch weiter begleitet: Ich wurde wieder schwanger und habe dann in einem Chor einen von Brahms vertonten Hiob-Text mitgesungen. Es kam die Zeile vor: „Denn der Herr ist barmherzig und ein Erbarmer*' und ich spürte wie das Kind im Bauch boxte, als wollte es mich darauf hinweisen, dass ich gerade das Erbarmen Gottes am eigenen Leib erleben konnte. Das war für mich in diesem Zusammenhang sehr bewegend.

Was würdest du diesem Kind, deinen Kindern insgesamt gerne weitergeben?
Susanne (Suse) Kaiser: Das Wichtigste: Dass es Gott gibt und dass er sie liebt, dass sie bedingungslos angenommen sind und dass sie in Jesus ein Fundament haben, auf das sie ihr Leben bauen können. Ich hoffe, bete und vertraue auf die Gnade Gottes, dass das gelingt. Ich möchte ehrlich sein und die Kinder an meiner Beziehung zu Gott teilhaben lassen, denn wir als Eltern prägen unsere Kinder. Wie sie sich schließlich entscheiden werden, haben wir nicht in der Hand.

Wenn du eine Millionen (Euro) gewinnen würdest....
Susanne (Suse) Kaiser: Da hab' ich noch nie drüber nachgedacht! Ich denke, unser Leben würde sich nicht wesentlich ändern, denn wir leben genau das Leben, das wir leben wollen. Vielleicht würden wir eine große Reise machen...

Was gefällt dir an unserer Gemeinde?
Susanne (Suse) Kaiser: Anstoß, in die Jakobigemeinde zu gehen, war die Suche der Gemeinde nach jemandem, der Orgel spielt. Angesprochen hat mich die einladende Atmosphäre für die Mitarbeit Ehrenamtlicher. Ich hatte immer das Gefühl, persönlich wichtig genommen zu werden, und dass der Gemeinde an uns als Menschen (nicht nur als Funktionsträger) was liegt. Das geistliche Umfeld, die Art und Weise, wie Glaube verstanden und Gemeinde gelebt wird, entspricht uns und wir fühlen uns wohl in den Gottesdiensten und mit den Menschen.

Und was könnte in der Gemeinde anders sein?
Susanne (Suse) Kaiser: Für uns ist es manchmal schwierig, im Gottesdienst unsere Kinder im Griff zu behalten und trotzdem den Gottesdienst zu genießen. Mir fällt allerdings auch keine Lösung dafür ein. Für uns ist nicht so optimal, dass wir nicht in Freiberg wohnen und Gemeinde so etwas von Ferne erleben, da die Kinder auch lokal in Aktivitäten eingebunden sind.

Was du schon immer mal sagen wolltest oder was gerade obenauf liegt?
Susanne (Suse) Kaiser: Da fällt mir ein Bibelvers ein: „Lasst uns wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist: Christus".

Vielen Dank, Suse, für deine Zeit und dieses offene Gespräch.
Das Interview führte Matthias Rudloff


Hans-Dieter Kuhnt

Es gibt in der Gemeinde eigentlich niemanden, den Hans-Dieter Kuhnt nicht kennt. Dass er die Menschen so im Blick hat und mit größter Aufmerksamkeit die Menschen beobachtet und deshalb weiß, wie es ihnen geht, hat sicher mit seinem Beruf zu tun. Schließlich muss er als Revierförster seinen Wald mit allem, was darin lebt, auch sehr genau kennen, um zur richtigen Zeit die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Seit 1980 zur Jakobi-Gemeinde gehörig, trägt er nun schon rund 25 Jahre lang Verantwortung im Kirchenvorstand und trägt mit steter Freundlichkeit und Liebe zum Gelingen des Gemeindelebens bei. Ob er -übrigens fast immer mit tatkräftiger Unterstützung seiner Frau, die als katholische Christin genauso zu unserer Gemeinde steht - am Büchertisch anzutreffen ist,
Fahrdienste für ältere Gemeindeglieder übernimmt, Kirchenkaffee vorbereitet, mit genießt oder aufräumt, beim Freiberger Allerlei die „halbe Gemeinde" mit leckeren Speisen versorgt, Gemeinde-aktuell austrägt -immer hat er ein gutes Wort für seine Mitmenschen. Außerdem schlägt sein Herz leidenschaftlich für die Jakobikirche, weshalb er sich auch in der „Gesellschaft zur Erhaltung der Jakobikirche e.V." einbringt. Das Gespräch führte Gundula Rudloff.

Herr Kuhnt, wie würden Sie den Satz zuende führen: Gemeinde ist für mich.....
Hans-Dieter Kuhnt: Geborgenheit, Beziehungen, Austausch, Feste feiern. Zum bedeutendsten Fest ist mir übrigens das Osterfest geworden. Das Jesus lebt, das ist das wichtigste.

Was begeistert Sie am meisten, wenn Sie an unsere Gemeinde denken?
Hans-Dieter Kuhnt: Die Gottesdienste und die Begegnungen, die dadurch entstehen. Wenn ich sonntags nicht zur Kirche ginge, wäre für mich die ganze Woche gelaufen.

Wie sind Sie zum Glauben gekommen?
Hans-Dieter Kuhnt: Mit 22 Jahren habe ich mich erst konfirmieren lassen. Ich bin zwar in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen, aber der Glaube ist bei mir erst langsam gewachsen - bis ich wusste: Ich will unbedingt vor dem Studium konfirmiert werden. Das muss mit dem Wirken des Heiligen Geistes zu tun gehabt haben; jedenfalls habe ich dann ein Jahr lang mit fünf anderen Erwachsenen zusammen Unterricht gehabt.

Was ist für Sie eine besondere Erfahrung mit Gott?
Hans-Dieter Kuhnt: Mein ganzes Leben! Ich wüsste gar nicht, wie das ohne Gott gehen sollte!!

Dabei haben Sie doch auch so manches Schwere zu tragen. Ich denke nur mal an die letzten Jahre, die durch viel Krankheit geprägt waren und sind, denn ohne Schmerzmittel geht es ja schon lange nicht mehr. Ist das nicht sehr bitter?
Hans-Dieter Kuhnt: Nein, denn zum einen könnte es noch viel schlimmer sein und zum ändern ist es gut, zu erfahren: dem Menschen sind Grenzen gesetzt. Durch alles hindurch wird man geläutert und dadurch noch dankbarer. Zu den besonders wertvollen Erfahrungen während meines Krankenhausaufenthaltes gehörten Gebete und Besuche von lieben Gemeindemitgliedern, besonders auch aus dem Gebetskreis der Gemeinde. Das zu wissen, hat mich sehr berührt. Seitdem bete ich auch intensiver für andere Menschen, die krank sind. Das gehört für mich jeden Tag dazu. Außerdem habe ich keine Angst vor dem Sterben, denn - um es mit einem Bibelwort zu sagen - „ich weiß, dass mein Erlöser lebt".

Haben Sie Vorbilder?
Hans-Dieter Kuhnt: Ja, Menschen, die ehrlich sind und von der Vergebung leben.

