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Glauben und Leben |
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Interviews über Glauben und Leben
Verschiedene Menschen aus unserer Gemeinde erzählen in Interviews
von ihrem Glauben und ihrem Leben (Rubrik MENSCHEN UND GLAUBE in
"Gemeinde aktuell"). |
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Einfach kein Zufall!
Über ihre Leidenschaft für Kunst, Kultur und Gemeinde unterhielt
sich Gundula Rudloff mit Falk-Uwe und Rosemarie Keil.
Vorneweg: Was fällt euch eigentlich als erstes ein, wenn ihr an unsere
Gemeinde denkt?
Rosemarie: dass man sich einbringen und schnell eine Aufgabe bekommen
kann.
Falk-Uwe: Gemeinschaft, Heimat, dass ich mich im Gottesdienst
zu Haus fühle und dass man mit Jung und Alt Kontakt haben kann, z.B.
auch nach den Gottesdiensten beim Kirchen-Cafe.
Sich bei den verschiedensten Gelegenheiten mit ihren Gaben in die
Gemeinde einzubringen - seien es Gemeindekreise, Gemeindefeste oder
Krippenspiele – das ist einfach typisch für Falk-Uwe (61) und
Rosemarie Keil (60). Beide haben bereits aktiv im Team „Kirche im
Abendlicht“ mitgearbeitet, bevor sie seit 2006 „offizielle“
Gemeindeglieder wurden und gehören seit über 10 Jahren einem
„übergemeindlich besetzten“ Hauskreis an.
Seit 1985 leben sie wieder in Freiberg bzw. Halsbach. Falk-Uwe leitet
die Qualitätssicherung in einem Werk zur Herstellung von Feuerwerk,
Rosemarie war zuletzt in einer Krankenkasse tätig. Sie haben eine
erwachsene Tochter.
Rosi, dich sehe ich vor meinem inneren Auge mit einem Buch in der
Hand, Falk-Uwe, dich mit einer Kamera. Erzählt doch mal etwas von
euren Freizeit-Leidenschaften!
Rosemarie: Uns verbindet schon immer ein großes Interesse an Kunst und
Kultur. Wir sind Kunstgenießer in verschiedener Hinsicht:
Ausstellungen, Musik, Theater.
Falk-Uwe: und wir sind auch schon immer bestrebt, selbst etwas
Künstlerisches zu machen. Musik machen können wir aber leider nicht,
Sport ist auch nicht so mein Ding; wir mussten uns was suchen, was
geht. Ich habe mal etwas gezeichnet und verschiedenes
Kunsthandwerkliches ausprobiert, aber so richtig war es das nicht.
Mein Schwiegervater war Fotograf und auf diese Weise bin ich
schließlich zur Fotografie gekommen – mit eigener Dunkelkammer.
An der Bezirkskulturakademie in Cottbus habe ich eine Ausbildung
gemacht und dann einen Fotoclub geleitet. Das war das Gute in der DDR:
es wurde viel für Kultur getan. Gern erinnere ich mich noch an
Radtouren während meiner Zeit als Lehrer, wo wir unterwegs mit
Schülern gezeichnet und fotografiert haben.
Rosemarie: Schon seit der Kindheit habe ich Literatur geliebt. Mit 9
oder 10 Jahren habe ich das erste Gedicht verfasst und mein Vater hat
mich gefragt: Wo hast du das abgeschrieben?
Ich habe auch gern Aufsätze geschrieben, später bei literarischen
Wettbewerben erfolgreich mitgemacht. Dank einer sehr guten
Deutsch-Lehrerin in der EOS gehörte ich zu einer Rezitatoren-Gruppe,
wo wir zu gesellschaftlichen und kulturellen Anlässen Texte und
Gedichte gesprochen haben. Das hat mir viel Spaß gemacht und ich habe
dabei viel gelernt.
Falk-Uwe: In der Zeit, wo wir in der Nähe von Weißwasser wohnten,
haben wir auch mal einem Keramik-Zirkel angehört und ich habe Schmuck
gestaltet. Bei den Sorben gewann ich sogar mal einen Preis für ein
typisch sorbisches Osterei.
Rosemarie: Und ich war viel mit Handarbeiten und künstlerischer
Textilgestaltung beschäftigt. Richtig mit Schreiben ging es bei mir
Anfang der 80-er Jahre los.
Wir waren damals ein paar Tage in Weimar, Falk-Uwe hat fotografiert
und ich schrieb Reise-Impressionen. Daraus machten wir dann ein „Büchel“,
denn Falk-Uwe hat schon damals gern etwas mit Bildern gestaltet. Wir
haben eigentlich immer zusammen gearbeitet, weil wir uns gegenseitig
die besten Kritiker sind.
Mein Herz schlägt besonders für Ostpreußen, die Heimat meiner
Vorfahren. Ein Buch darüber ist fertig und an zwei Projekten arbeite
ich gerade: an einer Dorfchronik über den Ort, wo meine Großeltern
gelebt haben. Das ist sehr aufwändig, aber auch spannend, weil es
viele Kontakte bedeutet und weil ich sogar mir bisher unbekannte
verwandtschaftliche Beziehungen entdeckt habe.
Das zweite Projekt sind fiktive Briefe an meinen Großvater, den ich
nie kennen gelernt habe, weil er auf der Flucht während des Krieges
verschollen ist.
Die Leidenschaft für Gemeinde ist euch ja im Unterschied zu
manchen anderen Begabungen nicht in die Wiege gelegt worden. Wie kam
es dazu?
Falk-Uwe: Als Lehrer in der Lausitz war ich ja in besonderer Weise mit
der SED-Parteilinie konfrontiert. Auffällig war mir aber damals, dass
die anständigen und auch gebildeten Kinder meist Christen waren. Das
gab mir zu denken. Im Lehrerzimmer gab es manche bösartigen und
giftigen Bemerkungen über den Pfarrer, der engagierte und gute
Jugendarbeit machte. Da habe ich gemerkt: bei den Christen ist was
los. Und dann haben wir etwas miterlebt, was wir bis heute toll
finden: der Pfarrer hat angefragt, ob er in einem Schulraum
Christenlehre halten dürfe, was natürlich abgelehnt wurde. Da hat er
einfach in seinem Auto vor der Schule Christenlehre gemacht: seinen
Wartburg mit Schülern vollgeladen, seine Geige ausgepackt und
gespielt. Das war überzeugend, dass sich jemand so für seine Sache
einsetzt. Das war die erste bewusste Begegnung mit einem Christen.
Rosemarie: Meine ersten Berührungen mit Christen waren eher
unattraktiv. Ich bin z.B. in der Grundschulzeit mal entgegen der
Überzeugung meiner Eltern zu einem kirchlichen Kinderkreis mitgegangen
und weiß noch, dass ich überhaupt nichts begriffen habe. Oder ich
denke an eine Mitschülerin an der EOS, die Christ war, aber dann in
einem Aufsatz eine völlig andere Position vertreten hat. Das fand ich
unglaubwürdig.
Oder da war eine Mitstudentin, von der ich mal was zur Bedeutung des
christlichen Glaubens erfahren wollte; aber die konnte das auch nicht
erklären. Ganz anders wurde das erst nach der Wende. Anfang der 90-er
Jahre hatten wir die Möglichkeit, in die Alpen zu fahren und da haben
wir über viele Jahre immer wieder eine Christin getroffen, bei der uns
besonders beeindruckt hat, dass sie so dankbar für alles sein konnte.
Inzwischen lebten wir ja in Freiberg und waren auch ab und zu, z.B.
Weihnachten, im Dom. Das Schlüsselerlebnis für mich hing eigentlich
mit unserer Tochter zusammen.
Da gab es manches Schwierige in der Zeit und bis heute scheint es mir
wie eine Eingebung gewesen zu sein, dass ich eines Tages dachte: frag
mal im Dom nach, ob es da was für Jugendliche gibt. Und tatsächlich
hat sie dort Anschluss und Hilfe gefunden. Das war ein großer Segen
für uns alle.
Später wollte sich unsere Tochter taufen lassen und das wurde uns
beiden dann zum Anlass, unsere Konfirmation nachzuholen, denn wir
waren beide als Säuglinge getauft worden.
Wir haben den „Familienunterricht“ bei Pfr. Fischer noch in sehr guter
Erinnerung. Aber die Taufe von Verena ging unserer Konfirmation
voraus! Ganz wichtig wurde uns dann der Hauskreis. Als jemand uns dazu
einlud, haben wir nur schüchtern zurückgefragt: Hauskreis – was ist
das?
Die Antwort war: Kommt doch mal vorbei! Und wir sind bis heute dabei
geblieben! Da gibt es die intensivsten Gespräche über Glaubensfragen.
Das Erstaunliche ist, dass wir den Kreis stets bereichert verlassen,
weil alle ihre Gedanken und Erfahrungen einbringen.
Und ganz wichtig ist das Gefühl: da kann man einander vertrauen, sich
öffnen, keiner lacht einen aus.
Zu unserem 30. Hochzeitstag 2002 haben wir uns übrigens entschieden:
jetzt lassen wir uns trauen! Das war eine ganz schöne Feier zusammen
mit unserem Hauskreis!
Wenn ihr jetzt in Bezug auf Gemeinde den Satz hört: Ich bin ein
Teil des Ganzen – was heißt das für euch?
Rosemarie: Ich fühle mich so! Für mich hat das damit zu tun, andere
Leute kennen zu lernen und dann zu entdecken: wir sind so etwas wie
Mosaiksteinchen und was dabei rauskommt, wenn wir was gemeinsam
machen, funktioniert tatsächlich. Das erlebe ich zum Beispiel bei
„Kirche im Abendlicht“ so oder auch beim Krippenspiel.
Falk-Uwe: Für mich ist das ganz selbstverständlich: was zu tun, wo ich
mich mit meinen Gaben einbringen kann. Da fühle ich mich als Teil des
Ganzen.
Rosemarie: Bei „Teil des Ganzen“ denke ich auch an das Miteinander der
Gemeinden unserer Stadt und daran, dass man die Kräfte noch besser
bündeln und so sicher auch Finanzen sparen könnte.
Viele Menschen aus eurer Generation sind der Kirche gegenüber ja
sehr distanziert. Was könnte ihnen helfen, offener zu werden?
Rosemarie: Einige haben sich schon mal zu Kirche im Abendlicht
einladen lassen.
Falk-Uwe: oder auch Heiligabend zum Krippenspiel. Da habe ich gesagt:
Da mache ich mit. Ungewöhnliche Aktionen wie der „Halsbacher Advent“,
den Ute Böhm initiiert hat, machen auch neugierig.
Rosemarie: Wir hätten nie gedacht, dass so viele kommen würden, um
sich an den Adventssonntagen vor verschiedenen Fenstern des Ortes zu
treffen, um zu singen und etwas über den Advent zu hören.
Als es vor unserm Fenster war, konnten wir auch eine Karte mit einem
biblischen Inhalt mitgeben. Das war eine tolle Aktion!
In dem Zusammenhang muss ich an meinen Konfirmationsspruch denken. Wir
haben uns beide die Sprüche selbst ausgesucht:
Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so
könnt ihr sagen zu diesem Berge;
Heb dich dorthin! So wird er sich heben; und euch wird nichts
unmöglich sein.
(Matthäus 17.20)
Rückblickend kann ich nur sagen: vieles in unserem Leben war einfach
kein Zufall. Gott hat mir geholfen, Berge zu versetzen!
Falk-Uwe: Mein Spruch heißt:
Ich bin bei dir, dass ich dir helfe und dich errette, spricht der
Herr.
(Jeremia 15,20)
Mir ist daran wichtig: Jesus ist immer für mich da; ich muss seine
Hilfe nur annehmen.
Danke für das Gespräch! Und viel Freude weiterhin beim Einbringen
eurer vielfältigen Gaben! Ich wünsche euch, dass ihr spürt, wie ihr
ein unersetzlicher Teil des Ganzen seid! |
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Gemeinde soll nicht im eigenen Sud
kochen,
sondern Menschen zu Jesus führen
Daniela Gneuß (39) mag es nicht, im Rampenlicht zu stehen, auch
wenn sie als Verantwortliche am Büchertisch in der Jakobikirche
durchaus präsent ist und die Frauenabende „Evas unter sich“
initiiert hat und federführend mitgestaltet. Daniela gehört einem
Hauskreis an und hat sich auch in diesem Jahr wieder für
„Weihnachten im Schuhkarton“ engagiert.
In Löbau ist sie aufgewachsen und mehrmals innerhalb Sachsens
umgezogen, bevor sie mit ihrem Mann Falk 8 Jahre in Essen gelebt
hat. Seit Sommer 2007 gehört die Familie zu unserer Gemeinde und als
Mutter von 5 Kindern kommt Daniela (zumindest vorerst) nicht auf die
Idee, in ihrem Beruf als Krankenschwester zu arbeiten. Eine ruhige
Stunde mit Gundula Rudloff konnte trotzdem organisiert werden.
Ist die Advents- und Weihnachtszeit für euch als Familie
eigentlich eine besondere Zeit?
Ja, im Advent werden wir dieses Jahr wieder wichteln: wir machen
Lose für jedes Familienmitglied und dann wird gezogen. Die Aufgabe
ist dann, dem, der auf dem gezogenen Los steht, eine Woche lang eine
Freude zu machen. Das muss nicht ein Geschenk sein, sondern kann
genauso eine praktische Hilfe sein oder eine Ermutigung oder ein
Kompliment. Nach einer Woche wird’s neu gemischt.
Viel Gemütlichkeit schaffen wir im Advent nicht, aber abends lesen
wir mit allen Kindern zusammen eine fortlaufende Geschichte, die die
christliche Botschaft auf gute Weise mit dem Advent verbindet.
Einige Jahre war es sogar das selbe Buch. Und Heiligabend laden wir
einen Menschen, der sonst allein wäre, ein, in unser „Chaos“ mit
Essen und Bescherung einzusteigen.
In unserm Land zählt ihr mit 5 Kindern als kinderreich. Wie
fühlt sich das eigentlich an?
Selbst in der eigenen Familie kam das etwas komisch an und wir
fühlten uns in Frage gestellt - schon als das vierte Kind kam. Aber
immer, wenn das Kind da war, war alles O.K. Sonst im Alltag erleben
wir das unterschiedlich. Manche finden das ganz toll, aber wir haben
auch schon Bemerkungen gehört wie: Müssen die denn noch ein Kind in
die Welt setzen. Die haben doch schon genug. In der Kirchgemeinde
sind wir mit allen Kindern immer positiv aufgenommen worden und
haben uns voll und ganz akzeptiert gefühlt. Ich finde es total schön
und bereichernd, Kinder zu haben! Aber ich glaube, die Entscheidung
ist wichtig: Ja, ich will das. Wenn man ansonsten zu viel plant,
gibt es immer Gründe, warum Kinder gerade nicht in die Planung
reinpassen. Kinder zu haben ist laut, aber lustig, Wir lachen viel
und es hält jung! Klar ist: mit 5 Kindern und mir als
„Nichtverdiener“ geht nicht alles. Wir stecken zurück, wo andere
nicht überlegen müssen, ob sie Schwimmen gehen, Essen gehen oder ins
Kino gehen. Aber wir haben uns dafür entschieden. Wir wollen es so.
Allerdings finde ich es ab und zu hilfreich, wenn mir jemand
Ermutigung und Anerkennung dafür gibt, denn manchmal zweifle ich
auch an meiner Rolle, wenn es bei den Kindern eine Pubertätsschub
gibt oder alle krank sind, der Mann nicht da ist. Auch mit vier
Kindern bin ich schon an gesundheitliche Grenzen gekommen und auch
krank geworden. Ich bin also nicht immer „auf Wolke 7“, sondern
empfinde die Situation auch als Kampf. Aber es ist gut so; ich will
mit niemandem tauschen.
Bleibt eigentlich bei der gesamten Haushalts- und
Kinderlogistik auch mal Zeit nur für dich, für deine Bedürfnisse,
Wünsche, Hobbys?
Es ist schon so: ich stecke zugunsten der Familie zurück. Aber zum
Beispiel der „Evas-Abend“ ist was, wo ich mich einbringen kann. Ich
genieße es, mit anderen Frauen zusammen sein zu können. Und ich
nehme mir auch Auszeiten. Das ist für mich spazieren gehen, im
Garten was machen, Sport treiben: schwimmen, walken oder joggen. Mal
eine Freundin treffen oder mit den Hauskreis-Frauen zusammen sein.
(Vielleicht ja ein Tipp für die anderen Hauskreise: ab und zu
separate Treffen von Männern und Frauen?!) Auszeit ist auch: einen
guten Film angucken oder ein Buch lesen. Bücher sind sowieso meine
Leidenschaft. Ich muss eben nach etwas Ausschau halten, was auch
realistisch ist, umzusetzen.
Noch mal zum Eva-Abend: Was hat dich besonders motiviert, so
ein Angebot zu initiieren?
Ich finde, dass Frauen wunderbare Gaben und Talente haben. Ich bin
keine Feministin. Aber ich glaube, dass Frauen oft die sind, die
mehr beten und als „Gefühlsmenschen“ näher an Gott dran sind und
auch einladender für andere sein können. Meine Vorstellung für diese
Abende ist: Gaben entdecken, Talente fördern, Lust auf Gott zu
machen.
Christliche Kindererziehung – was heißt das eigentlich für
dich?
Christliche Werte leben, auch auf die Wortwahl achten, Tischgebete
sprechen, vor dem Schlafen mit den Kindern beten und auch bei
Krankheit um Heilung beten. Wenn die Kinder früh aus dem Haus gehen,
werden sie gesegnet. Wir lassen nicht alles Spielzeug und auch nicht
alle Bücher zu. Auch Halloween-Partys lehnen wir ab. Vielleicht bin
ich da auch etwas radikal, weil ich erst als Erwachsene zum Glauben
gekommen bin. Wichtig ist mir auch, viel miteinander zu reden und
natürlich auch darüber, wenn etwa in der Schule blöde Sprüche wegen
des christlichen Glaubens unserer Kinder kommen.
Der Sonntag ist bei uns ein besonderer Tag. Es ist normal, zum
Gottesdienst zu gehen und keine Arbeit an Haus und Hof zu machen,
sondern Freunde einzuladen, Spiele oder Ausflüge zu machen.
Wo findest du, müsste sich unsere Gemeinde verändern oder
weiter entwickeln?
Ich fände es gut, wenn mehr Gottesdienste gestaltet werden, die für
glaubensferne Menschen ansprechend sind. Aus der Gemeinde in Essen
kenne ich das so: mit Lobpreis, ohne Talar, ohne bestimmte Liturgie,
interessante Themen im Licht der Bibel. Vielleicht würde dann die
Hemmschwelle für Leute niedriger. Ich wünschte mir auch noch mehr
Miteinander der Generationen vielleicht bei
Nachmittagsveranstaltungen. Und ich wünschte mir mehr Kulturelles in
der Kirche, weil man dazu auch Leute einladen kann, die sonst nicht
in die Kirche gehen. Mir geht es immer darum, die Hemmschwelle
niedrig zu machen und sich für Menschen zu öffnen, die Gott noch
nicht kennen.
Wozu ist Gemeinde da – wie würdest du es erklären?
Gemeinde ist dazu da, dass man sich gegenseitig stärkt und
miteinander Glauben lebt. Aber Gemeinde soll nicht im eigenen Sud
kochen, sondern Menschen zu Jesus führen.
Gibt es eine Frage, die du gern von Jesus beantwortet hättest?
Warum bin ich krank geworden? Sonst bin ich total zufrieden mit dem
Leben, aber die Krankheit - Zöliakie - hätte ich gern los!
Was mit Gott erlebt – was fällt dir als erstes ein?
Dass Falk von Essen gern zurück nach Sachsen ziehen wollte und ich
nicht. Aber dann ist mir auf einer Frauenkonferenz mit Maria Prean
klar geworden: wenn das für uns als Familie dran ist, ist es gut.
Menschlich fand ich es sehr schwierig und ich habe viel geheult.
Aber dann hatte ich ein Bild, das mir eine große Hilfe war: da war
ein schmaler Steg, über den ich gehen musste, aber mit dem Blick auf
Jesus wird es gut. Auf diese Zusage Gottes habe ich mich berufen. So
habe ich mich in aller Veränderung getragen gefühlt und erlebt: es
ist Gottes Weg mit uns. Das hat mir tiefen Frieden gegeben.
Als Erlebnis mit Gott fällt mir auch unsere jüngste Tochter Martha
ein. Eigentlich hab ich mich in der Zeit nach einem Job umgeguckt,
hatte auch schon auf Probe gearbeitet – und dann war ich schwanger.
Eine kurze Phase der beruflichen Überlegungen ist dadurch abrupt
beendet worden und ich habe erkannt: es ist Gottes Plan für mich,
dass ich noch bei den Kindern bleibe. Martha ist ein „Herzenskind“
Gottes für mich.
Ein Bibelwort, das dir viel bedeutet …
… ist mein Taufspruch. Den habe ich mir zu meiner Taufe 1993 (nach
ProChrist) selbst ausgesucht: Lehre mich tun nach deinem
Wohlgefallen, denn du bist mein Gott; dein guter Geist führe mich
auf ebner Bahn. (Psalm 143, 10)
Das Wort ist für mich wie ein Wegweiser, der mir hilft zu fragen:
was würde Jesus tun?
Zuletzt: bitte ein Buchtipp für die Advents- und
Weihnachtszeit!
Adrian Plass: „Das Wiedersehen“ – ein wundervolles Buch über tiefe
Gefühle verletzter Menschen. Adrian Plass kennen viele als
Humoristen, aber er hat sich mehr und mehr als ernsthafter
Schriftsteller etabliert.
Danke für diesen Einblick in dein Leben und für dein
Engagement in Gemeinde! Ich wünsch dir ganz viel von der
wechselseitigen Erfahrung, dass du andern Mut machen kannst – nicht
nur, aber auch zu Kindern und dass du immer wieder viel Ermutigung
und Kraft für alles geschenkt bekommst! |
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Gleichaltrige als Vorbild sind viel
wichtiger
als Erwachsene
Tobias Gietzelt (18) würde gern mal Maschinenbau studieren. Ob er
davor noch irgendwas anderes macht, weiß er noch nicht genau, aber
dazu hat er ja noch Zeit nachzudenken, bis sein letztes Schuljahr
zuende ist. Obwohl er durch seine vielseitigen Hobbies wohl gar
nicht so viel Zeit hat! Da ist als erstes die Musik: Schlagzeug,
Klavier, Singen (seit der 6. Klasse im Freiberger Knabenchor). Mit
Computerspielen verbringt er – weniger nach der eigenen
Einschätzung, aber nach der seiner Mutter - viel zu viel Zeit. Hin
und wieder bastelt er gern, z.B. an Fahrrädern und schließlich
gehört der Fußball dazu (den er vereinsmäßig allerdings aufgrund zu
häufiger Verletzungen aufgegeben hat). In unserer Kirchgemeinde
aktiv ist er mindestens seitdem er laufen und seinen Vater bei
diversen Bau- und Reparaturtätigkeiten begleiten konnte bzw. seit er
groß genug ist, um Gemeinde-aktuell in Briefkästen verteilen zu
können. Jetzt gehört er zum Mitarbeiterteam der Jungen Gemeinde (JG),
ist Mitglied in einem Jugendhauskreis und gibt in der Band „Deep
Worship“ den Rhythmus an. Gundula Rudloff unterhielt sich mit ihm in
der Hollywood-Schaukel.
Tobias, Gemeinde ist für dich ...
Ort, wo ich auf jeden Fall auftanken kann. Da denke ich zuerst an
die JG, wo man sich mit vielen Leuten, die mehr oder weniger mit
Gott erlebt haben, austauschen kann. Das ist auch ein Ort, wo die
älteren für die jüngeren Vorbildwirkung haben können. Da denkt man
manchmal: Mensch, da hab ich auch mal gestanden. Und dann kann ich
den Jüngeren jetzt erzählen, was andere mir früher mal erzählt
haben. Das ist auf jeden Fall spannend! Spannend finde ich auch,
dass Lobpreis im Gottesdienst inzwischen in jeder Generation Anklang
findet, das finde ich genial!
Hast du Vorbilder?
Es gibt Leute, wo man sagt: Mensch, so möchte ich später auch mal
werden. Im Lobpreis-Bereich denke ich an Samuel Harfst und die
Hillsong-Leute. Die sind bei der Sache, reißen andere mit, aber
stellen sich selbst nicht dar. Das ist die Herausforderung: in der
Musik bei Gott zu bleiben. Die JG-Leiter – also Bauchs und Frank –
sind mir auch Vorbild. Von ihnen kann ich viel lernen zum Umgang mit
Gott im Alltag!
Du bist in einer christlichen Familie aufgewachsen. Was war
besonders wichtig und prägend für deine geistliche Entwicklung?
Erstmal ist es hilfreich, in christliche Gemeinde reinzuwachsen,
weil dann einfach viele Kontakte da sind. Viele, auch ältere, kennen
mich und ich kenne sie. Ansonsten denke ich zuerst an die Band! Mit
der Konfirmation war klar: Gott muss es geben. Da ist der Gedanke
gereift: da ist was; da gehst du auf Suche, in der JG wirst du schon
Antworten finden….Das war dann auch so, obwohl JG mir zuerst vor
allem Spaß mit den anderen bedeutete. Der Knackpunkt für mich war
die Frage von Markus: willst du beim Lobpreis-Abend auf dem Klavier
mitspielen? Ich hab das dann gemacht – auch wenn es musikalisch
nicht so toll war. Bei einem Stück hat Markus dann Klavier gespielt
und ich Cajon – das hat mir richtig Spaß gemacht. Vor dem nächsten
Promise-Jugend-Gottesdienst hat Markus mich wieder gefragt. Diesmal,
ob ich Cajon spielen würde. Das war eine echt spannende Phase, weil
ich eigentlich in der selben Zeit, in der Band-Probe war,
Fußball-Training hatte. Aber weil ich häufig Verletzungen am
Sprunggelenk hatte, konnte ich mehr bei den Bandproben dabei sein.
Immer, wenn ich wieder mehr in Fußball investieren wollte, kam
wieder eine Verletzung. Ich glaube, das war Gottes Führung. So bin
ich in der Band richtig aktiv geworden. Das hat für mich sehr viel
mit der Festigung meines Glaubens zu tun. Eine Rüstzeit in
Hermannsdorf war auch sehr wichtig, wo wir ganz viel Lobpreismusik
gemacht haben. Da hatte ich das Gefühl, endgültig „angekommen“ zu
sein. Wir haben viel gequatscht und gebetet und ich habe mein Leben
endgültig Jesus anvertraut. Danach wusste ich: wofür ich das mache
mit der Musik und dass man damit eine Botschaft rüberbringt.
Kannst du noch etwas sagen zu der Rolle, die deine Familie für
deinen Glauben spielte oder bis heute spielt?
Ich bin, wie gesagt, mit dem christlichen Glauben aufgewachsen. Das
bedeutet, dass mir zum Beispiel das Gebet vor dem Essen oder dem
Schlafen sehr wichtig und selbstverständlich ist. Mit meinen Eltern
kann ich über geistliche Themen sprechen, was mich in meinem eigenen
Glauben weiter bringt und mich gewisse Dinge besser verstehen lässt,
die für mich unverständlich oder gar zweifelhaft waren. Außerdem
habe ich durch meine Eltern schon früh gelernt, was es heißt,
christliche Gemeinschaft zu leben und zu pflegen – etwa durch den
Hauskreis meiner Eltern, bei dessen Ausflügen oder Rüstzeiten ich
schon oft dabei war oder durch diverse Klettertouren meines Vaters
mit Freunden (mehr oder weniger freiwillig).
Was ist für junge Leute wichtig, damit sie ihren Platz im
Reich Gottes und in christlicher Gemeinde finden können?
Gleichaltrige, die überzeugte Christen sind! Gleichaltrige als
Vorbild sind viel wichtiger als Erwachsene. Gleichaltrige machen
neugieriger und lassen den Wunsch wachsen: Reich Gottes will ich
auch entdecken!
Wie muss Gemeinde aussehen, wo junge Leute ihren Platz finden
können?
Offenheit, Herzlichkeit, Akzeptanz durch alle Generationen hindurch.
Gemeinde sollte die Individualität fördern – und sich nicht mit
Grabenkämpfen aufhalten.
Hast du Wünsche / Visionen für dein Leben?
Was die Band betrifft, dass wir mal richtig große Auftritte haben.
Aber erstmal sind kleine Schritte angesagt, dass wir uns als Band
festigen. Ansonsten: Familie haben und falls ich irgendwann nicht
mehr in Freiberg sein sollte: eine Gemeinde finden, wo gute
Gemeinschaft ist. Da hab ich ja jetzt Glück.
Welche Fragen würdest du gern von Gott beantwortet haben?
Vor einigen Wochen ist meine Oma gestorben. So richtig an Gott
geglaubt hat sie nicht. – Ist sie im Himmel angekommen?
Gibt es einen Bibelvers, der dir besonders wichtig ist?
Eine Geschichte, nämlich die vom „verlorenen Sohn“ (Lukas 15,
11-32). Das war die erste Geschichte, über die ich mal mehr
nachgedacht habe; ich habe sie damals auch in die handgeschriebene
Gemeindebibel geschrieben (vor 7 Jahren oder so). Seitdem bin ich
immer wieder auf die Geschichte gestoßen: der Vater ist für mich
ganz großes Vorbild, wie er an den Sohn glaubt, diese endlose Liebe
zu dem Sohn, dass er alles vergeben kann!
Kannst du von einem Erlebnis mit Gott erzählen?
Das sind bei mir eher viele Kleinigkeiten, die mich immer wieder
drauf stoßen: es ist nicht alles selbstverständlich! Neulich bin ich
mit dem Zug nach Mecklenburg-Vorpommern gefahren. Zwischen Berlin
und Neubrandenburg ist der Zug wegen eines Defektes stehen
geblieben. Weil ich Musik gehört habe, habe ich die Durchsage nicht
mitgekriegt, dass ich hätte aussteigen sollen. So merkte ich
schließlich, dass der Zug wieder zurück fuhr. Trotz allem bin ich
dann irgendwann noch gut angekommen. Da hab ich gesagt: Danke, Gott!
Oder beim Autofahren hat mal was nicht funktioniert – und dann ging
es doch.
Wie ist das für dich als Christ in der Schule? Spricht man
darüber? Wissen das die anderen?
Ich hab einen Kumpel, mit dem ich reden kann. Ich habe aber auch
echt Glück, dass ich keinen Gegenwind erfahre. Aber andere zu
animieren, mal mitzukommen – zum Beispiel zu „JesusHouse“ das ist
total schwierig. Quatschen ja, aber mehr nicht… Insgesamt: es ist
ein Segen, dass Offenheit da ist zum Reden. In der Schule, in der
ich vorher war, hatten wir einen Bibelkreis: einmal wöchentlich
haben wir eine kleine Andacht gemacht mit Thema und Gebet.
Danke für das Gespräch. |
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Tanzen bedeutet für mich:
der Glaube bekommt Hand und Fuß
Als Rosemarie Gruber-Friebel (57) 2004 mit ihrem Mann Ulrich
aus dem württembergischen Sulzbach nach Freiberg zog, kam sie
eigentlich zurück in ihre Heimat. In Frankenberg geboren, aufgewachsen
und stets engagiert in intensivem kirchgemeindlichem Leben, lange Zeit
in Eppendorf gelebt und gearbeitet, ist sie bestens vertraut mit Land
und Leuten hier.
Neben ihren vielseitigen kreativen Gaben ist sie leidenschaftlich gern
Großmutter und ihr Lieblingselement ist das Wasser. In unserer
Gemeinde leitet sie das meditative Tanzen, ist im Posaunenchor mit der
Trompete zu hören, sie verantwortet mit ihrem Mann zusammen einen
Hauskreis und die „Kirche im Abendlicht“. Übergemeindlich bringt sie
sich in der Frauenarbeit ein. In ihrem Garten besuchte Gundula Rudloff
sie an einem sommerlichen Maimorgen.
Was hat dich im Glauben eigentlich am meisten geprägt? Was sind
deine Wurzeln?
Ich bin für mein kirchliches Elternhaus sehr dankbar. Für mich war die
Kirchgemeinde, der Kontakt unter Christen, Zusammenhalt und
gegenseitige Hilfe von Anfang an wichtig. Die Gemeinde war gerade in
DDR-Zeiten ein Raum der Freiheit. Die Gruppe in der Jungen Gemeinde
gab uns Geborgenheit, ein Zuhause. Gleichzeitig war es eine
Aufbruchzeit. Martin-Luther-King war unser Idol und stand für die
Sehnsucht nach Freiheit. Ich bin auch sehr dankbar, dass ich einen
Partner gefunden habe, der auch Christ war. Und durch das Blasen im
Posaunenchor kann man sich einfach nicht verstecken. Das Blasen gehört
einfach zu meinen Wurzeln im Gemeindeleben. Mein Vater war ephoraler
Posaunenchorleiter. Meine Schwester und ich haben bei ihm das Blasen
gelernt; ich glaube, wir gehörten zu den ersten Mädchen, die einem
Posaunenchor angehörten. Über das Blasen habe ich dann auch meinen
ersten Mann kennen gelernt. Und mein Schwiegervater war
Landesposaunenwart.
Dein Glaube oder besser: eine Ausdrucksweise des Glaubens ist
für dich auch die Bewegung, der Tanz.
Ja, aber das ist erst gewachsen, nachdem mein Leben durch ein tiefes
Tal gegangen ist. Das hat mit der Zeit zu tun, in der mein Mann krank
war und gestorben ist und meine berufliche Existenz verloren ging. Wir
haben ja gemeinsam in der Arztpraxis meines Mannes gearbeitet. 23
Jahre waren wir verheiratet. Mit Ausbruch der Krankheit ging unsere
gemeinsame Zeit dann ganz schnell zu Ende, aber im Nachhinein kann ich
sagen: es war auch eine gute und wichtige Zeit, einfach weil wir
wirklich Zeit miteinander hatten. Bis zu dieser Zeit in meinem Leben
habe ich meinen Konfirmationsspruch eigentlich nicht verstanden: „Euer
Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht,
wen er verschlinge. Dem widersteht, fest im Glauben.“ (aus 1. Petrus
5) In diesem Lebenstal habe ich plötzlich gesehen, was alles für
Anfechtungen auf einen lauern. Rückblickend bin ich dankbar, durch
dieses Tal geführt worden zu sein. Dazu gehörte eine Kur in der De
Ignis Klinik in Altensteig und dort gab es das Angebot „Tanz und
Bewegung“ – und das war’s! Das waren für mich Schritte wie in ein
neues Leben hinein: die Bewegung, das Loslassen-Können des
Vergangenen. Bis dahin hatte ich immer festgehalten und versucht, das
Leben aus eigener Kraft zu bestehen. Das mit dem Tanz hat sich dann
Stück für Stück weiter entwickelt. Später in Württemberg hatte ich die
Möglichkeit, eine dreijährige berufsbegleitende Ausbildung zu machen:
„Meditation des Tanzes und sakraler Tanz“. Als wir in Sulzbach „Kirche
im Abendlicht“ als neue Gottesdienstform begonnen haben, haben wir mit
einer Gruppe getanzt aus dem Anliegen heraus, die gute Nachricht auf
alle mögliche Weise zu vermitteln. Das Tanzen bedeutet für mich: der
Glaube kriegt Hand und Fuß und ich merke, wie geistliche Inhalte einen
über die Bewegung berühren. Eigentlich ist es betendes Tanzen oder
tanzendes Beten. Im Hinblick auf das „tiefe Tal“ bleiben natürlich
Warum-Fragen.
Wie lebst du heute mit diesen schmerzlichen Fragen?
Ich lasse sie stehen. Und ich sage: Wenn Gott das so entschieden hat,
dann will ich damit auch leben. Im Vaterunser beten wir immer: „Dein
Wille geschehe.“ Das sagt sich manchmal leicht, aber zu akzeptieren,
dass Gottes Wille anders ist als meiner – das ist was ganz anderes! In
der Trauer habe ich aber auch immer wieder erlebt, dass Menschen zur
rechten Zeit da waren – wie Engel, die mich begleitet haben. Eine
wichtige Rolle spielte da auch der Kontakt zur Luther-Kirchgemeinde in
Chemnitz.
Du hast es schon angedeutet: du warst eine Zeit lang in
Baden-Württemberg und gehörst heute an die Seite eines
württembergischen Pfarrers. Erzähl mal, wie das kam.
Wir haben uns auf einem CVJM-Schiff auf einer Kreuzfahrt kennen
gelernt. Es gab so viel Gleiches in unserer Lebensgeschichte: Er hatte
zur selben Zeit seine Frau verloren. Wir haben beide gespürt, wie gut
es tut, wenn man das jemandem erzählen kann, der einen versteht, weil
er das selbe erlebt hat. Wir haben schnell gespürt, dass es auf einen
gemeinsamen neuen Weg hinausläuft. Das einzige Problem war nur die
Entfernung Eppendort – Sulzbach!
Und wie habt ihr das geregelt?
Ich habe mehrmals erlebt, dass Gott zu mir durch Träume spricht. In
diesem Fall war es auch ganz klar! Und damit wusste ich, dass ich
aufbrechen sollte! Und es war so eine schöne Zeit in Sulzbach! Damals
hatte Ulrich gesagt: wenn du jetzt alles zurück lässt, dann komme ich
im Ruhestand nach Sachsen. Und dann ist die Entscheidung gewachsen,
nicht direkt in die alte Heimat zurück zu gehen, sondern nach
Freiberg.
Du bist sehr vielseitig begabt. Was schätzt du als deine größten
Stärken ein?
Ich bin ein spontaner Typ. Ich kann jeweils in der Situation
entscheiden. Ich kann auf Menschen zugehen. Auch Menschen, die ich
vorher nicht kenne, kann ich z.B. durch das Tanzen mit auf den Weg
nehmen…. Das hat sicher was mit meinem Beruf zu tun. Eigentlich wollte
ich ja Kostümbildnerin werden und hatte dafür eine Ausbildung zur
Damenmaßschneiderin gemacht. Aber dann, als ich meinen Mann kennen
gelernt hatte, der Arzt war, habe ich ihm zuliebe eine Ausbildung zur
Krankenschwester gemacht. Da musste ich viel spontan entscheiden.
Besonders brisant war das in den Nachtdiensten, wenn es um Notfälle
ging: was mache ich jetzt?
Als ich Ulrich kennen gelernt habe, hat er eines Tages gesagt:
„Übrigens, ich bin Pfarrer.“ Da habe ich als erstes gedacht: schlimmer
als in einer Landarztpraxis kann das auch nicht sein!
Noch was zu den Gaben: mit dem Tanz kommt jetzt meine kreative Seite
voll zum Zuge – und dazu ganz ohne Druck! „Du hast mir meine Klage
verwandelt in einen Reigen, du hast mir den Sack der Trauer ausgezogen
und mich mit Freude gegürtet…“ – Dieser Vers aus Psalm 30 ist zu
„meinem“ Bibelwort geworden. Es ist eine meiner schönsten
Lebenserfahrungen, trotz des Schweren und obwohl das Leben ganz anders
als geplant oder gewünscht gegangen ist, mich wieder freuen und lachen
zu können! Das empfinde ich als Geschenk. Durch Schweres wird man ein
anderer Mensch. Aber das ist nichts Negatives, sondern das vertieft
das Leben – auch glaubensmäßig.
Du bist sehr in der übergemeindlichen Frauenarbeit engagiert -
warum?
Frauen sind eigentlich die, die wesentlich die Gemeindearbeit tragen
mit ihren fleißigen Händen, mit Kreativität und Warmherzigkeit. Frauen
schätzen in besonderer Weise das Miteinander. Es ist sicher auch kein
Zufall, dass in der Tanzgruppe überwiegend Frauen sind. Seit kurzer
Zeit gehöre ich dem ephoralen Leitungsteam von 8 Frauen an, die zum
Beispiel den jährlichen „Weltgebetstag der Frauen“, das
Rogate-Frauentreffen und Bildungsfahrten vorbereiten. Übrigens war das
Rogate-Treffen am 28. Mai in Großhartmannsdorf ganz toll! Der
Gottesdienst war sehr gelungen genauso wie hinterher das
Gospelkonzert. Es war richtige Aufbruchstimmung!
Würdest du dir wünschen, dass mehr Verbindung zwischen diesen
Aktionen und den Frauen in unserer Gemeinde wächst? Könntest du dir
vorstellen, auch offiziell Ansprechpartnerin für die Frauenarbeit zu
sein?
Ja! Es wäre sehr schön, wenn die Frauenarbeit mehr in die gesamte
Gemeindearbeit integriert wäre. Ich würde auch gern überlegen, wie man
Angebote für jüngere Frauen machen kann, denn wie gesagt: ohne Frauen
geht eigentlich nichts. Und das betrifft nicht nur das
Großmutter-Alter! Ich würde gern im Team überlegen: was ist denn das
Bedürfnis von Frauen? - Und mit einer Pfarrerin in der Gemeinde müsste
dieser Kontakt doch gut möglich sein. Von Dresden werden sehr gute
Themen angeboten und es gibt tolle Multiplikatoren-Treffen, wo wir
theologisch-geistlich fundiertes „Futter“ bekommen.
Wie sieht dein Traum von Gemeinde aus?
Gemeinde ist immer ein Weg; es gibt nie das Endgültige. Gemeinde wird
sich immer bewegen und verändern. Das wird auch zu Reibungspunkten
führen, aber entscheidend ist: man ist miteinander unterwegs, achtet
und schätzt sich wert. Und: wir bringen die frohe Botschaft nach
außen. Mein Wunsch ist, dass wir Gottes Liebe weiter geben, indem wir
Freude rüberbringen und vorleben, wie das geht, einander Mut zu
machen, aufeinander zu achten, den Einzelnen zu sehen, auch unsere
Gaben zu entdecken – das ist spannend! Aber so werden wir spüren, wie
das ist, getragen, geführt, manchmal auch „geschubst“ zu werden.
Und: ich finde, wir haben als Gemeinde so große Verantwortung, Werte
in die Gesellschaft hineinzutragen, den Menschen so etwas wie einen
„Anker“ zu geben. Meine Hoffnung ist, dass das auch durch den
Kirchentag in Dresden geschieht!
Danke für das Gespräch, deinen Einsatz und die Hoffnung, die du
ausstrahlst, dass wir noch viel Bewegendes hier in Gemeinde erleben
können! |
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Ich finde es „cool“, selbst vor dem Tod keine Angst haben zu
müssen
Thomas Haase (34), verheiratet mit Katja, mit der er einen
11 Monate jungen Sohn hat, ist von Beruf Finanzbeamter. Die meisten,
die ihn aus dem Gemeindeleben kennen, verbinden mit ihm allerdings
Musik. In großer musikalischer Breite und viel zeitlichem Engagement
bringt er sich an der Orgel und im Lobpreis am Piano, mit Gitarre
und Gesang ein. Thomas ist gebürtiger Pockauer und lebt seit 2004 in
Freiberg. Mit seiner Frau gehört er einem Hauskreis an. Gundula
Rudloff sprach mit ihm über sein geniales Hobby, Glaube, Geld und
Gemeinschaft.
Thomas, wolltest du eigentlich mal Musiker werden?
Einen Kirchenmusiker-Abschluss (C) habe ich ja. Aber Hochschulmusik
wollte ich nie studieren. Mein „2. Berufswunsch“ war schon immer
Kantor. Aber als ich mit kirchlichen Mitarbeitern und Pfarrern
drüber geredet habe, haben sie mir gesagt, dass aus Gründen der
Personaleinsparung zukünftig immer mehr Musiker im Nebenamt
gebraucht werden. Außerdem wollte ich nicht die Lust an meinem Hobby
verlieren, wenn ich es zum Beruf mache. Deshalb hatte ich von Anfang
an im Blick, das nebenberuflich zu machen. Ansonsten habe ich immer
davon geträumt, in einer Band zu spielen, aber dazu kam es nur kurze
Zeit während ich Zivi war.
In der Gemeinde erleben wir dich zwar meistens als Musiker,
aber Gemeinde ist für dich viel mehr als ein Ort, wo du ein lieb
gewonnenes Hobby einbringen kannst ...
Ja, in Gemeinde ist mir vor allem der Hauskreis wichtig, die lockere
Atmosphäre dort mit Freunden oder Menschen, die es noch werden
können. Mir ist wichtig, weiter zu kommen mit dem Wort Gottes, im
Dialog zu sein, Gemeinschaft zu haben in der Lehre und im Gebet.
Mein Ideal-Bild von Hauskreis ist: Freundschaft pflegen, Liebe
leben, sich in allen Lebenslagen zur Seite stehen. Für mich gehört
auch die Skatrunde zur Gemeinde. Das hat auch was mit Leben teilen
zu tun. Gemeinde heißt für mich: Reich Gottes bauen, auch nach außen
gehen, missionarisch werden. Ansonsten bringe ich schon sehr gern
Musik in Gemeinde ein, weil das für mich auch Erfahrungen der Nähe
Gottes sind.
Gottesdienst ist ja ohne Musik schwer denkbar. Was macht für
dich einen lebendigen Gottesdienst aus; einen Gottesdienst, wo du
gern hingehst und wo du auch andere hin einladen würdest?
Zu einem guten Gottesdienst gehört für mich, dass dort auch
Gemeindeleben stattfindet. Ein guter Gottesdienst ist nicht nur ein
Vortrag vom Pfarrer, sondern viel aktive Teilnahme. Das heißt für
mich, dass wir bewusst zusammen beten, bewusst die Lieder gemeinsam
singen und uns nach dem Gottesdienst ungezwungen unterhalten – über
Persönliches und über das gehörte Wort Gottes aus dem Gottesdienst.
Wichtig ist mir auch eine Mischung aus Tradition und Neuem, zum
Beispiel was die Musik betrifft, damit die verschiedenen
Generationen sich wieder finden können.
Zu einem lebendigen Gottesdienst gehört für mich auch, dass die
Gemeindeglieder merken, wenn Neue da sind und sie auch ansprechen.
Neue Leute sollten merken: hier kann ich Anschluss finden, wenn ich
möchte, hier werde ich herzlich aufgenommen.
Und dann ist mein Traum von Gottesdienst, dass die Geistesgaben zum
Einsatz kommen. Das könnte zum Beispiel bedeuten, dass Menschen
bezeugen, was sie mit Gott erlebt haben. Das könnte auch bedeuten,
dass es die Möglichkeit gibt, etwas mitzuteilen, von dem man den
Eindruck hat, Gott sagt es zu allen.
Was mich sehr freuen würde ist, wenn Leute im Gottesdienst mehr
Gefühle zulassen würden: aufstehen, tanzen, Hände heben, klatschen.
Aber in allem ist mir das allerwichtigste, dass klar ist: Gott und
sein Wort ist im Mittelpunkt!
Die meiste Zeit des Tages verbringst du ja im Finanzamt. Macht
es einen Unterschied, dass du deinen Beruf als Christ ausübst?
Ich denke, dass es in jedem Beruf einen Unterschied macht, ob ich
das als Christ tue oder nicht. Für mich liegt ein Unterschied darin,
wie ich zum Beispiel mit sozialen Fragen umgehe, mit der Frage der
Gerechtigkeit. Und als Betriebsprüfer hat für mich die Frage nach
der Wahrheit einen hohen Stellenwert. Ich werde Leute nicht mit
irgendwelchen Tricks zu Aussagen bringen oder zwingen. Aber ich
merke auch, dass einem durch das Gesetz und die
Verwaltungsvorschriften manchmal die Hände gebunden sind.
Noch was zum Geld: Hast du Grundsätze zum Umgang mit Geld, die
du als Christ wichtig findest?
Ich hab mal sinngemäß gehört: Womit man reich gesegnet ist, das
sollte man auch reich verschenken. Wenn einem also Geld gegeben ist,
sollte man es auch für Gottes Sache einsetzen, für Menschen, die es
brauchen und für die Gemeinde.
Wichtig ist, aufzupassen, dass nicht das Geld einen beherrscht und
man nur noch sein Vermögen verwaltet, statt sich für die
eigentlichen Dinge des Lebens Zeit zu nehmen.
Die Gefahr besteht ja nicht nur, wenn man „im Geld schwimmt“,
sondern fängt schon an, wenn man sich ständig darum dreht, wie man
sein Vermögen vermehren oder die günstigsten Schnäppchen ergattern
kann. Wenn wir als Christen mit Geld umgehen, sollten wir das immer
in dem Bewusstsein tun: nichts ist für die Ewigkeit, Vermögen ist
nur ein vorläufiges Geschenk. Daraus erwächst Dankbarkeit für das,
was man hat, selbst wenn’s nicht viel ist. Ich komme aus einer
Familie, wo Geld knapp war, aber wir waren trotzdem glücklich!
Familie, Beruf, Gemeinde – für viele Menschen deiner
Generation, besonders wenn es gerade die „Kinderphase“ ist, ist das
ein Spagat, wenn nicht sogar unmöglich, das „unter einen Hut“ zu
bringen. Wie geht ihr damit um?
Es ist wirklich ein schwerer Spagat, sich die Zeit so einzuteilen,
dass in allen Bereichen etwas Befriedigendes herauskommt. Ich habe
das Glück, dass ich mein Hobby in der Gemeinde ausüben kann.
Vielleicht ist das sogar ein Rezept, sich zu fragen: Wo kann ich
das, was ich gut kann und gern tue, in Gemeinde einbringen? Damit
könnten sich vielleicht – zeitlich gesehen – Synergien ergeben.
Außerdem braucht es klare Strukturen und Regeln, die man in Ehe und
Familie absprechen muss und gegenseitiges Verständnis, wenn der
jeweils andere abends mal weg ist. Insgesamt sollten wir versuchen –
wenn es irgend geht – als Familie Teil der Gemeinde zu sein.
Es ist dir ein Anliegen, den christlichen Glauben nicht „unter
der Bettdecke“, also nicht als Privatsache zu leben, sondern unter
die Menschen zu bringen. Was würdest du sagen: wozu braucht man als
junger, erfolgreicher, gesunder Mensch Gott, Kirche, Glaube?
Wenn es im Leben nur um mich geht, bin ich ein Egoist. Ohne die
Verbindung zu Gott wäre ich nicht in der Weise fähig, andere
Menschen zu lieben. Seit meiner Teenie-Zeit beschäftigt mich das
Thema „cool sein“. Ich habe entdeckt, dass ich keine Ängste haben
muss, wenn ich alles zu Jesus bringen kann. Ich finde es „cool“,
selbst vor dem Tod keine Angst haben zu müssen. Gottes Kraft brauche
ich auch, um ehrlich und wahrhaftig sein zu können, um nicht zu
manipulieren und immer an meinen persönlichen Vorteil denken zu
müssen.
Was hat dich eigentlich am meisten geistlich geprägt; was hat
dir auf deinem Weg mit Gott geholfen?
In letzter Zeit vor allem mein Trauzeuge, der sich in Glaubens-,
Familien- und Berufsfragen für mich Zeit genommen hat. Solche
Zweiergespräche haben mich weiter gebracht; die Chance, im Gespräch
grundsätzlich über meinen Weg als Christ nachzudenken, wo wir über
Entscheidungen geredet und miteinander gebetet haben. Mein
Elternhaus war für meine geistliche Prägung auch wichtig und die
Landeskirchliche Gemeinschaft, viele Gruppen und Kreise als Kind und
Jugendlicher. Besonders denke ich an einen Chorleiter, der für mich
auch ein geistlicher Leiter war. Er hat uns jungen Leuten gezeigt,
wofür wir die Musik eigentlich machen. Vor Auftritten haben wir
zusammen gebetet.
Zuletzt: Gibt es ein Bibelwort, das dir besonders wichtig ist?
Ja, mein Konfirmationsspruch:
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich
in ihm, der bringt viel Frucht. (Johannes 15,5)
Das ist zu so etwas wie einem Leitmotiv für mich geworden: Frucht
bringen, indem ich bei Jesus bleibe und nicht auf meine eigenen
Stärken baue. Mich beschäftigt die Frage: was ist überhaupt Frucht?
Für mich hat das mit Entwicklung, Wachstum zu tun; auch damit, neue
Leute zu gewinnen, sich also in Gemeinde fortzupflanzen; lebendig
sein, nicht verschrumpeln.
Vielen Dank für das Gespräch und viel Segen - nicht nur für
deinen musikalischen Einsatz.
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Beten ist aussprechen, was der Heilige Geist sagt
Germar Geiler (49), verheiratet mit Silke, 4 Kinder, ist
nicht nur mit unserer Kirchgemeinde sehr verbunden, sondern
beruflich auch sehr mit unserer Region am Rande des Erzgebirges,
denn sein Gewerbe ist der Internethandel mit erzgebirgischer
Volkskunst. Er lebt mit seiner Familie in Zug und gehört seit 2002
dem Kirchenvorstand an. Gundula Rudloff unterhielt sich mit ihm.
Mit dir begegnet mir jemand aus unserer Gemeinde, der aus unsern
Aktivitäten und Veranstaltungen gar nicht mehr wegzudenken geht. Es
gibt weniges in Gemeinde, wo du nicht dabei bist. Germar, was würde
dir ohne Gemeinde fehlen?
Christsein ohne Gemeinde geht nicht. Ein Leben ohne Gemeinde würde
bedeuten, kein Christ mehr zu sein. Es würde bedeuten, Jesus nicht
zu haben. Ich möchte mir das gar nicht vorstellen!
Wie würdest du zur Zeit deinen Platz in Gemeinde beschreiben?
Wo bringst du dich besonders gerne ein?
Wenn es um Fürbitte geht, bei Aktionen mit Kindern, im
Kirchenvorstand. Viele Dinge sind mir wichtig. Und kochen tue ich
mit großer Leidenschaft und egal, für welche Anzahl von Personen.
Ich möchte gern dabei sein, den Weg als Gemeinde zu finden und zu
gehen, den Gott vorhat. Und was mir noch sehr am Herzen liegt: dass
wir einander lieb haben, damit niemand sich ausgegrenzt fühlt; dass
alle sich wohl fühlen, dass Gemeinde für alle ein Zuhause ist. Ich
wünschte mir, andern mit der inneren Haltung begegnen zu können: was
sagt Gott über diesen Menschen?
Wie ist Glaube in dir entstanden und gewachsen?
Zunächst haben meine Eltern darauf geachtet, dass ich Christenlehre
und Konfirmandenunterricht mache. In der Jungen Gemeinde war ich
sogar ziemlich aktiv, ich würde sagen: nah an Gott dran. Aber danach
war ich erstmal weit weg von Glaube und Kirche. Ich habe zwar im
Chor gesungen und war Weihnachten mal in der Kirche, aber echten
Kontakt hatte ich nicht. Ich habe mir ein religiöses Weltbild selbst
zusammen gebaut – und war davon sehr überzeugt! Das hat sich radikal
verändert, seitdem ich 2002 im Glaubenskurs (Alphakurs) war.
Eigentlich bin ich nur deshalb hingegangen, weil ich mich einfach
informieren wollte, was da läuft. In der Mitte des Kurses gab es den
Alpha-Tag zu dem Thema „Der Heilige Geist“. Ich habe für mich um die
Erfüllung mit dem Heiligen Geist beten lassen (davon hatte ich
vorher nie etwas gehört). Danach war mir schlagartig klar: Jesus ist
der einzige Weg zu Gott. Die Bibel ist kein „schöngeistiges“ Buch,
sondern lebendiges Gotteswort. Ich habe die Gegenwart Gottes
gespürt, sein „Anklopfen“. Das ist schwer zu beschreiben, aber es
war wie Nie-wieder-weg-wollen! Und jetzt? – Ich bin weiter auf dem
Weg. Ich lerne, mich in aller Unvollkommenheit auf Jesus zu
verlassen.
Inzwischen ist ein Glaubenskurs ohne deine Mitwirkung gar
nicht mehr denkbar. Warum ist dir das missionarische Engagement so
wichtig?
Weil Gott mir das auf’s Herz gelegt hat. Ich empfinde Traurigkeit
über die Menschen, die Jesus noch nicht kennen. Denn es ist ja eine
Frage von Leben und Tod. Aber mir ist klar, dass ich es nicht machen
kann, sondern nur der Heilige Geist, Gott selbst.
Was würdest du jemandem sagen oder raten, der Gott nicht
kennt, ihn aber kennen lernen möchte?
Ich würde ein einfaches, kurzes Gebet empfehlen: Herr, wenn es dich
gibt, zeig mir, dass es dich gibt! Gott verspricht schließlich in
seinem Wort, dass er sich finden lassen wird von denen, die ihn
suchen.
Und dann ist wichtig, „Nägel mit Köpfen“ zu machen, also sein Leben
Jesus zu übergeben. Schließlich gehört das Bibellesen dazu. (Den
Römerbrief finde ich besonders hilfreich.) Und ich würde sagen:
bevor du Bibel liest, bitte Gott, dass er dir erklärt, was du liest.
Noch mal zum Gebet. Wo gebetet wird, bist du besonders oft
anzutreffen. Warum? Was motiviert dich?
Die Gemeinschaft mit Gott und: den Willen Gottes zu erfahren. Gebet
bewegt den Arm Gottes – auch für andere Menschen!
Kann man Beten lernen?
Ja, unbedingt. Aber nur durch Beten. Ich kann mich noch gut an mein
erstes Gebet in Gemeinschaft erinnern: ich habe in der Situation
genau gemerkt: das ist jetzt dran, den Mund aufzumachen, aber ich
habe mich dagegen gewehrt. Und dann ging es mir erst wieder gut, als
ich es wirklich getan habe. Seitdem erlebe ich in Gebetsrunden oft:
andere beten laut, was ich gerade gedacht habe. Daran wird mir
deutlich: beten ist aussprechen, was der Heilige Geist sagt. Beten
ist nicht: sagen, was in den Ohren anderer gut klingt. Das muss man
üben, auszuschalten und sich ganz auf Gott konzentrieren. Sehr
hilfreich war und ist mir dafür auch der geschützte Rahmen des
Frühgebetes am Dienstag morgen.