Was wünschen Sie sich am meisten für unsere Gemeinde?
Hans-Dieter Kuhnt: Dass wir unserm Gott in allem Tun den Vorrang geben. Und mein Traum von Gemeinde ist Eintracht, dass wir von der Vergebung leben und aufeinander zugehen. Da könnten wir viel erreichen!

Gibt es einen Bibelvers, der Ihnen besonders wichtig ist?
Hans-Dieter Kuhnt: Mir ist die ganze Bibel besonders wichtig.... „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden." (Johannes 16,33) Oder: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe..." (Psalm 121) Alles, was mit Trost zu tun hat, ist mir sehr wichtig.

Mögen Sie einen persönlichen Wunsch für Ihr Leben verraten?
Hans-Dieter Kuhnt: Ich möchte gern zusammen mit meiner Frau lange in Gemeinde sein können, in guten Beziehungen leben und ohne viel Luxus.

Welches ist die wichtigste Frage, die Sie gern von Gott beantwortet hätten?
Hans-Dieter Kuhnt: Ich denke, Gott macht schon alles richtig!

Herr Kuhnt, herzlichen Dank für das Gespräch und dass Gemeinde jeder Zeit auf Sie zählen kann! Gott segne Sie dafür!


Annegreth Aßmann

Wenn der Name Annegreth Aßmann auftaucht, hört man schon automatisch „Bakigo" mit, also Kindergottesdienst-Projekt unserer Gemeinde, das sie zusammen mit anderen Mitstreitern vor bald 6 Jahren ins Leben gerufen hat (siehe Deckblatt). Für das Mitarbeiterteam da sein, die thematische Seite vordenken und Inhalte kreativ gestalten, für jedes Bakigo-Treffen ein neues Anspiel schreiben.... Das ist zur Zeit ihr Schwerpunkt bei uns in der Gemeinde. Ihre vielfältigen Gaben hat sie allerdings schon an vielen anderen Stellen eingesetzt, etwa im Kirchenvorstand (von 1996 bis 2002) oder wenn es um kreatives Gestalten vor allem in der Kirche ging.... Dass sie außerdem von ihren drei Teenie-Kindern (13,16,19 Jahre) gefordert wird und als gelernte Krankenschwester in einer Anästhesie-Praxis arbeitet, lässt erahnen, dass ihr Alltag manchmal turbulenter aussieht, als ihr lieb wäre. Die Selbstverständlichkeit, mit der sie als Tochter eines Kantorkatecheten von Kindesbeinen an immer und überall am Gemeindeleben beteiligt gewesen war, sieht sie zwar auch kritisch und möchte sie ihren Kindern nicht zumuten, dennoch hat sie mit Matthias einen Ehemann mit der selben Berufsgruppe erwählt. Das erklärt auch die Wohnung im Gemeindehaus direkt neben der Kirche - mit allen „Risiken und Nebenwirkungen" wie z.B. manches Geklingels an der Tür, das einen ja eigentlich nichts angeht.....
Das Gespräch mit ihr führte Gundula Rudloff.

Anne, woher hast du dein großes Herz für Kinder?
Annegreth Aßmann: Als unsere Tochter (das zweite Kind) zur Welt gekommen ist, war das Gefühl, von Gott so reich beschenkt zu sein so stark, dass ich mich als Mitarbeiterin für den Kindergottesdienst unserer Gemeinde gemeldet habe.

Das ist ja dann schon 15 Jahre her. Was ist dir in dieser Zeit zum wichtigsten geworden, was du Kindern in diesem Rahmen gern weitergeben möchtest?
Annegreth Aßmann: Dass sie Jesus als ihren HERRN aufnehmen, damit sie Halt und Richtung im Leben haben.

Wie war das bei dir selber? Wie hast du diesen Halt im Leben gefunden?
Annegreth Aßmann: Mein Vater hat mich regelmäßig zum Jugend-Gottesdienst mit Theo Lehmann nach Dresden mit genommen. Dort wurde immer aufgerufen, einen konkreten Glaubensschritt zu tun, indem man nach vorne kommt und das im Gebet mit Jesus festmacht. Das habe ich auch irgendwann getan, ich glaube, da war ich in der 7.Klasse.

Was begeistert dich am meisten in Gemeinde?
Annegreth Aßmann: Zusammen auf dem Weg zu sein zum selben Ziel, sich einander ermutigen, füreinander beten, geistlichen Austausch haben, Verbundenheit ohne viel Worte zu spüren.

Was würdest du gern frustrierten Gemeindegliedern sagen?
Annegreth Aßmann: Dass Kirche immer aus fehlerhaften Menschen besteht und Christen auch keine perfekten Menschen sein müssen; dass wir uns nicht zu sehr von Äußerlichkeiten beeindrucken lassen dürfen.

Was ist dein größter Wunsch für unsere Gemeinde?
Annegreth Aßmann: Dass Gottes Liebe unter uns so eine Ausstrahlungskraft gewinnt, dass jeder von uns als Christ am Lebensstil erkannt wird.

Wenn du den Einfluss hättest, die Kirche zu verändern, was würdest du tun?
Annegreth Aßmann: Weniger verwalten und mehr den Menschen dienen.

Das Ziel für dein Leben?
Annegreth Aßmann: Jesus ähnlicher werden; hören, was Gott will; einfach wachsam leben.

Wenn du reich wärst, was würdest du tun?
Annegreth Aßmann: Viel reisen; die Welt kennen lernen.

Eine besonders wichtige Erfahrung mit Gott?
Annegreth Aßmann: Es ist noch nicht so lange her, da war ich durch verschiedene Ereignisse, die mir schwer zu schaffen gemacht haben, sehr frustriert und auch enttäuscht von Gott, so dass ich fast meinen Einsatz für Kinder in der Gemeinde in Frage gestellt habe. Nur aus Gehorsam habe ich dann weitergemacht und gerade in dieser Phase erlebt, wie besonders viele Kinder ihr Leben Jesus anvertraut haben. Für mich bedeutet das: wenn wir ganz am Ende sind und zu Gott mit leeren Händen kommen, erfahren wir seinen Segen besonders stark und überraschend.

Ein Leben ohne Gott... - wie ginge der Satz bei dir weiter?
Annegreth Aßmann: ...wäre für mich wie Stau in einem endlosen Tunnel und plötzlich geht das Licht aus. Oder:... wie Stromausfall bei Sturm und du weißt gerade nicht, wo die Kerzen und die Streichhölzer sind.

Was ist die brennendste Frage, auf die du gern von Gott eine Antwort hättest?
Annegreth Aßmann: Warum es so ist, dass es Menschen gibt, die kein Ja zu ihm finden und warum manche Gebete nicht erhört werden.

Welches Bibelwort bedeutet dir zur Zeit besonders viel?
Annegreth Aßmann: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott." (Micha 6,8) Es erinnert mich daran, "wie ich meine Beziehung zu Gott leben kann; nämlich in Ehrfurcht vor ihm sein Wort lesen und es in meinem Alltag umsetzen.

Herzlichen Dank, Anne, für alle Klarheit und Ehrlichkeit. Gott beschenke dich weiter mit Vision - nicht nur für Kinder!


Markus Ssuschke

Wo in unserer Gemeinde ein Keyboard steht, ist Markus Ssuschke in der Regel nicht weit entfernt. Im Gegensatz zu dem Musikinstrument gibt es für Markus aber kein Datenblatt - Grund genug, ihn in Gemeinde aktuell etwas näher vorzustellen: 17 Jahre jung, lebt Markus mit seiner Familie in Freiberg. Er hat fünf Geschwister, ältere und jüngere. Im Moment wird er im Freiberger Kreiskrankenhaus zum Gesundheits- und Krankenpfleger ausgebildet. Seine große Leidenschaft ist die Musik, speziell der Lobpreis. So trifft man ihn vorzugsweise bei den entsprechenden Veranstaltungen: Lobpreisabende, Lobpreis im Gottesdienst, Lobpreis in bakigo, Lobpreis in der Jungen Gemeinde, Lobpreis beim Spazierengehen... Mit ihm sprach (und lobpreiste) Rene Kaiser:

Markus, warum hat Lobpreis für Dich einen so hohen Stellenwert?
Markus Ssuschke: Hm. Ich war schon von klein auf musikalisch. Mit vier Jahren habe ich auf einem Spielzeugklavier herumgeklimpert, bis es kaputt war; mit sechs Jahren habe ich in der Musikschule angefangen, Keyboard zu lernen. Musik macht mir eben Spaß. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite stehen meine christliche Erziehung und der Sonntagsgottesdienst. Und die Verbindung beider Seiten, Musik und ein Leben als Christ, ergibt eben Lobpreis.

Du bist christlich erzogen, sagst Du. Was aber ist für dich „Leben als Christ" ?
Markus Ssuschke: Die Erziehung ist natürlich nicht alles. Wichtiger ist die Beziehung zu Jesus. Ich hatte das als Kind nie so richtig begriffen mit Jesus und so. Ich hab' zwar alles mitgemacht, aber den Sinn dahinter hab' ich nicht verstanden. Erst zur Konfirüstzeit 2003 ist mir das alles bei einem Segnungsabend klar geworden, dass Jesus um meinetwillen gestorben ist und ich durch dieses Opfer wieder freien Zugang zu Gott habe. Das ist alles total persönlich. Ich hatte mir an diesem Abend eine ruhige Ecke gesucht und gebetet, dass Jesus der Herr meines Lebens sein soll.

Und dann?
Markus Ssuschke: Naja, seitdem erlebe ich Gott. Ich bete um konkrete Anliegen meines Alltags und erlebe Gott darin. Das war dann der Beginn einer ganz persönlichen und lebendigen Beziehung zu Gott.

Hattest Du da mal ein Erlebnis mit Gott, das Dich ganz besonders geprägt hat?
Markus Ssuschke: Ja. Bis 2004 hatte ich ziemliche Schwierigkeiten, mit meiner Stiefmutter klar zu kommen. Ich habe zwar für unser Verhältnis gebetet - und sie auch, wie ich später erfahren habe -aber irgendwie war's immer angespannt. Dann haben wir uns eines Abends mal zusammen hingesetzt, uns ausgesprochen und Klarheit geschaffen. Am Ende haben wir uns in den Armen gelegen. Dass das mal so wird, hätte ich nie erwartet, das kann nur Gott machen.

Ein Leben ohne Gott - kannst Du Dir das vorstellen?
Markus Ssuschke: Nö. Nächste Frage?

Als Jugendlicher so ernsthaft ganze Sache mit Jesus zu machen und in der Gemeinde derart aktiv zu sein -hast Du manchmal Schwierigkeiten deshalb - gerade mit Gleichaltrigen?
Markus Ssuschke: Nö. Ein großer Teil meiner Freunde gehört ja wie ich zur Gemeinde und lebt wie ich. Meine Mitschüler akzeptieren das auch voll, ohne negative Kommentare. Allenfalls meine Eltern bremsen mich manchmal aus, wenn sie meinen, ich mache zu viel in der Gemeinde. Dabei gebe ich mir schon Mühe, genügend Zeit für die Familie übrig zu behalten - da sag' ich auch schon mal 'ne Bandprobe ab oder lass' den Hauskreis flachfallen...

Ich merke schon, Gemeinde ist Dir wichtig...
Markus Ssuschke: Ja. Gemeinde ist für mich ein Zufluchtsort. Ich kann kommen, wie ich bin; hier werde ich angenommen, wie ich bin. Ich kann meine Fähigkeiten einbringen. Und ich finde den Mix aus Alt und Jung in unserer Gemeinde genial.

Wie siehst Du den Gottesdienst? Würdest Du Dir nicht eine stärkere Betonung jugendlicher Themen wünschen?
Markus Ssuschke: Naja, für jugendliche Themen haben wir doch die Junge Gemeinde. Den Gottesdienst so richtig jugendgemäß zu gestalten, ist bestimmt gar nicht möglich - aber warum auch? Man muss doch den Gottesdienst für die gestalten, die kommen... Gottesdienst bedeutet für mich zuerst, wenigstens einmal in der Woche richtig zur Ruhe zu kommen, vor Gott zu sein. Ich genieße besonders die Zeit vor dem Gottesdienst; dasitzen, nachdenken, beten. Die Predigten, na ja. Manche berühren mich, andere nicht. Grundsätzlich bin ich froh über unseren Gottesdienst, ich meine, er ist ja offen für Neues, für Lobpreis. Aber Gottesdienst ist für mich auch nur ein Bestandteil unter anderen im Gemeindeleben. Es ist ja immer was los: Hauskreis, Bandprobe, JG, Chor, ...und eben Gottesdienst. So sehe ich das jedenfalls.

Gibt es etwas, das Du Dir in unserer Gemeinde irgendwie anders wünschst?
Markus Ssuschke: [Langes Schweigen] Hm. Wie formuliere ich das? Ich würde mir wünschen, ... na ja, dass der Glaube in der Gemeinde lebendiger wirkt, dass eine Begeisterung für Jesus spürbar wird. Dass im Gottesdienst mal jemand erzählt, was er mit Gott erlebt hat. Und mehr Akzeptanz für Lobpreis würde ich mir wünschen - dass Lobpreis als Gebet, nicht als bloßes Liedersingen gesehen wird. Und ich wünsche mir - das betrifft auch ganz besonders mich - dass mehr Offenheit dafür da ist, voneinander zu erzählen und miteinander zu beten. Die Angebote, gerade das Gebet während des Abendmahls bzw. nach dem Gottesdienst, sind ja da; man müsste es bloß mehr nutzen. Naja, irgendwie wünsch' ich mir die Gemeinde persönlicher, offener. Aber wie gesagt, da muss ich bei mir anfangen...