Der Apostel Paulus sagte mal: wir sollen ohne Unterlass beten. Das
sagt mir: es gibt sehr vielfältige Formen des Gebetes. Es geht um
die Gewissheit in mir: Gott ist immer da. Ohne Unterlass beten ist:
sich selbst immer wieder zu Gott zurückrufen und sich immer wieder
bewusst entscheiden: ich will in Gottes Nähe sein.
Du bist oft an Frank Herters Seite, wenn es um Kinder-Aktionen
geht. Was begeistert dich am meisten an Kindern?
Kinder sind ehrlich und offen und brauchen viel Liebe.
Was ist für dich das Wichtigste, was du weitergeben willst,
auch deinen eigenen Kindern?
Das eine, das wirklich zählt, dass sie den Weg zu Gott finden.
Wenn du eine Million gewinnen würdest ...
Eine Million?? – Geld ist für mich eigentlich unwichtig. Ich habe
mal bei einer Versicherung gearbeitet. Da dreht sich alles nur um
Geld und dabei habe ich gemerkt: ich verliere Gott ganz aus den
Augen. Geld ist zwar notwendig zum Leben, aber ich will lieber nicht
so viel Geld haben. Lieber würde ich als Mönch leben.
Und wenn du noch mal von vorn beginnen könntest?
Ich bereue meine Vergangenheit nicht; ich habe gemerkt: Gott kann
alles gebrauchen. Zum Beispiel habe ich in der Zeit bei der
Versicherung auch was zum Umgang mit Menschen gelernt. Ich habe
keine Angst, an fremden Türen zu klingeln. Aber wenn ich noch mal
von vorn beginnen könnte, würde ich sofort um die Erfüllung mit dem
Heiligen Geist beten lassen! Im Übrigen habe ich die Ewigkeit vor
mir. Was sollte ich mich da um ein paar Jahre grämen!
Was wünschst du dir für unsere Gemeinde?
Dass jeder sich einen Mitchristen als Seelsorger sucht, um Nöte und
Sorgen loszuwerden und zusammen zu beten. Also: dass das Leben nicht
so oft an der Oberfläche bleibt und wir einander nur sagen: mir
geht’s gut, sondern dass wir bewusst auch andere Zeiten zusammen
aushalten.
Vielen Dank für das Gespräch und all deine Dienste an den
verschiedenen Stellen unserer Gemeinde!
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Der Glaube hilft zur Aufrichtigkeit
Gerd Norzinski (67) ist der Jakobikirche schon sehr lange und der
Bauphase durch die letzten Jahre hindurch besonders verbunden, denn
seit 2008 ist er Vorsitzender der Gesellschaft zur Erhaltung der
Jakobikirche e.V.. Aber auch längst davor und trotz seiner zunehmend
herausfordernden Berufsjahre, zuletzt als Geschäftsführer eines
technischen Unternehmens in Freiberg, hat der gebürtige Freiberger
seine Gaben und Möglichkeiten bei uns in Gemeinde eingebracht, etwa
im Kirchenvorstand (von 1984 – 2002) oder im „Bibelgesprächskreis“,
dem er seit seiner Gründung unter Pfarrer Milde vor ungefähr 30
Jahren angehört. Bis heute ist er begeisterter Teilnehmer beim
jährlich stattfindenden „Männerforum“, einer Einrichtung, die in der
ehemaligen Partnergemeinde von Jakobi, Sulingen, angesiedelt ist und
die sich zu Rüstzeiten in West und Ost trifft. Er ist mit Marianne
verheiratet, hat zwei Töchter und ist trotz seines regen Engagements
für seine 5 Enkel auch für Spontaneinsätze, z.B. bezüglich des
Baugeschehens, zu haben. Gundula Rudloff führte das Gespräch.
Gerd, was geht dir durch Kopf und Herz, wenn du in der frisch
sanierten Jakobikirche stehst?
Dank, dass wir durch die Fördermittel die Möglichkeit bekommen
haben, so grundlegend zu sanieren und damit so ein wertvolles
Gebäude zu erhalten. Ich bin in der Jakobikirche getauft und
konfirmiert worden; von daher muss ich allerdings sagen, dass ich
die Kirche auch, wie sie war, lieb gewonnen habe.
Ich empfinde große Dankbarkeit auch dafür, dass so viele Menschen
aus unserer Gemeinde diese ganze Bauphase finanziell mitgetragen
haben und dass sich die Gemeindeleitung so dafür eingesetzt hat. Als
ich das erste Mal unter dem Gewölbe stand - oben auf dem Gerüst -
und die Baustrahler die Farben beleuchtet haben, das war für mich
sehr ergreifend. Es ist einfach erstaunlich, wie toll alles geworden
ist nach dem desolaten Zustand zuvor.
Es ist ja in unserm Land längst nicht mehr selbstverständlich,
zur Kirche zu gehören. Wie ist es gekommen, dass es für dich so
selbstverständlich ist?
Ich weiß nicht, ob ich von mir aus diesen Weg gegangen wäre. Prägend
war meine Frau. Auch wenn ich christlich erzogen wurde, habe ich
Leben mit christlicher Gemeinde erst durch sie kennen gelernt. Als
Kind war ich in der Christenlehre und im Konfirmandenunterricht,
aber ich habe mir immer gesagt: wenn ich mal nicht mehr muss (also
nach der Konfirmation), dann höre ich damit auf. Aber als ich
Marianne kennen gelernt habe, hat sie sehr deutlich gemacht:
entweder mit Kirche oder nicht mit ihr. Ich hab mich für sie
entschieden und habe dann gedacht: wenn man schon bekennt, zur
Kirche dazu zu gehören, dann muss man das auch mit Leben füllen.
Etwas später habe ich mich dann auf Anfrage von Pfr. Milde zur
Kirchenvorstandswahl aufstellen lassen.
Wenn du an das Leben in der Kirchgemeinde denkst – was war
besonders prägend?
Die Vakanz (Zeit der unbesetzten Pfarrstelle, Anm. der Redaktion)
nach Pfarrer Milde. Das war wie eine Bewährungszeit, wo ich zum
Beispiel auch Lesepredigten mit gehalten habe. Was ich in der Zeit
gemerkt habe: als Kirchenvorsteher kann man viel machen, auch Gottes
Wort verkündigen, aber die Seelsorge kommt zu kurz. Und das ist ganz
wichtig, entscheidend für viele Menschen.
Was verstehst du unter Seelsorge?
Abendmahl feiern, geistliche Gespräche führen, auch
Sterbebegleitung. Das ist doch die Hauptsache, dass da eine
vertrauenswürdige Person ist, die für einen da ist, wenn etwas auf
der Seele brennt.
Wie würdest du die Hauptaufgabe christlicher Gemeinde heute in
unserer Stadt beschreiben?
Was die christlichen Gemeinden an gemeinsamen Dingen angeschoben
haben (z.B. Pfingstmontag oder auf dem Bergstadtfest oder während
des Christmarktes), das muss weiter gehen, damit alle über den
Tellerrand hinausschauen und gemeindeübergreifend denken. Ich finde
es wichtig, eine Haltung abzulegen, wo man sagt: das war schon immer
gut, deshalb ist es auch in Zukunft das richtige. Was zusammen zu
machen, hat die Chance, Kräfte zu bündeln, um mit den vorhandenen
personellen und finanziellen Möglichkeiten attraktivere Arbeit
machen zu können. Ich finde es ein lohnendes Ziel, mehr Ökumene zu
leben durch mehr gemeinsame Gottesdienste. Ich meine, wir kennen uns
als Christen der Stadt Freiberg zu wenig. Aber erst, wenn wir uns
wirklich kennen, können wir auch Gemeinsamkeiten finden.
Gibt es einen Bibelvers, der dir besonders wichtig ist?
Nein. Dazu muss ich sagen: mir ist immer mehr klar geworden, wie
viele Lücken ich bezüglich des Wissens über die Bibel habe. Da habe
ich mir vor einiger Zeit ein Buch gekauft, wo Grundlegendes über das
Christsein beschrieben ist. Das lese ich mit viel Gewinn. Vielleicht
habe ich mir auch einfach wenig Zeit genommen. Jetzt will ich mich
jedenfalls etwas tiefgründiger damit beschäftigen; ich habe ja jetzt
auch mehr Freizeit.
Hast du einen Tipp für Ruheständler?
Ja: bringt euch ein in Gemeinde! Es gibt so viel zu tun. Wenn viele
mit anfassen, kann viel erledigt werden. Das sehe ich ganz
pragmatisch.
Wenn du eine Million gewinnen würdest …
… würde ich sicher davon was für den Kirchenbau geben und natürlich
für Familie und Kinder – aber ich spekuliere nicht darauf!
Was möchtest du deinen Kindern und Enkeln mit auf den
Lebensweg geben?
Vorbild zu sein – in allen Lebensbereichen.
An welche Werte denkst du besonders?
Leben in Harmonie: so leben, dass ich dem andern in die Augen
schauen kann und niemandem aus dem Weg gehen muss. Außerdem: Anstand
und Achtung gegenüber dem Partner. Und: ich habe schon oft eine
schützende Hand über mir gespürt. Ja, Gottvertrauen, das ist auch
etwas, was ich weiter geben möchte. Gottvertrauen schließt für mich
alles ein, was ein Christenleben ausmacht. Gott vertrauen - wenn mir
das immer gelänge, könnte ich auch die 10 Gebote Gottes einhalten.
Gibt es Situationen, in denen du Gottvertrauen besonders
gebraucht hast?
Ja, bei Schwierigkeiten in der Firma. Viele Leute aus der Gemeinde
waren in der Situation für mich da und haben versucht, das mit zu
tragen. Ich glaube schon: Gott hat mir Kraft gegeben, die Probleme
zu lösen. Oder bei einer schlimmen ärztlichen Diagnose. Ohne dieses
Vertrauen wäre mir heute noch unbegreiflich, wie ich das mit so
großer Abgeklärtheit aufnehmen konnte. Da habe ich ganz konkret
gemerkt: ich bin getragen. Sonst kenne ich mich anders.
Was begeistert dich am meisten?
Dass ich mich sportlich betätigen kann: Klettern, Ski fahren,
wandern, überhaupt: in der Natur sein. Wo ich auch gern dran
zurückdenke: an Klettertouren in einigen Wänden der Hohen Tatra und
an die World-Lopped-Läufe. Das sind alles Ski-Langläufe über 50 km
Länge. Von den 10 europäischen Läufen habe ich 8 gemacht. Aber noch
was ganz anderes: ehrliche, aufrichtige Menschen. Das sind für mich
Vorbilder.
Und würdest du sagen, dass der christliche Glaube dir zu so
einer Aufrichtigkeit hilft?
Ja, unbedingt; der Glaube hilft auch, um Vergebung zu bitten, wenn
ich merke, dass ich andere Menschen verletzt habe.
Vielen Dank für das Gespräch und für allen Einsatz! Und viel
Freude und Kraft weiterhin! |
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Zuerst auf Jesus schauen
Carmen Trautmann (48) ist eine echte Freibergerin und
innerhalb unserer Stadt besonders mit der „Siedlung“ verbunden –
wurde sie doch Weihnachten 1962 im Gemeindehaus Beutlerstrasse
getauft. Dort war sie die meiste Zeit ihres Lebens nicht
anzutreffen; das änderte sich, nachdem es inzwischen knapp 6 Jahre
her ist, dass sie einen Glaubenskurs (Alpha) bei uns besucht hat.
Heute ist sie regelmäßig im Dienstags-Frühgebet in der
Beutlerstrasse anzutreffen, verteilt – ebenso im „Siedlungsgebiet“ -
Gemeinde-aktuell, gehört einem Hauskreis an, macht in Gottesdiensten
mit und ist eine wichtige Säule unseres Besuchsdienstes. Und ist als
sportlicher Typ zuweilen auch joggend in der Siedlung zu sehen.
Carmen Trautmann ist Geologie-Ingenieurin und beruflich gerade
dabei, ein Altbergbau-Kataster als digitalen Datenpool aufzubauen –
wobei sie nicht nur die unterirdischen Gänge, sondern auch die
Frömmigkeit der Bergleute spannend findet. Sie ist verheiratet und
Mutter eines erwachsenen Sohnes. Gundula Rudloff trank mit ihr
mehrere Tassen Tee.
Carmen, seitdem ich dich kenne, bist du nicht mehr wegzudenken
aus dem Gemeindeleben - was ist dir so besonders wichtig geworden?
Ich bin ja noch Kleinkind im Glauben, gerade so alt wie euer Jonatan.
Meine Konfirmation am 24. Juli 2005 war damals dein letzter
Arbeitstag vor der Elternzeit. Mir ist wichtig geworden,
„eingeflochten“ zu sein in ein Beziehungsnetz, in Gemeinde Menschen
zu begegnen. Mit ihnen kann ich meiner Sehnsucht nach Begegnung mit
Jesus Ausdruck geben und im Glauben wachsen. Ich empfinde mich in
Bezug auf den Glauben wie ein neugieriges Kindes. Ich fühle mich
einfach hingezogen, das lässt sich nicht in Worte fassen; vielleicht
„hingeliebt“. Mir ist wichtig geworden zu wissen: da gehöre ich hin
und ich kann’s mir nicht mehr vorstellen, die Zeit Sonntag früh
nicht mit Gottesdienst zu füllen.
Gleich im Anschluss an den Glaubenkurs bist du Mitglied in einem
Hauskreis geworden. Was bedeutet dir der Hauskreis?
Begegnung, nicht allein stehen im Glauben, von eigenen Problemen
wegsehen können; die Lasten des Alltags gemeinsam im Gebet Gott
hinhalten; drüber reden, was uns beschäftigt, also über die guten
und schweren Seiten des Lebens und das alles miteinander tragen. Im
Mittelpunkt steht dabei ein geistliches Thema und so können wir auch
geistlich wachsen; aber das braucht Zeit miteinander und es ist gut,
wenn da Menschen sind mit einer „Hirtengabe“, die uns zusammen
halten.
Du hast das Gebet erwähnt, das dir ja offensichtlich etwas sehr
Wertvolles ist. Hast du besondere Erfahrungen damit gemacht?
Ich denke zum Beispiel an das Gebet für Menschen, mit denen der
Umgang für mich sehr schwer war. Ich habe gemerkt: durch das Beten
verändert sich was.
Was sind dir die wichtigsten Gebetsanliegen für unsere Gemeinde?
Dass „Mühselige und Beladene“ Gottes Liebe erfahren, angerührt
werden; dass Heilung geschieht – bei Krankheit und gerade auch in
Beziehungen.
Und wo Gott nicht erhört, ist mir das ein Ansporn, im Gebet
dranzubleiben und in dem Vertrauen zu wachsen, dass Gott einen guten
Weg hat, selbst wenn’s für mich nicht erkennbar ist.
Dein weites Herz für die „Mühseligen und Beladenen“ hat dich ja
auch für die Mitarbeit im Besuchsdienst bereit gemacht. Was sind
deine Erfahrungen damit?
Der Besuchsdienst bringt für mich Kontakt mit Menschen, denen ich
noch nie begegnet bin. Ich kann was mitbringen, manche sind total
überrascht, sogar glücklich, dass jemand kommt und sich mit ihnen
unterhält. Denn häufig haben auch die eigenen Kinder keine Zeit.
Und wenn dir Menschen unfreundlich begegnen?
Ich bete danach und gebe die Situation an Gott ab mit der Bitte,
dass er die Menschen etwas von seiner Liebe erfahren lässt – wenn
nicht durch mich, dann vielleicht durch das kleine Büchlein oder den
schriftlichen Gruß, den ich hinterlasse… - Aber es gibt viel
Dankbarkeit!
Bei dir fällt mir immer auch dein Garten ein und die besondere
Beziehung, die du zu deinen Pfanzen hast ...
Zur Natur überhaupt! Viele Menschen gehen hektisch an allem vorbei,
was uns die Schöpfung vor die Füße legt; mit allen Sinnen
wahrzunehmen ist auch eine Möglichkeit, Gott zu erkennen. Mir macht
es einfach Spaß, draußen was Schönes zu entdecken und für mich ist
das auch nicht wetterabhängig. Eigentlich könnten wir mal einen
Gottesdienst draußen feiern; das ist vielleicht auch anziehend für
Menschen, die nicht in die Kirche gehen.
Zum Stichpunkt: Gott draußen erfahren: du hast vor kurzer Zeit
„Wege-Exerzitien“ mitgemacht? Was ist das und was hast du für
Erfahrungen dabei gemacht?
Das war ein Angebot der katholischen Jesuitengemeinschaft Dresden –
wobei mir bei „katholisch“ als erstes aufgefallen ist, wie viel
Gemeinsames wir haben!
Eine Erfahrung war: mit einem biblischen Thema zu laufen und
unterwegs zu sein, hat bei mir auch innerlich was in Bewegung
gebracht. Ich habe gemerkt: es gibt einen Zusammenhang zwischen
äußerer und innerer Bewegung. Es war gut, in Gemeinschaft zu
schweigen, nicht immer zu schwatzen und dadurch sich selbst und die
Natur neu wahrzunehmen. Die Stille kommt in der lauten Welt meist zu
kurz.
Würdest du so etwas weiter empfehlen?
Ja, stille Zeiten oder mal ein stilles Wochenende kann sehr
hilfreich sein, um Gott zu begegnen. Wir haben ja gerade das „Jahr
der Stille“. Ich versuche auch, das Joggen mit stiller Zeit zu
verbinden. Und ich beginne den Tag mit stiller Zeit, wo ich mir 15 –
20 Minuten nehme, um Ausrichtung zu finden. Beten heißt für mich
nicht nur: Gott vollplappern, sondern auch hören können. Wertvoll
ist mir auch ein stiller Tagesabschluss geworden, wo ich den Tag vor
Gott noch mal an mir vorüberziehen lassen kann und wo Gutes und
Schlechtes seinen Platz haben darf.
Wenn du noch mal von vorn anfangen könntest ...
Mir ist wichtig geworden: es war alles gut so, wie es war. Äußerlich
betrachtet, habe ich viel Zeit meines Lebens ohne Gott verbracht,
aber ich bin heute sicher: er war dabei; das ist für mich so etwas
wie „innere Heilung“. In diesem Zusammenhang ist mir meine Taufe
ganz wichtig geworden. Ich würde es so sagen: ich habe Frieden
gefunden mit dem, was ist.
Hast du bestimmte Ziele oder Träume für dich oder für Gemeinde?
Dass ich Gott mehr im Alltag erlebe und mich zu einem Menschen
entwickeln kann, der Jesus ähnlicher ist. Das heißt für mich zum
Beispiel auf Arbeit, wo Glaube bei den meisten keine Rolle spielt,
was von Gottes Liebe reinzubringen.
Und für Gemeinde wünsche ich mir, dass wir untereinander offener
werden, voneinander lernen, einander annehmen, nicht nur ein gutes
„Sonntaggesicht“ aufsetzen, sondern wirklich füreinander da sind.
Das habe ich so erfahren und das hat mich tief berührt. Auch echt
sein können, wenn es einem nicht gut geht und durch die Hand des
Nächsten wieder Gottes Hand spüren.
Hast du einen Bibelvers, der dir viel bedeutet?
Ich habe zur Konfirmation das Wort aus der Bergpredigt geschenkt
bekommen: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner
Gerechtigkeit, so wird euch alles zufallen (Matthäus 6,30). Das
heißt für mich: ich will zuerst auf Jesus schauen; dann bekommt
alles andere im Leben schon seinen richtigen Stellenwert. Und wenn
ich mir meines Platzes bei Gott bewusst bin, kann ich auch auf
manches verzichten, was mir sonst wichtig erschien. Zu erkennen: das
Leben hängt nicht von mir und meinen Möglichkeiten ab - das war im
Glaubenskurs mein größtes Geschenk, wie eine Erlösung.
Vielen Dank für das Gespräch und alle Gaben die du in unsere
Gemeinde einbringst! |
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Sadko Meusel
Sadko Meusel (31) ist als gebürtiger Görlitzer vom Wohnen her
viel in Sachsen herumgekommen: Chemnitz, Mittelbach, Zschopau.
Ähnlich vielfältig sind seine Interessen und Hobbys, die von Angeln
über Tischlerei, Lesen, Skat-Spielen, bis zum Bier trinken gehen. Seit
2002 lebt der gelernte KFZ-Mechaniker in Freiberg, wo er seinen
Diplom-Abschluss in Maschinenbau gemacht hat und sich seitdem mit
Erdgas beschäftigt. 2006 hat er seine Frau Linda geheiratet, mit der
er zwei Kinder hat. Sadko ist inzwischen langjähriger Mitarbeiter bei
Bakigo und engagiert sich im Hauskreis. Gundula Rudloff befragte ihn
für "Gemeinde Aktuell".
Sadko, was hat dich eigentlich geistlich geprägt?
Erstmal, dass ich Pfarrers-Sohn bin; ich habe also eine kirchliche
Grundprägung. Und ich war in einer Kirchgemeinde, wo es eine gute
Jungschar gab. Die großen Jugendlichen haben sich mit uns Kleinen
abgegeben, waren uns Kumpels und Vorbilder und haben eine Atmosphäre
geschaffen, wo man einfach gern war.
So richtig mit Glauben ging es bei mir erst in der Jungen Gemeinde
los. Ausschlaggebend dafür war mehreres: ich wurde als Mitarbeiter für
die Jungschar angefragt.
Nach einiger Zeit kam der Jugendwart und fragte mich, ob ich auf einer
Jungschar-Rüstzeit mitarbeiten will. Dann gab es Pfingstrüstzeiten,
die ein Christ aus der Nähe von Tübingen regelmäßig geleitet hat.
Im Anschluss an die Bibelarbeit wurde oft ein Lied gesungen und wer
sein Leben mit Jesus festmachen wollte, konnte während eines Liedes
aufstehen. Irgendwann hab ich gemerkt: das ist jetzt für mich dran.
Ich habe meinen Kumpel neben mir gefragt, ob er auch aufsteht, aber er
wollte nicht. Bei der zweiten Strophe hab ich den Kumpel an meiner
anderen Seite gefragt, ob er mit aufsteht. Bei der dritten Strophe bin
ich allein aufgestanden.
Wie würdest du das jetzt aus dem Abstand sehen: hat dieser Schritt
etwas bei dir verändert?
Ich will es mal so sagen: diese Bekehrung war ein Schritt von vielen;
Umkehr ist immer wieder nötig. Aber die Verbindlichkeit im Glauben –
für mich selber und vor anderen – die war mit diesem Schritt
verbunden, weil seitdem klar war: ich hab mein Leben mit Jesus
festgemacht!
Das heißt: du würdest anderen das auch empfehlen?
Ja, die Entscheidung zu treffen, mit Jesus zu leben, ist sehr wichtig.
In welcher Form auch immer das geschieht, spielt keine Rolle, aber
dass da auch jemand ist, mit dem man diese Entscheidung im Gebet
festmacht.
Kannst du von einem Erlebnis mit Gott aus der letzten Zeit
erzählen?
Wir haben im Urlaub eine gute Zeit in einem christlichen Freizeithaus
im Schwarzwald gehabt. Mit andern Christen dort Gemeinschaft zu haben
und an Angeboten teilzunehmen, war echte geistliche und körperliche
Erholung. Total beeindruckt hat mich das Referentenehepaar, das in
fast kindlicher Naivität von Jesus geredet hat, ganz ohne
Menschenfurcht. Ich finde vorbildlich, wie sie als Ehepaar in allen
Problemen auf die Kraft des Gebetes vertrauen und so alle Probleme
lösen…
Der wichtigste Auftrag von christlicher Gemeinde ist….
… Barmherzigkeit. Ich glaube, das ist ein Schlüssel dafür, wie Glaube
sich ausbreiten kann.
Wie stellst du dir das konkreter vor?
Zum Beispiel durch Gastfreundschaft. Wenn wir Gästezimmer in Gemeinde
hätten…. Ich merke: Geld opfern fällt mir leicht. Viel schwerer ist es
schon, Zeit zu opfern. Ganz schwer vorstellbar ist für mich, fremde
Menschen in mein Leben zu integrieren. Aber da müssten wir hin; unser
privates Leben öffnen…
Warum engagierst du dich für Bakigo?
Weil das Kindesalter für den Glauben ein Schlüsselalter ist; hier wird
der Grundstein gelegt. Manchmal denke ich: wenn wir für die
Bakigo-Kinder unser Haus öffnen würden, wäre es schnell voll… Ich
finde an der Arbeit so wichtig, dass jedes Kind merkt: ich bin wichtig
und dass sie was von Jesus erfahren.
Sähe dein Leben anders aus, wenn du nicht Christ wärst?
Ich hätte bestimmt eine Kleinkriminellen-Karriere begonnen. Die
Gelegenheiten zum Betrug sind doch überall da; man muss nur zugreifen.
Aber als Christ weiß ich, wem ich Rechenschaft schuldig bin.
Welche Erfahrungen machst du damit, dich in einer
nicht-christlichen Umgebung – zum Beispiel im Beruf – als Christ zu
erkennen zu geben?
Das verursacht immer wieder Erstaunen: gibt’s so was noch? Dabei merke
ich: Argumente für Gott bringen nichts. Ich denke, dass ich den
christlichen Glauben halbwegs erklären kann, aber wichtiger ist, dass
ich erzählen kann, was ich mit Gott erlebt habe. Nur weiß ich meist
nicht, ob das was und wenn ja, was das auf Dauer auslöst….
Was gehört für dich zu den wichtigsten Bibelgeschichten?
Lukas 15, die Geschichte vom verlorenen Sohn. Am älteren Sohn (der
sich über die Umkehr des jüngeren Sohnes nicht mit freuen kann, Anm.
der Redaktion) wird mir deutlich: ich fülle mein Sohn-Sein nur halb
aus; ich nutze mein Erbe nicht richtig bzw. nur so, als wenn ich zum
Rasenmähen im Schuppen den besten Rasenmäher hätte, aber zur Sense
greifen würde. Der ältere Sohn erinnert mich: ich könnte von Gott
jeder Zeit alles haben, aber ich nutze die Möglichkeiten Gottes nicht.
Die Möglichkeiten Gottes nutzen – was heißt das für dich in
Gemeinde?
Letztlich wissen wir doch: Gott ist nur Mut zum Vertrauen: Gott ist
da; er wird sich durchsetzen. Gott ist tausendmal größer als wir uns
vorstellen können. Das ist für mich auch Ansporn zu Barmherzigkeit und
dazu, Glaubensprägungen, die nun mal verschieden sind, nicht zu
Streitthemen zu machen.
Was macht Einheit in Gemeinde aus?
Dass wir uns selbst nicht so wichtig nehmen und akzeptieren, dass wir
nicht perfekt sind! – Du kennst ja die Anekdote: Sagt einer zum
andern: „Ich such mir ne neue Gemeinde, aber die muss perfekt sein!“
Sagt der andere: „Na, dann mal auf! Nur bedenke: sobald du in dieser
Gemeinde bist, wird sie nicht mehr perfekt sein.“
Vielen Dank fürs Gespräch und viel Segen – auch im Einsatz in einer
nicht perfekten Gemeinde! |
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Ellen Nicke
Wachsein in Liebe und Achtung vor Gott und vor einander
Ellen Nicke (66) ist eine Frau des Hintergrunds. In Freiberg geboren
und traditionell christlich aufgewachsen, war Gemeindezugehörigkeit
für sie immer selbstverständlich; allerdings in Jakobi-Christophorus
erst seit 2002. Die kirchlichen Erinnerungen an Kindheit und Jugend
kommentiert sie schlicht mit „alles nur Pflicht“ oder „scheinheilig,
denn wenn’s drauf ankam, hab ich nicht geglaubt“. Dass das heute ganz
anders ist, scheint durch jeden ihrer Sätze hindurch. Wobei sie keinen
Hehl aus ihren Prioritäten macht: das wichtigste sind die Enkel, die 3
Kinder ihrer Tochter. Und so ist Ellen Nicke – auch wenn sie seit 1999
verwitwet ist - nicht einsam oder untätig. Denn auch das Mittun in der
Kirchgemeinde hat einen wichtigen Stellenwert bekommen. Ihr dienendes
Herz spürt man ihr zum Beispiel im Kirchenkaffee-
Team ab, wenn sie liebevoll und mit selbstgebackenem Kuchen alles für
nach dem Gottesdienst vorbereitet oder gleich mehrere und „unbequeme“,
weil steile Straßen mit Gemeinde-aktuell regelmäßig versorgt. Außerdem
hat sie im Frauenkreis und im Hauskreis ihren festen Platz. Gundula
Rudloff unterhielt sich mit ihr.
Ellen, im Hinblick auf deine Beziehung zu Gott hast du große
Veränderungen erlebt. Wie kam das?
Irgendwie wusste ich schon lange: es muss mehr geben – aber Gott hatte
mich noch nicht erreicht und die von ihm gesandten Schutzengel haben
mich nicht aufgeweckt.
Als mein Mann eingeschlafen ist, habe ich von Gott bildhaft seine
Führung gezeigt bekommen. Ich vernahm verwundert zunehmend etwas
Schützendes um mich. Es ist, als wenn Gott mir das Liebste genommen
hat, damit ich ihn finde. Jetzt bin ich 10 Jahre dabei, Gott zu
erfahren. Von ihm angenommen zu sein ist das größte Geschenk, das ich
überhaupt bekommen konnte und das ich nie wieder abgeben möchte, nicht
in größter Freude und nicht in tiefster Trauer.