Zum Schluss: Wo siehst Du Dich in zehn Jahren?
Markus Ssuschke: In zehn Jahren, warte mal... da bin ich siebenundzwanzig. Na, in Freiberg hoffentlich! Ich will hier in meinem Beruf arbeiten. Vielleicht bin ich dann auch Kirchenvorsteher? Und Jugendarbeit würde ich wohl sehr gerne machen. Ja, und Erfahrungen mit einer eigenen Lobpreisband will ich sammeln, richtig mit Auftritten und so.
Da hast Du einiges vor. Markus, ich wünsch' Dir, dass Du viele Deiner Träume umsetzen kannst - mit Gottes Hilfe.

Danke für das Gespräch!


Mike Emrich

Seine Sache ist es eigentlich nicht, anonyme Interviews zu geben. Was er viel mehr schätzt, ist das persönliche Gespräch. Dass diese Seite einige neugierig machen möge, ihn anzusprechen, damit er mehr zu den einzelnen Fragen erzählen kann - das ist sein Wunsch und seine Hoffnung, wenn er sich trotzdem zu diesem Gespräch bereit erklärt hat. Mike Emrich (43) ist als langjähriger Kirchenvorsteher, Hauskreisleiter und handwerklich begabter Mensch, der vor allem die baulichen Belange der Kapelle Zug im Blick hat, vielen bekannt. Als gelernter Schmied hat er neben seinem ehrenamtlichen Engagement seinen jetzigen Arbeitsplatz im Wasserzweckverband als Spezialgerätefahrer im Abwasserbereich. Mit seiner Frau Katrin und seinen Töchtern Sarah und Rahel wohnt er in einem Zuger Huthaus. Mit ihm sprach Gundula Rudloff.

Wie bist du zum Glauben gekommen?
Mike Emrich: Über die Jugendarbeit der Ephorie Freiberg. Meine Schwester hat mich mitgenommen und so bin ich zu mehreren Rüstzeiten mitgefahren. Auf einer Freizeit habe ich die Entscheidung getroffen: Ich will, dass Jesus mein Leben in der Hand hat. Diese Grundentscheidung ist ein ganz wichtiger Punkt in meinem Leben - auch wenn ich mich immer wieder neu entscheiden muss, im Alltag mit Jesus zu leben. Außerdem bin ich in einem traditionell christlichen Elternhaus aufgewachsen.

Was treibt dich dazu, dich an so vielen Stellen für Gemeinde einzusetzen?
Mike Emrich: Ich bin davon überzeugt, dass Gott uns Menschen geschaffen hat, um mit ihm und untereinander Gemeinschaft zu haben und Gemeinde ist eine gute Gelegenheit dazu!

Wozu ist deiner Erkenntnis nach christliche Gemeinde da?
Mike Emrich: Um auszuführen, was Gott in dieser Welt will. Das ist der Hintergrund des biblischen Bildes vom „Leib Christi": Jesus ist das Haupt und wir sind die Gliedmaßen.

Erinnerst du dich an ein besonderes Erlebnis mit Gott?
Mike Emrich: Da fällt mir eine Situation auf Arbeit ein: Am Nachmittag wollte ich zu einem Rüstzeitvorbereitungs-Wochenende fahren (Kirchenwoche) und als ich morgens kam, erfuhr ich, dass ich eine Arbeitsauftrag hatte, den ich nicht bis zum geplanten Feierabend schaffen würde. Ich habe überlegt, ob ich den Chef fragen sollte, ob das jemand anders machen kann. Aber dann hatte ich den Eindruck, ich sollte Gott vertrauen, dass er das regelt und ich dem Chef nichts sagen soll. - Das scheinbar Unmögliche ist wahr geworden. Das war für mich ein starkes Erlebnis mit Gott, das mir geholfen hat, Gott zu vertrauen.

Wenn du die Macht hättest, etwas an Kirche zu verändern, würdest du...
Mike Emrich:
... am liebsten alle Machenschaften des Bösen unterbinden wollen.
Aber - auch wenn's mir persönlich nicht gefällt: im guten Plan Gottes spielt das Böse auch eine Rolle, sonst ließe er es nicht zu. Umso mehr freue ich mich auf die ewige Herrlichkeit, wo es das Böse nicht mehr geben wird.

Hast du Vorbilder?
Mike Emrich: Eins meiner Vorbilder ist der britische Bibellehrer Derek Prince. Er konnte so gute, tiefgründige Lehre weitergeben, weil er Gottes Wort so ernst nahm und sich so intensiv damit beschäftigt hat.

Welches biblische Thema ist dir zur Zeit besonders wichtig?
Mike Emrich: Einheit, Liebe, Ehe.

Was liegt dir im Bezug auf den Kirchenvorstand besonders am Herzen?
Mike Emrich: Dass Einheit wächst. Einheit ist ein Grundwesenszug Gottes und weil sie ihm so wichtig ist, ist sie gut.

Wenn du nur noch kurze Zeit zum Leben hättest....
Mike Emrich: Dann würde ich meine Zeitstruktur neu ordnen und nicht mehr auf Arbeit gehen, um mich mehr Gott zuzuwenden und zu tun, was von ihm her gerade dran ist.

Das Wichtigste, was du deinen Kindern weitergeben möchtest, ist,
Mike Emrich: ...dass sie eine gute Beziehung mit Gott haben können, der alles für sie hat, was sie brauchen und dass es sich lohnt, sich an seine Richtlinien zu halten, damit Gott segnen kann.

Hast du einen Wunsch für Gemeinde für's neue Jahr?
Mike Emrich: Ja! Dass es viel Zeit und Freiräume für Begegnungen mit Gott und untereinander gibt! Danke für das Gespräch und dir viel Segen persönlich, beruflich und in deinem Einsatz für Gemeinde!


Helga Kluge

Helga Kluge ist so etwas wie die „Seele der Gemeinde". Man vermutet kaum ihre 73 Lebensjahre, wenn man sie mit dem Fahrrad in Freiberg und Zug sieht - immer unterwegs für andere Menschen. Dabei hat sie beruflich einen durch und durch technischen Hintergrund: bis Ende 1991 arbeitete die Maschinenbau-Ingenieurin in der Präzisionsmechanik. Die gebürtige Breslauerin lebt seit 1945 in Freiberg und kennt sich in der „christlichen Szene" unserer Stadt bestens aus. Wohnortbedingt gehört sie seit 1981 zur Christophorus-Gemeinde, wo sie die Kirchenvorstands-Periode 1996-2002 mitgestaltet hat. Gebetskreis, Leitung des Freitags-Frauenkreises (Beutlerstr.) und Besuchsdienst sind seit Jahren ihre Haupteinsatzfelder, aber auch sonst fehlt sie eigentlich (fast) nie....
Mit ihr sprach Gundula Rudloff

Was kommt Ihnen zuerst, wenn Sie an Gemeinde denken?
Helga Kluge: Der Gottesdienst! Und dann die Gemeindekreise, die so wichtig sind für die persönliche Begegnung.

Wenn ich an Sie denke, kommt mir als erstes Ihr enorm großer Einsatz für andere Menschen in den Sinn. Was motiviert Sie, so viel für andere zu tun?
Helga Kluge: Ich bin froh, eine Aufgabe zu haben; für andere da zu sein, ist mir eine Freude! Der christliche Glaube hat mich geprägt: ich versuche, mich nicht nur um mich selbst zu drehen, sondern für andere da zu sein.