Als ich zum Glauben gekommen bin, wollte ich helfen und mir wurde
klar, dass ich meine Möglichkeiten zuerst bei meinen Enkeln einsetzen
sollte. Und ich habe gedacht: jetzt muss ich wissen, was in der Bibel
steht, aber allein begreifst du’s nicht. Da bin ich in den Frauenkreis
gegangen und in einen Alpha-Kurs (Glaubenskurs) und folgte einer
Einladung in einen Hauskreis.
Wie kannst du das noch beschreiben, was für dich durch die
Erfahrung Gottes anders geworden ist?
Ich bin ein neuer Mensch geworden, Gott hat mich verwandelt. Das ist
phantastisch: Gott schenkt mir in heiklen Situationen Frieden; meine
Verbissenheit hat er in Freude und Lockerheit verwandelt; früher
konnte ich nie auf Menschen zugehen, heute habe ich nicht mehr solche
Schwierigkeiten damit. Aus einem pingeligen Menschen ist ein
großzügiger geworden, der über viele Kleinigkeiten hinwegschauen kann;
ich kann eher loslassen; andere Menschen sind mir lieber und wichtiger
als dass mein Umfeld perfekt ist.
Hast du in der letzten Zeit etwas besonders Schönes mit Gott
erlebt?
Fast täglich erlebe ich ihn in Kleinigkeiten - die für mich groß sind.
Ein Beispiel: ich habe das Haus verlassen, um einkaufen zu gehen. Aus
irgendeinem Grund muss ich noch mal zurück, weil ich was vergessen
habe. Und dann merke ich: das Fenster steht noch offen. Oder: der
Schlüssel ist weg und ich suche ihn akribisch – bis ich anfange zu
beten: Herr, du weißt, wo er ist, hilf mir…. Und ich drehe mich um,
gucke in die Tasche und – schwupp, da ist er. Das sind Momente, die
man nicht begreifen kann und davon gibt es viele….
Hast du Pläne für dein Leben?
Ja! Beten, dass Gott mir Kraft gibt, meine Enkel führen zu dürfen, bis
sie selbständig genug sind… Ihnen mein Vertrauen schenken und ihre
kindliche Liebe und Offenheit erfahren zu dürfen. Die weiteren Pläne
hält Gott für mich bereit.
Was ist für dich das Wichtigste, was du deinen Enkeln weiter geben
willst?
Liebe, Verständnis für vieles, Wissen, Lebendigkeit, Trost vom Alltag.
Ich will sie auch mal verwöhnen dürfen an Körper und Seele. Auch Gott
gehört dazu. Ich vertraue fest, dass er mir genug Kraft dafür geben
wird.
Jakobi-Christophorus – was freut dich am meisten an unserer
Gemeinde?
Die offene Atmosphäre, dass alle Generationen vertreten und angenommen
sind.
Was stört oder sorgt dich im Hinblick auf unsere Gemeinde am
meisten?
Wir sollten uns nicht so viel an Kleinigkeiten stoßen - zum Beispiel,
wenn was nicht am richtigen Platz ist - oder an allem, was wir
ungewöhnlich finden und mehr Verständnis füreinander aufbringen. Als
größtes Problem sehe ich das Generationenproblem an. Ich bin stolz auf
das Miteinander der Generationen in Jakobi-Christophorus, aber es muss
noch mehr Integration von Älteren und Kindern geben. Wenn Kinder im
Gottesdienst mal etwas lauter sind – also nicht öfters, das wäre ein
Erziehungsproblem – sollte man sich nicht gleich empören und wenn ein
älterer Mensch mal komisch guckt, sollte man nicht gleich negativ von
ihm denken, sondern freundlich das Gespräch suchen… Zusammenfassend
gesagt: ich denke, wir können noch darin wachsen, in Liebe und Achtung
vor Gott und vor einander zu leben.
Noch ein Wort zu Gemeinde: ich gehe auch gern mal zum Gottesdienst in
eine andere Kirche, um Gottes Wort in einer anderen Atmosphäre
wahrzunehmen. Kirchen sind inspirierende, geschichtlich und
architektonisch interessante Bauwerke. Sie sind für mich Orte der
Stille, des Zu-Sich-Kommens, des Betens, Hörens und Dankens. Für mich
ist unsere Gemeinde nur ein Teil der großen Gemeinde vor Gott.
Wir würdest du den Auftrag unserer Gemeinde für die Stadt
beschreiben?
Immer wieder neue Wege in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
finden! – Aber das geht nur gemeinsam und mit anderen Gemeinden.
Gibt es ein Bibelwort, das dir besonders wichtig ist?
Mein Konfirmationsspruch: „Der Herr behüte dich vor allem Übel; er
behüte deine Seele.“ (Psalm 121,7) An diesem Wort wird mir bewusst,
dass Gott mich schon immer geführt hat und dass er verlässlich ist.
Und: „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich
von euch finden lassen.“ (Jeremia 29, 13-14) Das erinnert mich daran,
dass ich keine halben Sachen machen und nicht zurück in
Scheinheiligkeit will. Mit ganzem Herzen war ich früher bei meiner
beruflichen Arbeit. Heute weiß ich: wenn ich Gott ernsthaft und
ehrlich und mit voller Überzeugung inständig bitte, dann hat er
garantiert ein Wunder, einen Weg, eine Überraschung für mich. Aber es
ist schwer, zu so einer Herzenshingabe zu finden, denn das Leben ist
so unruhig. Aber Gott tut Wunder, jeden Tag. Das ist gewaltig!
Welche Rolle spielt die Bibel sonst für dich?
Ich habe die Erfahrung gemacht: je mehr ich mich mit der Bibel
beschäftigen, desto mehr spüre ich die Wunder Gottes! Das Bibellesen
ist wichtig nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern mit anderen
zusammen, um das Wort Gottes zu verstehen. Damit es eine Herzenssache
wird, brauche ich Gruppen und Kreise, Predigt, Bücher… Und je mehr ich
mich mit der Bibel beschäftige, bewundere und achte ich die Schöpfung.
Und hier schließt sich für mich der Kreis, dass wir alle, Große und
Kleine, dazugehören. So ist jeder Tag für mich eine Bewährungsprobe,
Gottes Liebe mit Dank anzunehmen und diese weitergeben zu können.
Danke für das Gespräch und alles Einbringen bei uns in Gemeinde!
Ich wünsche dir noch viel dankbares Staunen über die Wunder Gottes und
dass du damit viele Menschen anstecken kannst! |
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Henry Kunze
Henry Kunze (57) gehört zu denen, die mit der Vielfalt des
Gemeindelebens zunächst in Jakobi und dann in Jakobi-Christophorus in
besonderer Weise vertraut sind. Seit kurz vor der politischen Wende
1989 gehört er dazu, wurde wenig später in den Kirchen-vorstand
berufen, zu dem er 15 Jahre lang bis zur Vereinigung unserer
Kirchgemeinden gehörte. Die Krippenspiele in der Jakobikirche sind
seit 1992 kaum ohne ihn denkbar, (auch wenn er in den letzten Jahren
nicht mehr die Leitung inne hatte). Nach einem Glaubenskurs 2001 wurde
er Mitglied eines Hauskreises; inzwischen gehört er zu den
Hauskreisleitern unserer Gemeinde. Wenn nicht gerade der
Kindergottesdienst Bakigo stattfindet, zu dessen Team er seit ca. 6
Jahren gehört, kann man ihn eigentlich immer im Erwachse-nen-Gottesdienst
treffen, manchmal sogar auch an exponierter Stelle, denn in der
„pfarrerlosen Zeit“ (Krankheit und Vakanz von Pfarrer Milde) hat er
sich an Lese-Gottesdienste herangewagt, in denen er mit entsprechender
Vorlage die Predigt gestaltet. Henry engagiert sich gern im
Kirchnerdienst; außerdem ist er Gründungsmitglied des Vereins Markus
10 e.V., denn er hat ein großes Herz für Kinder und für das Anliegen,
ihnen in unserer Stadt gute Bedingungen zu schaffen. Henry hat zwei
erwachsene Söhne, 1 Enkelkind, lebt in Weißenborn und ist verwitwet.
Gundula Rudloff traf sich mit ihm.
Erzähl etwas von deinem Weg, der dich in christliche Gemeinde
hinein führte!
Ich habe immer nach dem Sinn des Lebens gesucht und für mich hat der
„kommunistische Glaube“ einfach nicht zum „real existierenden
Menschen“ gepasst. Heute sehe ich es so: Gott hat mir immer Menschen
an die Seite gestellt, durch die er mich geführt hat. Da war zum
Beispiel bei der Armee (1977-79) der Zimmergenosse aus einer
Landeskirchlichen Gemeinschaft (eine Gemeinschaft innerhalb der
Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, (Anm. der Red.), mit dem ich intensiv
über den christlichen Glauben geredet habe oder nach dem Studium ein
Arbeitskollege, durch den ich dann für längere Zeit Anschluss an
Treffen der Landeskirchlichen Gemeinschaft hatte. Aber dann kam es,
dass einer meiner Söhne im Grundschulalter (also mit etwa 10) mit
einem Mädchen aus der Jakobi-Gemeinde befreundet war und deshalb mit
zur Christenlehre gehen wollte. So haben wir ihn zur Christenlehre
angemeldet und ich bin von da an auch in die Gottesdienste gegangen.
Es blieb nicht aus, dass in mir der Wunsch reifte, auch am Abendmahl
teilzunehmen. Ich war als Säugling getauft worden und las inzwischen
auch in der Bibel, trotzdem sagte mir der Kollege, dass da noch was
fehlt, nämlich die Konfirmation. Ich habe also an einem
eineinhalbjährigen Kurs „Erwachsenenkonfirmation“ teilgenommen (was
damals nicht ungewöhnlich war, weil viele meinten, im "Westen" mit
Konfirmation besser anzukommen) – wobei ich im Nachhinein weiß: das
war noch lange Zeit ein „Kopfglaube“, eine persönliche Beziehung zu
Jesus Christus habe ich erst viel später (auch im Zusammenhang mit
einem Glaubenskurs unserer Gemeinde) bekommen.
Wenn du einem Fremden etwas von Jakobi-Christophorus erzählen
wolltest, womit würdest du beginnen?
Mit der offenen Atmosphäre! Ich würde erzählen, dass wir Gemeinde
sind, die versucht, den Glauben nach außen zu leben und Menschen
anzusprechen, die mit Gott noch keinen Kontakt haben. Ich würde
erzählen von Jugend, Jugend-Gottesdiensten, Glaubenskursen,
Kinder-Gottesdiensten und den vielen Hauskreisen, von einem
Verjüngungsprozess und der Lebendigkeit.
Was macht dir am meisten Freude bei uns?
Kinder! Das ist ein Geschenk für mich! Als Schüler habe ich mal
versucht, einem Mitschüler, der Lernschwierigkeiten hatte, zu helfen.
Dabei bin ich total gescheitert. Ich habe gedacht: ich werde nie
Lehrer und mache nie was mit Kindern! – Aber Gott hat mir diese Liebe
geschenkt! Die Arbeit mit Kindern ist das, was ich heute nie auslasse;
im Gegenteil: das hat mich auch durch eine Zeit getragen, in der ich
einem Burnout nah war…
Wenn du einen Wunsch für unsere Gemeinde heute sagen kannst, wäre
das….
ein Generationenhaus. Ich bin der Meinung, dass die Generationen
füreinander da sind. Vielleicht kann man die Gemeindeprogramme so
verändern, dass es mehr Berührungspunkte zwischen jung und alt gibt.
Es gibt bestimmt viele ältere Menschen, die basteln oder vorlesen oder
Hausaufgabenhilfe anbieten und so nachmittags Kinder betreuen können.
Ein zweites Pi-Haus oder Buntes Haus…..?
Nee, das müsste schon deutlich sein, dass wir das als Christen machen
… ich weiß auch nicht, ob sich da jemand freiwillig meldet…
Wie kommst du mit dem Schicksalsschlag klar, dass deine Frau Anfang
des letzten Jahres ihrem Leben ein Ende gesetzt hat?
Da war zunächst immer die Warum-Frage: warum war niemand da, der sie
hat abhalten können? Aber vor meinem inneren Auge habe ich das Bild:
sie ist bei Jesus, in seinen Händen geborgen. Und Gott hat für mich
gesorgt: ein viertel Jahr lang bekam ich jeden Tag einen Anruf,
jemand, der tröstete, fragte, wie es mir geht…. Es waren nie zu viele,
so dass es irgendwie zu viel gewesen wäre. Ich fühlte mich dadurch
getragen. Ich habe gemerkt, wie wichtig Beziehungen sind, auch im
Hauskreis und wie wichtig es ist, mich nicht zurückzuziehen - aber es
gibt keine Patentrezepte…
Und heute hat sich die Warum-Frage verändert in die Frage: Was hat
Gott mit mir noch vor? Und das ist spannend für mich!
Welche Reaktionen auf deine Trauer waren für dich am hilfreichsten?
Stille Umarmungen, wenn ich Wärme gespürt habe, nicht Distanz; einfach
Nähe, das ist besser als viele gut gemeinte Worte. Schmerz und Leid
kann man schlecht in Worte fassen.
Gibt es in deinem Leben ein herausragendes Erlebnis mit Gott?
Da muss ich sofort dran denken, wie ich im Sommer 1989 nochmals zur
Reserve eingezogen wurde; eine neue Waffe sollte ausprobiert werden.
Ich habe das Schießen verweigert – normalerweise steht darauf
Armee-Knast. Aber das war für mich eine Gewissensentscheidung. Durch
ein Wunder Gottes habe ich nicht schießen müssen und bin frei
geblieben, dafür bin ich heute noch dankbar!
Was würdest du als dein größtes Lernfeld bezeichnen?
Ich bin immer noch am Lernen und merke meine Unvollkommenheit überall
– etwa in der Beziehung zu meinen Kindern … Letztlich gilt: ich will
authentisch sein… Glauben leben….1. Korinther 13 ist für mich ganz
wichtig. Da geht es um die Liebe. Ich denke, darauf kommt es an: als
Spiegel der Liebe Jesu zu leben… den einzelnen zu sehen und in Liebe
auf ihn einzugehen…
Eine letzte Frage: Was meinst du, was brauchen die Menschen unserer
Stadt am meisten?
Unsere Liebe – und Gottes Liebe!
Danke, Henry für's Erzählen und für allen Einsatz bei uns! Viel
Kraft und Segen für alle Herausforderungen! |
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Manuela
Neubert
Manuela Neubert (45), lebt seit 21 Jahren in Freiberg. Sie ist mit
Tobias verheiratet, hat 4 Kinder und arbeitet im Steinmetzbetrieb
ihres Mannes. Sie leitet einen Hauskreis und gehört zum Gründungs- und
Leitungsteam von Bakigo, dem Kindergottesdienst in der
Jakobi-Christophorus-Gemeinde unter dem Motto „Bibel und Aktion“, in
dem biblische Inhalte kreativ und altersgemäß vermittelt werden und
die Mitarbeiter auch durch gemeinsames Basteln und Spiele eine
persönliche Beziehung zu den Kindern aufbauen. 14-tägig treffen sich
ca. 50 – 60 Kinder bei Bakigo.
Regina Reimann unterhielt sich mit ihr über Lebens- und
Glaubenserfahrungen.
Manuela, du bist in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen. Wie
hast du Jesus persönlich kennen gelernt?
Für mich sind es die Vorbilder im Glauben gewesen, ich habe viele
Leute gehabt, die mir das vorgelebt haben. In erster Linie war das
meine Großmutter und später Mitarbeiter in der Jugendarbeit, die
wichtige Impulse für mein Leben gesetzt haben.
Ganz entscheidend war eine Mädchenrüstzeit, bei der ich mich dann auch
getraut habe, eine Mitarbeiterin anzusprechen und in ihrer Begleitung
mit Jesus persönlich anzufangen.
Jesus ist für Dich...
ein Freund, mit dem ich immer zu jeder Zeit reden kann.
Gibt es ein Bibelwort, das dir besonders viel bedeutet?
In letzter Zeit bedeuten mir die Worte aus 1. Korinther 13 sehr viel:
Nun aber bleiben Glaube Hoffnung, Liebe, aber die Liebe ist die größte
unter ihnen.
Hast du eine bestimmte Erfahrung mit diesem Text gemacht?
Ja ich denke, dass die Liebe wirklich das Wichtigste ist, weil ich nur
so eine gute Beziehung mit Gott und meinen Mitmenschen leben kann. Es
ist immer ein großes Stück Arbeit, denn es heißt immer wieder zu Gott
hingehen und zu anderen. Jeden Tag neu anzufangen und immer wieder zu
vergeben. Verletzungen und Enttäuschungen bleiben ja im Familien- und
Arbeitsalltag nicht aus. Da hat es mir oft geholfen, diese Menschen,
mit denen ich nicht reden konnte, zu segnen. Wenn wir Gott und unsere
Mitmenschen nicht lieben, ist es uns auch egal, ob sie zu Jesus
gehören. Nur die Liebe schafft es, dass die andern uns wirklich
wichtig sind.
Kannst du uns was von dem erzählen, welche Auswirkung der Glaube an
Gott in deinem Leben hat?
Es gibt manche Situationen, in denen ich ein „aha-Erlebnis“ habe, wo
ich, nachdem ich Stille hatte – z.B. bei einem Spaziergang, bei dem
ich mit Gott rede – dann merke: Gott ist da. Besonders im Rückblick
kann ich sagen: Gott hat uns durch schwierige Zeiten durchgetragen,
auch als Familie, es gab Lösungen, die wir uns nicht ausdenken
konnten, die sich einfach ergeben haben. Wir haben da gemerkt: das war
Gottes Handeln.
Ich habe z.B. ganz intensiv für meinen Sohn gebetet, der mit seinem
Musiklehrer nicht klar kam. Mein Sohn wollte nicht mehr hingehen und
der Musiklehrer hielt ihn für aufmüpfig. Seit ich intensiv dafür bete,
hat sich die Sache entspannt.
Gibt es Zeiten, wo das nicht so klar ist, dass Gott da ist?
Ja! In Zeiten, wo man Leid mitbekommt, wo man sich fragt, warum müssen
das Menschen mitmachen, wo ich manche Situation nicht begreifen kann,
und wo ich selber vielleicht in einem Tal stecke.
Wie gehst du mit solchen Situationen dann um?
Unterschiedlich – auch wieder im Gebet, dass ich’s Gott sage oder auch
dass ich mit anderen darüber rede. Wir haben auch in unserem Hauskreis
ein offenes Verhältnis, wo wir Zweifel und Fragen anbringen können.
Du bist nach deinen eigenen Worten beratende, mithelfende und
mitleitende Ehefrau im Steinmetzbetrieb deines Mannes. Wie siehst du
deine Rolle als Christin in der Geschäftswelt? Hat die Beziehung zu
Gott Auswirkung in diesen Bereich?
Ich versuche, den Part auszufüllen, der in die soziale Richtung geht.
Ich versuche auch, mich um die persönlichen Belange unserer
Mitarbeiter zu kümmern, dass es auch menschlich zugeht. Manchmal reibe
ich mich da auch auf - bei den vielen unterschiedlichen Charakteren.
Ich denke auch, es sind nicht nur die Worte… Die Hauptsache ist, dass
wir authentisch, also echt, leben.
Wie gehst du mit der zeitlichen Herausforderung zwischen Beruf,
Familie und Ehrenamt um?
Sehr unterschiedlich. Es gibt Zeiten, da komme ich sehr gut damit
klar. Ich habe jetzt auch ganz bewusst meine Arbeitszeit festgelegt.
Aber es gibt Zeiten, da merke ich, dass bestimmte Bereiche zu kurz
kommen. Insbesondere, wenn ich merke, dass meine Kinder zu kurz
kommen, belastet mich das. Aber gerade in diesen Zeiten muss ich nach
neuen Wegen suchen und das bringt mich manchmal auch persönlich
weiter. Ich muss dann suchen, ob ich manche Dinge abgeben kann. So
habe ich z.B. ganz bewusst mit dem Chor aufgehört. Obwohl ich sehr
gerne mitgesungen habe.
Ich habe gelernt, wenn ich was Neues beginne, vorher zu überlegen,
womit ich dann aufhöre, damit es gelingt. Das ist immer noch ein
Lernprozess.
Bleibt da noch Zeit für dich, für persönliche Stille mit Gott?
Das muss ich mir auch hart erkämpfen. Wenn ich´s früh nicht schaffe,
wird´s meistens nicht mehr. Ich habe eine halbe Stunde, nachdem die
Kinder aus dem Haus sind und bevor ich auf Arbeit gehe. Aber ich muss
mir das richtig fest vornehmen, sonst gelingt es nicht. Oder manchmal
gehe ich abends ganz bewusst eine halbe Stunde für mich alleine
laufen.
Du hast bei der Entwicklung des Konzepts für Bakigo federführend
mitgearbeitet, hast Bakigo mit aufgebaut und bist von Anfang als
verantwortliche Mitarbeiterin dabei. Was hat dich dabei motiviert?
Wieso war dir das wichtig?
Kinder sind mir schon immer sehr wichtig gewesen. Natürlich zuerst
meine eigenen. Mir ist wichtig, dass Kinder Jesus lieb gewinnen und
nicht in die Kirche gedrängt werden.
Es war zum großen Teil auch die Unzufriedenheit mit der damaligen
Situation des Kindergottesdienstes in Jakobi, wo meistens die
Mitarbeiter mit ihren eigenen Kindern Kindergottesdienst hielten, die
uns nach neuen Wegen suchen ließ.
Was willst du deinen Kindern und den Kindern von Bakigo fürs Leben
mitgeben?
Dass man sein Lebenshaus auf einen Felsen bauen muss bei all der
Unberechenbarkeit des Lebens, und dass dieser Fels Gott ist. Und dass
es wichtig ist, zu verstehen, dass man dieses Fundament und diesen
Halt im Leben braucht, um gut durchs Leben zu kommen.
Wenn Du nur noch kurze Zeit zu leben hättest...?
Würde ich bestimmt viele Kontakte intensiver pflegen, würde versuchen,
manch einem noch was mit auf den Weg zu geben. Vielleicht auch in der
Familie oder in Freundschaften die Zeit noch richtig ausnutzen, um in
Ordnung zu bringen, was nicht in Ordnung ist.
Ich würde aber sicher auch noch was Verrücktes machen, oder was
Schönes.
Zum Beispiel?
Auf eine schöne Insel, z.B. die Malediven, fahren und dort so richtig
Südsee mit Palmen und Sandstrand genießen.
Was würdest du, wenn du die Möglichkeit dazu hättest, gern in
unserer Gemeinde verändern?
Ich hätte gerne, dass wir noch mehr an den Leuten dran sind. Dinge
machen, die uns selber gut tun, und wo man Leute mitbringen kann. Z.B.
gemeinsam Sport machen. Einfach auch was, wo ich Leute vielleicht gut
erreichen und über aktuelle Themen sprechen kann. Außerdem wünsche ich
mir mehr Kontakte in Gemeinde, wo man sich kennen lernen und auch
unterschiedliche Ansichten austauschen kann, um miteinander als
Gemeinde vorwärts zu gehen.
Vielen Dank, Manuela, für so viel Offenheit! Ich wünsche Dir, dass Du
weiterhin ganz vielen Menschen zum Segen wirst. |
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Sarah Emrich
Sarah Emrich ist manchen sicher schon als Kind aus unserer Gemeinde
bekannt. Inzwischen ist sie 21 Jahre jung, im 3. Ausbildungsjahr zur
Ergotherapeutin, Mitarbeiterin in der Jungen Gemeinde (JG) und
verantwortlich für den Jugendhauskreis. Wenn’s um Gott und Glaube geht
spürt man ihr die Begeisterung einfach ab – weshalb sie auch lieber
mit dem Leser oder der Leserin persönlich ins Gespräch kommen würde.
Gundula Rudloff sprach mit ihr.
Sarah, warum glaubst du eigentlich an Gott?
Sarah Emrich: Weil ich ihn schon oft erlebt habe. Ich habe gemerkt: man ist nicht
automatisch Christ, wenn man – wie ich - christlich aufwächst. Ich
würde meine Entwicklung etwa so beschreiben: zunächst habe ich Gott
nie hinterfragt, ich hatte dann so etwas wie einen Kinderglauben; als
Teenie hatte das nicht so viel mit mir persönlich zu tun, es gab auch
verschiedene Zweifel, ich hab angefangen, alles zu hinterfragen; nach
der Konfirmation kam dann eine „lasche Phase“. Richtig mit Gott wieder
angefangen hab ich auf einer Silvesterrüstzeit. Da habe ich Gott das
erste Mal richtig gespürt und dann ging es richtig vorwärts. Es war in
einer Anbetungszeit. Da wusste ich plötzlich nicht nur im Kopf, dass
es ihn gibt, sondern dass ich seine Gegenwart erleben kann. Das kann
ich schlecht erklären, aber es war einfach klar: das kann nur Gott
sein. Ich war davon viel mehr berührt als von Gebetserhörungen, die
ich auch kannte, die man aber meist auch anders erklären kann….
Was hat dir am meisten im Glauben geholfen oder dich vorangebracht?
Sarah Emrich: Sehr hilfreich ist, dass meine Eltern Vorbilder sind. Wie sie Ehe und
Familie leben, wie sie Gott vertrauen… da waren viele Gespräche und
das alles hat mich sehr geprägt. Dann waren Rüstzeiten wichtig (im
Rahmen der Kirchenwochenarbeit), besonders, seitdem ich als
Mitarbeiterin dabei war; da ging es mehr in die Tiefe und ich wurde
mehr herausgefordert.
Du hast auch eine „Jüngerschaftsschule“ mitgemacht. Erzähl mal, was
das war….
Sarah Emrich: Das war vor 3 Jahren und hat mich sehr voran gebracht und war wichtig
für mein geistliches Fundament. Ein Jahr lang haben wir uns ein
Wochenende im Monat getroffen. Zu der Zeit gehörte das regelmäßige
Bibellesen (nach Plan), Bibelstellen auswendig lernen, ein
Gebetstagebuch führen (also Gebetsanliegen aufschreiben und aufmerksam
sein für das, was Gott tut), regelmäßiger Gottesdienstbesuch mit
Mitschriften bei den Predigten. Wir hatten alle einen Mentor für
persönliche Gespräche und sollten auch eine Freundschaft mit jemandem
pflegen, der nicht Christ ist. Das war richtig streng, aber auch eine
Zeit, in der wir Themen sehr intensiv behandelt haben. Wir waren auch
draußen unterwegs, haben auf dem Marktplatz Lieder gesungen. Und
richtig krasse Typen waren dabei, alle wollten echt was von Gott…
Und ist das jetzt nur noch schöne Erinnerung oder mehr?
Sarah Emrich: Ja, es ist mehr. Die Beziehung zu Gott ist besser geworden,
intensiver. Ich weiß viel tiefer: Er liebt mich, ich habe Lust auf
mehr, Sehnsucht nach mehr….
Hast du dafür Vorbilder?
Sarah Emrich: Zum Beispiel Noah: wie der angepackt hat auf Gottes Wort hin oder
Abraham, wie er vertraut hat, obwohl er seinen einzigen Sohn opfern
sollte oder David: er hat viele Fehler gemacht, aber er war aufrichtig
vor Gott und kam mit seinen Fehlern zu ihm.
Hast du auch Frauen als Vorbilder?
Sarah Emrich: Naja, ich will ja gar nicht genauso sein wie andere… aber bestimmte
Eigenschaften beeindrucken mich, zum Beispiel bei Maria, dass sie
Jesus so gut zuhören konnte. Aber eigentlich habe ich nicht ein großes
Vorbild… Aber was mir noch einfällt: mein Vater ist mir ein großes
Vorbild!
Welche Zukunftspläne hast du eigentlich für dein Leben?
Sarah Emrich: Ich will erstmal meine Ausbildung zuende machen; dann im Beruf
arbeiten; einen tollen Mann finden oder besser: der mich. Heiraten,
ein paar Kinder haben und am besten wäre natürlich: Jesus kommt
wieder, bevor meine Eltern oder irgendjemand anders, der mir sehr
wichtig ist, sterben. Insgesamt wünsche ich mir, dass sich nicht zu
viel um den Beruf dreht und um Leistung.
Möchtest du durch deinen Beruf den Glauben an Gott weitergeben?
Sarah Emrich: Ja, in Einzeltherapien ergibt sich das auch, aber ich habe auch schon
einen „Dämpfer“ gekriegt: man sollte religiös neutral sein. Aber ich
kann auch viel dadurch weiter geben, wie ich bin und lebe. „Sie sind
ein Glücksbringer für mich“, hat mir mal jemand gesagt. Ich hab das
Glück, eine ausgeglichene Person zu sein; das hilft vielen, gerade in
der Kinder- und Jugendpsychiatrie, wo ich gerade bin…
Und du empfindest es so, dass Gott dir dieses Wesen schenkt….
Sarah Emrich: Ja: es wird gut, es liegt in Gottes Hand – das strahle ich
offensichtlich für viele Menschen aus; und das kann ich nicht von mir
aus.
Was motiviert dich eigentlich zur Mitarbeit in der JG? Was ist dir
dabei das wichtigste?
Sarah Emrich: Ich finde am wichtigsten, dass Beziehungen gelebt werden; dass es mehr
ist als Kommen und Spaß haben. Ich wünsche mir mehr Miteinander durch
Gebet füreinander. Und ich finde das Mentoring-Prinzip ganz wichtig:
dass jemand älteres für jemand jüngeres da ist. Das wäre überhaupt
auch in Gemeinde gut; man überdenkt mehr das Leben… Für die nächsten
Winterferien planen wir eine Rüstzeit mit Frank Herter in Hermannsdorf;
die Vorbereitungen für ein tolles Thema laufen und bis Weihnachten
machen wir ganz coole Sachen, zum Beispiel einen „Rotlichtabend“ mit
Übernachtung – da geht es um Freundschaft, Liebe, Sexualität oder
einen Mädels-Jungs-Abend (also getrennt). Außer-dem beschäftigen wir
uns mit den Lebensmaßstäben, die Sabine Ball (ehemalige
Multimillionärin, die in Dresden das soziale Projekt „Stoffwechsel“
gründete) formuliert hat, z. B.: „Vision und Realität schließen sich
nicht aus!“
Das Miteinander der Generationen in Gemeinde ist dir sehr wichtig –
warum?
Sarah Emrich: Weil Gott sich was dabei gedacht hat. In der Familie sind auch
verschiedene Generationen… Ich würde mir wünschen, dass wir einander
mehr wertschätzen. Ich würde gern mit Älteren ins Gespräch kommen,
aber mir fehlt der Ansatz, wie ich ein Gespräch beginnen könnte….
Also: du würdest dir wünschen, dass Ältere dich mal ansprechen?
Sarah Emrich: Ja! Und ich wünsche mir, dass es nicht nur oberflächlich bleibt, dass
wir uns wirklich füreinander interessieren….
Hast du noch andere Wünsche für Gemeinde?
Sarah Emrich: Ja, dass jeder den anderen wichtig findet.
Und dann wünsch ich mir mehr Beteiligung der Jüngeren am
Kirchenkaffee, denn sonst kommt man sich manchmal als jüngerer Mensch
blöd vor…
Du sagst: nach dem Gottesdienst… das heißt: für dich ist
Gottesdienst wichtig?
Sarah Emrich: Ja, weil man Leute trifft, die man sonst nicht trifft. Ich finde auch
immer toll, wenn Leute im Gottesdienst was Persönliches einbringen.
Gab es in der letzten Zeit etwas, was dich richtig begeistert hat?
Sarah Emrich: Ja, das schöne Herbstwetter. Bei der Arbeit kann ich manchmal ne Runde
rausgehen. Natur erleben ist für mich: Gott hautnah. Er hat alles so
kreativ und liebevoll gemacht – das gibt mit immer wieder neuen
Schwung!
Und was hat dich sehr geärgert?
Sarah Emrich: Von meinem Mentor in der Ausbildung war ich oft sehr genervt; ich
hatte das Gefühl, wir reden aneinander vorbei, als wenn wir
verschiedenen Sprachen sprechen. Wir haben mal in unserem Hauskreis
zusammen für ihn gebetet und danach hat Gott ein richtig gutes
Gespräch geschenkt!
Erzähl mal was vom Jugend-Hauskreis!
Sarah Emrich: Wir Ältere aus der JG haben ihn gegründet, weil wir mehr in die Tiefe
wollten. Es gibt dort Höhen und Tiefen, ein Problem ist gerade, dass
Leute weggehen, wir sind gerade nicht viele…
Was ist deine Hauptaufgabe als Leiterin dieses Hauskreises?
Sarah Emrich: Mir ist es wichtig, darauf zu achten, dass eine Struktur da ist, dass
es vorwärts geht…und andere zu motivieren, was von sich persönlich
reinzugeben.
Hast du einen Wunsch an Gott?
Sarah Emrich: Ja, ich will ihn besser kennen lernen, durch mehr Zeit zum Bibellesen,
aber auch einfach so im Alltag; ich wünsche mir, überall mit ihm
zusammen zu sein und nicht nur zu beten: bitte mach… oder danke für….,
sondern so zu leben, als wenn er neben mir sitzt. Mir fällt es schwer,
Bibelstellen auswendig zu lernen, aber ich glaube, die Chance davon
ist, dass ich Gott eben hören muss. Das erlebe ich so, dass er mich an
Worte erinnert - zum Beispiel auch durch Lobpreislieder - so dass ich
weiß: er meint mich.
Danke für das Gespräch und für die Anregungen, die vielleicht noch
vielen wichtig werden! |
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Michael
Gietzelt
Mit Michael Gietzelt (52) kommt hier ein Kirchenvorsteher zu Wort,
der bereits etwa 13-jährige Gemeindeleitungs-Erfahrung hat, 25-jährige
Ehe-Erfahrung mit Sylvia, mit der er zwei Kinder hat, knapp 30-jährige
Hauskreiserfahrung und noch längere Berufserfahrung als Installateur,
oft unterwegs auf Montage. Stets einsatzbereit und kompetent, nicht
nur, wenn es um Reparaturen oder diverse Installationen in Kirchen
oder Gemeindehäusern geht, sondern auch, wenn es um Gottesdienst und
die Aufgaben als Kirchner geht, könnte man meinen, der gebürtige
Freiberger sei bereits in die Kirchgemeinde hineingeboren. Aber das
ist keineswegs so. Denn Michael Gietzelt war schon erwachsen, als er
sich konfirmieren ließ. Gundula Rudloff unterhielt sich mit ihm über
Lebens- und Glaubenserfahrungen.
Erzähl doch mal, wie das kam, dass du dich als Erwachsener für
Kirche interessiert hast – und das 1983, also als es durchaus nicht
Mode war…
Michael Gietzelt: Ich bin durch Kletterfreunde dazu gekommen; die waren in einem
Hauskreis. Ich war offen, auf der Suche. So habe ich zur Kirche
gefunden und mich konfirmieren lassen. Stück für Stück bin ich dann
reingewachsen…
Aber beim Klettern bist du auch geblieben – bis heute….
Michael Gietzelt: Ursprünglich wollte ich mal Fallschirmspringer werden. Durch Bücher
bin ich auf’s Klettern gekommen. Ich mache das aber heute nicht mehr
oft, aber wenn, dann in der Sächsischen Schweiz.
Viel öfter läufst du…
Michael Gietzelt: Ja, das Laufen war am Anfang das Training für das Klettern. Das hat
sich dann für mich verselbständigt. Eine besondere Vorliebe habe ich
für Landschaftsläufe, die richtig lang sind.
Was war dein längster Lauf?
Michael Gietzelt: Fast jedes Jahr mache ich den Rennsteiglauf mit, 73 km. Heute brauche
ich etwa achteinhalb Stunden dafür (früher war ich schneller), aber es
ist mir immer ein großer Ansporn, auf diese Weise die Schöpfung zu
erleben. Ist der Sport dafür verantwortlich, dass ich (und ich wüsste nicht,
wem es anders ginge) dich nur ausgeglichen und freundlich kenne? Gibt
es das überhaupt, dass du mal unausgeglichen oder hektisch bist?
Michael Gietzelt: Ja, zwischen Aufstehen und zur Arbeit gehen.
Was hat dich in der letzten Zeit am meisten geärgert und am meisten
gefreut?
Michael Gietzelt: Am meisten gefreut hat mich, dass Sylvia sich so gut von der Krankheit
erholt hat und am meisten geärgert….. ich hätte gern mehr Zeit für
Familie und Gemeinde, aber die Arbeitsbelastung ist oft so groß…
Was ist für dich das Wesentliche am Leben einer Kirchgemeinde?
Michael Gietzelt: Die Gemeinschaft untereinander und mit Jesus. Das Besondere ist der
gemeinsame Halt, die gemeinsame Mitte. Wer nur so selten kommt, kann
das gar nicht erleben, was Gemeinde eigentlich geben kann: zusammen
was mit Gott erleben…
Wo denkst du, liegen unsere Stärken als
Jakobi-Christophorus-Gemeinde und was sollten wir unbedingt weiter
entwickeln?
Michael Gietzelt: Ich finde, es ist uns bisher gelungen, viele zu mobilisieren,
ehrenamtlich mitzutun; gleichzeitig ist genau das weiter zu
entwickeln, weil es noch zu wenige sind. Ansonsten sollten wir nicht
aus dem Blick verlieren, dass es Zeit braucht, einander kennen zu
lernen – auch aus den verschiedenen Gemeindeteilen. Nur so kann es zum
besseren Miteinander kommen. Wir müssen mehr miteinander reden und ich
wünsche mir mehr Kommunikation zwischen dem Kirchenvorstand und den
Gemeindegliedern – in beide Richtungen!
Aus welchen Lebenserfahrungen hast du am meisten gelernt?
Michael Gietzelt: Da fällt mir sofort das Klettern ein. Das wichtigste dabei ist, sich
aufeinander verlassen zu können; anders würde das am Seil nicht gehen.
Das hat mich in der Hinsicht geprägt, dass ich mich bemühe,
verlässlich zu sein. Und wenn ich insgesamt an Sport denke: man lernt
seine Grenzen kennen; wie weit man gehen kann, ohne sich zu
überfordern. Darauf lerne ich, auch mal Nein sagen zu können.
Hast du Vorbilder?
Michael Gietzelt: Keine bestimmten Namen, aber Personen, die Großes leisten und dabei
bescheiden bleiben.
Leben mit Gott im Alltag – wie sieht das bei dir aus? Macht es im
Alltag einen Unterschied, dass du Christ bist?
Michael Gietzelt: Ich versuche, Gott überall mit einzubeziehen. Ich bete zum Beispiel
für unfall- und staufreie Fahrten. Ich bete dafür, dass ich mit den
vielen unterschiedlichen Menschen, mit denen ich zu tun habe, klar
komme. Das ist nämlich manchmal gar nicht so einfach, wenn die Leute
bei der Arbeit hinter mir stehen und zugucken und womöglich noch ein
Gespräch anfangen wollen, wenn ich mit der Installation beschäftigt
bin und mir Zahlen merken muss, weil ich gerade etwas abmesse… Aber
ich mache immer wieder die Erfahrung: ich kann mit den Leuten
zurechtkommen.
Gott überall mit einzubeziehen, heißt für mich: Gott nicht nur Tisch-
und Gutenacht-Gebete und für den Sonntag, sondern überall mit ihm
zusammen sein. Ich merke, dass es nicht gut ist, Dinge ohne Gott
anzupacken; dann zermartere ich mir den Kopf, dabei fällt mir im Gebet
manchmal ganz schnell eine Lösung ein.
Gibt es einen Bibelvers, der dir besonders viel bedeutet?
Michael Gietzelt: Ja, mein Konfirmationsspruch: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist;
der HERR aber sieht das Herz an.“ (1. Samuel 16,7) Das heißt für mich:
auch wenn wir Menschen beurteilen, sollten wir sie niemals
verurteilen, weil wir das Herz ja nicht sehen. Außerdem: wir sollten
Gott in unser Herz schauen lassen, ihn ins Herz reinlassen, das Herz
von Gott reinigen lassen. In letzter Zeit ist mir beim Lesen der
Apostelgeschichte ein Satz besonders wichtig geworden. Da heißt es
irgendwo von der Ausstrahlung der ersten Gemeinde: „Jeder spürte, dass
hier Gott am Werk ist.“ Meine Sehnsucht ist, dass die Leute das von
unserer Gemeinde sagen könnten! Damit beginnt Erweckung – so war’s in
der Urgemeinde.
Wenn diese Gemeindeaktuell-Ausgabe raus ist, hast du gerade deine
Silberhochzeit hinter dir. 25 Jahre zusammen – das ist ja heute alles
andere als eine Selbst-
verständlichkeit. Was ist dein Tipp für
gelingende Ehe?
Michael Gietzelt: Zunächst: ich hab mir Zeit gelassen mit dem Heiraten; das konnte ich
auch, weil ich viele gute Freunde hatte und Hobbys, die mich auch
ausgefüllt haben. Ich hab mich allein nie gelangweilt. Dann kam
irgendwann das Gefühl: das ist die Frau, die für mich bestimmt ist.
Ehe und Familie möchte ich nicht missen; das ist ein großer Halt. Wir
sind nicht immer einer Meinung; aber viel wichtiger ist: ein Zuhause
zu haben. Ich bin sehr dankbar; ich kann mir gar nichts anderes
vorstellen….!
Ärgerlich finde ich, dass das Ehe- und Familienbild in unserer
Gesellschaft so verschwimmt – zum Beispiel durch die Diskussion über
die Kinderadoption für homosexuelle Paare. Die Kirche sollte da klare
Worte finden und ein „Stachel“ sein, auch wenn es vielen nicht
gefällt. Aber das ist die Bestimmung der Kirche.
Danke, Michael, für das Gespräch und für alle Klarheit und Hingabe
im Dienst für das Reich Gottes hier in Freiberg! |
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Iris Mayer
Iris Mayer (43), aufgewachsen in Schwäbisch Hall, lebt jetzt seit 15
Jahren in Freiberg. Sie ist mit Gerd verheiratet, hat 4 Kinder und
gehört seit der Einführung des neuen Kirchenvorstandes zum
Gemeindeleitungsteam dazu. Über das, wofür ihr Herz schlägt,
unterhielt sich Gundula Rudloff mit ihr.
Iris, vor 15 Jahren war sicher kaum absehbar, wie lange ihr hier
sein würdet. Was gefällt dir so gut an Freiberg?
Iris Mayer: Ich fühle mich hier einfach sehr wohl. Ich glaube auch,
dass die Mentalität der Sachsen sehr gut zu Süddeutschen passt. Schon
bei der Wohnungssuche damals ist uns ganz viel Freundlichkeit und
Herzlichkeit entgegengekommen, das hat mich begeistert. Aber auch die
Stadt, die Gebäude... Weil ich am Anfang mit zwei kleinen Kindern den
ganzen Tag allein zu Hause war, habe ich über die Freie Presse zu
einer Spiel- und Krabbelgruppe eingeladen. Viele sind gekommen und aus
der Zeit habe ich bis heute wertvolle Freundschaften. Für mich war das
etwas wie eine „Selbstfindungszeit" und ich habe gemerkt, dass ich
mich bald mehr mit den Leuten hier identifizieren konnte als woanders.
Ich habe auch empfunden, dass hier viele Menschen geistlich offen,
nicht so festgelegt sind und dass kirchlich nicht so viel hohler
Traditionalismus da ist, sondern mehr echte Überzeugung. Mein Vater
sagte damals schon: da ist die Zukunft!
Du hast als Erzieherin in verschiedenen Kindergärten gearbeitet,
lange Jahre ehrenamtlich und dann 7 Jahre bis letztes Jahr mit einer
Anstellung in der Kinder- und Jugendarbeit des überkonfessionellen
Vereins „Marburger Kreis". Der Jugendgottesdienst „Promise" ist seit
Jahren ohne dich nicht denkbar. Außerdem hast du nicht nur 4 Kinder,
sondern engagierst dich zur Zeit auch als Tagesmutter für Kleinkinder
und hast vor, ein Pflegekind in eure Familie aufzunehmen. Warum liegen
dir Kinder und junge Leute so sehr am Herzen?
Iris Mayer: Als ich 11 Jahre alt war, war ich der Babysitter unserer
Straße... Aber ich könnte gar nicht sagen, welche Altersgruppe mir die
liebste ist. Ich finde, es ist in jeder Altersgruppe spannend zu
sehen, was da für eine Persönlichkeit vor mir steht. Was ich an
Jugendlichen spannend finde, ist die Art und Weise, wie sie mir
Gegenüber sind. Mir ist immer wichtig, sie ernst zu nehmen und als
vollwertig anzusehen. Ich möchte ihnen Hilfestellung geben, damit sie
glaubwürdige Vorbilder finden und den Prozess der
Persönlichkeitsfindung begleiten. Manchmal fällt es mir schwer,
loslassen zu können, gerade wo sie anders sind. Was ich nie wollte
oder geplant habe, aber was sich einfach ergeben hat, weil ich auch
angefragt wurde ist, dass ich bei jedem unserer Kinder eine
Krabbelgruppe angefangen habe. Dadurch sind auch ganz viele
Elternkontakte entstanden... Durch alles hindurch merke ich: da ist
meine Berufung, in dieser Aufgabe fühle ich mich richtig; so geht es
mir auch mit dem Ort Freiberg: hier ist mein Platz.
Wie hast du hier in christlicher Gemeinde Fuß gefasst?
Iris Mayer: Ich habe Kinderangebote ausprobiert und einfach in
verschiedenen Gemeinden „geschnuppert"; wir haben auch Gottesdienste
gesucht, wo Kinder nicht Störfaktor sind.... Jetzt kann ich ehrlich
sagen: Ich habe das Gefühl, hier in Gemeinde zu Hause, eingewurzelt zu
sein.
Der ganze Bereich Ehe - Familie -Erziehung liegt dir am Herzen,
weshalb du dich ja auch in den Erziehungsseminaren unserer Gemeinde
einbringst. Wie macht man Leuten eigentlich Mut zu Kindern?
Iris Mayer: Ich kann nur sagen: es ist so ein Glück, Kinder aufwachsen
zu sehen, das ist eine Bereicherung für's Leben; außerdem auch eine
extreme Lebensschulung. Es ist einfach das größte Glück und die größte
Herausforderung!
Was würdest du als größte Erziehungs-Herausforderung beschreiben?
Iris Mayer: Das Kind als eigenständige Persönlichkeit zu achten. Das
Wechselspiel zwischen Freiheit und klaren Regeln erfordert viel
Fingerspitzengefühl. Und wo siehst du die größte Not von Familie und
wie sollte man ihr begegnen? Die größte Herausforderung sehe ich im
Zeitfaktor. Oft ist die wirtschaftliche Notwendigkeit der Arbeit für
beide da, aber dadurch wird ein harmonisches Miteinander erschwert und
zu viele Zwänge und Anforderungen belasten das Familienleben.
Familienpolitik müsste nicht nur wirtschaftlichen, sondern viel mehr
familiäre Gesichtspunkte beachten und die Aufgabe der Erziehung der
eigenen Kinder würdigen.
Eine ganz persönliche Frage: wie bist du zum Glauben gekommen?
Iris Mayer: Ich bin getauft und konfirmiert worden. Ich hatte immer
gehofft, dass einer mir sagt, wie man Glauben lebt. Irgendwann war ich
richtig frustriert, dass ich nicht wusste, was Glauben und Leben
miteinander zu tun hat... Ich habe gebetet: Herr, es muss doch mehr
möglich sein. Mit 18 war ich auf einem Seminar, wo ich zum ersten Mal
gehört habe, dass man Gott sein Leben anvertrauen kann und dazu viele
praktische Punkte: wie man Gottes Stimme wahrnimmt, stille Zeit machen
und Bibel lesen kann... Das war für mich ein Durchbruch. Vor einem
Zeugen habe ich eine Beichte abgelegt und Jesus mein Leben anvertraut
- das war unglaublich befreiend. Ein Problem war nur, dass ich dadurch
ins Kreuzfeuer meiner Familie geriet; die haben darin nur beengende
Moral gesehen...
Es gibt ja viele Menschen, die Christsein nur als Moral verstehen.
Was sagst du ihnen?
Iris Mayer: Dass ich mit Gott alle Möglichkeiten habe - in der
sichtbaren und in der unsichtbaren Welt; und ich weiß: das Leben hier
ist nicht das letzte...
Was hindert eigentlich viele Menschen daran, zum Glauben zu kommen?
Iris Mayer: Man gilt als dumm - und wer will das schon?! Christlicher
Glaube wird oft mit Ideologie verwechselt. Ich finde, es müsste uns
viel mehr gelingen, die Freiheit als Christ zu vermitteln, dass Gott
nämlich unabhängiger macht z.B. von der gesellschaftlichen Stellung,
weil allein Gott meinen Wert definiert. Seine Wertschätzung hängt
nicht an meiner Leistung. Das wird so selten vermittelt. Christen
sollten selbstverständlicher Wertschätzung vermitteln. Stell dir vor,
du gewinnst eine Million... Damit würde ich unser Haus weiter ausbauen
und sicherlich auch ein anderes Auto fahren. Aber vor allem würde ich
mir eine Stiftung für Kinder und Jugendliche überlegen. - Geld macht
nicht glücklicher... auch, wenn ich alles hätte - aber man muss Träume
haben.
Zum Schluss: was würdest du, wenn du die Möglichkeit hättest -und
dazu bist du ja auch im Kirchenvorstand - gern in Gemeinde verändern?
Iris Mayer: Ich bin Freund von unkonventionellen Formen, ich würde
mehr experimentieren, gerade in Bezug auf unsere Gottesdienste. Ich
wünsche mir auch mehr Vernetzung zwischen den Kindern vom
Kindergottesdienst Bakigo und den Gottesdiensten in der Kirche.
Danke, Iris, für das Gespräch! Ich wünsche dir, dass du weiter ganz
vielen Kindern und jungen Menschen zum Segen wirst! |
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Jutta Gutte
„Dass muss man einfach mal erlebt haben, und das Allerschönste war,
dass ich zwei Reihen vor mir meinen Enkel sah".
Jutta Gutte (72) könnte eigentlich ihre Nerven schonen, aber ihre
große Wachheit für geistliches Leben und Wirken lässt sie auch
ProChrist live in Chemnitz nicht verpassen, wo sie sich mit einigen
anderen aus unserer Kirchgemeinde unter die ca. 6000 Menschen in der
Chemnitz-Arena mischt. In christliche Gemeinde und christliches Leben
ist die gebürtige Freibergerin durch ihre Familie hineingewachsen. Und
als besondere Vorbilder fallen ihr gleich die Großeltern ein,
Menschen, die mit Jesus gelebt haben - und das durch schwere Zeiten
und viel Leid hindurch bis ans Ende. Vor ca. 30 Jahren gehörte sie mal
dem Kirchenvorstand an, unter Oertels hat sie im Chor mitgesungen; bis
heute ist sie unter denen, die treu Gemeinde-aktuell austragen und
helfen, das Kirchgeld einzuholen. Und: das Gebet ist für sie Dienst
für die Gemeinde, mit zunehmendem Alter umso mehr, auch wenn sie
gleichzeitig spürt, dass es viel zu wenig ist... Mit ihr sprach
Gundula Rudloff.
Frau Gutte, ich kenne Sie als Menschen, der in die Mitte der
Gemeinde gehört und Sie sind christlich aufgewachsen. Wie haben Sie
Jesus persönlich kennen gelernt?
Frau Gutte: Ich habe Jesus erst in Zeiten kennen gelernt, die für mich
persönlich sehr schlimm waren. Das hat für mich mit der Erfahrung des
Heiligen Geistes zu tun. Das war, wie wenn in einem alten Schloss
plötzlich die Türen aufgehen und Licht kommt rein. Die Folge war viel
Buße und Seelsorge, ein langer Weg, auf dem ich bis heute bin. Es ist
ein himmelweiter Unterschied, Kirche, kirchliches Leben u.s.w. zu
kennen oder mit Jesus konfrontiert zu sein!
Durch das Wirken des Heiligen Geistes hat sich ihr Leben verändert.
Können Sie das näher beschreiben?
Frau Gutte: Ich habe gemerkt: ohne Sündenerkenntnis und Buße - also
Umkehr -geht gar nichts. Mir ist klar geworden: alles, was ich bin,
bin ich nur durch Jesus Christus, meinen HERRN. Ab dem Zeitpunkt war
mein Gebet: HERR, sag mir, wie ich dir dienen kann und hilf mir dich
zu hören. Und ich habe erlebt, wie Gott sehr konkret in mein Leben
hineinredet, z. B. bezüglich meines Berufes. Ich bin gelernte
Uhrmacherin (hab auch mal in Glashütte gearbeitet) und plötzlich
wusste ich: „Kretzschmarstift". Es war mir völlig egal, wo und wie ich
in dieser diakonischen Einrichtung für geistig Behinderte eingesetzt
werden würde. Nur zwei Bedingungen hatte ich: dass ich nicht im Kalten
stehen muss (aus gesundheitlichen Gründen) und dass ich in der
Erntezeit Urlaub machen kann, weil ich ein großes Gartengrundstück
hatte - und habe. Daraus sind dann 30 Jahre geworden, bis zur Rente.
Und wenn ich nicht sicher gewusst hätte: HERR, du hast mich hier
hingeschickt - dann wäre mir die Arbeit dort vielleicht zu schwer
geworden. Aber so kann ich im Rückblick sagen: es war eine gute Zeit.
Auf Ihren Garten muss ich noch mal zurückkommen. Leider (!) habe
ich ihn immer noch nicht aufgesucht, aber mit seinen Blumen haben Sie
schon vielfach Gemeinde erfreut und mit Obst und Gemüse auch unserer
Familie schon so manches Mal viel Freude gemacht. Woher kommt
eigentlich Ihre große Liebe zum Garten, ihre Freude und Begeisterung
an der Schöpfung?
Frau Gutte: Seit 51 Jahren gehört das Grundstück nun mir. Es ist eine
Oase mit all den Blumen und Früchten, die ich von April bis Herbst
ernten kann... Ich habe Gott schon gesagt, dass ich mein Herz nicht
dran hängen will... aber ich lebe dort. Immer, wenn ich wieder von
dort nach Hause gehe - und ich bin jeden Tag dort, um die Katze zu
versorgen - sage ich: Herr, es ist dein Ort; und alles, was ich dort
machen will, berede ich vorher mit ihm.
Gibt es ein Bibelwort, das Ihnen besonders viel bedeutet?
Frau Gutte: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin" (1. Korinther
15,10) - nichts ist aus mir selber, alles ist Geschenk, jeder neue
Tag.... Wenn ich an Gottes Wort denke, ist mir folgendes noch
besonders wichtig: zuerst das Blut Jesu: es hat alles erlöst, den
Satan besiegt, ist große Kraft gegen alles Böse....
Das ist für Sie die Zusammenfassung für das Heil, das wir durch
Jesus haben?
Frau Gutte: Ja! Und es ist für mich Inbegriff für das
Herrschaftsgebiet Jesu. Darum spreche ich das mehrmals täglich aus.
Überhaupt ist es mir wichtig, das Wort Gottes laut auszusprechen, auch
Worte Jesu wie: „Der Sohn Gottes ist erschienen, um die Werke des
Teufels zu zerstören." (1. Johannes 3,8) oder einfach die
Aufforderung: „Steh auf!" die mehrfach nach Heilungsgeschichten
vorkommt.
Was genau bedeutet das für Sie?
Frau Gutte: Vertrauen; tun, was Jesus sagt, ohne selbst zu überlegen,
ob ich das wohl kann....
Verbringen Sie im Alltag extra Zeiten mit Gott?
Frau Gutte: Ja, das sind bestimmte Zeiten, da setzte ich mich hin,
mindestens eine Stunde. Zuerst bitte ich den Heiligen Geist, dass er
mich an Jesu Herz führt und in die Arme des himmlischen Vaters. Und
dann bete ich alles hinein in diese offenen Arme. Zwischendurch lese
ich in der Bibel. Zuletzt befehle ich Gott den Tag an mit all den
konkreten Anliegen... Und dann merke ich oft: der Heilige Geist führt
ja und abends kann ich sagen: HERR, du hast das und das und das...
getan. - Diese besonderen Zeiten mit Gott sind Zeiten, wo ich mich
selbst los bin, da spüre ich keine Schmerzen oder Sorgen...
Erzählen Sie doch mal von einem besonderen Erlebnis mit Gott!
Frau Gutte: Da war ich ein kleines Mädchen, vielleicht fünf Jahre alt,
da habe ich ein Wunder erlebt, das ich heute noch weiß. Der Glaube an
Gott war irgendwie in mir da. Jedenfalls wurde ich von meinen Eltern
geschickt, einen Korb mit roten Johannisbeeren zu den Großeltern auf
die Humboldtstraße zu bringen. Es war Sonntag. Ich hatte ein weißes
Kleid an- und der Korb war so schwer! Ich habe ihn an den Körper
gedrückt, um es zu schaffen und beim Nachhausegehen sah ich dann die
vielen Flecken, alles rot auf dem weißen Kleid. Und in der großen
Angst vor meiner Mutter habe ich mich an Gott gewandt. Irgendwie
gelang es dann, zu Hause das Kleid unbemerkt zu wechseln. Ich habe es
ins Wasser getaucht und rausgezogen - und das Kleid war weiß,
vollständig sauber. Ich wusste als Kind: Das hast du gemacht, Gott!
Und dann waren da die Wunder am Kriegsende... Dass mein Vater die
Bombenhölle von Dresden überlebt hat und dass er nach Hause kam am
Hochzeitstag meiner Eltern. Niemand konnte das wissen, aber meine
Mutter hat uns Kindern gesagt: er kommt. Und so war es.....
Haben Sie eine brennende Frage an Gott?
Frau Gutte: Ja! Wer wird mein Gartengrundstück bekommen und: wo soll
ich hin, wie soll es werden, wenn ich nicht mehr so kann wie bisher?
Haben Sie Angst vor dem Altern und Sterben?