Das nächste, wenn ich an Sie denke, ist das Gebet; wer Gebet braucht, ist bei Ihnen immer an der richtige Adresse. Wie haben Sie das Beten entdeckt und welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Helga Kluge: Im Elternhaus habe ich es nicht gelernt, der Weg mit Glaube und Gebet begann als 14-Jährige, als ich wegen einer Lungenerkrankung längere Zeit in einer Heilstätte war. Eine gläubige Frau hat sich da um mich gekümmert und auf den Weg zu Jesus gebracht. Dann war ich immer in der Jungen Gemeinde und in der Gemeinschafts-Jugend habe ich die Gebetsgemeinschaft kennen gelernt. Seit Ende der 50-er Jahre gehöre ich zu einem Gebetskreis, den damals Pfr. Eichenberg gegründet hat. Das Beten ist mir mehr und mehr zu einem Bedürfnis geworden und so ist es gewachsen. Vielleicht ist es auch mein Konfirmationsspruch gewesen, der mich geprägt hat: „Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen." (1.Thessalonocher 5, 16-18) Das ist für mich wegweisend geworden, auch wenn ich es immer noch schwierig finde, alle drei Sätze immer zu beherzigen. Eine einschneidende Erfahrung war für mich, bei einer großen Veranstaltung zu erleben, wie Gott einmal durch einen mir völlig unbekannten Menschen zu mir redete und mich ermutigt hat. Insgesamt ist das Beten für mich nichts besonderes, sondern etwas ganz alltägliches, wenn ich zum Beispiel in meiner „Stillen Zeit" nach dem Lesen einer Bibelstelle frage: Herr, was sagst du mir dadurch?

Ein Leben ohne Gott wäre für Sie...
Helga Kluge: ...trostlos! Ich würde sonst an schlimmen Ereignissen, die täglich aus der Nähe und Ferne auf mich einstürmen, kaputt gehen. Mit Gott habe ich die Gewissheit: auch, wenn ich nicht alles verstehe - einer sitzt im Regiment!

Gibt es außer Ihrem Konfirmationsspruch noch andere Bibelstellen, die Ihnen besonders viel bedeuten?
Helga Kluge: Gott spricht: „Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte." (Jeremia 31,3) und Jesus, der Auferstandene sagt: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt." (Matthäus 28,20) Das erste Bibelwort beziehe ich gern auf mich persönlich; das zweite ist mir in Veränderungen und Gefährdungen der Kirche Trost: Jesus, der Herr der Kirche, verlässt sie nicht.

Sie sind ledig. Fühlen Sie sich eigentlich auch mal einsam?
Helga Kluge: Nein, bis jetzt noch nicht! Wenn in der Gemeinde nichts los ist, bin ich mit der Wandergruppe unterwegs oder helfe jemandem; durch mein Auto bin ich schließlich auch beweglich....

Menschen, die mit Glaube und Kirche nichts zu tun haben, möchte ich am liebsten folgendes sagen...
Helga Kluge: Dass es einen Gott gibt, der für sie da ist und der sie liebt!

Herzlichen Dank für das Gespräch und Gottes reichen Segen - nicht nur auf allen Ihren Gemeindewegen!


Tobias Duteloff

Tobias Duteloff (44) hat einen besonderen Bezug zu „Gemeinde-aktuell", ist er doch der Mann, der bereits seit kurz nach der Wende für das layout der Kirchennachrichten (wie es früher hieß) verantwortlich ist. Dass sich seitdem vieles verändert hat und er inzwischen nicht mehr handschriftliche Notizen von Pfr. Oertel abschreibt, um sie zu kopierfähigen Vorlagen zu machen, sondern digitale Informationen aus dem Pfarrhaus bekommt, die er in elektronisch versendbare, druckfähige Dateien verwandelt, versteht sich von selbst. Mit seinen zwei Berufen als Geologe und Zitherspieler hat er sich nach 12 Jahren Kirchenvorstand in der Christophorus-Kirchgemeinde 2002 gegen eine weitere Kandidatur entschieden, zumal es als Ehemann und Vater von Markus (14) und Jonas (11) durchaus noch mehr Herausforderungen gibt. Mit ihm sprach Gundula Rudloff.

Wie hat dein Bezug zu Kirchgemeinde eigentlich angefangen?
Tobias Duteloff: Durch meine Familie. Meine Oma hat schon im Gemeindehaus in der Beutlerstraße den Kindergottesdienst gehalten.

Und weil es so ungewöhnlich ist: wie bist du zum Zitherspieler geworden?
Tobias Duteloff: Das fing in der Grundschule an. Ich habe im Unterricht mit Lineal und Gummibändern gespielt. Als verschiedene Töne dabei herauskamen, sagte jemand: Das ist das Prinzip einer Zither. Irgendwo in der Familie gab es tatsächlich so ein Instrument und so begann mit 7 Jahren mein Selbststudium im Zitherspiel. 20 Jahre lang (von 1978 - 1998) habe ich in einem Orchester für Zupfinstrumente mitgespielt, bis ein richtiger Startschuss für mich das Zusammentreffen mit einer Zitherspielerin hier in Freiberg war (in so einer Kleinstadt wie FG ist normalerweise nicht zu erwarten, dass noch jemand Zither spielt). Seitdem machen wir zusammen sehr viel Musik, meist in regional organisierten Veranstaltungen, aber wir waren auch schon in Hannover bei der früheren Partnergemeinde, in Berlin, Magdeburg oder bei den Zithermusiktagen bei München.

Was ist das wichtigste, das du deinen Kindern mit auf den Lebensweg geben möchtest?
Tobias Duteloff: Ich hoffe, dass sie die Erfahrung machen: Jesus ist für mich da. Dann kann eigentlich nichts schief gehen.

Jesus ist für dich...
Tobias Duteloff: ... wie eine große Hand, unsichtbar, aber da, gerade auch in schlimmen Situationen.

Gemeinde ist für dich...
Tobias Duteloff: Bekannte treffen, reden, Ort, um Gottes Wort zu hören. Besonders prägend war für mich Gemeinde in DDR-Zeiten: Ort, der anders war, wo man anderes hören und reden konnte.

Was sind deine Wünsche für Gemeinde und Kirche von heute?
Tobias Duteloff: Gemeinde sollte vor allem Anwalt der Schwachen, Alten, Kranken sein; die Kirche sollte sich mehr in die Politik einmischen und in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten, um offensiv in die Gesellschaft hineinzuwirken.

Bei welchen Themen zum Beispiel?
Tobias Duteloff: Bundeswehreinsätze, Gesundheitsreform.

Kannst du uns von einem Erlebnis mit Gott erzählen?
Tobias Duteloff: Als erstes fällt mir ein, dass ich Gott durch meine Kinder erlebe; sie sind Wunder, von Gott gemacht. Danach fällt mir die Natur ein, die stärker als wir Menschen ist. Das sehe ich besonders im Frühling.... Das ist auch der Grund, warum ich beruflich immer schon mit Umwelt zu tun haben wollte.

Hast du schon mal an Gott gezweifelt?
Tobias Duteloff: Vielleicht, ob er manche Gebete erhört. Die Armee-Zeit hat mir sehr zugesetzt. Aber grundsätzlich habe ich nicht gezweifelt.

Eine Vision für dein Leben?
Tobias Duteloff: Mit Musik anderen Menschen (auch älteren!) Freude bereiten können! Ein Bibelvers, der dir wichtig ist? „Der HERR wird für euch streiten und ihr werdet stille sein." (2. Mose 14,14) Das ist unser Trauspruch, er hat uns in unserer Ehe begleitet. Gott wirkt immer, wenn man denkt: Hier bin ich mit meiner Kraft am Ende.

Herzlichen Dank und viel Segen bei all deinem Engagement, auch bei uns für Gemeinde-aktuell!


Matthias Rudloff

Als „Pfarrmann" kam Matthias Rudloff im Jahr 2000 mit seiner Frau Gundula nach Freiberg. In seinem Hauptberuf arbeitet er als Maschinenbauingenieur in der Unternehmensentwicklung. In unserer Gemeinde ist er u.a. verantwortlich für einen Hauskreis, den Männerstammtisch, die Technik in der Jakobikirche. Darüber hinaus hat er von Herbst 2003 bis Sommer 2006 eine Ausbildung zum Prädikanten absolviert. Im September 05 kam Jonatan zur Welt, damit verfügt er jetzt auch über praktische Erfahrungen als Vater.

Jesus ist für dich....?
Matthias Rudloff: Ein sehr besonderer Mensch, ein großes Vorbild, der perfekte Seelsorger, ein brillanter Argumentator und Denker. Und er ist Sohn Gottes und damit für mich Retter, Erlöser und Sinnstifter.

Dein größtes Erlebnis mit Gott?
Matthias Rudloff: „Wir liegen vor dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit." (Daniel 9,18) Der Freund, der uns traute, hat diesen Trauspruch für uns ausgesucht. Ich war enttäuscht/entsetzt/verblüfft, als ich ihn bei der Trauung zum ersten Mal hörte, denn dieser Vers entsprach nicht meiner inneren Haltung. - Und dann klappte am Start unserer Ehe von den äußeren Bedingungen her zunächst überhaupt nichts. Ich wurde statt nach Bautzen, wo wir in einem christlichen Werk mitarbeiten wollten, nach Bremen als Zivi einberufen, Gundula bekam trotz Zusage dort keine Anstellung. 600 km auseinander und finanziell in der Luft... Und da fingen wir an zu beten! In den nächsten Wochen fügte sich vieles. Meine Zivistelle konnte ich nach Bautzen verlegen und es ergab sich auch eine gute finanzielle Absicherung.
Die Erfahrung, wie Gott es eingefordert hat, diesen Vers oder diese Haltung einzuüben, hat mich geprägt und war ein Schlüsselerlebnis.

Deine Botschaft für andere Menschen... ?
Matthias Rudloff: Gott will dich, deshalb ist dein Leben sinnvoll! Und ein paar Bibelverse fallen mir ein: „Jesus sagt: Kehrt um und glaubt an das Evangelium!" und „Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm".

Gemeinde ist für dich...
Matthias Rudloff: Zuhause, Ort der Gegenwart Gottes; ich habe den Wunsch, dass Gemeinde ein Raum der Heilung und des Heils ist.

Welche Vision hast Du für unsere Gemeinde?
Matthias Rudloff: Es ist wichtig, dass viele mittun, viele ihren Platz finden, wo sie sich einbringen, und dass sie so im Glauben wachsen können. Mein Wunsch frei nach Apostelgeschichte 2 ist, dass Gott zumindest wöchentlich Menschen zur Gemeinde hinzustellt.

Gab es Zeiten in deinem Leben, wo du an Gott gezweifelt hast?
Matthias Rudloff: Nicht an Gott dem Schöpfer; aber Jesus als Sohn Gottes habe ich lange Zeit nicht verstanden. Es hat mir nicht eingeleuchtet und ich habe es einfach weggeschoben.

Ein Bibelvers, der dir sehr wichtig ist?
Matthias Rudloff: „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst ?" Aus Psalm 8. Dieser Vers brachte mich über die Zweifel mit Gottes Sohn hinweg, genauer gesagt über die Frage, warum es wichtig ist, dass Jesus für unsere Sünden stirbt. Dieser Vers zeigte mir: Wenn Gott sagt, dass Jesus sein Sohn ist und für uns sterben muß - wer bin ich, dass ich das anzweifle?

Unter dem Reich Gottes verstehst du....?
Matthias Rudloff: So wie das Reich von August dem Starken dort war, wo er regiert hat und Macht hatte, ist das Reich Gottes da, wo Gott regiert. Das fängt in den Herzen einzelner Menschen an und kann sich so ausbreiten in Gemeinden, in Städten, vielleicht in Völkern. Und noch ein anderes: ..schon da.....noch nicht:. Das Reich Gottes ist zwar mit Jesus schon angebrochen, aber es ist noch nicht vollendet.

Was macht dir in deiner Rolle als Pfarrmann Spaß, und was siehst du als Herausforderung?
Matthias Rudloff: Ich habe mal sehr ernsthaft überlegt, Pfarrer zu werden, habe mich dann aber anders entschieden. Gut gefällt mir daran, dass ich durch die Zusammenarbeit mit meiner Frau diesen früheren Berufswunsch ein wenig leben kann. Durch diese unmittelbare Nähe zum Pfarramt bin ich nah dran an Gemeinde. Zusammen mit meiner Frau kann ich Sachen bewegen, diskutieren und gestalten. Es gefällt mir auch, dass es an diese Rolle nicht - wie bei einer Pfarrfrau - festgefahrene Erwartungen gibt. Eine Herausforderung war immer wieder die starke Beanspruchung von Gundula durch ihren Dienst: Ständige Präsenz, ständige Anrufe, Besuche, kaum Zeit, zumindest mal in Ruhe Abendbrot zu essen. Eine Herausforderung ist auch, bei manchen Anlässen nur Begleitperson zu sein - ich werde begrüßt, weil ich der Mann der Pfarrerin bin und nicht weil ich ich bin. Insgesamt überwiegen aber die Vorzüge.

Vielen Dank für das Gespräch, vor allem für Deine Offenheit. Man spürt Dir das Ringen mit Themen ab, für die es nicht immer glatte Antworten gibt. Themen, die nicht nur Pfarrmänner, sondern viel häufiger Pfarrfrauen betreffen und wahrscheinlich in vielen Partnerschaften und Beziehungen aktuell sind. Ich wünsche Dir weiterhin viel Freude bei Deinem Engagement in Beruf und Gemeinde, Mut, sich unbequemen Fragen zu stellen und mutmachende Erfahrungen mit Gott.

Das Gespräch führte Regina Reimann.