Frau Gutte: Nein! Ein Leben mit Gott macht da einen
Riesen-Unterschied. Wenn ich sterbe, dann kommt ja das, was danach
kommt... Dann ist doch nicht Feierabend, dann geht's doch erst
los....!
Haben Sie einen Wunsch für uns als Jakobi-Christophorus-Gemeinde?
Frau Gutte: Ja! Das hab ich mir sogar schon aufgeschrieben! (nimmt
eine beschriebene Karte aus ihrer Bibel und liest vor) Ich wünsche
einen Kirchenvorstand, der geschlossen im Gebet vor dem HERRN steht
und seine Weisungen von ihm und aus seinem Wort empfängt, damit der
Heilige Geist wirken kann zum Bau des Reiches Gottes. Und: dass gerade
junge Leute lernen, mit dem Wort Gottes zu leben, denn mit seinem Wort
kommt der Heilige Geist! Deshalb will ich jungen Leuten sagen: lest
die Bibel, sucht Gott, „kauft die Zeit aus" (Kolosser 4,5),
verschwendet sie nicht an Sinnloses (z.B. zu viel Fernsehen). Ich
weiß, dass oft so viel Arbeit im Weg zu stehen scheint... An Arbeit
hat es mir in jungen Jahren auch nicht gemangelt. Aber ich habe sehr
viele Kassetten mit christlicher Botschaft gehört (und heute gibt es
ja noch sehr viel mehr und bessere Medien). Und es gibt so viele
Möglichkeiten, das Wort Gottes auch bei der Arbeit oder beim Essen
oder beim Unterwegssein... zu hören. Das Wort Gottes hilft, von sich
selbst weg und zu Gott hin zu finden, es hilft, Not und Schmerzen zu
lösen. Wo kommt denn Hilfe her? Sie ist doch nirgendwo anders zu
finden. Als Christ zu leben, bedeutet ja nicht, in keine Krisen zu
kommen, aber in Krisen die richtige Adresse zu haben. Also: lebt jetzt
mit Gott! Später wird das alles viel schwieriger, wenn die Augen alt
sind und man nicht mehr richtig sehen kann, wenn die Ohren alt sind
und man nicht mehr richtig hören kann...
Vielen Dank, Frau Gutte, für so viel Offenheit und Vertrauen! Viel
gute Zeit mit Gott und in Ihrem Garten wünsche ich Ihnen für dieses
Frühjahr! |
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Falk Gneuß
Eigentlich hatte er mit seiner Familie die sächsische Heimat als
Wohnsitz schon „abgehakt", als die Anfrage der Firma mit dem
Jobangebot kam, das attraktiv genug war, um im Sommer 2007 nach 9
Jahren Erfahrungen in Essen den Weg hierher zurück zu finden. Im
Nachhinein aber hat für Falk Gneuß (40), gebürtig in Memmendorf bei
Oederan alles „gepasst" und er empfindet sein Hier-Sein als Führung
Gottes. Und wir als Gemeinde auch, sonst hätten wir ihn nicht in den
neuen Kirchenvorstand berufen können. Über 15 Ehejahre verbinden ihn
mit seiner Frau Daniela, 12 bzw. 10 Jahre mit seinen Töchtern Rahel
und Hanna, 8 und 5 Jahre mit den Söhnen Jakob und Benjamin und etwa 9
Monate mit dem zur Zeit noch unbekannten, weil ungeborenen 5. Kind.
Gundula Rudloff unterhielt sich mit ihm.
Falk, ich kann mich noch gut an den Sonntag erinnern, als ihr das
erste Mal bei uns im Gottesdienst wart und wir am Ausgang kurz ins
Gespräch kamen. Damals wart ihr gerade vor ein paar Tagen nach
Naundorf zugezogen. Für euch ist Kirche vor Ort offensichtlich nicht
automatisch eure Kirchgemeinde, sondern für euch gelten bestimmte
Kriterien. Welche gehören für dich dazu?
Falk Gneuß: In der jetzigen Familienphase ist uns der
Kindergottesdienst besonders wichtig. „Bakigo" hat uns sehr gut
gefallen. Und: Lebendigkeit, also die aktive Mitarbeit vieler ist für
uns entscheidend.
Du hast in eurer Zeit in Essen viele Erfahrungen mit Kirchgemeinde
gesammelt Was war dir besonders wichtig und was möchtest du gern hier
einbringen?
Falk Gneuß: Ich habe im Kindergottesdienst mitgearbeitet, (der - so
ähnlich wie Bakigo - nach Promiseland-Vorbild organisiert war) und
dort eine Kleingruppe geleitet. Der Männerstammtisch war sehr gut; in
diesem Zusammenhang gab es verschiedene Aktivitäten vom Grillen bis
zum Segeltörn. Was mich auch sehr beschäftigt hat ist die politische
Auseinandersetzung mit dem Thema Familie. Da diskutiere ich mit
Leidenschaft. Hier will ich mich bei den Erziehungs-Seminaren
einbringen. Ich habe mich an der Gestaltung der Gottesdienste mit
beteiligt. Darauf freue ich mich auch hier. Und ich war
Hauskreisleiter, wobei ich im Moment erstmal genieße, einfach Mitglied
im Hauskreis zu sein. Ansonsten hab ich zum Leidwesen meiner Frau
immer einen (dummen) Spruch auf Lager...
Und wenn du weder im Büro noch in der Gemeinde bist? Hast du noch
andere Hobbys?
Falk Gneuß: Naja - schmunzelt! - Wir versuchen das klassische
Familienmodell zu leben. D.h. der Mann geht (lange) arbeiten, die Frau
managt die Familie und das Haus. Sonntag ist Familientag. Da gehen wir
oft wandern oder machen Radtouren. Abends versuche ich bewusst noch am
Alltag meiner Familie teilzunehmen -falls ich noch nicht zu k.o. bin.
Leider sitze ich manchmal zu lange vor dem Fernseher... Falls ich Zeit
zum Lesen finde, ist es meist ein Krimi. Zeit für klassische Hobbys
habe ich gegenwärtig nicht, aber beim „Heimwerken" finde ich den
notwendigen Ausgleich.
Wie bist du Christ geworden?
Falk Gneuß: Das war bei ProChrist 93 mit Billy Graham (siehe Einladung
zu ProChrist 2009, S.15 u. 20 - Anm. der Redaktion) Eine Freundin hat
uns da hingeschleift. Chemnitz war damals ein Übertragungsort dieser
Evangelisation. Ich bin mit meiner Freundin Dani zusammen hingegangen
und wir sind im selben Jahr Christ geworden. Unsere Freundin hat dann
gesagt: als Bekehrte könnt ihr nicht mehr einfach so zusammen leben.
O.K. - dann haben wir ein halbes Jahr lang enthaltsam gelebt, bis wir
geheiratet haben. Und alle haben gedacht: wir sind schwanger...
Kannst du uns was von dem erzählen, was du mit Gott erlebt hast?
Falk Gneuß: Die ganzen Umstände des Umzugs hierher waren für uns
Gottes Fügung. Schließlich hatten wir uns in Essen gut eingelebt - und
jetzt sollten wir umziehen? Nach vielen Gebeten mit Freunden und einem
Bibelwort war es uns dann klar. Und eins vergesse ich auch nicht, es
ist schon ungefähr 20 Jahre her. Ich hatte gerade die Fahrerlaubnis
gemacht. Trabbi, keine Erfahrung und ich wollt's ihm geben. Eine Kurve
bei Oberschöna war das Ende davon. Ich hab mich zwei mal überschlagen,
bin im Straßengraben gelandet - und ausgestiegen. Das ganze Auto war
so platt wie die Motorhaube. Da habe ich mir gedacht: Gott wird wohl
noch was mit mir vorhaben...
Gibt es ein Bibelwort, das dir besonders wichtig ist?
Falk Gneuß: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Einen
anderen Weg zu Gott dem Vater gibt es nicht." (Joh. 14,6)
Wenn du eine Million gewinnen würdest....
Falk Gneuß: ... würde ich davon mehr als nur den Zehnten geben. Wofür?
- Zum Beispiel für „Kaleb". (Das ist eine Lebensschutzorganisation,
die sich vor allem gegen die Tötung durch Abtreibung einsetzt, Anm.
der Red.) ...würde ich Geld dafür einsetzen, dass wir mehr Platz zum
Wohnen haben, mehr in Urlaub fahren und ich würde wieder Crysler
fahren.
Nochmal zum Zehnten: Das scheint was ganz Normales für dich zu
sein?
Falk Gneuß: Ja, auch wenn's schwer fällt. Wir haben damit angefangen,
als wir Christen geworden sind. Denn eigentlich geht's uns ja nicht
schlecht.....
Was willst du deinen Kindern gern für's Leben mitgeben?
Falk Gneuß: Den christlichen Glauben - im Moment freue ich mich, dass
es zu gelingen scheint.
Wie macht ihr das konkret?
Falk Gneuß: Wenn's Probleme gibt - und nicht nur dann - beten wir
gemeinsam darüber. Wir versuchen, unsere Kinder an das Bibellesen
heranzuführen. Vom Bibellesebund gibt es ja spezielles Material für
Kinder. Und wir nehmen das Angebot christlicher Familienfreizeiten
wahr. Wir versuchen, die vielen Fragen, die die Kinder haben, nach den
Maßstäben der Bibel zu beantworten und bewusst den Sonntag zu
heiligen. Das heißt: außer den Gottesdienst zu besuchen konsequent
nicht zu arbeiten.
Nochmal zur Frage: Soziale Kompetenzen wie Hilfsbereitschaft und der
Einsatz für das Familien - / Gemeinwohl sind uns wichtig. Wie
wahrscheinlich alle Eltern wollen wir unsere Kinder „stark machen für
das Leben". Das bedeutet zum einen, die Kinder bei der Entwicklung
ihrer Talente zu unterstützen. Es ist schön zuzuschauen, wie ihre
Dinge gelingen. Wir wollen sie ermutigen, Gott zu fragen, was ER mit
ihnen vorhat. Zum anderen wollen wir unseren Kindern mit auf den Weg
geben, dass unser Tun (oder auch Unterlassen) Konsequenzen hat: wenn
ich Mist mache, muss ich dafür gerade stehen. Oder wenn ich ordentlich
übe, kann ich das Klavierstück. Nicht zuletzt möchte ich meinen
Kindern auch praktische Fähigkeiten beibringen; es schadet ja nicht,
wenn man einen Nagel irgendwie ins Holz bringt und seinen
Fahrradschlauch selbst flicken kann.
Auch wenn es etwas leistungsorientiert erscheint, möchte ich meinen
Kindern den Wert der Arbeit rüberbringen. Das kann in der Schule, beim
Tischabräumen oder im Büro sein. Ich sehe dabei auch die Gefahr, zu
ehrgeizig mit den Kindern zu sein (nach dem Motto: sie sollen
verwirklichen, was ich nie geschafft habe). Zum Glück bremst mich
meine Frau dann.
Wenn du nur noch kurze Zeit zu leben hättest...
Falk Gneuß: ... wollte ich darauf achten, keine offenen Rechnungen in
Beziehungsfragen zu haben und ich würde noch ein paar Berge erwandern.
Hast du Vorbilder?
Falk Gneuß: Keine prominenten. Ich lasse mich von Männern
beeindrucken, die sowohl im Job als auch als Familienväter gut sind.
Was verstehst du unter „Reich Gottes"?
Falk Gneuß: Die neue Welt, wenn Jesus wiederkommt. „Das beste kommt
noch" - das ist für mich ein wichtiger Satz; ich muss nicht alles hier
erleben und ich weiß: mit dem Tod ist nicht alles aus.
Und was hast du jetzt schon davon, Christ zu sein?
Falk Gneuß: Gott handelt ja auch heute. Er hat mich gemacht, damit ich
in Beziehung zu ihm lebe. Für mich ist Gott rational ganz logisch.
Vielen Dank, Falk! Auf viel gute Zeit miteinander. Und damit du heute
abend noch was von deiner Familie hast (und ich von meiner): Tschüß! |
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Linda Meusel
Damit Sie die Neuen aus dem neuen Kirchenvorstand besser kennen
lernen können, soll an dieser Stelle eine von ihnen zu Wort kommen.
Linda Meusel (28, Diplom-Geoökologin, gebürtige Bautzenerin) ist
allerdings längst unabhängig von ihrem neuen Amt bei uns in Gemeinde
und darüber hinaus gemeindeübergreifend als Christin unserer Stadt
engagiert. Ihren Namen haben Sie als aufmerksamer
Gemeindeaktuell-Leser sicher schon unter „Layout und Redaktion"
entdeckt, denn seit etwa einem Jahr arbeitet sie im Redaktionsteam
mit. Teamarbeit ist überhaupt das Stichwort, das in besonderer Weise
zu ihrer integrierenden Art passt, mit der sie sich außerdem im „Elki"-Team
(Eltern-Kind-Kreis), im Chor, im Frauenfrühstücksteam und als
Mitverantwortliche eines Hauskreises einbringt. Jetzt, im Dezember, wo
diese Zeilen entstehen, ist ihr Organisationstalent in besonderer
Weise im Einsatz, da sie für die tägliche Besetzung des christlichen
Christmarktstandes verantwortlich ist und fast täglich aktualisierte
Dienstpläne herausbringt, um zur Mitarbeit zu motivieren. Linda ist
mit Sadko verheiratet und Mutter von Karla (eineinhalb). Gundula
Rudloff führte das Gespräch.
Linda, wenn du an unsere Kirchgemeinde denkst - was fällt dir als
erstes dazu ein?
Linda Meusel:
Die Baufälligkeit der Jakobikirche... Aber- und das ist ja wichtiger:
das gute Miteinander. Ich bin sehr sehne in das Gemeindeleben
reingekommen, weil viel Offenheit da ist; das Kirchenkaffee ist ein
besonders wichtiger Punkt, um aufeinander zuzugehen. Mir fällt ein:
die Vielfältigkeit der Angebote.
Mit welchen Gefühlen gehst du in deine neue Aufgabe als
Kirchenvorsteherin?
Linda Meusel: Ich bin bereit, mich formen zu lassen - und habe insgesamt viel
Vorfreude. Ich bin gespannt darauf, was mich erwartet. Ich bin auch
etwas aufgeregt, spüre Mut zu Veränderung, auch bei mir selbst. Ich
habe die Hoffnung, mich selbst durch diesen Dienst weiter zu
entwickeln;
Was würdest du gern in Gemeinde entwickeln?
Linda Meusel: Angebote für Frauen zwischen 30 und 40.
Was ist dein kirchlicher Hintergrund, was für lebensgeschichtliche
Erfahrungen mit Kirche bringst du mit?
Linda Meusel: Ich komme aus einer Kirchgemeinde unserer Landeskirche, die sehr
liturgisch und konventionell geprägt war. Lieder und Sprache im
Gottesdienst klangen für mich nur veraltet. Verantwortung in Gemeinde
war Männerdomäne, vom Konfirmandenunterricht habe ich nur noch
Gruselgeschichten des Pfarrers in Erinnerung. Ein total wichtiger
Kontakt war für mich der zur sehr aktiven Jungen Gemeinde (JG). Ganz
im Gegensatz zu allem ändern habe ich dort sehr lebendiges und freies
Christsein kennen gelernt. Ich war immer mit Abstand die Jüngste, aber
dort tat sich für mich ein ganz anderer Horizont auf, Gebetsnächste
von Gründonnerstag auf Karfreitag habe ich in guter Erinnerung und
eine evangelistische Veranstaltung, bei der ich nach vorn gegangen
bin, um mein Leben Jesus anzuvertrauen. Das war für mich ein wichtiger
Punkt. Insgesamt sehe ich es aber als Weg an, in den Glauben hinein zu
wachsen.
Hast du Vorbilder?
Linda Meusel: Da denke ich an eine Familie aus der damaligen JG, die nach Peru in
ein Missions-Krankenhaus gegangen ist und an ihr inniges
Gottvertrauen, ihre Lebendigkeit im Glauben im Alltag wie am Sonntag -
und das alles mit 4 bzw. dann 5 Kindern! Und dann fällt mir Corrie ten
Boom ein und dass es eine Frau ist, die unter schwierigsten
Bedingungen an Gott festgehalten hat und Vergebung gelebt hat.
Welche Visionen hast du für dein Leben?
Linda Meusel: Vision ist ein großes Wort. Im Kleinen gesprochen: unsere Familie zu
vergrößern - aber da will ich mich auch nicht festlegen, damit es
nicht so schwer zu tragen ist, wenn es anders kommt. Ich wünsche mir
ein offenes Haus, oft Gäste an unserm Tisch - was in der großen
Familie von Sadko vorgelebt wird.
Kannst du uns von einem Erlebnis mit Gott erzählen?
Linda Meusel: Ein Erlebnis mit Gott sind für mich gerade die Umstände, die sich
gefügt haben. Dazu zähle ich auch die Möglichkeit, mich für den
Weihnachtsmarkt zu engagieren. Das gibt mir das Gefühl, richtig zu
sein, da sein zu sollen.
Du bist jung, dynamisch, top ausgebildet - und jetzt zu Hause als
Mutter. Wie geht es dir damit?
Linda Meusel: Die Motivation, mich in dem Bereich, den ich studiert habe,
einzusetzen, hat während des Studiums bereits etwas nachgelassen. Ich
will das Muttersein jetzt nutzen, mich eventuell umzuorientieren. Ich
bin noch am Suchen nach Aufgaben, die mich erfüllen und nutze die
Zeit, um Dinge zu tun, die mir Spaß machen - ich langweile mich nicht!
Was macht dir am meisten Spaß?
Linda Meusel: Menschen zu treffen!
Gibt es eine Frage, die du gern von Gott beantwortet haben möchtest?
Linda Meusel: Wo willst Du mich haben - Jesus? Ich merke, dass ich mich kaum traue,
zu fragen, weil ich zugeschüttet bin mit eigenen Vorstellungen vom
Leben. Aber mein Wunsch ist, dass Jesus in mir wächst, auch wenn das
Leben dann anders aussieht, als ich es mir vorgestellt habe. Und dann
möchte ich Gott gern fragen: Wie schafft man es, alle Menschen gleich
zu lieben? Auch wenn manche recht eigenartig sind, andere wiederum
scheinbar liebenswerter?
Hast du ein Bibelwort, das dich sehr begleitet?
Linda Meusel: Die Frage, die Jesus Petrus stellt: „Hast du mich lieb?" (Johannes 21)
Ich spüre, dass das bei mir einen wunden Punkt trifft; es geht nicht
um mich, sondern darum, dass Jesus in mir Raum gewinnt. Das ist ja
eine sehr intime Frage, aus der ich große Vertrautheit und Liebe
heraushöre. Wenn ich sie bejahe, ist damit eine Zugehörigkeit
verbunden... Dann ist mir noch mein Konfirmationsspruch wichtig:
„Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern
dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für
unsere Sünden." (1. Johannes 4,10) Gott rechnet mit unserer
Unvollkommenheit und sagt uns, wie viel wir ihm bedeuten. Aber allein
mit unserer Menschlichkeit kommen wir nie zum Ziel. Und noch was ist
mir wichtig: die ganze Frage der gerechten Verteilung vor Gütern und
Geld. Ich denke, wir haben als Gemeinde auch Verantwortung z. B. für
unsere Konsumgewohnheiten, soweit es uns die finanziellen Mittel
erlauben. Gerade, weil es uns hier überwiegend so gut geht, sollten
wir nicht aus dem Blick verlieren, dass da nicht überall so ist. Auf
jeden Fall: ich freue mich, hier in der Gemeinde zu sein - es macht
mir Spaß.
Ja, das merkt man! Dir weiterhin viel Freude und Segen - nicht nur bei
allem Dienst in Gemeinde und im neuen Amt. |
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Tomas Büttner
Thomas Büttner (44), ist verheiratet mit Anke, hat 2 Söhne (9 und 12
Jahre) und ist Technischer Leiter und Koordinator des Ambulanten
Rehabilitations-Zentrums ADMEDIA, Freiberg. Bei uns in der Gemeinde
ist er aktiv als Hauskreisleiter, im Technik-Team und wird zusammen
mit Uwe Tesch das Krippenspiel Heiligabend in der Jakobikirche leiten.
Gundula Rudloff hat das Gespräch für Gemeinde-aktuell mit ihm geführt.
Tomas, du wohnst zwar in Seifersdorf und bist erst seit kurzem mit
deiner Familie Mitglied unserer Gemeinde, aber eigentlich bist du doch
schon von Kindesbeinen an mit der Jakobigemeinde verbunden, stimmt's?
Tomas Büttner: Ja, mit Jakobi verbinde ich so etwas wie Heimat. Ich bin in der
Jakobikirche getauft und konfirmiert worden, war Mitarbeiter im
Kindergottesdienst und bis zur Wende auch in der Jungen Gemeinde.
Durch die Hochzeit gehörten wir seit 1988 zur Domgemeinde, wo ich auch
mal Kirchenvorsteher war; seit 2001 sind wir in Seifersdorf.
Wie bist du zum Glauben gekommen oder: wie ist dein Glaube
gewachsen?
Tomas Büttner: In meinem Elternhaus bin ich kirchlich erzogen worden. 1978 war in der
Jakobikirche eine Jugendevangelisation mit Theo Lehmann, da habe ich
das festgemacht. Du gehört sozusagen zu den Gründern der
„Hauskreisszene". Wie ist das gekommen? Aus dem gemeinsamen Gebet für
die Lobpreisabende (Annenkapelle am Dom) ist Anfang der 90-er Jahre
ein Hauskreis geworden. Seitdem hat sich viel verändert, wir haben uns
auch mal geteilt, aber es sind immer noch Gründungsmitglieder dabei -
bis heute! Kannst du uns von einem besonderen Erlebnis mit Gott
erzählen? Das sind eher die vielen kleinen Dinge im Alltag.... Doch:
Ich habe bis 2000 im Gaststättenbetrieb meiner Schwiegereltern
gearbeitet. Als die Gaststätte geschlossen wurde, bin ich arbeitslos
geworden. Wir hatten zwei Kinder.... Und dann hatte ich innerhalb
einer Woche einen Arbeitsvertrag. Und das, ohne dass ich was dazu
getan hätte. Ich wurde gefragt, ob ich im Patiententransport bei
ADMEDIA arbeiten könne. Ich hatte einen Führerschein. Also habe ich es
gemacht. Das ist für mich ein Riesenwunder! - wenn man sieht, wie
lange einige suchen.....
Und du bist immer noch - im andern Bereich - gern dort?
Tomas Büttner: Ja! Weil jeder Tag anders ist und ich mit vielen Leuten in Kontakt
komme.
Christliche Gemeinde bedeutet dir...
Tomas Büttner: ...zusammen Gottesdienst feiern und -genauso wichtig - Beziehungen
pflegen, füreinander da sein, helfen, in der Kinderbetreuung zum
Beispiel. Jeder, der in die Gemeinde geht, sollte einer Kleingruppe
angehören. Das ist das Fundament einer funktionierenden Gemeinde. Für
mich bedeuten diese Treffen: geistliche Kraft bekommen. Dort wächst
Zusammenhalt, weil man sich wirklich kennen lernt. „Gemeinde" kommt ja
von Gemeinschaft.
Hast du Vorbilder?
Tomas Büttner: Es gibt Leute, die ich bewundere und ich versuche, das Gute von ihnen
zu behalten. Zwei fallen mir besonders ein: Mein Vater mit seiner
Zielstrebigkeit und seinem handwerklichen Geschick und Theo Lehmann
mit seiner Fähigkeit, so zu predigen, dass es die Jugend mitreißt.
Ansonsten lese ich gern Biografien.
Was willst du deinen Kindern gern für ihr Leben mitgeben?
Tomas Büttner: Dass man Ziele braucht im Leben, Beharrlichkeit. Und: ohne Gott geht
gar nichts. Das Vertrauen zu Gott ist wie ein guter Straßenbelag, auf
dem man gehen kann...
Wenn du eine Million gewinnen würdest...
Tomas Büttner: ...
würde ich eine ordentliche elektrische Installation für die
Jakobikirche finanzieren und was für die Innen-Sanierung tun. Und da
ich ein sparsamer Mensch bin, würde ich Geld anlegen.
Ein Leben ohne Gott wäre für dich...
Tomas Büttner: ...wie ein Wüstenmarsch ohne Wasser.
Was denkst du, was die Menschen unserer Stadt am meisten brauchen
und wie siehst du den gesellschaftlichen Auftrag von Kirche?
Tomas Büttner: Ich denke, dass die Vertrauenswürdigkeit politischer und
gesellschaftlicher Persönlichkeiten wichtig ist und der Mut, selber
was anzupacken und sich einzumischen. Die Kirche sollte durch offene
Angebote mehr für Bedürftige da sein und sich mit christlichen Werten
mehr in der Stadtverwaltung einbringen.
Was ist dein Lieblingsvers in der Bibel und hast du eine
Leseempfehlung für Gottsucher?
Tomas Büttner: Ich lese sehr gern die Psalmen, das gibt mir viele Impulse für den
Tag, meistens nehme ich mir einen Vers mit in den Tag. In den Psalmen
zu lesen, kann ich auch ändern empfehlen, aber auch zum Beispiel die
Josef-Geschichte (1. Mose 37 - 50). Das ist ein guter historischer
Krimi.
Jesus ist für dich...
Tomas Büttner: ... ein guter Freund, auch ein Vater, Beschützer, der die Hand über
mich hält.
Wenn du in unserer Gemeinde etwas verändern könntest, was würdest
du als erstes tun?
Tomas Büttner: Mehr Mitarbeiter anstellen (also Hauptamtliche) und mehr Ehrenamtliche
engagieren und ein großes, schönes Mehrzweckgebäude bauen.
Am meisten begeistert dich...
Tomas Büttner: Mich begeistert viel.... Ein schönes Autorennen, ein guter
historischer Roman, meine Söhne.
... und deine Frau hoffentlich auch!
Tomas Büttner: Ja, natürlich!!
Danke für's Mitteilen und viel Freude weiter und wieder am
Mitgestalten bei uns in Jakobi-Christophorus! |
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Susanne Kaiser
Susanne (Suse) Kaiser ist vielen noch aus Gemeinde Aktuell 2005
bekannt. Damals haben wir sie als ehrenamtliche Nachfolgerin von
Kantor Matthias Aßmann begrüßt und sie vor allem musikalisch
vorgestellt. Sie ist weiterhin etwa 2x monatlich an einer unserer
Orgeln zu hören, ist inzwischen 28 Jahre alt, hat vier Kinder zwischen
2 und 7 Jahren und lebt mit ihrer Familie in Niederschöna. Heute
fragen wir sie zu ihren persönlichen Glaubensüberzeugungen:
Bist du schon immer Christ gewesen?
Susanne (Suse) Kaiser: Meine Eltern haben mir von Kindheit an Christsein vorgelebt, und so
bin ich damit aufgewachsen, dass Gott existiert. Durch unseren Pfarrer
habe ich früh erfahren, dass es auf eine persönliche Beziehung zu Gott
ankommt. Ich habe mich dann mit 11 Jahren bewusst für einen Weg mit
Gott entschieden. Das war auf einer „Kirchenwoche" in Hermannsdorf.
Das ist der Ort im Erzgebirge, aus dem ich komme. Da gab es
Kinderlobpreis und wiederholt den Aufruf: „Wer mit Jesus leben will,
der kann sich dazu entscheiden." Ich wollte das schon lange, habe auch
schon lange gewusst, wie das geht, aber mich erst nicht getraut.
Schuld einzugestehen und Sünden zu bekennen gehörte ja auch mit
dazu...
Wer ist Jesus seitdem für dich?
Susanne (Suse) Kaiser: Das ganze Zentrum des christlichen Glaubens, die Ursache und der
Mittelpunkt des Glaubens, der es möglich macht, dass wir Zugang zu
Gott haben. Jesus ist für mich der absolute Felsen, die Basis, die
immer bleiben wird, auch wenn alles andere wegbricht.
Hast du schon mal an diesem Felsen oder an Gott insgesamt
gezweifelt?
Susanne (Suse) Kaiser: Nein, nicht grundsätzlich. Natürlich habe ich bestimmte Lehrmeinungen
und Auffassungen überdacht und auch in Frage gestellt, aber nicht die
Existenz Gottes und dass er mich liebt.
Ein Leben ohne Gott...
Susanne (Suse) Kaiser: ... kann ich mir nicht vorstellen, es wäre haltlos und hoffnungslos.
Kannst du dich an eine besondere Erfahrung mit Gott erinnern?
Susanne (Suse) Kaiser: Das liegt schon etwas länger zurück: Mein Mann hatte sich beim
Schneeschaufeln einen schlimmen Hexenschuss zugezogen. Das passierte
unmittelbar vor unserem Hochzeitstag und wir hatten uns schon lange
vorgenommen, 3 Tage gemeinsam ohne Kinder wegzufahren. Ich hatte mich
sehr darauf gefreut und nun sah ich dieses Wochenende plötzlich
dahinschwinden. Ich war richtig sauer und hatte selber absolut keinen
Glauben zum Beten. Ganz anders unsere 5-jährige Tochter: sie hat
gebetet und wir erlebten, wie am nächsten Tag tatsächlich alle
Schmerzen weg waren.
Gibt es eine Frage, auf die du dir von Gott eine Antwort wünschst?