Hermann Bertlein

In der Welt herumgekommen ist er wirklich, denn aufgewachsen ist er als Pfarrerssohn in Santa Cruz, Brasilien. So spricht Hermann Bertlein auch heute noch fließend portugiesisch, wovon die Freiberger Studenten profitieren. Vor 10 Jahren erst kam er nach Freiberg - ein eingelöstes Versprechen an seine Ehefrau, in deren Heimat die beiden jetzt leben. Herr Bertlein ist 71 Jahre; vor vier Jahren wurde er in den Kirchenvorstand gewählt und bringt sich mit besonderer Liebe in unsere Gottesdienste ein.

Jesus ist für Sie....?
Hermann Bertlein: ... der Anker, der mich hält. Mein Erlöser, an den ich mich halte; mein Begleiter durchs Leben.. Es ist wie bei den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus (Lukas 24): auf meinem Weg in unbekannte Zukunft entdecke ich: Jesus geht ja mit als Trost, Stärke, Zukunftshoffnung.

Können Sie uns von einer besonderen Erfahrung mit Gott erzählen?
Hermann Bertlein: Gotteserfahrung hat bei mir mit der Geburt angefangen, mit der Tatsache, dass meine Eltern Christen waren, mich christlich erzogen haben. Erfahrung mit Gott heißt für mich: seine ständige konstante Führung und Begleitung durch Ausbildung, Berufsleben, Familienleben. Das Gemeindeleben ist für mich regelmäßiges Erlebnis mit Gott.

Kirchgemeinde ist für Sie...
Hermann Bertlein: ...Dienst Gottes an uns Menschen und Annehmen dieses Dienstes, den wir dann durch unsern Dienst praktisch umsetzen. Gemeinde ist für mich der Ofen, der mich warm hält, die Zusammengehörigkeit, die „Feuer und Flamme" sein lässt für Jesus Christus.

Unter „Reich Gottes" verstehen Sie...
Hermann Bertlein: Zweierlei: Das Reich Gottes ist das Ziel des Lebens bei Gott im Himmel und das Reich Gottes ist die Herrschaft Gottes hier auf Erden, die sich durch Glaube und Gemeinde manifestiert. Das ist der Ort, wo wir uns von Gott raten, trösten, vergeben lassen.

Ein Leben ohne Gott wäre für Sie...
Hermann Bertlein: ...unvorstellbar! Wie ein Fisch ohne Wasser. Die Hölle, weil trostlos, hoffnungslos, ziellos, ohne Auferstehung nach dem Tod.

Welche Wünsche haben Sie für unsere Gemeinde, für die Kirche überhaupt?
Hermann Bertlein: Wachstum, innerlich und äußerlich. Ich wünsche mir Kirchengebäude, die nicht nur am 24.12. zu den Krippenspielen voller Menschen sind. Ich wünsche mir mehr Zusammengehörigkeit unter den verschiedenen christlichen Gemeinden und dass wir Christen unser Christsein besser, mutiger, fröhlicher, überzeugt von der Wahrheit der Bibel, tiefer im Glauben und aktiver im Alltag vertreten.

Was ist für Sie das Beste am Gemeindeleben?
Hermann Bertlein: Zusammen kommen, verbunden sein, sich unter Gleichgesinnten austauschen und vor allem singen!

Haben Sie einen Wunsch für unsere Leserinnen und Leser für's neue Jahr?
Hermann Bertlein:  Dass sie Gemeinde-aktuell mit wachsender Neugierde und freudiger Erwartung noch lange lesen; dass sie finden, was sie anspricht, was Mut und Hoffnung macht - und Gottes Segen und Beistand!

Zum Schluss. Gibt es einen Bibelvers, der Ihnen sehr wichtig ist?
Hermann Bertlein: Mein Konfirmationsspruch. Den habe ich seit damals als Jugendlicher, als mein bewusster Glaube begann, nie vergessen: Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, wozu du berufen bist und bekannt hast das gute Bekenntnis vor vielen Zeugen. (1. Tim: 6,12)
Glaube ist ein Bekenntnis, denn man kann ihn nicht festzuhalten, wie einen Gegenstand. Es gibt so viel, was ihn zu rauben droht. Deshalb ist Glaube immer wieder Kampf.

Das Interview führte Gundula Rudloff.


Marianne Weiß

Marianne Weiß hat in diesem Jahr viele runde Jubiläen: Im Sommer hat sie ihren 70. Geburtstag gefeiert, seit genau 40 Jahren gehört sie zur Jakobi- (bzw. Jakobi-Christophorus) Gemeinde, vor 10 Jahren wurde sie Mitglied des Seniorenkreises, der sich monatlich im Gemeindehaus, Dresdner Str. trifft. Herzliche Glückwünsche auf diesem Weg! Vor zweieinhalb Jahren hat sie sich bereit erklärt, die organisatorische Verantwortung für diesen Seniorenkreis zu übernehmen. Außerdem engagiert sie sich schon viele Jahre beim Austragen der Kirchennachrichten (jetzt Gemeinde-aktuell).
Marianne Weiß ist verheiratet, hat 4 Kinder und 5 Enkel.

Wer ist Jesus für Sie?
Marianne Weiß: Alles! Von ihm hängt alles in meinem Leben ab.... In guten und in schlechten Zeiten.....

Können Sie uns von einem besonderen Erlebnis mit Gott erzählen?
Marianne Weiß: Ich hatte einmal eine Gallen-Operation, in deren Folge mein Leben am seidenen Faden hing. Ich habe gemerkt, wie Jesus hinter mir gestanden hat; die Angst ist der Ruhe gewichen.

Gemeinde ist für Sie....
Marianne Weiß: ...wie eine Familie, wo ich immer wieder aufgerichtet werde!

Und ein Leben ohne Gott wäre...
Marianne Weiß: ... wie Sommer ohne Sonne.

Was gehört zu Ihren wichtigsten Gebetsanliegen?
Marianne Weiß: Die Bewahrung meiner Kinder!

Gibt es einen Bibelvers, von dem Sie spontan sagen könnten, dass er Ihnen viel bedeutet?
Marianne Weiß: „Der HERR ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln." (Psalm 23,1) oder „Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch." (1. Petrus, 7)

Herzlichen Dank für das Gespräch!


Veronika Günther

Veronika Günther ist seit 1988 im Kirchenvorstand Jakobi; als Vorsitzende unserer vereinigten Kirchgemeinde Jakobi-Christophorus laufen bei ihr (fast) alle Fäden zusammen; ob- wohl sie Hebamme am Freiberger Kreiskrankenhaus ist und in der Firma ihres Mannes tätig, könnte man meinen, sie habe eine Vollzeit-Anstellung bei der Kirche. Sie ist 52 Jahre alt, hat 3 Kinder und bisher 4 Enkel.

Wer ist Jesus für dich?
Veronika Günther: Jesus ist für mich die Mitte meines Glaubens und damit auch meines Lebens. Ohne seine Erlösung wäre für uns sündige Menschen die Trennung von Gott ewig - für mich unvorstellbar. Durch sein menschgewordenes Sein auf dieser Welt ist die dreieinige Gottheit für mich etwas begreifbarer, vorstellbarer geworden. Wir Menschen haben ein Bild, das uns hilft, wenn wir an Gott denken.