Susanne (Suse) Kaiser: Ich frage mich manchmal, warum so vieles auf der der Welt so ungleich
verteilt ist: Wohlstand, Glück, Gesundheit, die Lebensmöglichkeiten.
Irgendwie glaube ich schon, dass Gott sich was dabei gedacht hat, auch
wenn ich es nicht verstehen kann. Er muss eine ganz andere Sicht auf
die Dinge haben. Und ich weiß nicht, womit ich verdient habe, dass es
mir so gut geht - verdient habe ich es nicht, es ist ein Geschenk.
Welcher Bibelvers ist Dir besonders wichtig?
Susanne (Suse) Kaiser: Ich habe nicht den Lieblingsvers. Es ist vielmehr so, dass mich in
bestimmten Situationen bestimmte Verse stark ansprechen. Ich habe mal
eine Jüngerschaftsschule besucht, da haben wir viele Bibelverse
auswendig gelernt. Es fallen mir dann sehr unterschiedliche Verse in
den jeweiligen Lebenssituationen ein.
Zum Beispiel kann ich mich erinnern, dass mir mal ein ganzes
biblisches Buch sehr wichtig geworden ist. Und zwar war das, als ich
ein Kind verloren hatte, da habe ich das Buch Hiob gelesen und bin
dadurch getröstet worden. Da hat sich einiges ganz neu erschlossen.
Das Buch Hiob hat mich dann noch weiter begleitet: Ich wurde wieder
schwanger und habe dann in einem Chor einen von Brahms vertonten
Hiob-Text mitgesungen. Es kam die Zeile vor: „Denn der Herr ist
barmherzig und ein Erbarmer*' und ich spürte wie das Kind im Bauch
boxte, als wollte es mich darauf hinweisen, dass ich gerade das
Erbarmen Gottes am eigenen Leib erleben konnte. Das war für mich in
diesem Zusammenhang sehr bewegend.
Was würdest du diesem Kind, deinen Kindern insgesamt gerne
weitergeben?
Susanne (Suse) Kaiser: Das Wichtigste: Dass es Gott gibt und dass er sie liebt, dass sie
bedingungslos angenommen sind und dass sie in Jesus ein Fundament
haben, auf das sie ihr Leben bauen können. Ich hoffe, bete und
vertraue auf die Gnade Gottes, dass das gelingt. Ich möchte ehrlich
sein und die Kinder an meiner Beziehung zu Gott teilhaben lassen, denn
wir als Eltern prägen unsere Kinder. Wie sie sich schließlich
entscheiden werden, haben wir nicht in der Hand.
Wenn du eine Millionen (Euro) gewinnen würdest....
Susanne (Suse) Kaiser: Da hab' ich noch nie drüber nachgedacht! Ich denke, unser Leben würde
sich nicht wesentlich ändern, denn wir leben genau das Leben, das wir
leben wollen. Vielleicht würden wir eine große Reise machen...
Was gefällt dir an unserer Gemeinde?
Susanne (Suse) Kaiser: Anstoß, in die Jakobigemeinde zu gehen, war die Suche der Gemeinde
nach jemandem, der Orgel spielt. Angesprochen hat mich die einladende
Atmosphäre für die Mitarbeit Ehrenamtlicher. Ich hatte immer das
Gefühl, persönlich wichtig genommen zu werden, und dass der Gemeinde
an uns als Menschen (nicht nur als Funktionsträger) was liegt. Das
geistliche Umfeld, die Art und Weise, wie Glaube verstanden und
Gemeinde gelebt wird, entspricht uns und wir fühlen uns wohl in den
Gottesdiensten und mit den Menschen.
Und was könnte in der Gemeinde anders sein?
Susanne (Suse) Kaiser: Für uns ist es manchmal schwierig, im Gottesdienst unsere Kinder im
Griff zu behalten und trotzdem den Gottesdienst zu genießen. Mir fällt
allerdings auch keine Lösung dafür ein. Für uns ist nicht so optimal,
dass wir nicht in Freiberg wohnen und Gemeinde so etwas von Ferne
erleben, da die Kinder auch lokal in Aktivitäten eingebunden sind.
Was du schon immer mal sagen wolltest oder was gerade obenauf
liegt?
Susanne (Suse) Kaiser: Da fällt mir ein Bibelvers ein: „Lasst uns wahrhaftig sein in der
Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist:
Christus".
Vielen Dank, Suse, für deine Zeit und dieses offene Gespräch.
Das Interview führte Matthias Rudloff |
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Hans-Dieter Kuhnt
Es gibt in der Gemeinde eigentlich niemanden, den Hans-Dieter Kuhnt
nicht kennt. Dass er die Menschen so im Blick hat und mit größter
Aufmerksamkeit die Menschen beobachtet und deshalb weiß, wie es ihnen
geht, hat sicher mit seinem Beruf zu tun. Schließlich muss er als
Revierförster seinen Wald mit allem, was darin lebt, auch sehr genau
kennen, um zur richtigen Zeit die richtigen Maßnahmen zu ergreifen.
Seit 1980 zur Jakobi-Gemeinde gehörig, trägt er nun schon rund 25
Jahre lang Verantwortung im Kirchenvorstand und trägt mit steter
Freundlichkeit und Liebe zum Gelingen des Gemeindelebens bei. Ob er
-übrigens fast immer mit tatkräftiger Unterstützung seiner Frau, die
als katholische Christin genauso zu unserer Gemeinde steht - am
Büchertisch anzutreffen ist,
Fahrdienste für ältere Gemeindeglieder übernimmt, Kirchenkaffee
vorbereitet, mit genießt oder aufräumt, beim Freiberger Allerlei die
„halbe Gemeinde" mit leckeren Speisen versorgt, Gemeinde-aktuell
austrägt -immer hat er ein gutes Wort für seine Mitmenschen. Außerdem
schlägt sein Herz leidenschaftlich für die Jakobikirche, weshalb er
sich auch in der „Gesellschaft zur Erhaltung der Jakobikirche e.V."
einbringt. Das Gespräch führte Gundula Rudloff.
Herr Kuhnt, wie würden Sie den Satz zuende führen: Gemeinde ist für
mich.....
Hans-Dieter Kuhnt: Geborgenheit, Beziehungen, Austausch, Feste feiern. Zum bedeutendsten
Fest ist mir übrigens das Osterfest geworden. Das Jesus lebt, das ist
das wichtigste.
Was begeistert Sie am meisten, wenn Sie an unsere Gemeinde denken?
Hans-Dieter Kuhnt: Die Gottesdienste und die Begegnungen, die dadurch entstehen. Wenn ich
sonntags nicht zur Kirche ginge, wäre für mich die ganze Woche
gelaufen.
Wie sind Sie zum Glauben gekommen?
Hans-Dieter Kuhnt: Mit 22 Jahren habe ich mich erst konfirmieren lassen. Ich bin zwar in
einem christlichen Elternhaus aufgewachsen, aber der Glaube ist bei
mir erst langsam gewachsen - bis ich wusste: Ich will unbedingt vor
dem Studium konfirmiert werden. Das muss mit dem Wirken des Heiligen
Geistes zu tun gehabt haben; jedenfalls habe ich dann ein Jahr lang
mit fünf anderen Erwachsenen zusammen Unterricht gehabt.
Was ist für Sie eine besondere Erfahrung mit Gott?
Hans-Dieter Kuhnt: Mein ganzes Leben! Ich wüsste gar nicht, wie das ohne Gott gehen
sollte!!
Dabei haben Sie doch auch so manches Schwere zu tragen. Ich denke
nur mal an die letzten Jahre, die durch viel Krankheit geprägt waren
und sind, denn ohne Schmerzmittel geht es ja schon lange nicht mehr.
Ist das nicht sehr bitter?
Hans-Dieter Kuhnt: Nein, denn zum einen könnte es noch viel schlimmer sein und zum ändern
ist es gut, zu erfahren: dem Menschen sind Grenzen gesetzt. Durch
alles hindurch wird man geläutert und dadurch noch dankbarer. Zu den
besonders wertvollen Erfahrungen während meines
Krankenhausaufenthaltes gehörten Gebete und Besuche von lieben
Gemeindemitgliedern, besonders auch aus dem Gebetskreis der Gemeinde.
Das zu wissen, hat mich sehr berührt. Seitdem bete ich auch intensiver
für andere Menschen, die krank sind. Das gehört für mich jeden Tag
dazu. Außerdem habe ich keine Angst vor dem Sterben, denn - um es mit
einem Bibelwort zu sagen - „ich weiß, dass mein Erlöser lebt".
Haben Sie Vorbilder?
Hans-Dieter Kuhnt: Ja, Menschen, die ehrlich sind und von der Vergebung leben.
Was wünschen Sie sich am meisten für unsere Gemeinde?
Hans-Dieter Kuhnt: Dass wir unserm Gott in allem Tun den Vorrang geben. Und mein Traum
von Gemeinde ist Eintracht, dass wir von der Vergebung leben und
aufeinander zugehen. Da könnten wir viel erreichen!
Gibt es einen Bibelvers, der Ihnen besonders wichtig ist?
Hans-Dieter Kuhnt: Mir ist die ganze Bibel besonders wichtig.... „In der Welt habt ihr
Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden." (Johannes
16,33) Oder: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir
Hilfe..." (Psalm 121) Alles, was mit Trost zu tun hat, ist mir sehr
wichtig.
Mögen Sie einen persönlichen Wunsch für Ihr Leben verraten?
Hans-Dieter Kuhnt: Ich möchte gern zusammen mit meiner Frau lange in Gemeinde sein
können, in guten Beziehungen leben und ohne viel Luxus.
Welches ist die wichtigste Frage, die Sie gern von Gott beantwortet
hätten?
Hans-Dieter Kuhnt: Ich denke, Gott macht schon alles richtig!
Herr Kuhnt, herzlichen Dank für das Gespräch und dass Gemeinde jeder
Zeit auf Sie zählen kann! Gott segne Sie dafür! |
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Annegreth Aßmann
Wenn der Name Annegreth Aßmann auftaucht, hört man schon
automatisch „Bakigo" mit, also Kindergottesdienst-Projekt unserer
Gemeinde, das sie zusammen mit anderen Mitstreitern vor bald 6 Jahren
ins Leben gerufen hat (siehe Deckblatt). Für das Mitarbeiterteam da
sein, die thematische Seite vordenken und Inhalte kreativ gestalten,
für jedes Bakigo-Treffen ein neues Anspiel schreiben.... Das ist zur
Zeit ihr Schwerpunkt bei uns in der Gemeinde. Ihre vielfältigen Gaben
hat sie allerdings schon an vielen anderen Stellen eingesetzt, etwa im
Kirchenvorstand (von 1996 bis 2002) oder wenn es um kreatives
Gestalten vor allem in der Kirche ging.... Dass sie außerdem von ihren
drei Teenie-Kindern (13,16,19 Jahre) gefordert wird und als gelernte
Krankenschwester in einer Anästhesie-Praxis arbeitet, lässt erahnen,
dass ihr Alltag manchmal turbulenter aussieht, als ihr lieb wäre. Die
Selbstverständlichkeit, mit der sie als Tochter eines Kantorkatecheten
von Kindesbeinen an immer und überall am Gemeindeleben beteiligt
gewesen war, sieht sie zwar auch kritisch und möchte sie ihren Kindern
nicht zumuten, dennoch hat sie mit Matthias einen Ehemann mit der
selben Berufsgruppe erwählt. Das erklärt auch die Wohnung im
Gemeindehaus direkt neben der Kirche - mit allen „Risiken und
Nebenwirkungen" wie z.B. manches Geklingels an der Tür, das einen ja
eigentlich nichts angeht.....
Das Gespräch mit ihr führte Gundula Rudloff.
Anne, woher hast du dein großes Herz für Kinder?
Annegreth Aßmann: Als unsere Tochter (das zweite Kind) zur Welt gekommen ist, war das
Gefühl, von Gott so reich beschenkt zu sein so stark, dass ich mich
als Mitarbeiterin für den Kindergottesdienst unserer Gemeinde gemeldet
habe.
Das ist ja dann schon 15 Jahre her. Was ist dir in dieser Zeit zum
wichtigsten geworden, was du Kindern in diesem Rahmen gern weitergeben
möchtest?
Annegreth Aßmann: Dass sie Jesus als ihren HERRN aufnehmen, damit sie Halt und Richtung
im Leben haben.
Wie war das bei dir selber? Wie hast du diesen Halt im Leben
gefunden?
Annegreth Aßmann: Mein Vater hat mich regelmäßig zum Jugend-Gottesdienst mit Theo
Lehmann nach Dresden mit genommen. Dort wurde immer aufgerufen, einen
konkreten Glaubensschritt zu tun, indem man nach vorne kommt und das
im Gebet mit Jesus festmacht. Das habe ich auch irgendwann getan, ich
glaube, da war ich in der 7.Klasse.
Was begeistert dich am meisten in Gemeinde?
Annegreth Aßmann: Zusammen auf dem Weg zu sein zum selben Ziel, sich einander ermutigen,
füreinander beten, geistlichen Austausch haben, Verbundenheit ohne
viel Worte zu spüren.
Was würdest du gern frustrierten Gemeindegliedern sagen?
Annegreth Aßmann: Dass Kirche immer aus fehlerhaften Menschen besteht und Christen auch
keine perfekten Menschen sein müssen; dass wir uns nicht zu sehr von
Äußerlichkeiten beeindrucken lassen dürfen.
Was ist dein größter Wunsch für unsere Gemeinde?
Annegreth Aßmann: Dass Gottes Liebe unter uns so eine Ausstrahlungskraft gewinnt, dass
jeder von uns als Christ am Lebensstil erkannt wird.
Wenn du den Einfluss hättest, die Kirche zu verändern, was würdest
du tun?
Annegreth Aßmann: Weniger verwalten und mehr den Menschen dienen.
Das Ziel für dein Leben?
Annegreth Aßmann: Jesus ähnlicher werden; hören, was Gott will; einfach wachsam leben.
Wenn du reich wärst, was würdest du tun?
Annegreth Aßmann: Viel reisen; die Welt kennen lernen.
Eine besonders wichtige Erfahrung mit Gott?
Annegreth Aßmann: Es ist noch nicht so lange her, da war ich durch verschiedene
Ereignisse, die mir schwer zu schaffen gemacht haben, sehr frustriert
und auch enttäuscht von Gott, so dass ich fast meinen Einsatz für
Kinder in der Gemeinde in Frage gestellt habe. Nur aus Gehorsam habe
ich dann weitergemacht und gerade in dieser Phase erlebt, wie
besonders viele Kinder ihr Leben Jesus anvertraut haben. Für mich
bedeutet das: wenn wir ganz am Ende sind und zu Gott mit leeren Händen
kommen, erfahren wir seinen Segen besonders stark und überraschend.
Ein Leben ohne Gott... - wie ginge der Satz bei dir weiter?
Annegreth Aßmann: ...wäre für mich wie Stau in einem endlosen Tunnel und plötzlich geht
das Licht aus. Oder:... wie Stromausfall bei Sturm und du weißt gerade
nicht, wo die Kerzen und die Streichhölzer sind.
Was ist die brennendste Frage, auf die du gern von Gott eine
Antwort hättest?
Annegreth Aßmann: Warum es so ist, dass es Menschen gibt, die kein Ja zu ihm finden und
warum manche Gebete nicht erhört werden.
Welches Bibelwort bedeutet dir zur Zeit besonders viel?
Annegreth Aßmann: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir
fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein
vor deinem Gott." (Micha 6,8) Es erinnert mich daran, "wie ich meine
Beziehung zu Gott leben kann; nämlich in Ehrfurcht vor ihm sein Wort
lesen und es in meinem Alltag umsetzen.
Herzlichen Dank, Anne, für alle Klarheit und Ehrlichkeit. Gott
beschenke dich weiter mit Vision - nicht nur für Kinder! |
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Markus Ssuschke
Wo in unserer Gemeinde ein Keyboard steht, ist Markus Ssuschke in
der Regel nicht weit entfernt. Im Gegensatz zu dem Musikinstrument
gibt es für Markus aber kein Datenblatt - Grund genug, ihn in Gemeinde
aktuell etwas näher vorzustellen: 17 Jahre jung, lebt Markus mit
seiner Familie in Freiberg. Er hat fünf Geschwister, ältere und
jüngere. Im Moment wird er im Freiberger Kreiskrankenhaus zum
Gesundheits- und Krankenpfleger ausgebildet. Seine große Leidenschaft
ist die Musik, speziell der Lobpreis. So trifft man ihn vorzugsweise
bei den entsprechenden Veranstaltungen: Lobpreisabende, Lobpreis im
Gottesdienst, Lobpreis in bakigo, Lobpreis in der Jungen Gemeinde,
Lobpreis beim Spazierengehen... Mit ihm sprach (und lobpreiste) Rene
Kaiser:
Markus, warum hat Lobpreis für Dich einen so hohen Stellenwert?
Markus Ssuschke: Hm. Ich war schon von klein auf musikalisch. Mit vier Jahren habe ich
auf einem Spielzeugklavier herumgeklimpert, bis es kaputt war; mit
sechs Jahren habe ich in der Musikschule angefangen, Keyboard zu
lernen. Musik macht mir eben Spaß. Das ist die eine Seite. Auf der
anderen Seite stehen meine christliche Erziehung und der
Sonntagsgottesdienst. Und die Verbindung beider Seiten, Musik und ein
Leben als Christ, ergibt eben Lobpreis.
Du bist christlich erzogen, sagst Du. Was aber ist für dich
„Leben als Christ" ?
Markus Ssuschke: Die Erziehung ist natürlich nicht alles. Wichtiger ist die Beziehung
zu Jesus. Ich hatte das als Kind nie so richtig begriffen mit Jesus
und so. Ich hab' zwar alles mitgemacht, aber den Sinn dahinter hab'
ich nicht verstanden. Erst zur Konfirüstzeit 2003 ist mir das alles
bei einem Segnungsabend klar geworden, dass Jesus um meinetwillen
gestorben ist und ich durch dieses Opfer wieder freien Zugang zu Gott
habe. Das ist alles total persönlich. Ich hatte mir an diesem Abend
eine ruhige Ecke gesucht und gebetet, dass Jesus der Herr meines
Lebens sein soll.
Und dann?
Markus Ssuschke: Naja, seitdem erlebe ich Gott. Ich bete um konkrete Anliegen meines
Alltags und erlebe Gott darin. Das war dann der Beginn einer ganz
persönlichen und lebendigen Beziehung zu Gott.
Hattest Du da mal ein Erlebnis mit Gott, das Dich ganz besonders
geprägt hat?
Markus Ssuschke: Ja. Bis 2004 hatte ich ziemliche Schwierigkeiten, mit meiner
Stiefmutter klar zu kommen. Ich habe zwar für unser Verhältnis gebetet
- und sie auch, wie ich später erfahren habe -aber irgendwie war's
immer angespannt. Dann haben wir uns eines Abends mal zusammen
hingesetzt, uns ausgesprochen und Klarheit geschaffen. Am Ende haben
wir uns in den Armen gelegen. Dass das mal so wird, hätte ich nie
erwartet, das kann nur Gott machen.
Ein Leben ohne Gott - kannst Du Dir das vorstellen?
Markus Ssuschke: Nö. Nächste Frage?
Als Jugendlicher so ernsthaft ganze Sache mit Jesus zu machen
und in der Gemeinde derart aktiv zu sein -hast Du manchmal
Schwierigkeiten deshalb - gerade mit Gleichaltrigen?
Markus Ssuschke: Nö. Ein großer Teil meiner Freunde gehört ja wie ich zur Gemeinde und
lebt wie ich. Meine Mitschüler akzeptieren das auch voll, ohne
negative Kommentare. Allenfalls meine Eltern bremsen mich manchmal
aus, wenn sie meinen, ich mache zu viel in der Gemeinde. Dabei gebe
ich mir schon Mühe, genügend Zeit für die Familie übrig zu behalten -
da sag' ich auch schon mal 'ne Bandprobe ab oder lass' den Hauskreis
flachfallen...
Ich merke schon, Gemeinde ist Dir wichtig...
Markus Ssuschke: Ja. Gemeinde ist für mich ein Zufluchtsort. Ich kann kommen, wie ich
bin; hier werde ich angenommen, wie ich bin. Ich kann meine
Fähigkeiten einbringen. Und ich finde den Mix aus Alt und Jung in
unserer Gemeinde genial.
Wie siehst Du den Gottesdienst? Würdest Du Dir nicht eine
stärkere Betonung jugendlicher Themen wünschen?
Markus Ssuschke: Naja, für jugendliche Themen haben wir doch die Junge Gemeinde. Den
Gottesdienst so richtig jugendgemäß zu gestalten, ist bestimmt gar
nicht möglich - aber warum auch? Man muss doch den Gottesdienst für
die gestalten, die kommen... Gottesdienst bedeutet für mich zuerst,
wenigstens einmal in der Woche richtig zur Ruhe zu kommen, vor Gott zu
sein. Ich genieße besonders die Zeit vor dem Gottesdienst; dasitzen,
nachdenken, beten. Die Predigten, na ja. Manche berühren mich, andere
nicht. Grundsätzlich bin ich froh über unseren Gottesdienst, ich
meine, er ist ja offen für Neues, für Lobpreis. Aber Gottesdienst ist
für mich auch nur ein Bestandteil unter anderen im Gemeindeleben. Es
ist ja immer was los: Hauskreis, Bandprobe, JG, Chor, ...und eben
Gottesdienst. So sehe ich das jedenfalls.
Gibt es etwas, das Du Dir in unserer Gemeinde irgendwie anders
wünschst?
Markus Ssuschke: [Langes Schweigen] Hm. Wie formuliere ich das? Ich würde mir wünschen,
... na ja, dass der Glaube in der Gemeinde lebendiger wirkt, dass eine
Begeisterung für Jesus spürbar wird. Dass im Gottesdienst mal jemand
erzählt, was er mit Gott erlebt hat. Und mehr Akzeptanz für Lobpreis
würde ich mir wünschen - dass Lobpreis als Gebet, nicht als bloßes
Liedersingen gesehen wird. Und ich wünsche mir - das betrifft auch
ganz besonders mich - dass mehr Offenheit dafür da ist, voneinander zu
erzählen und miteinander zu beten. Die Angebote, gerade das Gebet
während des Abendmahls bzw. nach dem Gottesdienst, sind ja da; man
müsste es bloß mehr nutzen. Naja, irgendwie wünsch' ich mir die
Gemeinde persönlicher, offener. Aber wie gesagt, da muss ich bei mir
anfangen...
Zum Schluss: Wo siehst Du Dich in zehn Jahren?
Markus Ssuschke: In zehn Jahren, warte mal... da bin ich siebenundzwanzig. Na, in
Freiberg hoffentlich! Ich will hier in meinem Beruf arbeiten.
Vielleicht bin ich dann auch Kirchenvorsteher? Und Jugendarbeit würde
ich wohl sehr gerne machen. Ja, und Erfahrungen mit einer eigenen
Lobpreisband will ich sammeln, richtig mit Auftritten und so.
Da hast Du einiges vor. Markus, ich wünsch' Dir, dass Du viele Deiner
Träume umsetzen kannst - mit Gottes Hilfe.
Danke für das Gespräch! |
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Mike Emrich
Seine Sache ist es eigentlich nicht, anonyme Interviews zu geben.
Was er viel mehr schätzt, ist das persönliche Gespräch. Dass diese
Seite einige neugierig machen möge, ihn anzusprechen, damit er mehr zu
den einzelnen Fragen erzählen kann - das ist sein Wunsch und seine
Hoffnung, wenn er sich trotzdem zu diesem Gespräch bereit erklärt hat.
Mike Emrich (43) ist als langjähriger Kirchenvorsteher,
Hauskreisleiter und handwerklich begabter Mensch, der vor allem die
baulichen Belange der Kapelle Zug im Blick hat, vielen bekannt. Als
gelernter Schmied hat er neben seinem ehrenamtlichen Engagement seinen
jetzigen Arbeitsplatz im Wasserzweckverband als Spezialgerätefahrer im
Abwasserbereich. Mit seiner Frau Katrin und seinen Töchtern Sarah und
Rahel wohnt er in einem Zuger Huthaus. Mit ihm sprach Gundula Rudloff.
Wie bist du zum Glauben gekommen?
Mike Emrich: Über die Jugendarbeit der Ephorie Freiberg. Meine Schwester hat mich
mitgenommen und so bin ich zu mehreren Rüstzeiten mitgefahren. Auf
einer Freizeit habe ich die Entscheidung getroffen: Ich will, dass
Jesus mein Leben in der Hand hat. Diese Grundentscheidung ist ein ganz
wichtiger Punkt in meinem Leben - auch wenn ich mich immer wieder neu
entscheiden muss, im Alltag mit Jesus zu leben. Außerdem bin ich in
einem traditionell christlichen Elternhaus aufgewachsen.
Was treibt dich dazu, dich an so vielen Stellen für Gemeinde
einzusetzen?
Mike Emrich: Ich bin davon überzeugt, dass Gott uns Menschen geschaffen hat, um mit
ihm und untereinander Gemeinschaft zu haben und Gemeinde ist eine gute
Gelegenheit dazu!
Wozu ist deiner Erkenntnis nach christliche Gemeinde da?
Mike Emrich: Um auszuführen, was Gott in dieser Welt will. Das ist der Hintergrund
des biblischen Bildes vom „Leib Christi": Jesus ist das Haupt und wir
sind die Gliedmaßen.
Erinnerst du dich an ein besonderes Erlebnis mit Gott?
Mike Emrich: Da fällt mir eine Situation auf Arbeit ein: Am Nachmittag wollte ich
zu einem Rüstzeitvorbereitungs-Wochenende fahren (Kirchenwoche) und
als ich morgens kam, erfuhr ich, dass ich eine Arbeitsauftrag hatte,
den ich nicht bis zum geplanten Feierabend schaffen würde. Ich habe
überlegt, ob ich den Chef fragen sollte, ob das jemand anders machen
kann. Aber dann hatte ich den Eindruck, ich sollte Gott vertrauen,
dass er das regelt und ich dem Chef nichts sagen soll. - Das scheinbar
Unmögliche ist wahr geworden. Das war für mich ein starkes Erlebnis
mit Gott, das mir geholfen hat, Gott zu vertrauen.
Wenn du die Macht hättest, etwas an Kirche zu verändern, würdest
du...
Mike Emrich:
... am liebsten alle Machenschaften des Bösen unterbinden wollen.
Aber - auch wenn's mir persönlich nicht gefällt: im guten Plan Gottes
spielt das Böse auch eine Rolle, sonst ließe er es nicht zu. Umso mehr
freue ich mich auf die ewige Herrlichkeit, wo es das Böse nicht mehr
geben wird.
Hast du Vorbilder?
Mike Emrich: Eins meiner Vorbilder ist der britische Bibellehrer Derek Prince. Er
konnte so gute, tiefgründige Lehre weitergeben, weil er Gottes Wort so
ernst nahm und sich so intensiv damit beschäftigt hat.
Welches biblische Thema ist dir zur Zeit besonders wichtig?
Mike Emrich: Einheit, Liebe, Ehe.
Was liegt dir im Bezug auf den Kirchenvorstand besonders am Herzen?
Mike Emrich: Dass Einheit wächst. Einheit ist ein Grundwesenszug Gottes und weil
sie ihm so wichtig ist, ist sie gut.
Wenn du nur noch kurze Zeit zum Leben hättest....
Mike Emrich: Dann würde ich meine Zeitstruktur neu ordnen und nicht mehr auf Arbeit
gehen, um mich mehr Gott zuzuwenden und zu tun, was von ihm her gerade
dran ist.
Das Wichtigste, was du deinen Kindern weitergeben möchtest, ist,
Mike Emrich: ...dass sie eine gute Beziehung mit Gott haben können, der alles
für sie hat, was sie brauchen und dass es sich lohnt, sich an seine
Richtlinien zu halten, damit Gott segnen kann.
Hast du einen Wunsch für Gemeinde für's neue Jahr?
Mike Emrich: Ja! Dass es viel Zeit und Freiräume für Begegnungen mit Gott und
untereinander gibt! Danke für das Gespräch und dir viel Segen
persönlich, beruflich und in deinem Einsatz für Gemeinde! |
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Helga Kluge
Helga Kluge ist so etwas wie die „Seele der Gemeinde". Man vermutet
kaum ihre 73 Lebensjahre, wenn man sie mit dem Fahrrad in Freiberg und
Zug sieht - immer unterwegs für andere Menschen. Dabei hat sie
beruflich einen durch und durch technischen Hintergrund: bis Ende 1991
arbeitete die Maschinenbau-Ingenieurin in der Präzisionsmechanik. Die
gebürtige Breslauerin lebt seit 1945 in Freiberg und kennt sich in der
„christlichen Szene" unserer Stadt bestens aus. Wohnortbedingt gehört
sie seit 1981 zur Christophorus-Gemeinde, wo sie die
Kirchenvorstands-Periode 1996-2002 mitgestaltet hat. Gebetskreis,
Leitung des Freitags-Frauenkreises (Beutlerstr.) und Besuchsdienst
sind seit Jahren ihre Haupteinsatzfelder, aber auch sonst fehlt sie
eigentlich (fast) nie....