Gemeinde ist für dich...
Marianne Weiß: ... der Versuch, eine Gruppe zu sein, die im Bewusstsein der Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen anders miteinander umgeht, als dies im all- gemeinen üblich ist. Das kann ein Beispiel oder Vorbild für noch nicht gläubige Menschen sein. Unter dem Motto: „Wirkt durch euer Leben" oder „Gelebte Lie-be".

Ein Leben ohne Gott wäre für dich wie...
Marianne Weiß: ...ein Auto ohne Motor, das ebenso benötigte Benzin ist die Liebe, die es ohne Gott gar nicht gäbe in dieser Welt.

Kannst du uns eine Bibelstelle nennen, die dir sehr wichtig ist?
Marianne Weiß: Philipper 4,13: „Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus." Das, was uns Menschen möglich ist zu tun, können wir durch Gottes Liebe selbst erledigen. In Christi Namen sollen wir Gott um das Menschenunmögliche bitten. Das ist z. B. geschehen in den Leipziger Montags- gebeten, die einmal zur Einheit Deutschlands führten und jetzt erst wieder die Befreiung der Geiseln ermöglichten. Durch Gott wird das Menschenunmögliche auch in dieser Welt möglich.

Was gehört zu deinen größten Gebetsanliegen?
Marianne Weiß: Immer mehr Menschen sollen erkennen, dass ein Leben ohne Gott eigentlich keinen wirklichen oder erstrebenswerten Inhalt und kein Ziel hat. Das Vertrauen immer wieder neu zu haben, dass durch Gott Unmögliches möglich werden kann.

Erzähl uns ein Erlebnis mit Gott!
Marianne Weiß: Ich betreute eine Bekannte während der Geburt ihres 2. Kindes. Das erste war mit Kaiserschnitt viel zu früh geboren und daher lange in der Kinderklinik gewesen. Das ungeborene Kind signalisierte, dass es ihm nicht be- sonders gut ging. Ich empfahl dem werdenden Vater: „Rufe an, wer mit dir beten kann, damit es jetzt sehr schnell geht, sonst wird es wieder ein Kaiserschnitt." 10 min ! später war das Mädchen geboren, eine Zeit, die für diesen Fall völlig unmöglich erschien.

Was verstehst du unter Reich Gottes?
Marianne Weiß: Reich Gottes ist auch hier in unserer Welt, wenn wir Menschen selbstlos und in Liebe miteinander umgehen. Das sind eben leider nur Einzelsituationen. Wir sollten sie uns aber bewusst machen und in Erinnerung behalten, denn das ist das wahre Glück. Wenn in mir nur Liebe ist und kein minderwertiger Gedanke Raum hat, kann ich zu diesem Glück beitragen. Leider sind das seltene Momente in meinem Leben, da mich immer wieder die nur zu weltlichen Gedanken und Probleme im Griff haben.

Vielen Dank für deine persönlichen Antworten!


Christian Schulz

"Wie eine Computermaus ohne PC..." Gemeinde lebt von einzelnen Menschen - Menschen „wie Du und ich". Deshalb ist es gut, wenn wir einander von dem erzählen, was uns am Glauben wichtig ist.
Wir sprachen mit Christian Schulz; Der 23jährige Student der Wirtschaftswissenschaften ist verlobt, fand vor einem reichlichen Jahr zum Glauben und ließ sich im Juni 2005 in der Kapelle Zug taufen. Er ist Mitarbeiter im Alpha-Team und gehört zu einem unserer Hauskreise.

Wer ist Jesus für Dich?
Christian Schulz: Die wichtigste Person in der Geschichte, das Zentrum der Menschheitsgeschichte und zugleich das größte Wunder und das größte Geschenk. Er ist mein Erlöser, der schon alles getan hat, was für mich entscheidend ist, bevor ich geboren wurde. Er ist der Einzige, der mich immer versteht, weil er mich besser kennt als ich mich selbst. Oft sag ich einfach wie Thomas zu Ihm: „Mein HERR und mein Gott." (Joh 20, 28). Er ist der, den ich bis zu meinem letzten Tag auf dieser Erde immer besser kennen lernen will und dem ich immer ähnlicher werden möchte.

Was ist Dein größtes Erlebnis mit Gott?
Christian Schulz: Die Heilung meines Rückens. Ich litt ca. zwei Jahre lang an schlimmen Rückenschmerzen, die mich vor allem nachts heimsuchten. Jede Nacht stand ich auf, machte Rückenübungen, bereitete eine Wärmflasche vor, und wälzte mich den Rest der Nacht auf dem Boden. Mehrere Ärzte und auch wiederholte Physiotherapie konnten nicht helfen. Ich hatte mich schon damit abgefunden und mit immer bleibenden Schmerzen gerechnet bis ich eines (schmerzvollen) Abends Gott bat, mir zu helfen. Danach legte ich mich verzweifelt ins Bett und bin seit dem darauf folgenden Morgen schmerzfrei. Das ist nun zehn Monate her.

Deine Botschaft für andere Menschen?
Christian Schulz: Hier möchte ich gern unterscheiden. An alle Christen: Strebt mit eurer ganzen Seele, eurem Herzen und eurem Denken danach, Jesus immer besser kennen zu lernen. Wer Ihn kennt, kennt den Vater. Dient Ihm und den Menschen. An alle Nichtchristen: Probieren geht über studieren. Man kann rätseln und diskutieren und argumentieren bis man umfällt. Man wird die Wahrheit über etwas nie erfahren, wenn man sich nicht darauf einlässt. Und wer sich auf Jesus einlässt, der wird nie mehr verlassen. Der höchste Sinn der Vernunft ist es, zu erkennen, dass Vernunft allein nicht ausreicht (Thomas von Aquin).

Ein Leben ohne Gott wäre für Dich wie... ?
Christian Schulz: Ich merke gerade, dass es mir sehr schwer fällt, mir das vorzustellen. Und darüber bin ich sehr froh. Deshalb ein Vergleich: Ein Leben ohne Gott wäre für mich wie eine Computer-Maus ohne Verbindung zum PC. Erst durch diesen Anschluss kann sie ihre Funktion erfüllen, ihren Sinn erkennen und eine „Beziehung" zum PC haben.

Welcher Bibelvers ist Dir sehr wichtig?
Christian Schulz: „Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott. Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein; denn das erste ist vergangen." (Offenbarung 21, 3-4)

Was ist Dein größtes Gebetsanliegen?
Christian Schulz: Die geistliche Erweckung Deutschlands. Auch wenn dies weiter entfernt scheint als dass wir es uns vorstellen können denke ich doch, dass es wichtig ist, dass wir (als Gemeinde) dafür beten.

Gemeinde Aktuell: Vielen Dank für die Offenheit, Christian.


 
 
   

Herzlich willkommen bei der:

Ev.-Luth. Jakobi-Christophorus-
Kirchgemeinde Freiberg
Beutlerstr. 5
09599 Freiberg
Telefon 03731 696814

Wegbeschreibung Jakobikirche
Wegbeschreibung Kapelle Zug

 
 

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