Mit ihr sprach Gundula Rudloff
Was kommt Ihnen zuerst, wenn Sie an Gemeinde denken?
Helga Kluge: Der Gottesdienst! Und dann die Gemeindekreise, die so wichtig sind für
die persönliche Begegnung.
Wenn ich an Sie denke, kommt mir als erstes Ihr enorm großer
Einsatz für andere Menschen in den Sinn. Was motiviert Sie, so viel
für andere zu tun?
Helga Kluge: Ich bin froh, eine Aufgabe zu haben; für andere da zu sein, ist mir
eine Freude! Der christliche Glaube hat mich geprägt: ich versuche,
mich nicht nur um mich selbst zu drehen, sondern für andere da zu
sein.
Das nächste, wenn ich an Sie denke, ist das Gebet; wer Gebet
braucht, ist bei Ihnen immer an der richtige Adresse. Wie haben Sie
das Beten entdeckt und welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Helga Kluge: Im Elternhaus habe ich es nicht gelernt, der Weg mit Glaube und Gebet
begann als 14-Jährige, als ich wegen einer Lungenerkrankung längere
Zeit in einer Heilstätte war. Eine gläubige Frau hat sich da um mich
gekümmert und auf den Weg zu Jesus gebracht. Dann war ich immer in der
Jungen Gemeinde und in der Gemeinschafts-Jugend habe ich die
Gebetsgemeinschaft kennen gelernt. Seit Ende der 50-er Jahre gehöre
ich zu einem Gebetskreis, den damals Pfr. Eichenberg gegründet hat.
Das Beten ist mir mehr und mehr zu einem Bedürfnis geworden und so ist
es gewachsen. Vielleicht ist es auch mein Konfirmationsspruch gewesen,
der mich geprägt hat: „Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass,
seid dankbar in allen Dingen." (1.Thessalonocher 5, 16-18) Das ist für
mich wegweisend geworden, auch wenn ich es immer noch schwierig finde,
alle drei Sätze immer zu beherzigen. Eine einschneidende Erfahrung war
für mich, bei einer großen Veranstaltung zu erleben, wie Gott einmal
durch einen mir völlig unbekannten Menschen zu mir redete und mich
ermutigt hat. Insgesamt ist das Beten für mich nichts besonderes,
sondern etwas ganz alltägliches, wenn ich zum Beispiel in meiner
„Stillen Zeit" nach dem Lesen einer Bibelstelle frage: Herr, was sagst
du mir dadurch?
Ein Leben ohne Gott wäre für Sie...
Helga Kluge: ...trostlos! Ich würde sonst an schlimmen Ereignissen, die täglich aus
der Nähe und Ferne auf mich einstürmen, kaputt gehen. Mit Gott habe
ich die Gewissheit: auch, wenn ich nicht alles verstehe - einer sitzt
im Regiment!
Gibt es außer Ihrem Konfirmationsspruch noch andere Bibelstellen,
die Ihnen besonders viel bedeuten?
Helga Kluge: Gott spricht: „Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu
mir gezogen aus lauter Güte." (Jeremia 31,3) und Jesus, der
Auferstandene sagt: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende
der Welt." (Matthäus 28,20) Das erste Bibelwort beziehe ich gern auf
mich persönlich; das zweite ist mir in Veränderungen und Gefährdungen
der Kirche Trost: Jesus, der Herr der Kirche, verlässt sie nicht.
Sie sind ledig. Fühlen Sie sich eigentlich auch mal einsam?
Helga Kluge: Nein, bis jetzt noch nicht! Wenn in der Gemeinde nichts los ist, bin
ich mit der Wandergruppe unterwegs oder helfe jemandem; durch mein
Auto bin ich schließlich auch beweglich....
Menschen, die mit Glaube und Kirche nichts zu tun haben, möchte ich
am liebsten folgendes sagen...
Helga Kluge: Dass es einen Gott gibt, der für sie da ist und der sie liebt!
Herzlichen Dank für das Gespräch und Gottes reichen Segen - nicht nur
auf allen Ihren Gemeindewegen! |
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Tobias Duteloff
Tobias Duteloff (44) hat einen besonderen Bezug zu
„Gemeinde-aktuell", ist er doch der Mann, der bereits seit kurz nach
der Wende für das layout der Kirchennachrichten (wie es früher hieß)
verantwortlich ist. Dass sich seitdem vieles verändert hat und er
inzwischen nicht mehr handschriftliche Notizen von Pfr. Oertel
abschreibt, um sie zu kopierfähigen Vorlagen zu machen, sondern
digitale Informationen aus dem Pfarrhaus bekommt, die er in
elektronisch versendbare, druckfähige Dateien verwandelt, versteht
sich von selbst. Mit seinen zwei Berufen als Geologe und Zitherspieler
hat er sich nach 12 Jahren Kirchenvorstand in der
Christophorus-Kirchgemeinde 2002 gegen eine weitere Kandidatur
entschieden, zumal es als Ehemann und Vater von Markus (14) und Jonas
(11) durchaus noch mehr Herausforderungen gibt. Mit ihm sprach Gundula
Rudloff.
Wie hat dein Bezug zu Kirchgemeinde eigentlich angefangen?
Tobias Duteloff: Durch meine Familie. Meine Oma hat schon im Gemeindehaus in der
Beutlerstraße den Kindergottesdienst gehalten.
Und weil es so ungewöhnlich ist: wie bist du zum Zitherspieler
geworden?
Tobias Duteloff: Das fing in der Grundschule an. Ich habe im Unterricht mit Lineal und
Gummibändern gespielt. Als verschiedene Töne dabei herauskamen, sagte
jemand: Das ist das Prinzip einer Zither. Irgendwo in der Familie gab
es tatsächlich so ein Instrument und so begann mit 7 Jahren mein
Selbststudium im Zitherspiel. 20 Jahre lang (von 1978 - 1998) habe ich
in einem Orchester für Zupfinstrumente mitgespielt, bis ein richtiger
Startschuss für mich das Zusammentreffen mit einer Zitherspielerin
hier in Freiberg war (in so einer Kleinstadt wie FG ist normalerweise
nicht zu erwarten, dass noch jemand Zither spielt). Seitdem machen wir
zusammen sehr viel Musik, meist in regional organisierten
Veranstaltungen, aber wir waren auch schon in Hannover bei der
früheren Partnergemeinde, in Berlin, Magdeburg oder bei den
Zithermusiktagen bei München.
Was ist das wichtigste, das du deinen Kindern mit auf den Lebensweg
geben möchtest?
Tobias Duteloff: Ich hoffe, dass sie die Erfahrung machen: Jesus ist für mich da. Dann
kann eigentlich nichts schief gehen.
Jesus ist für dich...
Tobias Duteloff: ... wie eine große Hand, unsichtbar, aber da, gerade auch in schlimmen
Situationen.
Gemeinde ist für dich...
Tobias Duteloff: Bekannte treffen, reden, Ort, um Gottes Wort zu hören. Besonders
prägend war für mich Gemeinde in DDR-Zeiten: Ort, der anders war, wo
man anderes hören und reden konnte.
Was sind deine Wünsche für Gemeinde und Kirche von heute?
Tobias Duteloff: Gemeinde sollte vor allem Anwalt der Schwachen, Alten, Kranken sein;
die Kirche sollte sich mehr in die Politik einmischen und in der
Öffentlichkeit in Erscheinung treten, um offensiv in die Gesellschaft
hineinzuwirken.
Bei welchen Themen zum Beispiel?
Tobias Duteloff: Bundeswehreinsätze, Gesundheitsreform.
Kannst du uns von einem Erlebnis mit Gott erzählen?
Tobias Duteloff: Als erstes fällt mir ein, dass ich Gott durch meine Kinder erlebe; sie
sind Wunder, von Gott gemacht. Danach fällt mir die Natur ein, die
stärker als wir Menschen ist. Das sehe ich besonders im Frühling....
Das ist auch der Grund, warum ich beruflich immer schon mit Umwelt zu
tun haben wollte.
Hast du schon mal an Gott gezweifelt?
Tobias Duteloff: Vielleicht, ob er manche Gebete erhört. Die Armee-Zeit hat mir sehr
zugesetzt. Aber grundsätzlich habe ich nicht gezweifelt.
Eine Vision für dein Leben?
Tobias Duteloff: Mit Musik anderen Menschen (auch älteren!) Freude bereiten können! Ein
Bibelvers, der dir wichtig ist? „Der HERR wird für euch streiten und
ihr werdet stille sein." (2. Mose 14,14) Das ist unser Trauspruch, er
hat uns in unserer Ehe begleitet. Gott wirkt immer, wenn man denkt:
Hier bin ich mit meiner Kraft am Ende.
Herzlichen Dank und viel Segen bei all deinem Engagement, auch bei uns
für Gemeinde-aktuell! |
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Matthias Rudloff
Als „Pfarrmann" kam Matthias Rudloff im Jahr 2000 mit seiner Frau
Gundula nach Freiberg. In seinem Hauptberuf arbeitet er als
Maschinenbauingenieur in der Unternehmensentwicklung. In unserer
Gemeinde ist er u.a. verantwortlich für einen Hauskreis, den
Männerstammtisch, die Technik in der Jakobikirche. Darüber hinaus hat
er von Herbst 2003 bis Sommer 2006 eine Ausbildung zum Prädikanten
absolviert. Im September 05 kam Jonatan zur Welt, damit verfügt er
jetzt auch über praktische Erfahrungen als Vater.
Jesus ist für dich....?
Matthias Rudloff: Ein sehr
besonderer Mensch, ein großes Vorbild, der perfekte Seelsorger, ein
brillanter Argumentator und Denker. Und er ist Sohn Gottes und damit
für mich Retter, Erlöser und Sinnstifter.
Dein größtes Erlebnis mit Gott?
Matthias Rudloff: „Wir liegen vor
dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit,
sondern auf deine große Barmherzigkeit." (Daniel 9,18) Der Freund, der
uns traute, hat diesen Trauspruch für uns ausgesucht. Ich war
enttäuscht/entsetzt/verblüfft, als ich ihn bei der Trauung zum ersten
Mal hörte, denn dieser Vers entsprach nicht meiner inneren Haltung. -
Und dann klappte am Start unserer Ehe von den äußeren Bedingungen her
zunächst überhaupt nichts. Ich wurde statt nach Bautzen, wo wir in
einem christlichen Werk mitarbeiten wollten, nach Bremen als Zivi
einberufen, Gundula bekam trotz Zusage dort keine Anstellung. 600 km
auseinander und finanziell in der Luft... Und da fingen wir an zu
beten! In den nächsten Wochen fügte sich vieles. Meine Zivistelle
konnte ich nach Bautzen verlegen und es ergab sich auch eine gute
finanzielle Absicherung.
Die Erfahrung, wie Gott es eingefordert hat, diesen Vers oder diese
Haltung einzuüben, hat mich geprägt und war ein Schlüsselerlebnis.
Deine Botschaft für andere Menschen... ?
Matthias Rudloff: Gott will dich,
deshalb ist dein Leben sinnvoll! Und ein paar Bibelverse fallen mir
ein: „Jesus sagt: Kehrt um und glaubt an das Evangelium!" und „Wer in
der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm".
Gemeinde ist für dich...
Matthias Rudloff: Zuhause, Ort der
Gegenwart Gottes; ich habe den Wunsch, dass Gemeinde ein Raum der
Heilung und des Heils ist.
Welche Vision hast Du für unsere Gemeinde?
Matthias Rudloff: Es ist wichtig,
dass viele mittun, viele ihren Platz finden, wo sie sich einbringen,
und dass sie so im Glauben wachsen können. Mein Wunsch frei nach
Apostelgeschichte 2 ist, dass Gott zumindest wöchentlich Menschen zur
Gemeinde hinzustellt.
Gab es Zeiten in deinem Leben, wo du an Gott gezweifelt hast?
Matthias Rudloff: Nicht an Gott
dem Schöpfer; aber Jesus als Sohn Gottes habe ich lange Zeit nicht
verstanden. Es hat mir nicht eingeleuchtet und ich habe es einfach
weggeschoben.
Ein Bibelvers, der dir sehr wichtig ist?
Matthias Rudloff: „Was ist der
Mensch, dass du seiner gedenkst ?" Aus Psalm 8. Dieser Vers brachte
mich über die Zweifel mit Gottes Sohn hinweg, genauer gesagt über die
Frage, warum es wichtig ist, dass Jesus für unsere Sünden stirbt.
Dieser Vers zeigte mir: Wenn Gott sagt, dass Jesus sein Sohn ist und
für uns sterben muß - wer bin ich, dass ich das anzweifle?
Unter dem Reich Gottes verstehst du....?
Matthias Rudloff: So wie das Reich
von August dem Starken dort war, wo er regiert hat und Macht hatte,
ist das Reich Gottes da, wo Gott regiert. Das fängt in den Herzen
einzelner Menschen an und kann sich so ausbreiten in Gemeinden, in
Städten, vielleicht in Völkern. Und noch ein anderes: ..schon
da.....noch nicht:. Das Reich Gottes ist zwar mit Jesus schon
angebrochen, aber es ist noch nicht vollendet.
Was macht dir in deiner Rolle als Pfarrmann Spaß, und was siehst du
als Herausforderung?
Matthias Rudloff: Ich habe mal
sehr ernsthaft überlegt, Pfarrer zu werden, habe mich dann aber anders
entschieden. Gut gefällt mir daran, dass ich durch die Zusammenarbeit
mit meiner Frau diesen früheren Berufswunsch ein wenig leben kann.
Durch diese unmittelbare Nähe zum Pfarramt bin ich nah dran an
Gemeinde. Zusammen mit meiner Frau kann ich Sachen bewegen,
diskutieren und gestalten. Es gefällt mir auch, dass es an diese Rolle
nicht - wie bei einer Pfarrfrau - festgefahrene Erwartungen gibt. Eine
Herausforderung war immer wieder die starke Beanspruchung von Gundula
durch ihren Dienst: Ständige Präsenz, ständige Anrufe, Besuche, kaum
Zeit, zumindest mal in Ruhe Abendbrot zu essen. Eine Herausforderung
ist auch, bei manchen Anlässen nur Begleitperson zu sein - ich werde
begrüßt, weil ich der Mann der Pfarrerin bin und nicht weil ich ich
bin. Insgesamt überwiegen aber die Vorzüge.
Vielen Dank für das Gespräch, vor allem für Deine Offenheit. Man
spürt Dir das Ringen mit Themen ab, für die es nicht immer glatte
Antworten gibt. Themen, die nicht nur Pfarrmänner, sondern viel
häufiger Pfarrfrauen betreffen und wahrscheinlich in vielen
Partnerschaften und Beziehungen aktuell sind. Ich wünsche Dir
weiterhin viel Freude bei Deinem Engagement in Beruf und Gemeinde,
Mut, sich unbequemen Fragen zu stellen und mutmachende Erfahrungen mit
Gott.
Das Gespräch führte Regina Reimann. |
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Hermann Bertlein
In der Welt herumgekommen ist er wirklich, denn aufgewachsen ist er
als Pfarrerssohn in Santa Cruz, Brasilien. So spricht Hermann Bertlein
auch heute noch fließend portugiesisch, wovon die Freiberger Studenten
profitieren. Vor 10 Jahren erst kam er nach Freiberg - ein eingelöstes
Versprechen an seine Ehefrau, in deren Heimat die beiden jetzt leben.
Herr Bertlein ist 71 Jahre; vor vier Jahren wurde er in den
Kirchenvorstand gewählt und bringt sich mit besonderer Liebe in unsere
Gottesdienste ein.
Jesus ist für Sie....?
Hermann Bertlein: ... der Anker,
der mich hält. Mein Erlöser, an den ich mich halte; mein Begleiter
durchs Leben.. Es ist wie bei den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus
(Lukas 24): auf meinem Weg in unbekannte Zukunft entdecke ich: Jesus
geht ja mit als Trost, Stärke, Zukunftshoffnung.
Können Sie uns von einer besonderen Erfahrung mit Gott erzählen?
Hermann Bertlein: Gotteserfahrung
hat bei mir mit der Geburt angefangen, mit der Tatsache, dass meine
Eltern Christen waren, mich christlich erzogen haben. Erfahrung mit
Gott heißt für mich: seine ständige konstante Führung und Begleitung
durch Ausbildung, Berufsleben, Familienleben. Das Gemeindeleben ist
für mich regelmäßiges Erlebnis mit Gott.
Kirchgemeinde ist für Sie...
Hermann Bertlein: ...Dienst Gottes
an uns Menschen und Annehmen dieses Dienstes, den wir dann durch
unsern Dienst praktisch umsetzen. Gemeinde ist für mich der Ofen, der
mich warm hält, die Zusammengehörigkeit, die „Feuer und Flamme" sein
lässt für Jesus Christus.
Unter „Reich Gottes" verstehen Sie...
Hermann Bertlein: Zweierlei: Das
Reich Gottes ist das Ziel des Lebens bei Gott im Himmel und das Reich
Gottes ist die Herrschaft Gottes hier auf Erden, die sich durch Glaube
und Gemeinde manifestiert. Das ist der Ort, wo wir uns von Gott raten,
trösten, vergeben lassen.
Ein Leben ohne Gott wäre für Sie...
Hermann Bertlein:
...unvorstellbar! Wie ein Fisch ohne Wasser. Die Hölle, weil trostlos,
hoffnungslos, ziellos, ohne Auferstehung nach dem Tod.
Welche Wünsche haben Sie für unsere Gemeinde, für die Kirche
überhaupt?
Hermann Bertlein: Wachstum,
innerlich und äußerlich. Ich wünsche mir Kirchengebäude, die nicht nur
am 24.12. zu den Krippenspielen voller Menschen sind. Ich wünsche mir
mehr Zusammengehörigkeit unter den verschiedenen christlichen
Gemeinden und dass wir Christen unser Christsein besser, mutiger,
fröhlicher, überzeugt von der Wahrheit der Bibel, tiefer im Glauben
und aktiver im Alltag vertreten.
Was ist für Sie das Beste am Gemeindeleben?
Hermann Bertlein: Zusammen kommen,
verbunden sein, sich unter Gleichgesinnten austauschen und vor allem
singen!
Haben Sie einen Wunsch für unsere Leserinnen und Leser für's neue
Jahr?
Hermann Bertlein: Dass sie
Gemeinde-aktuell mit wachsender Neugierde und freudiger Erwartung noch
lange lesen; dass sie finden, was sie anspricht, was Mut und Hoffnung
macht - und Gottes Segen und Beistand!
Zum Schluss. Gibt es einen Bibelvers, der Ihnen sehr wichtig ist?
Hermann Bertlein: Mein
Konfirmationsspruch. Den habe ich seit damals als Jugendlicher, als
mein bewusster Glaube begann, nie vergessen: Kämpfe den guten Kampf
des Glaubens; ergreife das ewige Leben, wozu du berufen bist und
bekannt hast das gute Bekenntnis vor vielen Zeugen. (1. Tim: 6,12)
Glaube ist ein Bekenntnis, denn man kann ihn nicht festzuhalten, wie
einen Gegenstand. Es gibt so viel, was ihn zu rauben droht. Deshalb
ist Glaube immer wieder Kampf.
Das Interview führte Gundula Rudloff. |
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Marianne Weiß
Marianne Weiß hat in diesem Jahr viele runde Jubiläen: Im Sommer
hat sie ihren 70. Geburtstag gefeiert, seit genau 40 Jahren gehört sie
zur Jakobi- (bzw. Jakobi-Christophorus) Gemeinde, vor 10 Jahren wurde
sie Mitglied des Seniorenkreises, der sich monatlich im Gemeindehaus,
Dresdner Str. trifft. Herzliche Glückwünsche auf diesem Weg! Vor
zweieinhalb Jahren hat sie sich bereit erklärt, die organisatorische
Verantwortung für diesen Seniorenkreis zu übernehmen. Außerdem
engagiert sie sich schon viele Jahre beim Austragen der
Kirchennachrichten (jetzt Gemeinde-aktuell).
Marianne Weiß ist verheiratet, hat 4 Kinder und 5 Enkel.
Wer ist Jesus für Sie?
Marianne Weiß: Alles! Von ihm
hängt alles in meinem Leben ab.... In guten und in schlechten
Zeiten.....
Können Sie uns von einem besonderen Erlebnis mit Gott erzählen?
Marianne Weiß: Ich hatte einmal
eine Gallen-Operation, in deren Folge mein Leben am seidenen Faden
hing. Ich habe gemerkt, wie Jesus hinter mir gestanden hat; die Angst
ist der Ruhe gewichen.
Gemeinde ist für Sie....
Marianne Weiß: ...wie eine
Familie, wo ich immer wieder aufgerichtet werde!
Und ein Leben ohne Gott wäre...
Marianne Weiß: ... wie Sommer ohne
Sonne.
Was gehört zu Ihren wichtigsten Gebetsanliegen?
Marianne Weiß: Die Bewahrung
meiner Kinder!
Gibt es einen Bibelvers, von dem Sie spontan sagen könnten, dass er
Ihnen viel bedeutet?
Marianne Weiß: „Der HERR ist mein
Hirte; mir wird nichts mangeln." (Psalm 23,1) oder „Alle eure Sorge
werft auf ihn, denn er sorgt für euch." (1. Petrus, 7)
Herzlichen Dank für das Gespräch! |
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Veronika Günther
Veronika Günther ist seit 1988 im Kirchenvorstand Jakobi; als
Vorsitzende unserer vereinigten Kirchgemeinde Jakobi-Christophorus
laufen bei ihr (fast) alle Fäden zusammen; ob- wohl sie Hebamme am
Freiberger Kreiskrankenhaus ist und in der Firma ihres Mannes tätig,
könnte man meinen, sie habe eine Vollzeit-Anstellung bei der Kirche.
Sie ist 52 Jahre alt, hat 3 Kinder und bisher 4 Enkel.
Wer ist Jesus für dich?
Veronika Günther: Jesus ist für
mich die Mitte meines Glaubens und damit auch meines Lebens. Ohne
seine Erlösung wäre für uns sündige Menschen die Trennung von Gott
ewig - für mich unvorstellbar. Durch sein menschgewordenes Sein auf
dieser Welt ist die dreieinige Gottheit für mich etwas begreifbarer,
vorstellbarer geworden. Wir Menschen haben ein Bild, das uns hilft,
wenn wir an Gott denken.
Gemeinde ist für dich...
Marianne Weiß: ... der Versuch,
eine Gruppe zu sein, die im Bewusstsein der Liebe Gottes zu seinen
Geschöpfen anders miteinander umgeht, als dies im all- gemeinen üblich
ist. Das kann ein Beispiel oder Vorbild für noch nicht gläubige
Menschen sein. Unter dem Motto: „Wirkt durch euer Leben" oder „Gelebte
Lie-be".
Ein Leben ohne Gott wäre für dich wie...
Marianne Weiß: ...ein Auto ohne
Motor, das ebenso benötigte Benzin ist die Liebe, die es ohne Gott gar
nicht gäbe in dieser Welt.
Kannst du uns eine Bibelstelle nennen, die dir sehr wichtig ist?
Marianne Weiß: Philipper 4,13:
„Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus." Das,
was uns Menschen möglich ist zu tun, können wir durch Gottes Liebe
selbst erledigen. In Christi Namen sollen wir Gott um das
Menschenunmögliche bitten. Das ist z. B. geschehen in den Leipziger
Montags- gebeten, die einmal zur Einheit Deutschlands führten und
jetzt erst wieder die Befreiung der Geiseln ermöglichten. Durch Gott
wird das Menschenunmögliche auch in dieser Welt möglich.
Was gehört zu deinen größten Gebetsanliegen?
Marianne Weiß: Immer mehr Menschen
sollen erkennen, dass ein Leben ohne Gott eigentlich keinen wirklichen
oder erstrebenswerten Inhalt und kein Ziel hat. Das Vertrauen immer
wieder neu zu haben, dass durch Gott Unmögliches möglich werden kann.
Erzähl uns ein Erlebnis mit Gott!
Marianne Weiß: Ich betreute eine
Bekannte während der Geburt ihres 2. Kindes. Das erste war mit
Kaiserschnitt viel zu früh geboren und daher lange in der Kinderklinik
gewesen. Das ungeborene Kind signalisierte, dass es ihm nicht be-
sonders gut ging. Ich empfahl dem werdenden Vater: „Rufe an, wer mit
dir beten kann, damit es jetzt sehr schnell geht, sonst wird es wieder
ein Kaiserschnitt." 10 min ! später war das Mädchen geboren, eine
Zeit, die für diesen Fall völlig unmöglich erschien.
Was verstehst du unter Reich Gottes?
Marianne Weiß: Reich Gottes ist
auch hier in unserer Welt, wenn wir Menschen selbstlos und in Liebe
miteinander umgehen. Das sind eben leider nur Einzelsituationen. Wir
sollten sie uns aber bewusst machen und in Erinnerung behalten, denn
das ist das wahre Glück. Wenn in mir nur Liebe ist und kein
minderwertiger Gedanke Raum hat, kann ich zu diesem Glück beitragen.
Leider sind das seltene Momente in meinem Leben, da mich immer wieder
die nur zu weltlichen Gedanken und Probleme im Griff haben.
Vielen Dank für deine persönlichen Antworten! |
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Christian Schulz
"Wie eine Computermaus ohne PC..." Gemeinde lebt von einzelnen
Menschen - Menschen „wie Du und ich". Deshalb ist es gut, wenn wir
einander von dem erzählen, was uns am Glauben wichtig ist.
Wir sprachen mit Christian Schulz; Der 23jährige Student der
Wirtschaftswissenschaften ist verlobt, fand vor einem reichlichen Jahr
zum Glauben und ließ sich im Juni 2005 in der Kapelle Zug taufen. Er
ist Mitarbeiter im Alpha-Team und gehört zu einem unserer Hauskreise.
Wer ist Jesus für Dich?
Christian Schulz: Die wichtigste
Person in der Geschichte, das Zentrum der Menschheitsgeschichte und
zugleich das größte Wunder und das größte Geschenk. Er ist mein
Erlöser, der schon alles getan hat, was für mich entscheidend ist,
bevor ich geboren wurde. Er ist der Einzige, der mich immer versteht,
weil er mich besser kennt als ich mich selbst. Oft sag ich einfach wie
Thomas zu Ihm: „Mein HERR und mein Gott." (Joh 20, 28). Er ist der,
den ich bis zu meinem letzten Tag auf dieser Erde immer besser kennen
lernen will und dem ich immer ähnlicher werden möchte.
Was ist Dein größtes Erlebnis mit Gott?
Christian Schulz: Die Heilung
meines Rückens. Ich litt ca. zwei Jahre lang an schlimmen
Rückenschmerzen, die mich vor allem nachts heimsuchten. Jede Nacht
stand ich auf, machte Rückenübungen, bereitete eine Wärmflasche vor,
und wälzte mich den Rest der Nacht auf dem Boden. Mehrere Ärzte und
auch wiederholte Physiotherapie konnten nicht helfen. Ich hatte mich
schon damit abgefunden und mit immer bleibenden Schmerzen gerechnet
bis ich eines (schmerzvollen) Abends Gott bat, mir zu helfen. Danach
legte ich mich verzweifelt ins Bett und bin seit dem darauf folgenden
Morgen schmerzfrei. Das ist nun zehn Monate her.
Deine Botschaft für andere Menschen?
Christian Schulz: Hier möchte ich
gern unterscheiden. An alle Christen: Strebt mit eurer ganzen Seele,
eurem Herzen und eurem Denken danach, Jesus immer besser kennen zu
lernen. Wer Ihn kennt, kennt den Vater. Dient Ihm und den Menschen. An
alle Nichtchristen: Probieren geht über studieren. Man kann rätseln
und diskutieren und argumentieren bis man umfällt. Man wird die
Wahrheit über etwas nie erfahren, wenn man sich nicht darauf einlässt.
Und wer sich auf Jesus einlässt, der wird nie mehr verlassen. Der
höchste Sinn der Vernunft ist es, zu erkennen, dass Vernunft allein
nicht ausreicht (Thomas von Aquin).
Ein Leben ohne Gott wäre für Dich wie... ?
Christian Schulz: Ich merke
gerade, dass es mir sehr schwer fällt, mir das vorzustellen. Und
darüber bin ich sehr froh. Deshalb ein Vergleich: Ein Leben ohne Gott
wäre für mich wie eine Computer-Maus ohne Verbindung zum PC. Erst
durch diesen Anschluss kann sie ihre Funktion erfüllen, ihren Sinn
erkennen und eine „Beziehung" zum PC haben.
Welcher Bibelvers ist Dir sehr wichtig?
Christian Schulz: „Und er wird bei
ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei
ihnen sein, ihr Gott. Und er wird jede Träne von ihren Augen
abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch
Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein; denn das erste ist vergangen."
(Offenbarung 21, 3-4)
Was ist Dein größtes Gebetsanliegen?
Christian Schulz: Die geistliche
Erweckung Deutschlands. Auch wenn dies weiter entfernt scheint als
dass wir es uns vorstellen können denke ich doch, dass es wichtig ist,
dass wir (als Gemeinde) dafür beten.
Gemeinde Aktuell: Vielen Dank für die Offenheit, Christian. |
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